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Börsenerfolg mit der Keynes-Methode

Volkswirtschafts-Genie und Börsenprofi: Geld verdienen auf den Spuren einer Legende

AutorJohn F. Wasik
VerlagBörsenbuchverlag
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl232 Seiten
ISBN9783864702723
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
John Maynard Keynes ist einer der einflussreichsten Volkswirte des 20. Jahrhunderts. Kaum bekannt ist hingegen, dass er auch einer der kompetentesten und innovativsten Investoren war. John F. Wasik zeigt uns einen weitgehend unbekannten John Maynard Keynes. Wir erfahren, wie seine volkswirtschaftliche Ansichten sein Anlageverhalten beeinflusst haben und umgekehrt. So wandelte er sich vom Rohstoffspekulanten zum Value-Investor. Wasik arbeitet heraus: Keynes' Einsichten zu Buy and Hold, Diversifikation oder den Vorzügen von Dividenden-Aktien sind zeitlos und sollten auch von Anlegern des 21. Jahrhunderts zur Kenntnis genommen werden. Nicht umsonst hat er großen Einfluss auf Star-Investoren wie Warren Buffett und George Soros ausgeübt. Zeit für einen Blick auf den Investor Keynes.

John F. Wasik ist preisgekrönter Wirtschaftsjournalist, Kolumnist, Blogger, Herausgeber, Redner und Autor von bisher 14 Büchern. Er schreibt unter anderem für Reuters, die New York Times und Forbes.

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Leseprobe

VORWORT
KEYNES ALS ANLEGER


In dem turbulenten Umfeld dieser unserer Zeit „nach der Blase“ liegt die Aufmerksamkeit weltweit auf zwei wirtschaftspolitischen Konzepten gegen den globalen Abschwung. Das eine basiert auf der freien Marktwirtschaft, die der österreichische Volkswirt Friedrich Hayek (1899-1992) verfocht: Kürzung der Staatsausgaben, Senkung der Defizite und der Verschuldung sowie die Volkswirtschaft durch Wachstum mittels freier Märkte für Waren und Dienstleistungen reagieren lassen.

Auf der anderen Seite steht die „keynesianische Ökonomie“, die der britische Volkswirt John Maynard Keynes (1883-1946) vertrat. Sie fordert massive staatliche Einmischung mit dem Ziel, die gesamtwirtschaftliche Nachfrage durch eine sogenannte „Ankurbelung“ zu steigern: Die Staatsausgaben sowie die Defizite und die Verschuldung werden erhöht (zumindest so lange, bis wieder Wirtschaftswachstum einsetzt) und staatliche Konjunkturpakete gleichen die ausbleibenden privaten Ausgaben aus.

Ich muss zugeben, dass die Botschaft von Keynes’ Hauptwerk „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ etwas über meinen noch jungen Horizont ging, als ich es 1950 als VWL-Student zum ersten Mal las. Ein Kapitel – Kapitel 12 mit der Überschrift „Der Zustand der langfristigen Erwartung“ – fand ich allerdings klar und überzeugend. Dieses Kapitel, das mit Anlegerweisheiten durchsetzt ist, wirkte sich wesentlich auf meine Abschlussarbeit aus, die ich 1951 schrieb: „The Economic Role of the Investment Company“. Außerdem sind Keynes’ Erkenntnisse in viele meiner späteren Aufsätze und Vorlesungen eingeflossen – und in neun der zehn Bücher, die ich seit 1993 geschrieben habe. Und somit lieferte der Anleger Keynes, nicht der Volkswirt, die Inspiration für meine zentrale Investmentphilosophie.

Deshalb freute ich mich ganz besonders, als ich erfuhr, dass sich der Journalist John F. Wasik in dem Buch, das Sie jetzt in Händen halten, mit genau diesem Thema – Keynes’ Anlegerwissen – befassen wollte. Als ich Wasiks Manuskript las, merkte ich schnell, dass ich ein echtes Kleinod entdeckt hatte. Es ist faszinierend, sorgfältig recherchiert sowie (was man von einem fähigen Journalisten eigentlich auch erwarten kann) prägnant und überaus lesenswert. Ich kann es Ihnen nur empfehlen.

Wie der Untertitel der Originalausgabe schon sagt – „Timeless Investment Lessons from the Great Economist“ –, bietet Keynes’ Karriere als brillanter Anleger dem heutigen Anleger ein solides Fundament für die Entwicklung und Umsetzung einer intelligenten Anlagestrategie. In Kapitel 9 stellt Wasik zehn Regeln vor – „Schlüssel zum Wohlstand“ –, die ich voll und ganz unterschreibe. Tatsächlich sind dies die zentralen Prinzipien meines eigenen Investmentportfolios. Und was noch wichtiger ist: Diese Schlüssel zur erfolgreichen Geldanlage stellen in weiten Teilen die grundlegenden Anlagestrategien dar, die ich der Vanguard Group of Investment Companies einimpfte, als ich sie 1974 gründete. Eigentlich gründeten sich diese Grundwerte in vielfacher Hinsicht auf die Ideen, die ich in der erwähnten Princetoner Abschlussarbeit vor mehr als sechs Jahrzehnten formuliert habe. Sie haben sich bewährt.

Die Rolle, die Lord Keynes in meiner langen Laufbahn gespielt hat, ist ein außerordentliches Beispiel dafür, dass fundierte Ideen, die im Grunde einfach zu verstehen und leicht zu erklären sind, über Jahre hinweg ihren Widerhall finden können. Ich glaube, Keynes würde staunen, wie dauerhaft sie sich im Denken der Anleger – und in ihren Investmentprogrammen – auch noch 80 Jahre nach der Veröffentlichung von „Allgemeine Theorie“ und dessen aufschlussreichem Kapitel 12 halten.

Ich möchte die Geschichte damit beginnen, wie Keynes die wesentliche Unterscheidung zwischen Anlage und Spekulation traf. Im Jahr 1925 kritisierte er die törichte Vorliebe von Anlegern, stillschweigend davon auszugehen, die Zukunft werde der Vergangenheit ähneln. Er warnte: „Es ist gefährlich, auf vergangenen Erfahrungen basierende induktive Argumente auf die Zukunft anzuwenden, außer wenn man die allgemeinen Gründe für die Beschaffenheit der Vergangenheit kennt.“1)

Unternehmertum und Spekulation


Zehn Jahre später befasste er sich in „Allgemeine Theorie“ mit den beiden generellen Gründen, durch die sich die Rendite von Aktien erklärt. Der erste war das, was er als „Unternehmertum“ bezeichnete – „die voraussichtliche Rendite eines Vermögenswerts über seine gesamte Lebensdauer vorhersagen“. Der zweite war die „Spekulation“ – „die Psychologie des Marktes vorhersagen“. Zusammengenommen erklären diese beiden Faktoren den „Stand der langfristigen Erwartung“ der Anleger.

Keynes stellte von seinem Londoner Standpunkt aus fest: „An einem der größten Anlagemärkte der Welt, nämlich in New York, hat die Spekulation einen enormen Einfluss. [...] Es ist selten, dass ein Amerikaner um der laufenden Rendite willen investiert, und er kauft eine Anlage fast nur in der Hoffnung auf Kapitalerträge. Anders ausgedrückt knüpft er seine Hoffnungen daran, dass sich die übliche Bewertungsbasis positiv ändert, und daher ist er ein Spekulant.“ Heute, 80 Jahre später, ist die Situation die gleiche, nur noch viel ausgeprägter.

Lord Keynes’ Vertrauen, dass die kurzfristige Spekulation das langfristige Unternehmertum ausstechen würde, beruhte darauf, dass sich Aktien damals vorwiegend im Besitz von Privatpersonen befanden, die kaum etwas über die Geschäftstätigkeit und über Bewertungen wussten. Dies führte zu übertriebenen, sogar absurden Marktschwankungen, die von kurzlebigen, unbedeutenden Ereignissen hervorgerufen wurden. Er argumentierte (zutreffend), die kurzfristigen Gewinnschwankungen der bestehenden Investments würden zu unvernünftigen Wellen optimistischer beziehungsweise pessimistischer Stimmung führen.

Weiter argumentierte Keynes, die Konkurrenz unter fachkundigen Profis mit größerem Urteilsvermögen und Wissen als der durchschnittliche Privatanleger müsste eigentlich die Launen korrigieren, die von unwissenden Privatanlegern ausgehen. Die Energie und das Geschick eines professionellen Anlegers würden sich irgendwann nicht mehr darauf richten, bessere langfristige Prognosen bezüglich der wahrscheinlichen Rendite einer Anlage über ihre gesamte Lebensdauer zu treffen, sondern darauf, Änderungen der üblichen Bewertungsgrundlage bereits etwas früher als die Allgemeinheit vorherzusehen. Deshalb beschrieb er den Markt als „Kampf des Verstands, die übliche Bewertungsbasis auf einige Monate hinaus vorwegzunehmen, nicht den voraussichtlichen Ertrag einer Anlage über lange Jahre hinweg“.

Ein junger Student widerspricht einem alten Meister


Ich habe Keynes’ Schlussfolgerungen 1951 in meiner Abschlussarbeit zwar zitiert, besaß aber als junger Student die Kühnheit, dem alten Meister zu widersprechen. Ich behauptete, die professionellen Investoren würden nicht der Psychologie unwissender Marktteilnehmer erliegen, sondern sie würden sich auf das Unternehmertum konzentrieren. In der, wie ich – zutreffend – voraussagte, viel größer werdenden Investmentfonds-Industrie würden die Portfoliomanager „den Markt mit einer Nachfrage versorgen, die stetig, differenziert, aufgeklärt und analytisch sein wird [Hervorhebung nachträglich], eine Nachfrage, die im Wesentlichen auf der [inhärenten] Unternehmensleistung und nicht auf der öffentlichen Einschätzung beruht, die sich im Preis der Aktien niederschlägt“. Doch leider hat es die differenzierte und analytische Konzentration auf das Unternehmertum seitens der professionellen Investoren der Branche, die ich vorhergesagt hatte, völlig versäumt, sich zu materialisieren. Stattdessen hat sich die Betonung der Spekulation unter den Investmentfonds um ein Vielfaches zugenommen. Zwischen Keynes und Bogle steht es somit eins zu null für Keynes.

Interessanterweise war sich Keynes der Fehlbarkeit von Ertragsprognosen deutlich bewusst. Er stellte fest: „Es wäre töricht, wenn wir bei der Bildung unserer Erwartung Angelegenheiten großes Gewicht beimessen würden, die sehr ungewiss sind.“ Weiter schrieb er: „Mit ‚sehr ungewiss‘ meine ich nicht das Gleiche wie ‚unwahrscheinlich‘.“ Deshalb versuchte Keynes nicht, das Verhältnis zwischen Unternehmertum und Spekulation in der Preisbildung einzelner Aktien zu quantifizieren. Ebenso wenig kam es ihm in den Sinn, die Risiken einzelner Aktien durch ein Portfolio wegzudiversifizieren, das aus Hunderten von Aktien besteht. Mir allerdings kam es Jahrzehnte später in den Sinn, mich auf Aktienportfolios zu konzentrieren und dieses Verhältnis zu quantifizieren.

Die Bezifferung der...


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