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Begriff und System des Rechts bei Georg Friedrich Puchta

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AutorChristoph-Eric Mecke
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl975 Seiten
ISBN9783862340644
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis79,99 EUR
Dieser Band fragt nach Georg Friedrich Puchtas Begriff des Rechts und seiner Auffassung von den Aufgaben des Juristen bei Erkenntnis und Anwendung des Rechts. Dabei lässt der Autor die unter dem Schlagwort »Begriffsjurisprudenz« bekannten stereotypen Bewertungen außen vor und bezieht die prägenden geistigen Auseinandersetzungen und Vorstellungen seiner Zeit ein. Ausgehend von Puchtas Wahrheits- und Wissenschaftsbegriff, der in vorrechtlichen Überzeugungen wurzelt, werden die Grundbegriffe seines Rechtsverständnisses entwickelt. Im Mittelpunkt der Untersuchung stehen dabei seine an der zentralen Rolle des römischen Juristen der Antike orientierte Rechtsquellentheorie sowie die tragende Bedeutung des Systems der subjektiven Rechte, das der gesamten Rechtsordnung immanent ist und auf Geschichte und Vernunft zurückgeführt wird. Es wird erkennbar, inwiefern Puchtas Rechtsdenken zeitbedingt ist und inwiefern es zukunftsweisende Elemente enthält.

Dr. Christoph-Eric Mecke ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Brunswick European Law School der Ostfalia Hochschule in Wolfenbüttel und Lehrbeauftragter an der Leibniz Universität Hannover. In Passau, Tours und Göttingen studierte er Rechtswissenschaften, Geschichte und Soziologie. Außerdem war er Stipendiat der Niedersächsischen Graduiertenförderung und wurde an der Universität Göttingen promoviert.

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Leseprobe
"Kapitel 5: Das System der Rechtsbegriffe (S. 587-588)

Da das aus dem Volksgeist stammende Recht nicht Ausdruck geschichtlich zufälliger und inhaltlich zusammenhangloser Regeln, sondern schon vor und unabhängig von aller rechtswissenschaftlichen Bearbeitung „selbst ein System ist“, hat nach Puchta „nur [der], wer es [sc. das Recht] als solches [sc. System] erkennt, seine Natur vollkommen erfaßt. Der nun besitzt diese systematische Kenntniß, welcher des Zusammenhangs der Rechtssätze sich bemächtigt, ihre Verwandtschaft untereinander erforscht [...].“

Diese „Genealogie der einzelnen“ Rechtssätze2947 aus Gewohnheitsrecht, Gesetzgebung und Rechtswissenschaft kann aber nur erkennbar gemacht werden durch die von der Rechtswissenschaft darzustellende „Genealogie der Rechtsbegriffe“, in der alle Rechtssätze einer Rechtsordnung, sofern sie zum System des Rechts gehören und nicht als ius singulare außerhalb desselben stehen, inhaltlich nach Rechtsinstituten geordnet zusammengefaßt werden.

Die vollständige Formulierung der Genealogie aller Rechtsbegriffe bildet nach Puchta daher die erste Aufgabe der Rechtswissenschaft, die in der Erkenntnis des Rechts besteht. Mittelbar dient die Genealogie der Rechtsbegriffe aber auch der zweiten Aufgabe der Rechtswissenschaft, nämlich der wissenschaftlichen Rechtsschöpfung. Indem nämlich die Genealogie aller Rechtsbegriffe einer Rechtsordnung die Erkenntnis der tatsächlichen Genealogie derjenigen Rechtssätze, die zum „reine[n] und regelmäßige[n] Recht“ gehören2948, unterstützt oder sogar erst ermöglicht, befördert sie auch die beiden „Operation[ en]“2949 der rechtswissenschaftlichen Methode, durch die neue „Rechtssätze zum Bewußtseyn gebracht und zu Tage gefördert werden“2950, nämlich die juristische Konsequenz und Analogie.

In diesem Kapitel sollen daher zunächst die Erkenntnis des Rechtssystems durch die Genealogie der Rechtsbegriffe und daran anschließend in Kapitel 6 die Erweiterung des Rechtssystems auf der Grundlage der Genealogie der Rechtssätze untersucht werden. I. Die Genealogie der Rechtsbegriffe 1. Bedeutungsgeschichtliche Voraussetzungen der Genealogie der Begriffe Die „wirkende Kraft der simultanen Mannigfaltigkeit des Rechts, folglich das Princip des Systems“ liegt nach Puchta in den vom Recht zu regelnden Lebensverhältnissen selbst. Sie bilden nämlich einerseits den „Stoff, dessen Ungleichheit das Recht zu überwinden hat“2951, damit entsprechend dem „Grundprincip des Rechts“2952 überhaupt von Recht die Rede sein kann, andererseits aber auch den „Widerstand“, der sich partiell und – je nach Entwicklungsstand des Rechts – mehr oder weniger wirksam „dem gleichmachenden Prinzip des Rechts entgegensetzt“.

Die ständige Wechselwirkung zwischen Überwindung der Ungleichheit und dagegen gerichtetem Widerstand ist nach Puchtas Vorstellung unter der – faktisch natürlich nie zu garantierenden – Voraussetzung nicht willkürlicher, also auch das Grundprinzip des Rechts nicht zerstörender Rechtsetzung entsprechend dem Volksgeist die produktiv „wirkende Kraft“2954 des Systems. In ihr liegt nämlich der Grund dafür, daß der Wissenschaftler nicht nur wie bei jedem Wissenschaftsgegenstand die für die geordnete Darstellung und den Überblick unerläßliche „systematische Kenntniß“ von diesem erlangen kann, sondern daß auch der Wissenschaftsgegenstand, nämlich „das Recht selbst[,] ein System ist“, bei dem man, „die Abstammung eines jeden Begriffs durch alle Mittelglieder, die an seiner Bildung Antheil haben, auf und abwärts zu verfolgen vermag.“"
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort7
Inhalt9
Abkürzungen15
Einleitung17
I. Problemstellung17
II. Zum Forschungsstand25
III. Ziel und Gang der Untersuchung46
Kapitel 1: Leben und Werk53
I. Frühe Prägungen: Nürnberg und Erlangen (1798–1828)53
II. Professur in München, Marburg und Leipzig (1828–1842)100
III. Nachfolge Savignys in Berlin (1842–1846)126
Kapitel 2: Grundlagen von Puchtas Rechts- und Staatsverständnis143
I. Die Volksgeistlehre147
II. Das objektive Recht als Ausdruck des „allgemeinen Willens“199
III. Geltungsvoraussetzungen des Rechts216
IV. Das Verhältnis von Recht und Staat238
Kapitel 3: Die Rechtsquellen281
I. Das Gewohnheitsrecht281
II. Das gesetzte Recht316
III. Das Recht der Wissenschaft388
Kapitel 4: Die Prinzipien des Rechts435
I. Die Begründung der Prinzipien435
II. Die Freiheit als das inhaltliche Grundprinzip des Rechts472
III. Die Gleichheit als das „eigenste“ Grundprinzip des Rechts552
Kapitel 5: Das System der Rechtsbegriffe589
I. Die Genealogie der Rechtsbegriffe590
II. Systembegriff und Wahrheitsanspruch640
III. Das dem Recht inhärente „innere System“ der Rechtsbegriffe667
Kapitel 6: Das System der Rechtssätze und die juristische Methode765
I. Die Genealogie der Rechtssätze765
II. Die „doppelte Operation“ der juristischen Methode776
III. Zum Vorwurf der Lebensferne von Puchtas Rechts- und Methodenverständnis813
Zusammenfassung mit Ausblick auf die Gegenwart839
Kapitel 1839
Kapitel 2840
Kapitel 3842
Kapitel 4844
Kapitel 5846
Kapitel 6848
Ausblick auf die Gegenwart850
Verzeichnis der Quellen und Literatur851
I. Quellen851
II. Literatur858
Personenregister935
Sachregister949

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