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Bevölkerungsentwicklung in Zeit und Raum

Datenquellen und Methoden zur quantitativen Analyse

VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl185 Seiten
ISBN9783531921136
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR


Professor Dr. Wolfgang Gerß war am Institut für Soziologie der Gerhard-Mercator-Universität Duisburg und am Sozialwissenschaftlichen Institut der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf tätig und ist jetzt im Ruhestand

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Leseprobe
Bevölkerungsstatistik (S. 43-44)

Seitdem es Staaten gibt, gibt es auch Volkszählungen. Sie waren stets das Rückgrat der Bevölkerungsstatistik. „Die [früheste] Bevölkerungsstatistik diente in erster Linie verwaltungs- und fiskalischen Zwecken. Im Vordergrund stand die Feststellung der Einwohnerzahl, wie sie für die allgemeine Staatskunde, für die üblichen Verwaltungsbedürfnisse, für Zollabrechnungen, für wehrpolitische Zwecke und dergl. nötig war“ (Lind 1940, S.159).

Die Bibel widmet den Volkszählungen den Titel eines ganzen Kapitels. Das vierte Buch Mose trägt die Überschrift „Numeri“ (Zahlen), weil es über zwei Volkszählungen berichtet. Die erste Zählung fand ein Jahr und einen Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägypten während ihres Aufenthaltes als Nomaden in der Wüste Sinai statt (ca. 1270 v. Chr.). „Mose und Aaron [riefen] die ganze Gemeinde der Israeliten zusammen. Mit Hilfe der Stammesoberhäupter trugen sie alle Männer, die 20 Jahre und älter waren, in Listen ein, geordnet nach Sippen und Familien“ (Deutsche Bibelgesellschaft 1983, Altes Testament S.169).

Die ermittelten Zahlen werden in der Bibel detailliert und mit bemerkenswerter Präzision wiedergegeben. „Die Gesamtzahl aller wehrfähigen Israeliten betrug 603 550“ (S. 171). Die zweite Zählung fand nach vierzigjähriger Wanderschaft (ca. 1230 v.Chr.) statt. Die Gesamtzahl der Männer ab 20 Jahren betrug nun 601 730 (S.195). Eher beiläufig berichtet das Lukas-Evangelium über eine Volkszählung zur Registrierung der Bewohner des römischen Reiches und ihres Besitzes für die Erhebung von Steuern.

„Kaiser Augustus [ordnete an], dass alle Bewohner des römischen Reiches in Steuerlisten erfasst werden sollten... So zog jeder in die Heimat seiner Vorfahren, um sich dort eintragen zu lassen. Josef.... ging nach Betlehem ..... Das ist der Ort, aus dem König David stammte. Er musste dorthin, weil er ein Nachkomme Davids war. Maria, seine Verlobte, ging mit ihm“ (Deutsche Bibelgesellschaft 1983, Neues Testament S.83). Aus heutiger Sicht mutet seltsam an, dass die Menschen am Stammsitz der Sippe des Familienoberhauptes gezählt wurden. Die Zählung der Weihnachtsgeschichte war nur eine aus einer ganzen Serie von Volkszählungen im römischen Reich.

In späterer Zeit gab es genau datierte Bestandsaufnahmen der Bevölkerung unter anderem in Preußen ab 1719 unter König Friedrich Wilhelm I („Populationstabellen“) und in Österreich in den Jahren 1785, 1786 und 1787 unter Kaiser Josef II. Bis zu Beginn des 19.Jahrhunderts dienten die Volkszählungen fast ausschließlich fiskalischen oder militärischen Zwecken; sie waren keine wissenschaftlichen Datensammlungen im modernen Sinn. Die ersten nicht nur für allgemeine administrative, sondern auch für wissenschaftliche Zwecke bestimmten Volkszählungen fanden 1842 in Brüssel und 1846 in ganz Belgien statt; sie sind mit dem Begründer der wissenschaftlichen Sozialstatistik Lampert Adolphe Jacques Quételet (1796-1874) verbunden (Quételet 1869).

In einzelnen deutschen Staaten (unter anderem Preußen) wurde der Bevölkerungsstand bereits ab 1816 in meistens dreijährigen Abständen ermittelt. Diese Zählungen waren zunächst „mangelhaft organisiert und durchgeführt“ (Beukemann 1911, S.198); sie wurden erst schrittweise verbessert, indem sie ab 1834 nach Gründung des Deutschen Zollvereins auf alle deutschen Staaten ausgedehnt wurden, ab 1843 durch „Aufnahme von Haus zu Haus“ alle Personen einzeln erfassten und ab 1863 die Namen aller Personen registrierten.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort6
Veränderungen der räumlichen Bevölkerungsverteilung zwischen Vorhersagbarkeit und Chaos7
Historische systematische Bevölkerungsstatistik73
Volkszählung als Registerzensus104
Kleinräumliche Mortalitätsanalyse auf der Basis des Mikrozensus117
Geschichte des Mikrozensus127
Stochastische Modelle für Raum-Zeit-Daten134
Bevölkerungsprognosein räumlicher und zeitlicher Dimension174

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