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Begrenzung des Duration-Mismatch von Lebensversicherungsunternehmen in Deutschland durch den Einsatz von Finanzinstrumenten

Eine Analyse aus ökonomischer und aufsichtsrechtlicher Sicht sowie mit Blick auf die IFRS-Rechnungslegung

AutorMatthias Grösbrink
VerlagVVW GmbH
Erscheinungsjahr2011
ReiheLeipziger Masterarbeiten 9
Seitenanzahl84 Seiten
ISBN9783862980963
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis25,99 EUR
Das Geschäft mit traditionellen kapitalbildenden Lebensversicherungen und deren inhärenten Zinsgarantien birgt für die deutschen Versicherungsunternehmen erhebliche Risiken. Allen voran steht das Zinsänderungsrisiko, das sich im derzeitigen Niedrigzinsniveau auf den Kapitalmärkten bereits konkretisiert und die aktuelle Brisanz für das Geschäftsmodell deutscher Lebensversicherer verdeutlicht. Branchenweit übertrifft die Duration der versicherungstechnischen Verpflichtungen die der Kapitalanlagen. Dieser Duration-Mismatch führt dazu, dass sich Zinsänderungen stärker auf den Zeitwert der Verpflichtungen als auf den der Aktivseite der Bilanz auswirken. Das ökonomische Kapital als Saldo beider Positionen schwankt damit bei Zinsänderungen. Diese Volatilität beeinflusst die künftige aufsichtsrechtliche Eigenmittelanforderung unter Solvency II stark sowie zunehmend auch das bilanzielle Eigenkapital nach IFRS. Der gezielte Einsatz von Finanzinstrumenten kann das Duration-Mismatch und die damit verbundenen Risiken begrenzen. Die vorliegende Arbeit analysiert die komplexe Problemstellung des Duration-Mismatch aus ökonomischer und bilanzieller Sicht sowie aus der Perspektive des künftigen aufsichtsrechtlichen Standardmodells unter Solvency II. Die Basis dafür bildet die Charakterisierung des Geschäftsmodells der Lebensversicherung in Deutschland. Darauf folgend werden das Cash Flow Matching und das Duration Matching betrachtet. Im Fokus stehen Lösungsalternativen zur Minimierung des Zinsänderungsrisikos mit Hilfe von derivativen Finanzinstrumenten, welche die Auswirkungen des Duration-Mismatch begrenzen können. Im weiteren Verlauf werden das Duration Matching und das Hedging mittels Derivaten aus ökonomischer Perspektive sowie aus Sicht des aktuellen Solvency II-Standardmodells (basierend auf den QIS 5) und der IFRS-Rechnungslegung bewertet. Die Arbeit wendet sich an Entscheidungsträger und Mitarbeiter aus den Bereichen der Unternehmenssteuerung und des Risikomanagements. Ferner ist das Buch dem an der ganzheitlichen Betrachtungsweise des Zinsänderungsrisikos interessierten Leserkreis aus Theorie und Praxis zu empfehlen.

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Leseprobe
8 Fazit und Ausblick (S. 63-64)

Das Zinsänderungsrisiko ist das bedeutendste Risiko für die deutschen Lebensversicherer. Dies verdeutlichen die brisante Lage am Kapitalmarkt sowie die nahende Einführung der ökonomischen Risikobeurteilung durch die Versicherungsaufsicht und die daraus resultierende risikobasierte Eigenmittelanforderung. Zusätzlich müssen die bilanziellen Regelungen nach HGB und IFRS berücksichtigt werden, was die Rahmenbedingungen für Lebensversicherer äußerst komplex gestaltet.

Die Anforderungen an das Risikomanagement sowie an die ökonomische Steuerung der Risiken des Geschäftsmodells werden somit zunehmend bedeutender. Im Hinblick auf das Zinsänderungsrisiko sowie die Zinsverpflichtungen gegenüber den Kunden sind die Entscheidungsträger der Lebensversicherungsunternehmen aufgefordert, Lösungsmöglichkeiten zu analysieren und zeitnah umzusetzen. In diesem Zusammenhang ist das Duration Matching eine adäquate risikoorientierte Alternative. Ferner bieten sich derivative Finanzinstrumente zur Absicherung der Zinsrisiken an. Mit Blick auf die Wettbewerbssituation können Swaptions empfohlen werden.

Steht der Absicherungsgedanke im Vordergrund, sind Forward-Swaps eine sinnvolle Wahl. Analog der Assekuranz stehen auch die Kreditinstitute als Anbieter von Derivaten durch Basel II bzw. Basel III zunehmend unter Druck und müssen ebenso risikobasiert Eigenmittel vorhalten. Hier bleibt abzuwarten, ob das Angebot an Zinsderivaten für die Versicherer künftig ausreichen wird.

Im Zuge der Einführung von Solvency II Ende 2012 ist den Lebensversicherern die frühzeitige Implementierung von Hedging-Strategien zu empfehlen. Dies kann Timing-Effekte reduzieren, die entstehen können, wenn eine große Zahl von Versicherern in Europa quasi zeitgleich eine Absicherung zur Minimierung der Eigenmittelanforderungen sucht. Für die deutsche Assekuranz ist dies insbesondere relevant, da Solvency I bisher Kapitalanlagerisiken pauschal betrachtet.

Von besonderer Wichtigkeit ist zudem die Höhe des Garantiezinses. Noch Ende 2010 spekulierte die Branche auf eine Absenkung des Garantiezinses auf 2%.226 Nunmehr hat das Bundesministerium für Finanzen im Februar 2011 den Garantiezins für Vertragsabschlüsse ab dem 01.01.2012 auf 1,75% gesenkt. Das Verhältnis des durchschnittlichen Garantiezinses zum langfristigen Marktzinsniveau entscheidet allerdings letztendlich über die Zukunftsfähigkeit sowie die Rentabilität des Geschäftsmodells der deutschen konventionellen Lebensversicherung mit klassischen Garantien. Ferner bleibt abzuwarten, ob die zunehmende Risikoorientierung infolge Solvency II Versicherer dazu bewegt, klassische Lebensversicherungsprodukte zu meiden und statt dessen auf Produkte mit Risikotragung durch den Kunden fokussieren wird.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort des Herausgebers6
Inhaltsverzeichnis8
Abbildungsverzeichnis10
Abkürzungsverzeichnis12
1 Einführung14
1.1 Problemstellung14
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit15
2 Geschäftsmodell der Lebensversicherung in Deutschland17
2.1 Charakteristika des Geschäftsmodells17
2.2 Ausgewählte Risiken des Geschäftsmodells21
3 Wirkung des Duration-Mismatch aus ökonomischer Sicht27
3.1 Duration und Konvexität als Maße der Zinssensitivität27
3.2 Ökonomische Wirkungsweise von Zinsänderungen31
3.3 Ausprägung des Duration-Mismatch in der ökonomischen Bilanz36
4 Auswirkungen des Duration-Mismatch im Aufsichtsrecht und in der Rechnungslegung40
4.1 Aufsichtsrechtliche Bewertung von Zinsänderungen nach Solvency II40
4.2 Bilanzielle Bewertung von Zinsänderungen nach IFRS48
5 Begrenzung der Auswirkungen des Duration-Mismatch durch dessen Reduzierung55
5.1 Risiko-Eliminierung unter Anwendung des CashFlow Matching55
5.2 Verlängerung der Duration der Kapitalanlagen56
5.3 Verkürzung der Duration von versicherungstechnischen Verpflichtungen58
6 Begrenzung der Auswirkungen des Duration-Mismatch durch Reduzierung des Zinsänderungsrisikos mit Hilfe von derivativen Finanzinstrumenten60
6.1 Aufsichtsrechtliche Restriktionen des Einsatzes derivativer Finanzinstrumente60
6.2 Hedging durch den Einsatz von Forward-Receiver-Swaps61
6.3 Hedging durch den Einsatz von Long-Receiver-Swaptions65
7 Bewertung der Lösungsmöglichkeiten ausökonomischer, aufsichtsrechtlicher sowie bilanzieller Sicht69
7.1 Risiko-Immunisierung unter Anwendung des Duration Matching69
7.2 Hedging unter Anwendung von Forward-Receiver-Swaps71
7.3 Hedging unter Anwendung von Long-Receiver-Swaptions73
7.4 Vergleich der Lösungsmöglichkeiten74
8 Fazit und Ausblick76
Anhang78
Anhang 1: Asset Allocation deutscher Lebensversicherer 200978
Anhang 2: Duration einer Kuponanleihe für unterschiedliche Kupons und Restlaufzeiten bei konstantem Marktzinsniveau von 6,00%79
Anhang 3: Grafische Darstellung des Approximationsfehlers der Berechnung der relativen Kursänderung mittels Modified-Duration80
Anhang 4: Rendite zehnjähriger Bundesanleihen im Vergleich zu den Höchstgarantiezinssätzen sowie dem 30-Jahres-Swapsatz81
Anhang 5: Bestandteile des MCEV82
Anhang 6: Kapitalanforderungen nach Solvency II – Säule 183
Anhang 7: Relative Stressfaktoren des Zinsänderungsrisikos nach QIS584
Anhang 8: Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte nach IAS 3985
Anhang 9: Klassifizierung finanzieller Vermögenswerte nach IFRS 986
Anhang 10: Komponenten des Bewertungsmodells für versicherungstechnische Verpflichtungen nach IFRS 4 Phase II87
Anhang 11: Struktur des Duration Matching als zyklischer Prozess88
Anhang 12: Historische 20-jährige Forward-Swapsätze89
Literaturverzeichnis90
Leipziger Masterarbeiten98
Leipziger Schriften zur Versicherungswissenschaft99
Leipziger Versicherungsseminare100

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