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Bedingungen von Therapiemotivation bei Menschen im höheren Lebensalter

Am Beispiel professioneller Strategien gegen Inkontinenz

AutorNicoletta Seizmair
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl168 Seiten
ISBN9783456947204
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
Inkontinenz ist eine für die Betroffenen häufig mit starkem Leidensdruck einhergehende Problematik, die vielerorts immer noch tabuisiert wird. Durch den demographischen Wandel wird die Symptomatik Inkontinenz zukünftig eine erhebliche Belastung für unser Gesundheitssystem darstellen, was einen Handlungsbedarf hinsichtlich der Planung und Optimierung der Inkontinenzversorgung und -therapie erforderlich macht.
Die Bedingungen, unter denen Menschen im höheren Lebensalter, die von Inkontinenz betroffen sind, professionelle Strategien akzeptieren und motiviert ein Therapieangebot annehmen, werden in dieser Dissertation mittels eines qualitativen Forschungsansatzes untersucht. Es wird die Frage geklärt, welche Einflussgrößen es für eine erfolgreiche Inkontinenztherapie im Hinblick auf motivationale Aspekte gibt.
Interventionsmaßnahmen gegen Inkontinenz können zukünftig auf Basis dieser Ergebnisse zielgruppenspezifisch ausgerichtet werden, was zu einer höheren Effizienz in der Inkontinenztherapie führt und die Lebensqualität von Betroffenen dadurch entscheidend verbessern kann.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis
  2. 1 Einleitung
  3. 2 Theoretische Grundlagen
  4. 3 Methoden
  5. 4 Ergebnisse
  6. 5 Diskussion
  7. 6 Implikationen für die Praxis
  8. 7 Zusammenfassung und Ausblick
  9. Literaturverzeichnis
Leseprobe
Im Einzelnen bedeutet dies, dass Frauen im höheren Lebensalter mit einem Anteil von 55 Prozent weiterhin am häufigsten von Belastungsinkontinenz betroffen sind. Darauf folgen bei Frauen in dieser Altersgruppe die Mischformen von Belastungsund Dranginkontinenz mit 31 Prozent und die reine Dranginkontinenz mit 14 Prozent. Bei Männern tritt ab einem Alter von 55 Jahren die Mischform von Belastungsund Dranginkontinenz in den Vordergrund (49 Prozent), von einer reinen Dranginkontinenz sind 39 Prozent der Männer betroffen und nur 12 Prozent von einer Belastungsinkontinenz.

Hinsichtlich des Schweregrades der Erkrankung wurde in Deutschland meist zwischen sporadischer, belastender, schwerer und absoluter Inkontinenz unterschieden. Die Deklarationen des Schweregrades sind jedoch nicht einheitlich und führen zu nicht vergleichbaren Ergebnissen innerhalb der verschiedenen Studien zum Thema Inkontinenz. Die Klassifikation der Deutschen Kontinenzgesellschaft (früher: Gesellschaft für Inkontinenzhilfe, GIH) berücksichtigt das Saugvolumen und die Produktkapazität von Vorlagen, wie Tabelle 2 auf Seite 20 zeigt.

In der EPINCONT-Studie wurde der Schweregrad der Inkontinenz durch den „Severity Index“ (Schweregrad-Index) ermittelt. Dabei wurde je nach Menge und Häufigkeit des Harnverlustes zwischen leichter, mittlerer und schwerwiegender Inkontinenz unterschieden. Diese Einteilung orientierte sich an den Ergebnissen eines Vorlagen-Wiege-Testes (Sandvik et al. 2000).

Eine einheitliche Einteilung der Schweregrade von Inkontinenz existiert bislang leider noch nicht. Die Ursachen der Inkontinenz sind multifaktoriell bedingt. Die medizinische Zuordnung der Ursachen hängt von der jeweiligen Form der Inkontinenz ab (siehe Tabelle 1). Würde man die dort aufgeführten medizinischen Ursachen alleine betrachten, würde man dem komplexen Problemfeld Inkontinenz jedoch nicht gerecht werden. Die Lebensweise, das Alter der Betroffenen sowie zahlreiche psychosoziale Faktoren sind ebenfalls für die Entstehung und Manifestation von Inkontinenz verantwortlich (Niederstadt et al. 2007).

Physiologische Auslöser der Erkrankung sind Blasenschließmuskelschwäche, Bindegewebsschwäche, Anomalien oder verschiedene körperliche Erkrankungen. Dazu zählen Harnwegsinfekte, Diabetes mellitus, Multiple Sklerose, Schlaganfälle oder Tumoren. Aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente wie beispielsweise Barbiturate, Diuretika oder Betarezeptorenblocker kann eine Inkontinenz auslösen oder verstärken. Des Weiteren kann eine Inkontinenz aus medizinischen Eingriffen resultieren, wenn nach einer Gebärmutteroder Prostataentfernung die Funktionalität des Urogenitaltraktes nicht mehr wiederhergestellt werden kann. Psychosoziale und ökologisch-kontextuelle Auslöser für die Entwicklung von Inkontinenz sind in den Lebensbedingungen der Betroffenen und im Umgang mit der Erkrankung seitens Professioneller oder der Gesellschaft zu finden. Hierzu zählen soziale Isolation, mangelnde Information, therapeutischer Nihilismus, Institutionalisierung oder aber aktuelle Probleme im Versorgungssystem wie der Pflegenotstand. Die durch mangelnde körperliche Bewegung oder inadäquate Entleerungsgewohnheiten geprägte Lebensweise der Betroffenen trägt zur Entstehung oder Verstärkung der Inkontinenz bei. Psychosoziale Komponenten sind am Geschehen Inkontinenz sowohl mit auslösender als auch mit verstärkender Wirkung beteiligt. Sie können in Form von Belastungen durch kritische Lebensereignisse, Probleme in der Beziehung zur sozialen Umgebung, Krankheitsgewinn, Aggressionen oder psychische Erkrankungen wie Depressionen auf die Inkontinenzentwicklung Einfluss nehmen. (Grond 1992, GIH 1994, Käppeli 1999, Wells 1999, GIH 2003, Niederstadt et al. 2007)

Ferner dürfen bei einer derart geschlechtssensiblen Thematik geschlechtsspezifische Unterschiede vor allem in Bezug auf physiologische Auslöser nicht außer Acht gelassen werden. Insgesamt sind Frauen durch eine anatomische Prädisposition und die Folge von Geburten in jeder Altersstufe am häufigsten von Inkontinenz betroffen (Niederstadt et al. 2007). Die Ursachen hierfür sind in der damit verbundenen Vulnerabilität des weiblichen urethralen Schließmuskelsystems zu suchen (GIH 2003).

Zumeist lässt sich die Inkontinenz im Einzelfall jedoch auf mehrere Ursachen zurückführen. Dies trifft vor allem dann zu, wenn Betroffene ein höheres Lebensalter haben. Die mit dem Alter steigende Wahrscheinlichkeit, eine Inkontinenz zu entwickeln, erklärt sich durch die mit dem Alter ebenfalls steigende Probabilität von Multimorbidität. Daraus resultiert häufig eine Multimedikation, die sich ihrerseits förderlich auf die Inkontinenz auswirken kann oder sie sogar verursacht (Mans 1992, GIH 2003). Ferner führen altersbedingte Veränderungen wie Schließmuskelschwäche, Nachlassen der Beckenbodenmuskulatur oder neuronale Veränderungen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit, an Inkontinenz zu erkranken. Inkontinenz im Alter kann auch die Folge funktionaler Einschränkungen sein, die durch Mobilitätseinbußen und kognitive Beeinträchtigungen in Erscheinung treten (Niederstadt et al. 2007).

Dennoch darf Inkontinenz nicht als unabänderliche Folge des Alterns missverstanden werden. Es handelt sich vielmehr um eine Symptomatik, die als Reaktion auf Umwelteinflüsse, Medikation, Erkrankungen sowie Einschränkungen der Mobilität und Merkfähigkeit zu verstehen ist. Das gehäufte Auftreten dieser Symptomatik im höheren Lebensalter führt dazu, dass neben Bewegungseinschränkungen, Demenz und motorischer Instabilität die Inkontinenz in der Geriatrie zu den Hauptproblemen zu zählen ist (Welz-Barth & Füsgen 2000). Institutionalisierte Patienten sind zu einem überwiegenden Anteil von Inkontinenz betroffen. Das bedeutet einen Pflegeaufwand von nahezu einem Viertel der täglichen Pflegezeit. Auch der ökonomische Faktor ist hierbei nicht zu vernachlässigen (Hayder et al. 2008). Weiterführende Angaben zu den Belastungen des Versorgungssystems durch Inkontinenz sind im nächsten Abschnitt dieser Arbeit aufgeführt.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
1 Einleitung8
2 Theoretische Grundlagen16
2.1 Inkontinenz – das verschwiegene Gesellschaftsproblem16
2.1.1 Die Klassifikation, Diagnostik und Therapie von Inkontinenz16
2.1.2 Inkontinenz in Zahlen und Fakten23
2.1.3 Psychosoziale Aspekte von Inkontinenz27
2.1.4 Die Versorgungssituation von Inkontinenz28
2.1.5 Die Kontinenzberatung als Best-Practice-Strategie30
2.1.6 Der aktuelle Forschungsstand32
2.2 Motivation als Grundlage einer erfolgreichen Therapie35
2.2.1 Die Geschichte der Motivationsforschung35
2.2.2 Definition und Entwicklung des Begriffes Therapiemotivation37
2.2.3 Therapiemotivation als Prädiktor für eine erfolgreiche Therapie41
2.2.4 Das „Attitude – Social influence – self-Efficacy“ Modell46
2.3 Ziele und Fragestellungen dieser Forschung54
3 Methoden56
3.1 Das Forschungsdesign56
3.2 Die Konzeptions- und Planungsphase .59
3.2.1 Die Recherche als Basis des Forschungskonzeptes60
3.2.2 Die Fokusgruppe als Grundlage der Instrumentenerstellung60
3.2.3 Die Operationalisierung der Forschungsaspekte62
3.2.4 Die verwendeten Erhebungsinstrumente64
3.3 Feldphase67
3.3.1 Die Gestaltung des Feldzuganges67
3.3.2 Einzelheiten zur Datenerhebung68
3.3.3 Vorkehrungen im Sinne des Datenschutzes70
3.3.4 Resümee der Datenerhebung71
3.4 Auswertung des Datenmaterials72
3.4.1 Die Transkription des primären Datenmaterials72
3.4.2 Die Auswertung mittels qualitativer Inhaltsanalyse73
3.4.3 Die Konstruktion der Motivationstypen76
4 Ergebnisse80
4.1 Die Rahmenbedingungen von Therapiemotivation80
4.1.1 Personenbezogene Aspekte als Determinanten von Therapiemotivation82
4.1.2 Kontextbezogene Aspekte als Determinanten von Therapiemotivation85
4.2 Förderliche und hemmende Faktoren von Therapiemotivation90
4.2.1 Motivationsförderliche Aspekte90
4.2.2 Motivationshemmende Aspekte97
4.3 Die Motivationstype102
4.3.1 Entwicklung der Vergleichsdimensionen102
4.3.2 Initiativorientiertes Therapiemotivationsmodell112
4.3.3 Charakterisierung der Motivationstypen115
5 Diskussion120
5.1 Die Ergebnisbewertung120
5.1.1 Diskussion der Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Therapie121
5.1.2 Diskussion der förderlichen respektive hemmenden Einflussfaktoren von Therapiemotivation124
5.1.3 Diskussion der Typenbildungsergebnisse129
5.1.4 Die Anwendbarkeit der Ergebnisse in der Praxis136
5.2 Methodendiskussion und Beurteilung der Güte dieser Studie138
6 Implikationen für die Praxis142
7 Zusammenfassung und Ausblick148
Literaturverzeichnis152

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