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E-Book

Berufsförderung als Chance?

AutorNicole Dietrich
VerlagRainer Hampp Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl176 Seiten
ISBN9783866181045
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis14,99 EUR

Das Buch geht der Frage nach, wie berufsvorbereitende Maßnahmen die Integration benachteiligter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt fördern. Grundlage ist eine Studie auf Basis von Intensivbefragungen junger Frauen, die sich im Berufsförderprojekt „Freiwilliges Soziales Trainingsjahr" (FSTJ) als Teil des Bundesprogramms „Entwicklung und Chancen junger Menschen in sozialen Brennpunkten" befanden. Vor dem Hintergrund des Konzepts der Normalbiographie werden Übergangsprobleme sozial benachteiligter Jugendlicher dargestellt, um anschließend zu prüfen, ob und wie berufsfördernde Maßnahmen die Integration benachteiligter Jugendlicher in den Arbeitsmarkt begünstigen. Zentrales Ergebnis ist eine Typologie unterschiedlicher Formen des Umgangs mit diesen Maßnahmen. Dies führt zu Vorschlägen für differenzierte Fördermöglichkeiten und Bildungsangebote. Das Buch wendet sich an soziologisch und sozialpädagogisch interessierte Leser sowie an Praktiker und Praktikerinnen der Arbeitsmarkt- und Berufsförderung.

Die Autorin

Nicole Dietrich ist Diplomsoziologin und Mitarbeiterin an der TU Chemnitz. Dort arbeitet sie seit 2006 im DFG-geförderten Projekt „Multiple Entgrenzung der Arbeit des fliegenden Personals im kommerziellen Luftverkehr".

Schlüsselwörter: Jugendarbeitslosigkeit, Berufsbiographie, benachteiligte Jugendliche, Berufsförderung, Problemgruppen am Arbeitsmarkt

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Leseprobe

2 Benachteiligte Jugendliche ohne Normalbiographie (S. 39-40)

2.1 Begriff „Benachteiligung"

Der Benachteiligtenbegriff schließt nach Bisler vor allem die soziale Benachteiligung und die individuelle Beeinträchtigung ein. Dies wird in der Definition von Jugendsozialarbeit deutlich. Diese kennzeichnet sich dadurch, „(...) dass sie Angebote für Kinder und Jugendliche in belastenden bzw. belasteten Lebenslagen entwickelt und bereitstellt, und dass ihr persönlicher Anwendungsbereich durch die Begriffsmerkmale „soziale Benachteiligung" und „individuelle Beeinträchtigung" charakterisiert ist" (Bisler 2001: 121f.).

Den Ausgangspunkt einer individuellen Beeinträchtigung bilden individuelle psychische, physische oder persönliche Probleme der Betroffenen, wie z.B. Verschuldung oder eine Behinderung. Sie sind daher nicht in der Lage, sich störungsfrei zu entwickeln und können deshalb bestimmte Anforderungen in der Gesellschaft nicht erfüllen. Zur Gruppe der individuell Beeinträchtigten gehören unter anderem seelisch oder körperlich Behinderte (vgl. Bisler 2001: 122f.).

Soziale Benachteiligung charakterisiert Bisler als „(...) relative Zurücksetzung von Menschen im Wettbewerb um den Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen der Lebensfristung und Lebensgestaltung (...)" (Bisler 2001: 122). Die Betroffenen gelten als sozial benachteiligt, wenn ihre Lebenschancen erheblich eingeschränkt werden, weil sie einer bestimmten Gruppe angehören, wie z.B. sozial schwachen Familien mit einfachen, problematischen Lebensverhältnissen oder einer ethnischen Minderheit etc. (vgl. Bisler 2001: 122).

Nach Böhnisch und Schröer ist das Problem der sozialen Ungleichheit im Benachteiligtenbegriff zu berücksichtigen. Im Ungleichheitsgefüge wird die horizontale von der vertikalen Ungleichheit unterschieden, wobei in fortgeschrittenen Industriegesellschaften zunehmend von horizontaler Ungleichheit bei Fortbestehen der vertikalen Ungleichheit auszugehen ist, d.h. es existiert ein Zusammenhang zwischen sozialer Benachteiligung und horizontaler Ungleichheit (vgl. Böhnisch/ Schröer 2004: 468f.). Während bei vertikaler Ungleichheit die Gesellschaftsmitglieder nach bestimmten Schichten eingestuft werden, äußert sich horizontale Benachteiligung „(...) in den unterschiedlich verteilten, sozialstrukturell segmentierten Erreichbarkeiten und Zugängen" (Böhnisch/ Schröer 2004: 469). Dies impliziert das Wechselspiel von Chancen und Risiken für alle Gesellschaftsmitglieder, wobei ein Teil Chancen erhält und andere mit den Risiken leben müssen (vgl. Böhnisch/ Schröer 2004: 469). Die Problematik sozialer Benachteiligung schließt somit die zwei Prozesse soziale Segmentierung und zunehmende Entgrenzung der Übergänge im Lebenslauf ein (vgl. Böhnisch/ Schröer 2004: 470). Somit entsteht soziale Benachteiligung, „(...) wenn ‚die Möglichkeiten des Zugangs zu allgemein verfügbaren und erstrebenswerten sozialen Gütern und/ oder zu sozialen Positionen (...) dauerhafte Einschränkungen erfahren und dadurch Lebenschancen der betroffenen Individuen und Gruppen (...) beeinträchtigt‘ werden" (Böhnisch/ Schröer 2004: 471).

Die Zielgruppe der vorliegenden Studie erfüllt aufgrund ihrer mangelhaften schulischen und familiären Sozialisation das Kriterium der sozialen Benachteiligung, d.h. die Ausgangsbedingungen ihrer persönlichen und sozialen, schulischen und beruflichen Entwicklung sind gestört. Ausgehend von dieser prekären Lage haben die Jugendlichen von Beginn an schlechte Startchancen und somit große Probleme bei dem Übergang ins Erwerbsleben. Dies führt letztendlich zum sozialen Ausschluss aus dem Ausbildungs- und später aus dem Arbeitsmarkt.

Es wird darüber diskutiert, ob die Bezeichnung „Benachteiligung" die Betroffenen zusätzlich diskriminiert. Bisler stimmt diesem nicht zu, sondern ist der Meinung, dass der Benachteiligtenbegriff sogar einen Rechtsanspruch der Jugendlichen darstellt. Er begründet dies mit der gesetzlichen Verpflichtung der Jugendsozialarbeit, den Betroffenen zu helfen, um Benachteiligungen abzubauen oder auszugleichen und jeden Jugendlichen zu einem eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Menschen zu erziehen und seine Entwicklung zu fördern (vgl. Bisler 2001: 119f.). Mit diesem Rechtsanspruch akzeptiert der Staat die Jugendphase als eigenständige Lebensphase, die mit einem besonderen Risiko behaftet ist, da die Betroffenen durch soziale Benachteiligung oder durch Dritte dauerhaft in ihrer Entwicklung gestört werden können (vgl. Bisler 2001: 120).

Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Vorwort12
I Einführung14
1 Jugendliche mit Problemen auf dem Arbeitsmarkt14
1.1 Jugendarbeitslosigkeit – ein Problem der Gesellschaft14
1.2 Der Arbeitsmarkt im Spiegel der Statistik – Zahlen, Fakten, Entwicklungen16
1.2.1 Entwicklung der Jugendarbeitslosigkeit17
1.2.2 Die Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt25
1.2.3 Die Situation von Geringqualifizierten30
1.2.4 Die Situation benachteiligter Jugendlicher auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt32
II Jenseits der Normalbiographie – Berufsförderung als Chance? - Konzeptionelle Annahmen38
2 Benachteiligte Jugendliche ohne Normalbiographie40
2.1 Begriff „Benachteiligung“40
2.2 Jugendarbeitslosigkeit als ein Phänomen des Übergangsprozesses42
2.3 Benachteiligung als Motor der Abweichung von der Normalität?44
2.4 Übergangsprobleme benachteiligter Jugendlicher48
2.5 Bewältigungs- bzw. Verarbeitungsstrategien prekärer Erwerbsbiographien52
3 Berufsfördernde Maßnahmen – Chance oder Weg in die Aussichtslosigkeit für benachteiligte Jugendliche?60
3.1 Das duale Ausbildungssystem als Benachteiligungsfaktor60
3.2 Die Benachteiligtenförderung auf dem Prüfstand62
3.3 Perspektiven der Benachteiligtenförderung68
3.4 Das FSTJ als flexible Maßnahme71
3.5 Lehrgang zur Verbesserung beruflicher Bildungs- und Eingliederungschancen ( BBE)77
3.6 Berufsvorbereitungsjahr (BVJ)78
III Junge Frauen in der Berufsförderung Empirische Untersuchung80
4 Datenbasis und Methodik82
4.1 Die befragten Frauen86
4.2 Erhebungsmethode: Narratives Interview88
4.3 Kurzbiographien der befragten Teilnehmerinnen93
4.4 Auswertungsmethode: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring102
4.5 Qualitative Typenbildung105
5 Unterschiedliche Biographien – unterschiedliche Chancen: Befunde der empirischen Erhebung108
5.1 Merkmale der Untersuchungspopulation108
5.2 Die Arbeits- und Lebenssituation von jungen Frauen in der Berufsförderung - Allgemeine Befunde114
5.2.1 Zukunftserwartungen und Ziele114
5.2.2 Einflussfaktoren bei der Berufsorientierung115
5.2.3 Erfahrung mit Arbeitslosigkeit116
5.2.4 Bewertung und subjektiver Sinn des FSTJ117
5.2.5 Motivation und persönliche Erwartungen der Teilnehmerinnen119
5.2.6 Besondere Probleme der Klientel119
5.2.7 Das soziale Umfeld der Zielgruppe120
5.3 Realismus, Hoffnung, Resignation, Handlungsunfähigkeit - Typen des Umgangs mit der Berufsförderung122
5.3.1 Definition der Vergleichsdimensionen und ihrer Merkmalsausprägungen122
5.3.2 Gruppierung der Fälle und Analyse empirischer Regelmäßigkeiten126
5.3.3 Analyse inhaltlicher Sinnzusammenhänge bei den gebildeten Typen136
5.3.4 Charakterisierung der Typen141
5.3.4.1 Typ 1: „Der kritische Realist“141
5.3.4.2 Typ 2: „Der ängstlich Hoffnungsvolle“148
5.3.4.3 Typ 3: „Der resignativ Bequeme“153
5.3.4.4 Typ 4: „Der realitätsferne Handlungsunfähige“157
5.4 Folgerungen aus der Typenbildung164
6 Schlussbetrachtung – Empfehlungen zur gruppenspezifischen Berufsförderung Jugendlicher168
Literatur172

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