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Breaking Banks

Weshalb Banken der Vergangenheit angehören - und wer in Zukunft unser Geld verwaltet

AutorBrett King
VerlagBörsenbuchverlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl384 Seiten
ISBN9783864702778
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis21,99 EUR
'Disruption' ist der Begriff der Stunde. Neue Technologien krempeln altbewährte Geschäftsmodelle um und lassen Marktführer zu Verlierern werden. So geschehen in der Musikindustrie, bei Büchern und vielem mehr. Kommen jetzt die Banken dran? Bestsellerautor Brett King untersucht, welche Veränderungen auf den Bankensektor zukommen. Seiner Meinung nach wird dieser 'in den nächsten zehn Jahren mehr Veränderung sehen als in den letzten hundert.' Ob Cloud-Lending, Neo-Banks, FinTech oder Social Banking: King untersucht die Trends und Möglichkeiten und identifiziert Gewinner, Verlierer und Perspektiven.

Brett King ist Bestsellerautor, ein bekannter Visionär und Redner. Im Jahr 2012 wurde er zum 'American Banker's Innovator of the Year' gewählt. Für den Bereich der Innovation im Bankensektor gilt er in Branchenkreisen als der Experte schlechthin.

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Leseprobe

KAPITEL 1


EINE NEUE FACETTE DES KREDITGESCHÄFTS


Während der globalen Finanzkrise kam es in Ländern wie den USA und dem Vereinigten Königreich zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt zu einem Rückgang der privaten Verschuldungsquote, in den vergangenen Monaten konnte das Aktivgeschäft jedoch wieder an Fahrt aufnehmen und sich dem Niveau von vor der Finanzkrise annähern.

Was die Bonitätsprüfung angeht, ist es für traditionelle Kreditgeber zunehmend schwierig, mit digitalen Dienstleistungen und Plattformen zu konkurrieren, die mehr Informationen und Möglichkeiten auf dynamischere Weise anbieten. Mithilfe neu entwickelter, weitaus unproblematischerer Verfahren als typische Kreditantragsformulare von Kreditgebern konnten die Bewilligungszeiten drastisch verkürzt werden. Durch das wachsende Misstrauen gegenüber traditionellen Bankensystemen und durch immer teurer werdende Kredite haben sich Unternehmer den Instrumenten des digitalen Zeitalters zugewandt, um neue Lösungen für Menschen anbieten zu können, die nicht über ein Bankkonto verfügen oder die transparente und kosteneffiziente Lösungen suchen. Kredite gibt es schon seit sehr langer Zeit. Kredite gab es schon Tausende Jahre vor der Einführung einer formellen Währung und eines formalisierten Bankensystems.

Bei archäologischen Ausgrabungen wurden in den letzten 150 Jahren Hunderte von Tafeln gefunden, deren Geschichte sogar bis 3000 Jahre vor unsere Zeitrechnung zurückreicht. Diese Tafeln beweisen, dass damals Silber und Gerste (und manchmal auch Gold) als primäre Währung und Wertaufbewahrung genutzt wurden. Mesopotamische Händler und Kreditgeber vergaben Kredite in Form von Silber und Gerste, und um Zinswucher zu vermeiden, wurden die Zinssätze1 gesetzlich festgelegt. Der Jahreszins für Silberkredite lag bei 20 Prozent und für Gerstenkredite bei 33,3 Prozent.

Fast 4000 Jahre später nutzen wir noch immer das gleiche grundsätzliche System für das Kreditgeschäft – bestehend aus einem Schuldner, einer Laufzeit und einem Zinssatz.

Kredite sind heute überall kostengünstig verfügbar. Kredite in Form von Autokrediten, Studentenkrediten, Kleinkrediten, Hypotheken und Kreditkarten sind in steigender Zahl in der entwickelten Welt gebräuchlich. Kleinstkredite und Kreditsysteme, die vor Kurzem unter anderem von der Grameen Bank2 in Bangladesch und von neuen sozialen Online-Plattformen wie Kiva.org3 populär gemacht wurden, haben gesellschaftlichen Kreisen, die traditionell keine Möglichkeit hatten, einen Kredit aufzunehmen, den Zugang dazu erleichtert.

Auch unsere Abhängigkeit von Krediten und die Art, wie wir Kredite nutzen, haben sich in den letzten Jahren geändert. In den frühen 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts lag die Verschuldung der privaten Haushalte in den USA im Verhältnis zum Einkommen bei etwa 60 Prozent. Zur Zeit der Finanzkrise im Jahr 2008 war dieses Verhältnis auf mehr als 100 Prozent gestiegen. Auf dem Höhepunkt der Verschuldung, direkt vor der Finanzkrise, lag die Schuldenquote der privaten Haushalte in den USA bei etwa 140 Prozent, im Vereinigten Königreich sogar bei 170 Prozent. Heutzutage liegt allein die Kreditkartenbelastung amerikanischer Haushalte bei ungefähr 15.185 Dollar pro Haushalt, Mitte des Jahres 2008 lag dieser Wert noch bei 19.000 Dollar (Abbildung 1.1).

Abbildung 1.1 Verschuldung der Haushalte in den USA und dem Vereinigten Königreich im Verhältnis zum Gesamteinkommen.
Quelle: Federal Reserve, BLS, Office of National Statistics (UK).

Die gute Neuigkeit (für Konsumenten) ist, dass in Ländern wie den USA und dem Vereinigten Königreich seit der Finanzkrise weniger Schulden gemacht werden. Seit der Finanzkrise ist die Haushaltsverschuldung im Verhältnis zum Einkommen um etwa 20 Prozent zurückgegangen, wodurch die Verschuldung durch Haushaltskredite wieder auf das Niveau von 2002 zurückging. Die schlechte Neuigkeit: Da die Ausfallquote während der Finanzkrise rasant anstieg, bedeutet dieser Rückgang weniger, dass die Leute Geld sparen, sondern liegt eher in der Tatsache begründet, dass die Ausfälle dramatisch angestiegen sind.

Diese steigende Schuldenlast in den entwickelten Volkswirtschaften liegt im Kern daran, dass die wirklichen Kreditkosten und Geldgeschäfte in einem solchen System nicht transparent sind.

In den 1960er-Jahren, als Kredite viel weniger in Anspruch genommen wurden, war das beliebteste Bankkonto ein Sparbuch; es gab keine Geldautomaten, Kreditkarten oder Debitkarten. Wenn man Geld ausgeben wollte, musste man mit dem Sparbuch zur Bankfiliale gehen, Geld abheben und konnte dann natürlich direkt sehen, wie sich diese Abbuchung auf den Kontostand auswirkt. Man konnte normalerweise nicht mehr Geld ausgeben, als man auf dem Bankkonto hatte. Überziehungen waren unüblich, Schecks wurden abgelehnt, wenn nicht genug Geld auf dem Konto war, und die häufigste Form der Finanzierung war eine Hypothek (keine Kreditkarte).

Heutzutage sind die Ausgaben aufgrund der Nutzung von Kreditkarten und Debitkarten weniger schnell sichtbar. Für die 68 Prozent der amerikanischen Haushalte, die von Gehaltszahlung zu Gehaltszahlung leben4, kann das zum Problem werden. Wenn wir versuchen wollen, einen groben Überblick zu behalten, wie wir unser Geld tagtäglich ausgeben, dann verfolgen die meisten von uns ihre Kontobewegungen dafür einfach nicht genau genug. Es ist daher unausweichlich, dass Konsumenten irgendwann im Supermarkt beim Wocheneinkauf die EC-Karte zücken und die Transaktion abgelehnt wird, weil sie mehr Geld ausgegeben haben, als ihnen bewusst war. Oder noch schlimmer, sie überziehen ihr Konto und merken es nicht, bis sie das nächste Mal am Geldautomaten stehen und sehen, dass ihr Konto wegen der Überziehungsgebühren mit 300 Dollar im Minus ist.

Die Art, wie wir Kredite in unserem Leben nutzen, wird sich ändern müssen. Die Sichtbarkeit der realen Kosten von Schulden, ob Studentenkredite, Hypotheken, Kreditkarten oder medizinische Darlehen in den USA, wird mit der Forderung nach höherer Transparenz konfrontiert werden, wenn es um das Bewusstsein der Verbraucher für die realen Kosten geht. Gleichzeitig wird die Entscheidung über die Kreditvergabe im nächsten Jahrzehnt einen schnellen Wandel durchlaufen, da die meisten Entscheidungen in Echtzeit getroffen werden – nicht länger mithilfe eines Antragsformulars, das man in einer Filiale ausfüllt, sondern situationsbedingt und auf Grundlage einer Risikomethodik, die sich mehr aus dem Kundenverhalten ergibt.

WENN DIE BONITÄT MEHR ZÄHLT ALS DAS TATSÄCHLICHE RISIKO


Im Jahr 2010 bin ich in die USA gezogen, und trotz eines guten Einkommens5, einer tadellosen Kredithistorie außerhalb der USA, eines positiven Finanzmittelbestands, eines soliden Anlageportfolios und eines minimalen laufenden Kreditrisikos war es mir nicht möglich, einen Kredit zu bekommen.

Das Problem ist, dass das amerikanische System so abhängig von Kreditscores geworden ist, dass Risikoentscheidungen nicht mehr ohne diesen Wert getroffen werden können. Nach Auffassung vieler Personen scheint es beim Kreditscore mehr um die Bestrafung der Kreditnehmer für schlechtes Verhalten zu gehen als wirklich darum, Zugang zu Krediten zu ermöglichen6. Die meisten Kreditscores7 hinken um 30 bis 60 Tage hinter dem Verbraucherverhalten hinterher (und zeigen nicht die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls auf, wie sie es tun sollten), und die Verbraucher sehen oft einen ganz anderen Kreditscore als die Kreditgeber8.

Mit meinem Einkommens- und Risikoprofil stellte ich kein Risiko für Kreditgeber oder Krediteinrichtungen dar, aber da ich nicht sorgfältig am Aufbau meines Scores gearbeitet hatte, war ich ein Nichts für Kreditgeber – oder negativ ausgedrückt ein mutmaßlich „Schuldiger“; ich hatte das, was man in der Branche eine dünne Kreditakte nennt. Hätte eine Bank mein Verhalten untersucht, hätte sie gesehen, dass ich jeden Monat spare und deutlich weniger Geld ausgebe, als ich verdiene – und dass daher meine Möglichkeiten, einen Kredit zu tilgen, sehr hoch sind. Außerdem hat sich mein Gehalt im Laufe der letzten vier bis fünf Jahre deutlich erhöht und dieser Trend müsste ja eigentlich bedeuten, dass sich meine Fähigkeit zur Tilgung eines Kredits verbessert. Nichts davon zählte. Die Logik eines fundierten Kreditentscheids, basierend auf dem tatsächlichen Risiko, wurde von einem anderen Mechanismus abgelöst – einem Standardwert, der kein guter Indikator für Risiken ist, wenn ihm nicht eine mindestens zwei- bis dreijährige Historie zugrunde liegt oder wenn man sich um den Aufbau des Wertes nicht extra bemüht.

Es ist natürlich ein berechtigtes Argument, dass in einem System, das Zugriff auf Kreditmöglichkeiten in Echtzeit oder zumindest innerhalb kürzester Zeit erfordert, vielleicht sogar in einem Laden zum Zeitpunkt eines Kaufs, eine Art automatisiertes System zur Bewertung des Kreditrisikos benötigt wird. Sind mangels eines besseren Systems vielleicht Kreditscores oder Kreditbüros...

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