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Band 3: Der Mensch - ein »zôon politikón«?

Gemeinschaft - Öffentlichkeit - Macht

AutorClemens Sedmak, Heinrich Schmidinger
Verlagwbg Academic
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783534700547
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis39,99 EUR
Der dritte Band beschäftigt sich mit dem Menschen als einem politischen und sozialen Wesen. Aristoteles beschrieb ihn bekanntermaßen als »zôon politikón«, dem das Bilden von Gemeinschaften, mithin von Städten und Staaten, in die Wiege gelegt sei. Wie werden die Voraussetzungen des Menschen heute diskutiert? Wie gesellschaftsfähig oder -bedürftig ist der Mensch unter den Bedingungen der Moderne und was hat die philosophische Tradition dazu zu sagen? Gerade die Frage nach der politischen und sozialen Grundstruktur des Menschlichen erweist sich unter den aktuellen Bedingungen wachsender zwischenmenschlicher Bedrohungspotentiale als besonders wichtig.

Christian Meier, geb. 1929 in Stolp / Pommern, Prof. (em.) für Alte Geschichte an der Universität München, von 1996 bis 2001 Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt. Er trat mit einer Reihe von Publikationen zur Antike an die Öffentlichkeit. In jüngster Zeit publizierte er auch zu Fragen der aktuellen Politik. Heinrich Schmidinger, geb. 1954, ist Professor für Christliche Philosophie in Salzburg. Bei der WBG erschien der von ihm herausgegebene Sammelband ?Wege zur Toleranz. Geschichte einer europäischen Idee in Quellen? (2002) und die von ihm gemeinsam mit Clemens Sedmak herausgegebene 7-bändige Reihe ?Topologien des Menschlichen?. Clemens Sedmak, geb. 1971, ist Professor für Theologie am King's College London. Bei der WBG ist er Herausgeber der Reihe ?Grundwerte Europas? und Mitherausgeber der Reihe ?Topologien des Menschlichen?.

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Leseprobe
Romy Fröhlich

Das zôon politikón als 'homo medialis'? Probleme und Defizite des gesellschaftlichen Diskurses über Medienwirkungen und Menschenbild (S. 177-178)

Sich ‚ein Bild von den Dingen zu machen‘, gehört zu den Grundlagen menschlichen Denkens und Handelns. Menschliches Verhalten in der Gemeinschaft basiert weitgehend auf dem Wissen, das sich Menschen über die Welt und ihre Mitmenschen angeeignet haben. Dieser Wissenserwerb ist gesteuert von zumeist kulturell determinierten Werten und Normen. Sie bilden den Rahmen, in den neu Hinzugelerntes eingeordnet wird – zum Beispiel als ‚gut‘ oder ‚schlecht‘, als normenkonform oder von der Norm abweichend usw. Dieser normen- und wertedefinierte Wissensrahmen wiederum steuert menschliche Erwartungshaltungen, die quasi als prognostischer Seismograph dem Handeln und Verhalten von Menschen eine Intention geben. In modernen westlichen Demokratien verläuft dieser Prozess nicht mehr kulturell homogen, denn im Zuge der Modernisierung und damit auch im Zuge von Globalisierung und der Entwicklung hin zu multikulturellen Gesellschaften ist der Werte- und Normenkanon moderner Demokratien ständiger Erweiterung und Veränderung unterworfen. Als Folge hiervon sind die Grundprinzipien des Normen- und Wertekanons solcher Gesellschaften Offenheit und Toleranz – zumindest idealtypisch gesehen. Das unterscheidet moderne Demokratien z.B. von totalitären Staatssystemen oder von nicht säkularen Gesellschaften.

Unser Menschenbild wird aber nicht nur durch Veränderungen in der uns real umgebenden und direkt erfahrbaren Welt geprägt. Einfluss auf unser jeweiliges Menschenbild haben zunehmend auch Massenmedien. Zwar produzieren, spiegeln und transportieren Medien schon seit jeher Bilder und Vorstellungen von der Welt und vom Mensch sein. Der Vermittlungs- und Forumscharakter speziell von Massenmedien (im Unterschied zu Medien allgemein) sowie der allen Medien unterstellte Einfluss auf menschliches Denken, Wissen, Handeln und Verhalten sind in ihrer Kombination ein weiteres typisches Charakteristikum moderner Gesellschaften. In diesem Zusammenhang sprechen wir auch gerne vom ‚Medienzeitalter‘ oder von der ‚Mediengesellschaft‘. Im Medienzeitalter scheinen Gesellschaften – also das Funktionieren und Ineinandergreifen von Wirtschaft, Politik, Wissenschaft usw. – ohne Medien unvorstellbar, und so tendieren wir sogar dazu, die Begriffe ‚Medien‘ und ‚Gesellschaft‘ (fälschlicherweise!) als Synonyme zu betrachten. Und was liegt dann näher als das Individuum dann als homo medialis zu begreifen?

Was wissen wir heute aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht über diesen homo medialis? Und was lässt sich sagen über das Spannungsfeld zwischen Abbild, Vorbild und Trugbild der Medien, in dem wir uns ja irgendwie alle tagtäglich zurecht.nden müssen? Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit diesen Fragen in vier Schritten: (1) Zunächst skizziert er die politischen und gesellschaftlichen Dimensionen der Entstehung von Menschenbildern durch Medien. (2) In einem weiteren Schritt übt er Kritik an der gesellschaftlichen Diskussion um angenommene problematische Medienwirkungen, denn sie fokussiert ungerechtfertigter Weise immer wieder einseitig auf ganz bestimmte Themen und Bereiche und blendet andere, die von der Forschung aber als hoch relevant identifiziert wurden, nahezu völlig aus. (3) Danach werden Besonderheiten im Zusammenhang mit medienökonomischen Entwicklungen erörtert, von denen angenommen wird, dass sie einen Einfluss haben (können) auf das Wirkungspotential von Medien. (4) Schließlich werden am Beispiel eines vermeintlich typischen neuen Medientrends – der ‚Öffentlichkeit des Privaten‘ nämlich – Mythen im einschlägigen öffentlichen Diskurs über das Thema ‚Medienwirkung‘ aufgedeckt.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Heinrich Schmidinger: Der Mensch ist ein politisches Lebewesen – Erinnerung an die Geschichte einer Definition8
GRUNDSÄTZLICHES22
Clemens Sedmak: Einleitung22
Christian Meier: Polis und Staat - Zwei Ausprägungen des Politischen und die Frage nach seiner Zukunft26
Sonja Puntscher Riekmann: Weder Tier noch Gott - Über die Unaufhebbarkeit des Politischen48
Andreas Paul: Von der Natur der menschlichen Geselligkeit72
Tobias Werler: Zwischen Bildsamkeit und Bestimmung Pädagogische Dimensionen des zôon politikón86
ZUM MENSCHENBILD – IDEEN / IDEOLOGIEN100
Clemens Sedmak: Einleitung100
Michael Fischer: Die Rolle der Natur bei der Konstruktion des zôon politikón104
Hans Jürgen Schlösser: Ausgewählte Menschenbilder der Wirtschaftswissenschaft114
Hartmut Zinser: Zwischen Heils- und Rechtsgemeinschaft: Das zôon politikón aus religionswissenschaftlicher Perspektive128
Gerhard Medicus: „zôon politikón“, biopsychische Aspekte144
ÖFFENTLICHKEIT – AKTEURE, INSTITUTIONEN, MEDIEN154
Clemens Sedmak: Einleitung154
Gerhard Göhler: Entstehung und Wandel politischer Institutionen156
Romy Fröhlich: Das zoon politikon als homo medialis? Probleme und Dezite des gesellschaftlichen Diskurses über Medienwirkungen und Menschenbild176
Bob Jessop: Political ontology, political theory, political philosophy, and the ironic contingencies of political life190
MACHT – GESTALT, PATHOLOGIEN, ENTFALTUNG210
Clemens Sedmak: Einleitung210
Mario von Cranach: Macht als soziales und gesellschaftliches Phänomen212
Martin Hoch: Krieg als historisches und anthropologisches Phänomen224
Peter Pernthaler: Krieg und Recht Die Entwicklung des humanitären Kriegsrechts im 19. Jahrhundert244
Verzeichnis der Autorinnen und Autoren256

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