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Bauliches Erbe in der Stadt

Die ideell-symbolische und ökonomische Dimension lokaler Denkmalpolitik

eBook Bauliches Erbe in der Stadt Cover
Autor
Verlag
Erscheinungsjahr
2015
Seitenanzahl
292
Seiten
ISBN
9783832495503
Format
PDF
Kopierschutz
kein Kopierschutz
DRM
Geräte
PC
MAC
eReader
Tablet
Preis
38,00
EUR

Inhaltsangabe:Einleitung:
„150 Jahre Stadt Neu-Ulm, zum Jubiläum der Abbruch“ - titelte das bayerische Fernsehen in einem Beitrag vom 31.7.94 in der Reihe „Aus Schwaben und Altbayern“.Im Mittelpunkt dieses Features steht der Beschluss des Neu-Ulmer Stadtrates vom 19.5.94, die unter Denkmalschutz stehende Caponniere 4 abreißen zu lassen.
Während gerade der Freistaat Bayern sich seiner denkmalfreundlichen Kulturpolitik rühmt, der Bezirk Schwaben „Denkmalpflege als Gemeinschaftsaufgabe mit Zukunft“ sieht und dies stolz durch eine aufwendige Broschüre im Jahre 1994 zum 20-jährigen Jubiläum des Bezirkstagspräsidenten Simnacher dokumentiert, fast täglich in der Tages- und Fachpresse über erfolgreiche Sanierungen, Restaurierungen und Konservierungen unter Denkmalschutz stehender Gebäude berichtet wird, wollte sich die Stadt Neu-Ulm von einem ihrer Denkmäler trennen. Die Entscheidung des Neu-Ulmer Stadtrates mobilisierte die lokale und überregionale Presse, das Landesdenkmalamt, den Landesdenkmalrat, das bayerische Kultusministerium, den Förderverein „Bundesfestung Ulm“ sowie Ulmer und Neu-Ulmer Bürger. Darüber hinaus findet man Zeitungsberichte mit der Überschrift wie „Industriedenkmalen droht Verfall“.
Darin wird auf den drohenden Verfall von Textilfabriken, Mühlen und Wasserbauwerken in Bayerisch-Schwaben und den damit verbundenen Problemen der Nutzung hingewiesen. Eine kurze Zeitungsnotiz mit der Titelzeile „Förderkreis für Erhalt der Kienlesberg-Kaserne“ berichtet über die Absicht der Stadt Ulm, diesen gut erhaltenen Teil der Bundesfestung Ulm nach dem Auszug der Bundeswehr abbrechen zu lassen, um an dieser Stelle Wohnblocks zu errichten. Der Förderverein „Bundesfestung Ulm“ fordert dagegen um jeden Preis die Erhaltung der Kienlesberg-Kaserne. Die AZ berichtet über ein bedrohtes Denkmal in privater Hand mit der Überschrift „600 Jahre altes Haus steht vor dem Abriss; Nördlingen: Stadtrat überstimmt OB und Denkmalschutz“.
Mit der Kopfzeile im Kulturteil „Sinkt ein Flaggschiff der Industriekultur? Der Kattunfabrik Augsburg droht die Zerstörung“ wehklagt die Augsburger Allgemeine Zeitung über den drohenden Abriss des privaten, aber der Stadt Augsburg zum Verkauf angebotenen Denkmals. Andererseits betonen Kulturpolitiker, wie z. B. der bayerische Kultusminister Zehetmeir bei der Eröffnung des frisch renovierten, unter Denkmalschutz stehenden Gögginger Kurhauses, dass „bayerische Denkmalpolitik als wichtiges politisches Signal gewertet werden muss“ und über die bayerische Kulturlandschaft hinaus beachtet wird.
Der jährlich stattfindende Tag des Denkmalschutzes, der zunehmende Erfolg der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, gestützt durch das Medium Zweites Deutsches Fernsehen, weist auf das geradezu dichotomisch scheinende Phänomen hin - hier die Bereitschaft der Öffentlichkeit, die Erhaltung baulicher Denkmale der Identitätsstiftung wegen zu fordern, dort dagegen die Forderung kommunaler Parlamente, bauliche Kulturdenkmale zum Abriss freizugeben und gibt Anlass zu der Frage, unter welchen Rahmenbedingungen Kommunalparlamente zu Abrissentscheidungen neigen oder Erhaltungsmaßnahmen beschließen. Danach ist zu fragen welche Akteure in den Kommunen auf die Entscheidungen Einfluss nehmen, ob dahinter rational begründbare oder emotional begründete, also anthropologische Entscheidungsfaktoren den Ausschlag geben. Des weiteren stellt sich die Frage, ob das Denkmal in öffentlicher Hand einem besonderen öffentlichen Interesse unterliegt. Zu fragen ist, ob sich in jüngerer Zeit ein Leitbildwechsel abzeichnet, der sich in der kommunalen Denkmalpolitik niederschlägt. Zu fragen ist ferner, ob eine Entscheidungs- und gegebenenfalls Wertehierarchie in der Konkurrenz zwischen Denkmalschutz und anderen Aufgaben öffentlicher Hand handlungsleitend ist.
Die politikwissenschaftliche Literatur setzt sich mit den kommunalpolitischen Zielkonflikten, die aus denkmalrelevanten Entscheidungen herrühren, nur marginal auseinander.
Häberle beleuchtet die Kulturpolitik in der Kommune aus verfassungsrechtlicher Sicht. In seiner Abhandlung, dessen Anlass das Augsburger Friedensfest 1979 war, stellt Häberle die drei vorläufige Thesen auf, „dass das kommunale Kulturverfassungsrecht ein Rechtsgebiet eigener Art und Größe, durch Grundgesetz und Länderverfassung konturiert und von der kommunalen Kulturpolitik mit Leben zu erfüllen sei, das kommunales Kulturverfassungsrecht als Einzelelement u.a. das verfassungsgeschützte kommunale Kulturhoheitselement ist und dass sich kommunale Kulturpolitik in drei Dimensionen und zwar in Raum, Zeit und Öffentlichkeit entfaltet.“ Die kommunale Denkmalpolitik an sich wird dabei nicht beleuchtet. Weniger von der verfassungsrechtlichen, sondern von der kulturphilosophischen Seite her betrachtet Lübbe generell das Problem des Denkmalschutzes. Aus der Sucht aus Altem Neues zu machen, immer jüngere Artefakte und Bauten unter Denkmalschutz stellen zu wollen, ohne sich der Folgelasten bewusst zu werden, resultiert ein immer geringer werdender Grenznutzen, schlussfolgert Lübbe unter anderem.
Arbeiten, die sich mit städtebaulichen, kunsthistorischen, touristischen und steuerrechtlichen Fragen befassen, liegen dagegen in umfangreicher Fülle vor. Darüber hinaus setzt sich die juristische Literatur aus verwaltungsrechtlicher und baurechtlicher Sicht mit den Fragestellungen, die sich aus denkmalpflegerischem Anspruch ergeben, intensiv auseinander.

Inhaltsverzeichnis:
EINLEITUNG5
I.STADTPLANUNG, STADTERNEUERUNG ZWISCHEN KONTINUITÄT UND WANDEL13
A.PROBLEMSTELLUNG STADTERNEUERUNG UND SUBSTANZERHALTUNG IN MITTELSTÄDTEN ALS PLANUNGSAUFGABE14
B.DIE STADTERHALTUNG, STADTERNEUERUNG UND DER DENKMALSCHUTZ18
1.STADTUTOPIEN, STADTWIRKLICHKEIT18
2.STADTERNEUERUNG ALS HISTORISCHER PROZEß20
3.STADTERNEUERUNG UND GESELLSCHAFTLICHER MODERNISIERUNGSPROZEß26
4.DIE POLITISCHE KOMPONENTE DER STADTERNEUERUNG31
5.INSTRUMENTE DES STÄDTEBAURECHTS ZU STADTERHALTUNG UND DENKMALSCHUTZ34
6.ZWISCHEN FACHGESETZLICHEM DENKMALSCHUTZ UND GEMEINDLICHER FACHPLANUNG42
7.ZUM ÖFFENTLICHEN INTERESSE IM KOMMUNALEN DENKMALSCHUTZ UND DER KOMMUNALEN DENKMALPFLEGE48
8.ÄNDERUNGEN DES DENKMALSCHUTZRECHTS IN BAYERN 1994 - STÄRKUNG DER RECHTSSTELLUNG DER UNTEREN DENKMALSCHUTZBEHÖRDE58
C.STÄDTEBAULICHE LEITBILDER ALS SPIEGEL DER DEMOKRATISCHEN GESELLSCHAFTSORDNUNG61
II.DIE VERWALTUNG DER GESCHICHTE UND DAS UNGELIEBTE ERBE66
A.DENKMALPFLEGE UND DER UMGANG MIT DER ZEIT68
B.VOM KOOPERATIVEN KULTURFÖDERALISMUS ZUM KULTURPOLITISCHEN HANDLUNGSFELD KOMMUNALE DENKMALPFLEGE73
1.AKTEURE DER KULTURPOLITIK73
2.DENKMALPFLEGE UND KULTURELL BEDEUTSAMES93
3.MOTIVE UND FUNKTIONEN DER DENKMALPFLEGE101
4.DENKMALSCHUTZ UND DENKMALPFLEGE ALS TEIL EINER IDENTITÄTSTRATEGIE ZUR KONSTRUKTION EINER KULTURREGION113
C.ZUR ADOPTION DES BAULICHEN ERBES - ERBE ALS POLITISCHE KATEGORIE119
III.DER KAMPF UM DAS DENKMAL: DER KOMMUNALE UMGANG MIT BAULICHEN DENKMALEN125
A.ZWISCHEN ERHALTUNGSANSPRUCH UND ABRIßWUNSCH126
B.VON DER VILLA BIS ZUR BUNDESFESTUNG128
1.DIE GRÜNDERZEITVILLA ECARIUS IN SPEYER128
2.EIN KUNSTHISTORISCHES BAUWERK VON WELTRUF: DAS KURHAUS IN GÖGGINGEN136
3.NEU-ULMS UNGELIEBTES DENKMAL: DIE CAPONNIERE 4141
C.BAULICHER DENKMALSCHUTZ UND GEMEINDLICHE SELBSTVERWALTUNG - EINE VORLÄUFIGE BILANZ152
IV.IM SCHATTEN DES MÜNSTERS162
A.ZUR GENESE NEU-ULMS - GEBURTSHELFER BUNDESFESTUNG163
B.ZWISCHEN DEM FRIEDEN VON LUNEVILLE 1801 UND DEM ENDE DES 2. WELTKRIEGS165
1.ULM AUF DEM RECHTEN UFER165
2.DIE BUNDESFESTUNG ULM172
CVON DER GARNISONSSTADT ZUR INDUSTRIESTADT186
D.INNOVATIVE STADTPLANUNG UND DIE BUNDESFESTUNG IM NEU-ULMER STADTGEBIET191
V.KOMMUNALE DENKMALPOLITIK: VERWALTUNGSHANDELN IM RAMPENLICHT DER ÖFFENTLICHKEIT193
A.KOMMUNALE DENKMALPFLEGE UND DER DENKMALSCHUTZ IM GEFLECHT DER KOMMNALEN VERWALTUNG194
B.MEDIEN, ORGANISIERTE INTERESSEN UND MACHT IM LICHTE DER LOKALEN DENKMALPOLITIK197
1.KOMMUNALE MACHT- UND ENTSCHEIDUNGSSTRUKTUREN197
2.AKTEURE UND ENTSCHEIDUNGSMECHANISMEN BEI STÄDTEBAULICHEN, DENKMALRELEVANTEN MAßNAHMEN UND DER EINFLUß DER MEDIEN211
C.KOMMUNALE DENKMALPOLITIK: VERWALTUNGSHANDELN ALS ERGEBNIS STAATLICHER BEVORMUNDUNG UND ÖFFENTLICHEN DRUCKS236
SCHLUßFOLGERUNG245
ABKÜRZUNGSVERZEICHNIS256
BILD- UND GRAPHIKNACHWEIS258
QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS259

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