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E-Book

Berufsausbildung im Umbruch

Ansätze zur Modernisierung des dualen Systems

Verlagwbv Media
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl226 Seiten
ISBN9783763945818
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,90 EUR

Die duale Berufsausbildung gilt als Erfolgsmodell des deutschen Bildungssystems. Um den veränderten Anforderungen in Unternehmen gerecht zu werden, bedarf sie aber dringend struktureller Reformen. Die hier vorgestellten Überlegungen für eine Verbesserung der Einstiegsmöglichkeiten in die duale Ausbildung, zu mehr Durchlässigkeit im System und zu einer höheren Flexibilisierung der Ausbildung regen zu weiteren Diskussionen an. 

Die Beiträge zeigen die Positionen von Unternehmen, Politik, Forschung und Wirtschaftsverbänden auf.Berichte aus dem Nachbarland Österreich machen deutlich, wie Reformen zu größerer Praxisnähe des Ausbildungssystems beitragen können. Das Buch entstand im Rahmen der Fachtagung "Ausbildung in Bayern" im Jahr 2007. Mit einem Geleitwort von Erwin Huber, Bayrischer Staatsminister der Finanzen.

Der Autor

Herbert Loebe ist Geschäftsführer des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft (bbw). Eckart Severing ist Geschäftsführer des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung (f-bb) und verantwortlich für die Bildungsforschung des Bildungswerk der Bayerischen Wir

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Leseprobe
Ausbildungsbausteine – neue und flexible Wege in der Berufsbildung (S. 135-136)

Beate Zeller, Forschungsinstitut Betriebliche Bildung f-bb

Vor dem Hintergrund der problematischen Entwicklung des Ausbildungsstellenmarkts in Deutschland hat das Thema „Neustrukturierung der beruflichen Bildung" an Brisanz gewonnen. In dem von Bildungsministerin Schavan initiierten „Innovationskreis berufliche Bildung" und im Umfeld der dort geführten Diskussionen sind verschiedene Konzepte einer Neuordnung entworfen worden, von denen drei im vorliegenden Band vorgestellt werden.

Dieter Euler und Eckart Severing haben in ihrem Gutachten für den Innovationskreis ein innovatives Strukturmodell entwickelt, das eine Gliederung der Ausbildung in standardisierte Ausbildungsbausteine vorsieht und so Flexible Ausbildungswege in der Berufsbildung eröffnet. Der Grundgedanke: Unter Wahrung des Berufsprinzips könnte die Gliederung in Ausbildungsbausteine sowohl die Einstiegshürden an der ersten Schwelle beim Übergang in eine Berufsausbildung absenken als auch die Anschlussfähigkeit an weiterführende Bildungsgänge verbessern und so zu mehr Transparenz und Flexibilität der Ausbildung beitragen.

1 Funktionsprobleme des dualen Systems

Das duale Ausbildungssystem erfüllt seine Funktion, für den Großteil der Jugendlichen die Vorbereitung und den Einstieg in den Beruf sicherzustellen, in abnehmendem Maße. Die alarmierenden Zahlen sind mittlerweile weitgehend bekannt, zur Verdeutlichung des Modernisierungsbedarfs und der zugrunde liegenden Strukturprobleme des dualen Systems sollen sie dennoch erneut kurz in Erinnerung gerufen werden.

Während im Jahre 1995 immerhin noch 51,2 Prozent der Neuzugänge zum beruflichen Ausbildungssystem eine duale Ausbildung aufnahmen, waren es im Jahr 2004 nur noch 43,3 Prozent. Mittlerweile münden fast 60 Prozent der ausbildungsplatzsuchenden Jugendlichen in das System von Übergangsmaßnahmen der Berufsausbildungsvorbereitung (BAV) zwischen den allgemeinbildenden Schulen und der Berufsausbildung bzw. in das System vollzeitschulischer Ausbildung ein (Konsortium 2006: 80). Diese wachsenden quantitativen Disparitäten belegen die schwindende Integrationskraft des dualen Systems und weisen auf strukturelle Funktionsprobleme hin, die nicht länger durch punktuelles Gegensteuern mit immer neuen „Maßnahmen" zu beheben sind.
Hohe Hürden am unteren Rand: Erschwerter Zugang zur Berufsausbildung

Schwächere Jugendliche finden vielfach keinen Zugang mehr zum Berufsbildungssystem, sie scheitern an seiner hohen Selektivität: Hauptschulabsolventen waren mit 28,3 Prozent der Neuzugänge in Ausbildungsverhältnissen im Jahr 2004 weit in der Minderheit, während rund zwei Drittel der Neuzugänge über einen Mittleren (Real-)Schulabschluss (50 Prozent) oder sogar über Hochschul- oder Fachhochschulreife (16,2 Prozent) verfügten (Konsortium 2006: 260, Baethge et al., S. 22 ff.).

Die Maßnahmen der Berufsausbildungsvorbereitung (BAV) jedoch, in die immer mehr Jugendliche einmünden, haben zumeist keinen systematischen Anschluss an eine Berufausbildung in anerkannten Ausbildungsberufen. Hinzu kommt, dass die Maßnahmen auch wesentlich das Ziel haben, Defizite der Zielgruppe zu bearbeiten und Ausbildungsfähigkeit erst zu schaffen – eine Zielsetzung, die zumal bei der zunehmenden Zahl der „lediglich" marktbenachteiligten Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz weitgehend wirkungslos bleibt und die zudem nicht unwesentlich zur Demotivation dieser Jugendlichen beiträgt.

Eine Anrechenbarkeit von Qualifizierungen unterhalb des Systems der geregelten Ausbildungsberufe ist nicht vorgesehen. Im gegenwärtigen System der Berufsbildung in Deutschland werden Bildungsgänge und nicht Lernergebnisse zertifiziert, so dass etwa die in Maßnahmen der BAV erworbenen Kompetenzen und Qualifikationen ohne Relevanz für Ausbildungsgänge bleiben, die darauf aufbauen bzw. daran anschließen könnten. Der öffentliche Finanzaufwand für die verschiedenen Maßnahmen der BAV ist erheblich, aber eine systematische „Verwertung" der in verschiedensten Maßnahmen vermittelten berufsrelevanten Kompetenzen findet nicht statt – eine nicht nur in finanzieller Hinsicht suboptimale Allokation von Ressourcen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt4
Berufliche Bildung aus wirtschaftspolitischer Sicht8
1 Einführung8
2 Erfolgsmodell duale Berufsausbildung8
3 Rasante Zunahme der Anforderungen an die Arbeitnehmer im 21. Jahrhundert9
4 Bedeutung von Aus- und Weiterbildung10
5 Konsequente Förderung der beruflichen Bildung durch die Bayerische Staatsregierung11
Die duale Berufsausbildung und der notwendige Wandel – ein Plädoyer aus Sicht der Unternehmen14
Anforderungen an neue Strukturen der beruflichen Bildung24
Modularisierung der Berufsausbildung in Österreich34
Teil 1 Verbesserung der Einstiegsmöglichkeiten in die duale Ausbildung46
Verbesserte Möglichkeiten des Einstiegs in die duale Ausbildung48
1 Ausgangslage: Hohe Hürden beim Einstieg in eine Berufsausbildung48
2 Neue Lösungswege auf Unternehmensebene: Bildungspartnerschaften Schule – Wirtschaft50
3 Neue Ansätze52
EQJ – ein Türöffner zur Berufsausbildung54
Erleichterter Einstieg in die duale Ausbildung: Chance Teilqualifizierung62
Integrative Berufsausbildung: Integration neuer Zielgruppen in die duale Ausbildung in Österreich70
Teil 2 Durchlässigkeit von der dualen Berufsausbildung zur Hochschule80
Konkurrenzfähigkeit des dualen Systems stärken: Anschlussmöglichkeiten ausbauen82
1 Ausgangslage82
2 Steigende Anforderungen und Höherqualifizierungstendenzen84
3 Konkurrenz zwischen Hochschulstudium und dualer Berufsausbildung84
4 Erleichterung des Hochschulzugangs für beruflich Qualifizierte89
5 Schlussfolgerungen: Konkurrenz- und Anschlussfähigkeit fördern94
Literatur96
Das duale Studium in Bayern – hochschule dual100
1 Ausbau dualer Studienangebote in Bayern100
2 Eckpunkte des dualen Studiums in hochschule dual100
3 Die dualen Studienmodelle von hochschule dual101
4 Das duale Studium aus Sicht der Beteiligten: ein Gewinn für beide Seiten107
Das duale Studium: eine Erfolgsstory112
Ausbildung und Nachwuchssicherung bei WIKA112
Die österreichische Berufsreifeprüfung – ein Instrument der Durchlässigkeit von der Lehre zur Hochschule120
Literatur128
Teil 3 Modelle zur Flexibilisierung der Ausbildung130
Modelle zur Flexibilisierung der Ausbildung132
Ausbildungsbausteine – neue und flexible Wege in der Berufsbildung136
1 Funktionsprobleme des dualen Systems136
2 Alternative Strukturmodelle der Berufsausbildung140
3 Ausbildung mit Ausbildungsbausteinen141
Literatur147
Moderne Strukturen und Wege in der Berufsausbildung150
Modelle zur Flexibilisierung der dualen Ausbildung – Dual mit Wahl166
Flexibilisierung der Lehrlingsausbildung in Österreich174
1 Ausgangslage174
2 Modularisierungskonzept176
3 Modularisierung der Lehrlingsausbildung: Vorteile für die Wirtschaft und die Jugendlichen179
Literatur179
Im Gespräch182
Teil 4 Innovative Ansätze für Prüfungen194
Berufliche Handlungsfähigkeit: neue Ausbildungsinhalte – neue Prüfungsformen196
Modellvorhaben zur Umgestaltung des Prüfungswesens204
1 Modellvorhaben in einem industriellen M+E-Beruf204
2 Weiterentwickeltes Prüfungsmodell im Metallhandwerk206
3 Ausblick208
Die Lehrabschlussprüfung in Österreich: Status quo und Ausblick210
1 Einleitung210
2 Aufbau und Inhalt der Lehrabschlussprüfung210
3 Organisation der Lehrabschlussprüfung218
4 Zugang zur Lehrabschlussprüfung219
5 Umsetzung der Lehrabschlussprüfung in der Praxis220
6 Weitentwicklung der Prüfungssystems222
Literatur224
Autoren226

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