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Benchmarking in der strategischen Planung: Formen und Prozesse

Formen und Prozesse

AutorWinni Winter
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2006
Seitenanzahl93 Seiten
ISBN9783638483148
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis24,99 EUR
Diplomarbeit aus dem Jahr 2005 im Fachbereich BWL - Controlling, Note: 1,3, Fachhochschule Worms , 64 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: In unserer heutigen Zeit sehen sich Unternehmen einem immer größer werdenden Konkurrenzdruck ausgesetzt. Die Globalisierung und nahezu vollständige Transparenz der Märkte, der zunehmende Innovations- und Kostendruck, die immer kürzer werdenden Produktlebenszyklen, die wachsende internationale Konkurrenz, die ständig steigenden Kundenwünsche und viele weitere Tendenzen zwingen die Unternehmen dazu, ihre Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und gleichzeitig die Kosten zu senken, um auf den Weltmärkten bestehen zu können. In einer Zeit, in der der Wandel die einzige Konstante ist, wird das Bewahren der Anpassungsfähigkeit und der Flexibilität sowie das Hinterfragen der eigenen Leistung zu einer zwingenden Voraussetzung für Unternehmen, um erfolgreich auf den Märkten agieren zu können. Die Erfolge von gestern können morgen schon vergessen sein und wer nicht täglich dazulernt und an einer permanenten Verbesserung arbeitet, kann sich schnell ins Abseits katapultieren. Länder wie Japan sind schon seit langem dafür bekannt, dass sie durch das Bemühen, der Beste der Besten zu sein, solche Vorteile verzeichnen können. So hat z.B. der deutsche Werkzeugmaschinenbau, der lange weltführend war, seine Spitzenstellung an japanische Wettbewerber verloren. Auch bekannte Unternehmen wie die deutsche AEG oder die amerikanische Fluggesellschaft PAN.AM haben es nicht geschafft, dem steigenden Konkurrenzdruck standzuhalten und sind ganz vom Markt verschwunden. Dieses sind nur einige Beispiele von vielen, die zeigen, wie wichtig es für Unternehmen in unserer heutigen Zeit ist, durch eine komplexe Veränderung von Methoden, Verfahren, Prozessen, Produkten, etc. nachhaltige Wettbewerbsvorteile am Markt zu erlangen. Doch wie gewinnt man einen solchen Wettbewerbsvorteil? Mit Benchmarking steht dem Unternehmen ein Instrument zur Leistungssteigerung zur Verfügung, mit dem strategische Wettbewerbspositionen zurück gewonnen, gesichert oder gar ausgebaut werden können. Benchmarking heißt permanentes Lernen von den Erfahrungen anderer und ist eine Quelle der Veränderung. Dadurch kann die Anpassungsfähigkeit eines Unternehmens erhalten und wesentlich gestärkt werden. Benchmarking stellt ein unterstützendes Instrument dar, welches Unternehmen dabei helfen kann, erfolgreiche Prinzipien und Methoden auf den Märkten zu entdecken und zu adaptieren, um somit dem immer stärker werdenden Wettbewerb standhalten zu können.

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Leseprobe

3. Formen des Benchmarking


 

Durch die Erfolge von Benchmarking und dessen konsequente Verbreitung in den letzten Jahren sind von Theoretikern als auch von den Unternehmen selbst eine Vielzahl unterschiedlicher Varianten des Management-Instruments entwickelt worden, die eine einheitliche Benchmarking-Typologisierung erschweren.[90] Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der heutigen Literatur wider. Zum einen findet man synonym zu dem Begriff Benchmarking-Formen auch die Begriffe Benchmarking-Arten, Benchmarking-Typen und ähnliche, wobei hier jeder Autor dasselbe meint, aber seinen eigenen Begriff dafür verwendet. Zum anderen wurden die gleichen Benchmarking-Formen von den Autoren schlichtweg unterschiedlich benannt oder wurden einer anderen Untergruppe zugeordnet.

 

Dieser Umstand ist primär darin begründet, dass die Benchmarking-Idee weder das zu vergleichende Objekt noch das für einen Vergleich heranzuziehende Unternehmen vorgibt. Auch lassen sich für die Auswahl und Bildung der Kennzahlen nur wenig methodische Hinweise finden. Aus diesem Grund beschränken sich viele Autoren auf die Aufzählung unterschiedlicher Benchmarking-Varianten, ohne auf mögliche Ordnungssysteme einzugehen. Dadurch kommt es zu erheblichen Unschärfen, die eine klare Begriffsdefinition fast unmöglich machen.

 

Im folgenden Abschnitt sollen die in der Literatur verwendeten Benchmarking-Typologien möglichst vollständig erfasst, nach Art bzw. Zielsetzung charakterisiert und schließlich einer sinnvollen Segmentierung zugeführt werden. Die verschiedenen Benchmarking-Formen werden in dieser Arbeit anhand folgender Kriterien systematisiert:[91]

 

Benchmarking-Objekt

 

Benchmarking-Partner

 

Zielgrößen

 

Jedes Kriterium beinhaltet unterschiedliche Benchmarking-Formen. (siehe Abb. 3).

 

 

Abbildung 3: Formen des Benchmarking[92]

 

Eine Benchmarking-Studie setzt sich aus mehreren dieser Benchmarking-Formen zusammen, wobei die beiden Hauptkriterien Benchmarking-Objekt und Benchmarking-Partner von primärer Bedeutung sind. Möchte ein Unternehmen ein Prozess-Benchmarking durchführen, dann wäre ein Vergleich z.B. mit branchenübergreifenden Benchmarking-Partnern (branchenunabhängiges Benchmarking) möglich. Ziel dieser Studie könnte z.B. sein, die Kosten des Vertriebs zu senken.

 

Für welche Form sich ein Unternehmen entscheidet, hängt von der Art und Größe des Unternehmens und dem beabsichtigten Zweck ab.[93]

 

Im Folgenden sollen die in Abbildung 3 dargestellten Benchmarking-Formen erläutert werden.

 

3.1 Benchmarking-Formen anhand des Benchmarking-Objektes


 


Die Bestimmung eines Benchmarking-Objektes ist als Ausgangsfrage einer vollständigen Studie anzusehen und ist häufig einer der schwierigsten Schritte des Benchmarking-Prozesses.[94] Von der Beantwortung dieser Frage werden sowohl der Charakter als auch der konkrete Inhalt des gesamten Benchmarking-Prozesses geprägt. Da die Zahl der potentiellen Benchmarking-Objekte in einem Unternehmen nahezu unendlich ist, kann jeder Bereich im Unternehmen, der messbar und zu beobachten ist, Gegenstand einer Benchmarking-Studie sein.[95]

 

Benchmarking-Vorhaben sind mit Kosten und einem nicht unerheblichen Zeitaufwand verbunden. Somit wird es im Allgemeinen nicht möglich sein, eine Vielzahl unterschiedlicher Objekte parallel zu analysieren.[96] Folglich bedarf es einer Selektion der Objekte, die einem Benchmarking-Prozess unterworfen werden sollen.[97] Entscheidend ist, dass hier sinnvolle Benchmarking-Objekte identifiziert werden, denn nur wenn das Benchmarking an der richtigen Stelle angesetzt wird, kann die Studie erfolgreich sein.[98]

 

Darum soll nun näher auf die wichtigsten Formen (siehe Abb. 4) des Unterscheidungskriteriums Benchmarking-Objekt eingegangen werden.

 

 

 

Abbildung 4: Formen des Benchmarking anhand des Kriteriums Benchmarking-Objekt[99]

 

3.1.1 Produkt-Benchmarking


 

 Die ursprüngliche Anwendung des Benchmarking war die Gegenüberstellung und der Vergleich der eigenen Produkte mit denen der Konkurrenz.[100] Auch heute steht Produkt-Benchmarking sehr oft am Anfang der Benchmarking-Aktivitäten eines Unternehmens, da die Umsetzung der Analyseergebnisse bei der Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen relativ einfach ist.[101] Im Vordergrund des Produkt-Benchmarking steht die Verbesserung und die Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen mit dem Ziel, die Kundenzufriedenheit zu erhöhen, seinen Marktanteil zu erhöhen, die eigenen Kosten zu senken und/oder eine führende Wettbewerbsposition zu erreichen. Häufig schaut man hier zuerst einmal, welche Standards die Konkurrenz oder der Branchenführer vorgibt. [102]

 

Um der zunehmenden Komplexität und Dynamik der Märkte nachzukommen, Wettbewerbsvorteile am Markt zu sichern und Erfolgspotentiale für Unternehmen aufzubauen, steigen die Anforderungen an die Produktpolitik der Unternehmen immer stärker.[103] Aus diesem Grund ist auch die Analyse von Konkurrenzprodukten immer wichtiger geworden. Dabei hat sich das Reverse Produkt Engineering für den technikorientierten Ansatz der Produktvergleiche etabliert. Hauptsächlich werden hier Konkurrenzprodukte zum Vergleich herangezogen, welche für das eigene Unternehmen bedrohlich werden könnten. Daneben können aber auch Produkte von Nicht-Konkurrenten mit ähnlichen Technologien als Untersuchungsobjekt untersucht werden.[104]

 

Durch die Zerlegung der Produkte (Eigen- und Konkurrenzprodukt) in ihre Einzelteile, will man eine Vergleichsmöglichkeit mit dem eigenen Produkt erhalten in Hinblick auf den Funktionsumfang und der Verschiedenartigkeit von technischen Lösungen.[105] Auf diese Weise lassen sich die verschiedenen Produktkomponenten analysieren und man erhält Anhaltspunkte über die Produktstruktur und somit über den Aufbau einzelner Funktions- und Leistungskomponenten. Dadurch sollen Anregungen für Verbesserungen bereits existierender Produkte, Entwürfe und Neuentwicklungen geschaffen werden.[106] Die ermittelten Unterschiede werden dann bewertet und in Kostendetails umgesetzt. Als Basis der Kostenschätzung dienen die Kosten für die Realisierung der technischen Lösungen im eigenen Unternehmen. Schließlich werden leistungs- und designabhängige Differenzen ermittelt, wobei die leistungsabhängigen Unterschiede noch in solche unterteilt werden, die beim Kunden eine Preisprämie erlauben und solche, wo dies nicht gilt.[107]

 

Dieser Vorgang stellt auch schon die Hauptstoßrichtung von Reverse Engineering dar. Ziel ist es durch Redesign existierender Produkte sowie durch die Realisierung identifizierter Verbesserungsmöglichkeiten bei der Entwicklung neuer Produkte die Kosten zu reduzieren.[108] Im Mittelpunkt dieser Benchmarking-Form steht der Vergleich und die Bewertung der für die Kundenzufriedenheit und für den zukünftigen Unternehmenserfolg relevanten Produktmerkmale sowie die Identifikation von Merkmalen des besten Produktes.[109]

 

Die Vorteile des Reverse Produkt Engineering liegen darin, dass es sich sehr schnell im Unternehmen eingliedern lässt und auch schnell Verbesserungsmöglichkeiten aufgezeigt werden können. Es wirkt sich auch motivierend auf die Mitarbeiter aus, da in relativ kurzer Zeit konkrete Erfolge verzeichnet werden können.[110]

 

Ein weiterer Grund für die weite Verbreitung des Produkt-Benchmarking in der Praxis liegt in der einfachen Beschaffung aussagekräftiger Daten. Da das Untersuchungsobjekt frei am Markt erworben werden kann, gestaltet sich die Datenbeschaffung unproblematisch. Es bestehen keinerlei Informationsbarrieren, folglich ist das Unternehmen auch nicht auf etwaige Kooperationen angewiesen.

 

3.1.2 Prozess-Benchmarking


 

Für eine Kostensenkung oder eine Qualitätsanhebung reicht die Produktanalyse alleine nicht aus. Bietet ein Hauptkonkurrent Produkte oder Dienstleistungen zu bedeutend niedrigeren Preisen an, dann muss das beobachtende Unternehmen eine Überprüfung möglicher Schwachstellen bei der Entwicklung, Herstellung oder Vermarktung vornehmen. Hierbei ist es nicht nur wichtig, Funktionen und Komponenten der Produkte bzw. der Strukturen der Dienstleistungen zu kennen, man muss auch wissen, wie die eigenen Prozesse „dahinter“ optimiert werden können, d.h. wo Mängel in Verfahren und Arbeitsabläufen liegen.[111]

 

Beim Prozess-Benchmarking handelt es sich um den Vergleich ähnlicher Prozesse, mit dem Ziel der Prozessoptimierung, wobei sich der...

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