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Berufsarbeit von morgen in gewerblich-technischen Domänen

Forschungsansätze und Ausbildungskonzepte für die berufliche Bildung

AutorClaudia Fenzl, Falk Howe, Georg Spöttl, Matthias Becker
Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl391 Seiten
ISBN9783763942282
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,00 EUR
Der Tagungsband stellt die Ergebnisse der zweijährlich stattfindenden Tagung der in der Arbeitsgemeinschaft Gewerblich-Technische Wissenschaften und ihre Didaktiken (GTW) zusammengeschlossenen Berufsbildungsforscher und Vertreter beruflicher Schulen vor. Er zieht Bilanz über zahlreiche Arbeiten der vergangenen Jahre und präsentiert in Fachbeiträgen Vorschläge und Forschungsarbeiten zur Verbesserung der Qualität der Berufsbildung in insgesamt fünf Schwerpunktfeldern. Im Mittelpunkt stehen dabei die Herausforderung durch Zukunftstechnologien und die durch die europäische Bildungspolitik wieder stärker in den Fokus gerückte Ausbildung von Facharbeitern sowie die Kompetenzentwicklung verschiedener Zielgruppen der Berufsbildung.

Herr Prof. Dr. Matthias Becker arbeitet am Berufsbildungsinstitut Arbeit und Technik (biat) in Flensburg im Bereich »Berufliche Fachrichtung Fahrzeugtechnik«. Frau Dr. Claudia Fenzl ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung »Arbeitsprozesse und berufliche Bildung« am Institut Technik und Bildung (ITB) in Bremen. Herr Prof. Dr. Falk Howe und ist Prof. Dr. Georg Spöttl sind die Leiter der Abteilung »Arbeitsprozesse und berufliche Bildung« am Institut Technik und Bildung (ITB).

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Leseprobe
Neue Technologien, nachhaltige Entwicklung und Wissensunschärfen – Verunsicherungen von beruflicher Arbeit im Zeitalter der Globalisierung (S. 14)

Jessica Blings

1 Einführung

Im Beitrag werden aktuelle und zukünftige Anforderungen an kompetente berufliche (Fach-)Arbeit zur Ausgestaltung von Nachhaltigkeit anhand empirischer Ergebnisse diskutiert. Das Konzept der Nachhaltigkeit stellt hohe Anforderungen an komplexes Denken von Beschäftigten. Inhaltliche Spannungsverhältnisse zur Einschätzung von Nachhaltigkeit, die auch Handlungsentscheidungen der Beschäftigten beeinflussen, werden im Text erläutert.

1.1 Was macht neue Technologien zu Zukunftstechnologien?

Zukunftstechnologien haben mit High-Tech zu tun, stellen Innovationen dar, bringen die Wirtschaft voran, schaffen Arbeitsplätze – so lauten zumindest die Beschreibungen in politisch gesteuerten Hochglanzbroschüren zur Thematik. Zu den heutigen Zukunftstechnologien werden z. B. Nanotechnologie, Mechatronik, Biotechnologie, Informationstechnologie, Raumfahrttechnologie gezählt.

Der Begriff Zukunftstechnologie impliziert eine große Bedeutung für die Zukunft oder eine positive Auswirkung auf die Zukunft. Doch streng genommen gibt es keine Technologien, denen eine „günstige" Wirkung per se inhärent ist.

Versteht man Technik als soziale Praktik, gilt: Die materielle Natur der Technologie bestimmt das Handeln mit ihr (vgl. Giddens 1997). Strukturen bestimmen das soziale Handeln, gleichzeitig gestaltet das soziale Handeln auch die Strukturen, in denen es stattfindet. Es sind also zwei sich wechselseitig bedingende Elemente.

Es gibt nur Technologien, die durch Menschen bei der Implementierung zukunftsfähig eingesetzt und genutzt werden. Technologie ist nicht von sich aus zukunftsorientiert, sie kann jedoch ein Potenzial besitzen, besonders geeignet zu sein um von Menschen für die Lösung von zukünftigen Problemen und Herausforderungen eingesetzt zu werden.

Technik ist neben ihrem historisch bedingten Entwicklungsgrad in ihrer Anwendungszielrichtung immer auch Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse. Diese Einsicht führte zur Entwicklung der „Partizipativen Technikgestaltung" (vgl. Fischer 2001, S. 64f.).

Die setzt da an, wo Technik gestaltbar ist, in der Entwicklung und Diffusion von Technik (vgl. Stuber 2005). Die Berufsbildungsforschung betrachtet die Einführung neuer Technologien als Wirkung auf Arbeit und Bildung.

Sie tut dies aber nicht im Sinne eines technologischen Determinismus, der Technik zum Maß aller Dinge macht, an die sich Arbeit und Beschäftigte anzupassen haben, sondern im Sinne eines Gestaltungsanspruches an Technik (vgl. Fischer 2001), der sich in der Arbeit entfaltet und Anforderung an die Berufsbildung ist.

Mit dem Beginn der Forschung zur Arbeit-Technik-Gestaltung in den 80er Jahren wird „Technik als Einheit des technisch Möglichen und des sozial Wünschbaren" begriffen (vgl. Rauner 2005, S. 466). (Fach-)ArbeiterInnen und andere beruflich Handelnde sind die Subjekte, die Technik im Sinne der gesellschaftlichen Anforderungen gestaltend einsetzen (vgl. Niethammer 1995).

1.2 Ein neues Verständnis von Zukunftstechnologien

Die Nachhaltigkeitsdiskussion bereichert die Kritik des technologischen Determinismus um neue Aspekte der Anforderung von Gestaltung von Technik. Jede Einführung von neuen Technologien hat soziale und wirtschaftliche Folgen sowie Umweltfolgen, die sich von der Situation vor der Einführung der Technologie in der Regel unterscheiden.

Ob neue Technologie zukunftsfähig ist, entscheidet sich im Verständnis nachhaltiger Entwicklung durch die Art der wirtschaftlichen, sozialen und umweltbezogenen Auswirkungen bei der Einführung. In der Nachhaltigkeitsforschung haben sich neben der Effizienzstrategie auch Konsistenz- und Suffizienzstrategien entwickelt (vgl. Fischer 1998), deren technologische Anforderungen sich auf High-Tech oder auch auf Low-Tech beziehen können.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Vorwort12
A: Zukunftstechnologien und Facharbeit14
Neue Technologien, nachhaltige Entwicklung und Wissensunschärfen – Verunsicherungen von beruflicher Arbeit im Zeitalter der Globalisierung15
Individualisierte Weiterbildung für FacharbeiterInnen in den Hochtechnologiefeldern Mikrosystemtechnik und Medizintechnik21
Berufsausbildung für eine nachhaltige Entwicklung im Bereich elektro- und metalltechnischer Facharbeit27
Personalentwicklung mit An- und Ungelernten an der Schwelle zur Facharbeit – Forschungsergebnisse aus dem Geschäftsfeld der Verarbeitung von Faserverbundwerkstoffen33
Kompetenzen für hybride Produkte38
Der Passivhaus-Standard als Zukunftstechnologie des energieoptimierten Bauens – Konsequenzen für die Facharbeit und die berufliche Bildung44
Der neue Ausbildungsberuf Produktionstechnologe/-in50
Vermittlung automatisierter verfahrenstechnischer Prozesse56
Experten–Workshops zur Validierung Beruflicher Handlungsfelder62
Internet der Dinge – eine Zukunftstechnologie und deren Konsequenzen für die Facharbeit68
B: Lernen in „gemischten Welten“74
Didaktische Parallelität und Lernortflexibilisierung (DiPaL) – Praxisbeispiel kfz4me.de75
Lernen und Lehren mit Lernplattformen – ein mediendidaktischer Ansatz zur handlungsorientierten Gestaltung der betrieblichen Ausbildung81
Einsatz und Akzeptanz digitaler Medien in der Ausbildung der Bauwirtschaft87
Lernortkooperation im Kopf durch E-Portfolios in der Ausbildung95
Rapid E-Learning – Gestaltbare Lernsoftware in der Berufsbildung101
Medien- und internetgestütztes Lernen in den Berufsfeldern Elektrotechnik und Informationstechnik: Ergebnisse einer bundesweiten Online-Befragung von Berufsschullehrkräften108
Die Bedeutung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien in Bildungsangeboten und Transferprozessen überbetrieblicher Kompetenzzentren114
Selbstgesteuertes Lernen mit Neuen Medien in der Fachschulausbildung121
Virtuelles Lernen in Arbeitsprozessen – Lernort Baustelle128
Informatisierung und Entsinnlichung – Über Wirkungen des Wandels in der Arbeitswelt und Folgerungen für die Berufsbildung136
Ökonomisches Fahren mit LKW: Zur Gestaltung und Wirkung eines feedbackgestützten Lernsystems142
C: Übergang Schule – Ausbildung – Beruf148
Anmerkungen zum Berufsprinzip im Übergangssystem149
Integrierte Berufsorientierung im Spannungsfeld von Allgemein- und Berufsbildung155
Methodik der Berufsorientierung und ihre schulische Umsetzungsproblematik161
Schnittpunkte von „einfacher Arbeit“ und Facharbeit – empirische Ergebnisse167
Ausbildungslotse – Zur Arbeitsweise und Wirkung eines neuen Akteurs beim Übergang Schule/Beruf173
Fach- und Führungsnachwuchs als Herausforderung für Wirtschaft und Hochschulbildung179
Berufsausbildung im „Trialen System“, Möglichkeiten und Hindernisse der Lernortkooperation in der Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)185
D: Kompetenzmodell – Kompetenzmodellierung – Kompetenzdiagnostik190
Fehlkonzepte bei Berufsschülern191
Entwicklung von System- und Gestaltungskompetenz für nachhaltige Entwicklung198
Outcome orientierte Kompetenzentwicklung bei der Ausbildung in der Zerspanungsmechanik und Mechatronik204
Kompetenzmessung mit berufstypischen Testaufgaben – Forschungsergebnisse einer Large-Scale-Untersuchung mit Auszubildenden zum Elektroniker210
Berufliche Identität und berufliches Engagement in ihrem Verhältnis zu beruflicher Kompetenz216
Kompetenzerfassung und -bewertung bei Baustellenführungskräften – das Projekt „ECVET-D-Bau“221
E-Assessment: Möglichkeiten und Grenzen der Messung beruflich relevanter Kompetenzen228
Kompetenzmodelle in der beruflichen Bildung – Grenzen und Chancen234
Kompetenzmodell zur Erfassung beruflicher Kompetenz im Berufsfeld Fahrzeugtechnik240
Entwicklung eines standardisierten Instruments zur Kompetenzerhebung im Kfz-Service247
Entwicklung von Items zur Erfassung beruflicher Kompetenz im Berufsfeld Fahrzeugtechnik253
Berufs- und arbeitswissenschaftliche Forschung als Grundlage für die Gestaltung von Arbeits- und Qualifizierungsprozessen in der Investitionsgüterindustrie260
Flexibilisierung durch Kompetenzerfassung in der beruflichen Bildung – ECVET-Chemie266
Kompetenzförderung durch Selbstständigkeit und Verantwortung: „S-learn“ in der Audi Berufsausbildung272
Fit für Ganzheitliche Produktionssysteme – Kompetenzen für die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften in Unternehmen der Metall- und Elektrobranche278
E: Lehrerbildung für berufliche Schulen im Lichte der Bachelor- und Masteransätze284
Forschungsorientierung in der beruflichen Lehrerbildung online unterstützen!285
Zur Wirksamkeit praxisnahen Lernens in studien-begleitenden Praktika in der Berufsschullehrerausbildung291
Möglichkeiten und Hindernisse bei der Internationalisierung von Studiengängen für Bildungspersonal in der beruflichen Bildung297
Kompetenzorientierte Lehrerbildung303
Zur Aus- und Fortbildung von berufsbildenden Lehrkräften310
Bremer Studiengang der Gewerblich-Technischen Wissenschaften316
Praxisbezug im Kernpraktikum der Hamburger Lehrerbildung für berufliche Schulen322
Fachdidaktik im Spannungsfeld von Arbeit, Technik und Bildung328
Erleben und Gestalten von Ausbildungsprozessen im Lehramtsstudium für Berufsbildende Schulen: Bachelor- und Masterstudiengänge an der TU Dresden334
Evaluation eines projektorientierten Seminarkonzepts im Bereich der Bautechnik-Fachdidaktik341
Kompetenzanforderungen an das berufliche Bildungspersonal in europäischer Perspektive348
F: Dienstleistungsqualität durch professionelle Arbeit354
Professionalisierung in der Wellness-Branche355
Geschäftsprozessoptimierung in Bildungsstätten – Lernen für Qualität und Erfolg361
Anerkennung und Professionalisierung der beruflichen Altenpflege365
Beruflichkeit in der Energieberatung – Eine Analyse der curricularen Strukturen371
Messung von Professionalität in der Energieberatung durch Lösen von Dilemmasituationen377
Die Autoren384

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