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Bewältigung von Inkontinenz im Alter.

Subjektives Belastungserleben, Krankheitsverarbeitung und subjektives Wohlbefinden bei alten Menschen mit Harn- und Analinkontinenz

AutorAnne Ahnis
VerlagHogrefe AG
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl244 Seiten
ISBN9783456947099
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis26,99 EUR
Die vorliegende Studie hat das Ziel zu ermitteln, wie es inkontinenten alten Frauen und Männern auf psychischer Ebene möglich ist, krankheitsbedingte Belastungen erträglicher werden zu lassen und das subjektive Wohlbefinden zu erhalten. Es stellen sich in diesem Zusammenhang eine Reihe von Fragen: Wie sind die mit Harn- und Analinkontinenz im (hohen) Alter verbundenen Belastungen charakterisiert? Warum fühlen sich einige Personen trotz ihrer Erkrankung subjektiv wohler als andere? Zeigen sich Alters- und Geschlechtereffekte bei den Betroffenen hinsichtlich der Krankheitsverarbeitung? Die Beantwortung dieser Fragen mittels qualitativer und quantitativer Methoden führt zu konkreten Implikationen für die psychosoziale Versorgung von alten inkontinenten Menschen im medizinischen und pflegerischen Setting. Die Ergebnisse und Schlussfolgerungen aus der Untersuchung können dem Medizinalsystem Hilfestellungen für das Verständnis emotionaler Reaktionen und möglicher Probleme im Bereich der Compliance des Patienten geben. Außerdem können adaptive Verarbeitungsformen identifiziert werden, die in Zukunft belasteten alten inkontinenten Personen gezielt zu vermitteln sind.

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Kapitelübersicht
  1. Inhaltsverzeichnis und Zusammenfassung
  2. 1 Einleitung
  3. 2 Inkontinenz
  4. 3 Krankheitsverarbeitung
  5. 4 Entwicklungsregulation über die Lebensspanne
  6. 5 Empirische Befunde zur Verarbei-tung von Inkontinenz im Alter
  7. 6 Forschungsfragen und Hypothesen
  8. 7 Methode
  9. 8 Ergebnisse
  10. 9 Diskussion
  11. 10 Schlussbemerkungen und Ausblick
  12. 11 Literaturverzeichnis
  13. 12 Tabellenverzeichnis
  14. 13 Abbildungsverzeichnis
  15. 14 Anhangsverzeichnis
Leseprobe
5 Empirische Befunde zur Verarbeitung von Inkontinenz im Alter (S. 65-66)

Subjektives Belastungserleben
Inkontinent zu sein, stellt für die Betroffenen neben dem medizinischen, pflegerischen und sozioökonomischen Problem (Jünemann, 2002) eine große psycho-soziale Belastung dar. Die Erfüllung sozialer Rollen (z. B. intime Partnerschaft, Übersicht in Donovan et al., 2002) und Aktivitäten ist gefährdet. Um sicher zu stellen, dass immer eine Toilette in der Nähe ist, auf der prophylaktisch Wasser gelassen werden kann, Vorlagen auf Zustand/Geruch hin überprüft sowie die Intimpflege vorgenommen werden können, grenzen sich Betroffene in ihrem Umgebungsradius in erheblichem Maße ein (Ashworth &, Hagan, 1993).

Sie verzichten auf lange Wege, Einkäufe, Ausflüge oder Reisen. Einigen droht Vereinsamung und völlige Isolation (Grimby et al., 1993). Andere leiden an Durst und auch Hunger, weil sie die Aufnahme von Flüssigkeit und Nahrung reduzieren. Der Kauf von Inkontinenzhilfsmitteln kann einen finanziellen Einschnitt darstellen (McClish et al., 1999). Krankheitsbedingte Belastungen lassen sich quantifizieren, indem man Betroffene den erlebten Grad der Beeinträchtigung(en) durch ihre Erkrankung einschätzen lässt.

Harkins und Kollegen (2006) erhoben bei 131 harninkontinenten Frauen im Alter zwischen 55 und 90 Jahren (M = 66,6 Jahre, SD = 8,4) den Schweregrad der Inkontinenz (Frequenz der Inkontinenzepisoden, Menge des Urinverlustes [Pad- Test] und nächtliches Wasserlassen) sowie mittels visueller Analogskalen das subjektive Belastungserleben und das subjektive Wohlbefinden (Angst, Depression, Wut, Frustration) der Betroffenen. Es zeigte sich, dass alle drei Schweregradindizes mit der wahrgenommenen Beeinträchtigung durch die Inkontinenz assoziiert waren und dass die wahrgenommene Beeinträchtigung als Mediator zwischen dem Schweregrad und dem subjektiven Wohlbefinden fungierte.

Krankheitsverarbeitung
Bislang gibt es keine Untersuchungen, die Verarbeitungsformen und ihre funktionale Adaptivität bei inkontinenten Personen, die älter als 60 Jahre sind, systematisch betrachten. Wie harn- und analinkontinente Patienten, die im Durchschnitt jünger als 60 Jahre sind, stressreiche Situationen verarbeiten, wurde im deutschsprachigen Raum von Stockreiter und Egger (1996) und Stojsic und Kollegen (2002) untersucht. Stockreiter und Egger (1996) analysierten die Stressverarbeitungsstrategien von 49 harninkontinenten (M = 57 Jahre, keine Altersspanne angegeben) und 19 kontinenten Frauen (M = 55 Jahre, keine Altersspanne angegeben).

Von den inkontinenten Frauen litten 32 an einer Belastungsinkontinenz und 17 an einer Dranginkontinenz. Unter Verwendung eines Stressverarbeitungsbogens (Janke et al., 1985) zeigte sich, dass die inkontinenten Patientinnen auf Stresssituationen häufiger mit „Herunterspielen durch Vergleich", indem sie glauben, nicht so empfindlich zu sein wie andere, „Flucht und Selbstmitleid", was nach Janke und Kollegen als emotionale Betroffenheit und Rückzug verstanden werden kann, reagierten. Die Kontrollgruppe dagegen zeigte vermehrt Verarbeitungsstrategien der „Situationskontrolle und positiver Selbstinstruktion", das heißt, dass kontinente Personen im verstärktem Maße versuchten, in Stresssituationen ihr weiteres Verhalten zu überlegen, zu kontrollieren und nicht aufzugeben. Belastungsinkontinente reagierten im Gegensatz zu gesunden Personen eher passiv erduldend und leidend.

Dranginkontinente Frauen neigten im Vergleich mit belastungsinkontinenten Frauen eher dazu, emotionale Belastungssituationen zu „bagatellisieren" (Abschwächung der wahrgenommenen Bedrohung) und zu „vermeiden" bzw. nach „Selbstbestätigung zu suchen", was darauf deutet, dass Stresssituationen von den Dranginkontinenten nicht aktiv bewältigt, sondern umgangen werden, indem sie Anerkennung auf anderen Gebieten suchen.
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis6
Danksagung13
Zusammenfassung15
1 Einleitung17
2 Inkontinenz19
Definition19
Formen und Ursachen19
Prävalenz22
Diagnostik23
Therapie25
3 Krankheitsverarbeitung29
Begriffsexplikation und Definition29
Theorien und Modellvorstellungen31
Ich-psychologisches Modell31
Dispositionale Modelle31
Phasenmodelle31
Situationsbezogene Modelle32
Vergleich der Krankheitsverarbeitungsmodelle36
Deskription und Klassifikation von Krank-heitsverarbeitungsformen37
Formale Klassifikation38
Inhaltlich-thematische Klassifikation43
Adaptivität der Krankheitsverarbeitung47
Einfluss der Ressourcen auf die Krankheits-verarbeitung51
Dispositionaler Optimismus52
Krankheitsspezifische Kontrollüberzeugungen53
Wahrgenommene soziale Unterstützung55
4 Entwicklungsregulation über die Lebensspanne57
Modell der Selektiven Optimierung mit Kom-pensation58
Lebenslauftheorie der Kontrolle59
Zwei-Prozess-Modell der Entwicklungsregu-lation60
Vergleich der Modelle der Entwicklungsre-gulation über die Lebensspanne63
5 Empirische Befunde zur Verarbei-tung von Inkontinenz im Alter65
6 Forschungsfragen und Hypothesen71
Subjektives Belastungserleben72
Krankheitsverarbeitung75
Subjektives Wohlbefinden79
Zusammenfassung84
7 Methode87
Durchführung und Design der Untersu-chung87
Messinstrumente89
Kognitives Screening: MikroMental Test89
Erfassung soziodemografischer und anamnes-tischer Daten90
Erfassung des subjektiven Belastungserlebens91
Erfassung der Krankheitsverarbeitung92
Erfassung des subjektiven Wohlbefindens94
Erfassung der Ressourcen96
Analyse und Umgang mit fehlenden Daten98
Statistische Verfahren99
Qualitative Inhaltsanalyse100
Hauptkomponentenanalyse101
Regressionsanalyse102
Beschreibung der Untersuchungsstich-probe109
Soziodemografische Daten109
Anamnestische Daten111
8 Ergebnisse115
Übersicht115
Subjektives Belastungserleben116
Ergebnisse der qualitativen Analyse116
Ergebnisse der quantitativen Analyse127
Krankheitsverarbeitung133
Direkte Effekte des subjektiven Belastungserlebens auf die Krankheitsverarbeitung133
Interaktionseffekte zwischen subjektivem Belas-tungserleben und Ressourcen, Alter sowie Ge-schlecht auf die Krankheitsverarbeitung142
Subjektives Wohlbefinden146
Direkte Effekte des subjektiven Belastungserlebens und der Krankheitsverarbeitung auf das subjektive Wohlbefinden146
Interaktionseffekte zwischen subjektivem Belas-tungserleben und Krankheitsverarbeitung, Res-sourcen, Alter sowie Geschlecht auf das subjektive Wohlbefinden155
Interaktionseffekte zwischen Krankheitsverarbei-tung und Ressourcen, Alter sowie Geschlecht auf das subjektive Wohlbefinden166
Tabellarische und grafische Zusammen-fassung178
9 Diskussion183
Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse184
Subjektives Belastungserleben184
Krankheitsverarbeitung191
Subjektives Wohlbefinden198
Implikationen der Ergebnisse für die Theorie und Praxis203
Methodische Einschränkungen der Untersu-chung207
10 Schlussbemerkungen und Ausblick211
11 Literaturverzeichnis215
12 Tabellenverzeichnis233
13 Abbildungsverzeichnis237
14 Anhangsverzeichnis239

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