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E-Book

Bewegend

Berichte einer Physiotherapeutin

AutorClaudia Pinuu
VerlagVerlag Kern
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl236 Seiten
ISBN9783957161987
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Heilen und Wohltun - das ist Motivation genug, um den Beruf des Physiotherapeuten zu ergreifen. Trotz schlechter Bezahlung und widriger Arbeitsbedingungen widmet sich Claudia Pinuu mit ganzem Herzen und fachlichem Können ihren Patienten. Sie schildert Fälle aus ihrer beruflichen Praxis. Daraus wird der Zusammenhang zwischen körperlicher und seelischer Gesundheit deutlich. Allein mit Bewegungs-Therapie stößt manche Behandlung an ihre Grenzen, sensibel und aufmerksam sollten Therapeuten auch die verborgenen Ursachen des blockierten Körpers aufspüren. Claudia Pinuu gewährt tiefe Einblicke in einen Beruf, der im Gesundheitswesen ein Schattendasein führt und doch für viele unverzichtbar ist, um nach einer Verletzung wieder beweglich zu werden und ohne fremde Hilfe das eigene Leben meistern zu können. Sie möchte ein Zeichen setzen für eine positive Veränderung in diesem Beruf, und außerdem eine Brücke schlagen zwischen jeder Art von Wissenschaft und Spiritualität. Für Bewegungen - nicht gegeneinander, sondern miteinander.

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Leseprobe

Fast alles über die Physiotherapie


Physiotherapeuten haben sehr vielfältige Aufgaben zu bewältigen.

In der Ausbildung erhalten sie ein kleines Medizinstudium.

Vorrangig erlernt man natürlich ausgiebig die Anatomie und Physiologie des Menschen. Das ist die Basis.

Es wird außerdem unterrichtet in den Fachbereichen Neurologie, Innere Medizin, Orthopädie, Chirurgie, Pädiatrie, wie auch in der Gynäkologie, Psychologie und Psychiatrie.

Und dann gibt es auch noch spezielle Unterrichtseinheiten der Physiotherapie, wie Bobath, Atemtherapie, Elektrotherapie, Hydrotherapie, Trainingslehre, klassische Massagetherapie und noch einiges mehr.

Man absolviert einen großen Anteil theoretischen Unterrichts, hauptsächlich aber lernt der angehende Therapeut praktisch.

Alle Techniken, die man später am Patienten beherrschen muss, üben die Kommilitonen gegenseitig aneinander.

Das bedeutet: Alles, was man am Patienten tut, hat man auch an sich selbst erfahren und an gleichwertigen Versuchskaninchen bereits ausgiebig geprobt.

Dass man selbst alles gespürt hat, ist eine sehr wichtige Erfahrung und Voraussetzung, um gut mit den Patienten umzugehen.

Bei einer Weiterbildung für Manuelle Medizin, an der auch Ärzte teilnehmen konnten, machten wir nicht selten die Erfahrung, von einem Doktor beinahe einen Wirbel oder andere Gelenke gebrochen zu bekommen.

So ungeübt sind sie zum Teil in Bezug auf Berührungen mit Menschen, sprich: mit ihren potenziellen Patienten.

Ihr einziger Kontakt zum Menschen beruht oft nur auf dem Anlegen des Stethoskops oder der Blutdruckmanschette.

Ein Physiotherapeut hat einen sehr wichtigen Einfluss auf den Gesundheitszustand der Patienten, die in den meisten Fällen wegen Schmerzen, oder aber aufgrund von Einschränkungen bei bestimmten Bewegungen zur Therapie kommen. Wenn sie an der Ausführung wichtiger oder auch alltäglicher Handlungen gehindert werden.

Viele sind sogar krankgeschrieben. Manche sind chronisch krank.

Andere Menschen wiederum haben Unfälle erlitten, durch die sie körperliche Schäden davontrugen, wie zum Beispiel Knochenbrüche. In schlimmeren Fällen sind es neurologische Ausfälle.

Bei Atemwegserkrankungen benötigt man Atemtherapie und auch muskuläre Behandlungen, da sich durch eine erschwerte Atmung und den daraus resultierenden Angstzuständen bei Erstickungsanfällen schwere Verspannungen entwickeln, die ihrerseits das tiefe Atmen verhindern.

Bei Parkinson, Multipler Sklerose oder nach einem Schlaganfall etwa müssen Bewegungen wieder erlernt werden oder es bedarf regelmäßiger Behandlungen, damit Bewegungen erhalten bleiben. Alles, damit man alltagstauglich ist und eine höhere Lebensqualität erfahren darf.

Sogar Menschen, die im Koma liegen, erhalten Physiotherapie. Sie müssen regelmäßig durchbewegt werden, um Kontrakturen, die mit großen Schmerzen verbunden wären, zu vermeiden.

Palliative Patienten und auch sterbende Menschen finden Hilfe durch Atemtechniken oder Entspannung, die Ängste abbauen und Schmerzen lindern.

Man kann Erleichterung schaffen und die Lebensqualität der letzten Lebensphase enorm steigern, Wohlbefinden fördern mit kleinen unterstützten Bewegungen, die sonst allein nicht mehr möglich wären oder auch mit der Lymphdrainage, die Wassereinlagerungen reduzieren kann, und somit auch wiederum Druck und Schmerz lindert.

Sogar Babys werden wegen körperlichen Beschwerden behandelt, die größtenteils bereits durch die Geburt entstanden sind, wie Deformierungen am Schädel oder Hüftproblematiken. Und die etwas größeren Kinder mit den berühmten Verhaltensauffälligkeiten, wie z. B. ADS/​ADHS, erhalten psychomotorische Behandlungen.

Auch geistig wie körperlich behinderte Menschen werden physiotherapeutisch unterstützt. Nicht nur mit Körpertherapien, sondern auch durch Versorgung mit Hilfsmitteln, wie Rollstühlen oder anderen nützlichen Geräten, die den Alltag erleichtern und die Teilnahme am sozialen Leben fördern sollen, die den körperlichen Fehlstellungen entweder entgegenwirken oder aber sie stabilisieren, damit ein progredienter (kontinuierlich schlechter werdender) Verlauf verlangsamt oder verhindert wird.

Man führt Esstraining durch und gibt entscheidende Hilfen, damit zum Beispiel ein Spastiker sich bei den Mahlzeiten nicht verschluckt, wenn man ihm die Nahrung zuführt, die er meist nicht selbst zu sich nehmen kann, oder man arbeitet daran und übt, dass er sie selbst zu sich nehmen kann.

Zu guter Letzt sei in diesem Bereich noch das Rollstuhltraining erwähnt. Ziel auch hier: Selbstständigkeit – Autonomie.

In psychiatrischen Einrichtungen, für Erwachsene wie auch für Kinder und Jugendliche, ist ein wichtiger Schwerpunkt die Wahrnehmungsschulung.

Das ist nur ein kleiner Einblick in die Vielfältigkeit dieses Berufes.

Und dabei habe ich hier nicht einmal erwähnt, dass man auch im Sportbereich auf den Physiotherapeuten nicht verzichten kann, der massiert, die bunten Kinesiotapes klebt, dehnt, trainiert oder Zerrungen und andere Verletzungen behandelt.

Oder dass präventiv viele Angebote laufen, Kurse die Krankheiten und Schmerzen vorbeugen, die zum Teil von den Kassen bezuschusst werden.

Du kannst nicht nur in einer Praxis arbeiten, sondern auch in Alten- und Pflegeheimen, Kindergärten, Psychiatrien oder Sportstudios und vieles mehr.

Bei diesen vielfältigen und auch wertvollen Aufgaben erhält ein Physiotherapeut allerdings äußerst wenig Autonomie.

Er darf nicht eigenständig behandeln, sondern nur, nachdem ein Arzt eine Verordnung ausgestellt hat.

Außer wenn es sich um Wellness-Geschichten handelt, die quasi gekauft werden können, wie z. B. eine Fußreflexzonen- oder Hot-Stone-Massage.

Möchte ein Patient selbstzahlend ganz normale Krankengymnastik bekommen, weil es ihm schlicht gut tut, so muss dennoch erst ein Arzt eine „Unbedenklichkeitsbescheinigung“ für ihn ausstellen, die besagt, dass einer Therapie gesundheitlich nichts im Wege steht.

Ohne das geht es nicht.

Einem Heilpraktiker ist das selbstständige Behandeln, ohne dass vorher ein Arzt grünes Licht gegeben hat, erlaubt.

Der Clou an der Geschichte ist, dass jeder Fleischer oder Koch eine Heilpraktikerprüfung ablegen kann.

Selbst per Fernkurs ist das heute möglich.

Man zahlt in etwa 3000 Euro und wird auf die Prüfung vorbereitet.

Voraussetzung zum Ablegen einer Prüfung:

Lediglich die Vollendung des 25. Lebensjahres, mindestens ein Hauptschulabschluss sollte vorhanden sein, keine Vorstrafen und keine ansteckenden Krankheiten

(Vorlage des Gesundheitszeugnisses).

Ein Physiotherapeut kann selbstverständlich so eine Prüfung auch machen.

Aber hat er nicht schon mit über 20 Prüfungen für das Staatsexamen ausreichende Fachkenntnisse bewiesen?

Wenn man beim Arzt ist, läuft es meistens so ab, dass der Patient in das Behandlungszimmer kommt und nach durchschnittlich 8 Minuten wieder draußen ist.

Unter Umständen wurde er nicht einmal vom Arzt angefasst, ihm wurden lediglich ein paar Fragen zur direkten Beschwerde gestellt, aber mehr nicht.

Die Patienten sind so konditioniert, dass sie beim Arzt, obwohl sie einen Termin haben, bis zu zwei Stunden warten bis sie dran sind. Beim Physiotherapeuten allerdings beginnen sie bereits nach 3 Minuten, die ihren angegebenen Therapiestart überschreiten, wie ein Tiger im Käfig hin und her zu laufen, oder Personal aufzusuchen, um sich zu erkundigen, wo der Therapeut endlich bleibt.

Was nichts anderes aussagt, als dass es normal ist, beim Arzt sehr lange warten zu müssen, und dass man beim Physiotherapeuten sehr pünktlich dran kommt, meist auf die Minute genau, was auf eine gute Arbeitsplanung hindeutet.

Die wahren Ursachen der Schmerzen oder noch weitere Beschwerden zeigen sich oft erst beim Besuch in der Physiotherapie-Praxis. Denn dort hält sich der Patient mindestens 20 Minuten, oft sogar 30 Minuten in Behandlung auf, in speziellen Fällen auch länger, zum Beispiel bei neurologischen Krankheiten, oder wenn er zwei Verordnungen miteinander kombiniert, wie beispielsweise 30 Minuten Lymphdrainage und 20 Minuten Krankengymnastik.

Die Berührung eines Patienten mit unseren Händen ist das Hand-Werk des Physiotherapeuten.

Ohne das wären wir keine Physiotherapeuten.

So sehe ich das. Auch wenn es in der Tat einige Ausnahmen gibt, die strikt Berührungen mit Patienten vermeiden, und nur mit Geräten arbeiten.

Es gibt natürlich einiges an Schnickschnack, Geräten und Hilfsmitteln, die man für eine Therapie einsetzen kann. Manches ist sehr nützlich und manches kann man getrost weglassen – Dinge, die die Welt nicht braucht.

Wenn man eine eigene Praxis eröffnen möchte, erhält man diverse Auflagen, die für eine Praxisgenehmigung zu erfüllen sind.

Zum Beispiel hat man eine Sprossenwand zu montieren.

Dies ist sicherlich noch ein Relikt aus vergangenen Zeiten, da Rückenbehandlungen „Orthopädisches Turnen“ hießen, und der Physiotherapeut ein Krankengymnast war.

In den 70-ern habe ich als Kind selbst auch an solch einer Sprossenwand turnen müssen.

Außer dieser obligatorischen und manchmal sogar auch nützlichen Sprossenwand, das muss man ihr trotzdem lassen, setzen wir zum Beispiel Ergometer ein, Kraftgeräte,...

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