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E-Book

Britisch Kurzhaar

Charme, Kulleraugen und Kuschelfell

AutorJana Weichelt
VerlagCadmos Verlag
Erscheinungsjahr2015
Seitenanzahl96 Seiten
ISBN9783840463037
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis6,99 EUR
Als schnurrender Silbertiger, weißes Schneeflöckchen oder graues Bärchen - so ist vielen von uns die Britisch Kurzhaar aus der Fernsehwerbung bekannt. Was macht die gemütlichen Briten mit den Kulleraugen eigentlich so beliebt? Dieser Frage geht die Autorin in ihrem Rasseporträt nach. Sie beleuchtet die Geschichte der Rasse, die sich über viele Jahrhunderte frei von den Einflüssen anderer Katzenrassen entwickeln konnte. So entwickelten sich robuste, kräftige Katzen mit wasserabweisendem Fell, die außerordentliche gute Mäusejäger und freundliche Gefährten waren. Jana Weichelt, die selbst eine kleine Zucht betreibt, informiert über die aktuellen Rassestandards, die vielfältigen Farbvariationen und den besonderen Charakter der oft auch als die Teddybären unter den Katzen bezeichneten Stubentiger. Sie klärt die Frage, was die blaue Britisch Kurzhaar von der Karthäuser unterscheidet. Und gibt denjenigen, die eine Britisch Kurzhaar bei sich aufnehmen möchten, Tipps zur Entscheidungshilfe. Haltungs- und Pflegehinweise aus der Praxis runden das liebevolle Rasseporträt ab. Jana Weichelt ist selbstständige Tierfotografin und hat nicht nur den Text, sondern auch die wunderschönen Fotos für dieses Buch geliefert.

Jana Weichelt betreibt seit zehn Jahren eine kleine, erfolgreiche Zucht der Rasse Britisch Kurzhaar, wobei ihre Katzen in erster Linie ihre Haustiere sind, sodass der Nachwuchs entsprechend mit viel menschlicher Nähe und sehr behütet aufwachsen darf. Seit 2004 arbeitet Jana Weichelt als selbstständige Tierfotografin, ihre Bilder wurden bei verschiedenen Buch- und Kalenderverlagen veröffentlicht. Mit ihrem Mann und ihren Katzen lebt die Autorin in Mülheim an der Ruhr.

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Leseprobe

Rassegeschichte

 

Mehr als 100 Jahre ist es her, dass passionierte Katzenliebhaber damit begannen, aus englischen Straßenkatzen eine eigene Rasse zu formen, die uns heute als Britisch Kurzhaar bekannt ist. Nach Meinung vieler Züchter gehört sie damit zu den ältesten planvoll gezüchteten Katzenrassen überhaupt. Auf der Suche nach ihren Ursprüngen muss man jedoch noch weiter in die Vergangenheit zurückblicken, denn die Entwicklung der heute so beliebten Rassekatze ist untrennbar mit der Geschichte der domestizierten Katzen in Europa verbunden. Im alten Ägypten begann die Domestizierung von Katzen bereits vor über 6000 Jahren. Zeichnungen aus dem dritten Jahrtausend vor Christus beweisen ein friedliches Zusammenleben von Mensch und Katze. Die große Bedeutung, die sich schon früh zur kultischen Verehrung steigerte, ist vor allem auf die landwirtschaftliche Prägung der altägyptischen Kultur zurückzuführen. Getreide war im alten Ägypten sehr kostbar und besonders Katzen boten einen wirksamen Schutz vor ungebetenen Gästen wie Mäusen und Ratten, die sich an den Vorräten zu schaffen machten. Griechen und Römer dagegen betrachteten Katzen zu dieser Zeit als eher merkwürdige Haustiere. Schließlich überließen sie es lieber den Frettchen, Haus und Hof von Mäusen und Ratten frei zu halten, zudem war die Ausfuhr von Katzen aus Ägypten streng untersagt. Doch wie es sich mit Verboten nun mal so verhält, wurde auch dieses umgangen. Die Phönizier schmuggelten auf ihren Schiffen Katzen nach Europa und trugen so maßgeblich zu ihrer Verbreitung bei. Zur Zeit der Völkerwanderungen kamen schließlich immer mehr Katzen auf Handels- und Kriegsschiffen der Römer nach Mitteleuropa.

Die Katzen von der Insel

Vor etwa 2000 Jahren brachten höchstwahrscheinlich römische Soldaten die ersten Katzen vom Festland mit nach Britannien, damit diese die Getreidevorräte frei von Mäusen und Ratten halten. Im Laufe der Jahre wurden zwar die Römer von der britischen Insel vertrieben, doch die Katzen blieben. Sie entwickelten sich, weitestgehend sich selbst überlassen, als britische Variante der Bauernhofkatze weiter. Inwieweit diese sich mit den heimischen Wildkatzen (felis silvestris) verpaarten, ist nicht geklärt. Als sicher gilt jedoch, dass die britische Hauskatze bedingt durch die isolierte Insellage relativ frei von den Einflüssen anderer Katzenrassen blieb. Es entwickelten sich über Jahrhunderte ohne jegliche planvolle Zucht robuste, kräftige Katzen mit wasserabweisendem Fell, die gute Mäusejäger und freundliche, sanftmütige Gefährten waren.

Im frühen Mittelalter war die Bedeutung von Katzen in Europa eher gering. Doch mit zunehmender Ausweitung der Seefahrt verbreiteten sich Vorratsschädlinge wie Wanderratten, Hausratten und die Hausmaus rasant. Zur Bekämpfung dieser Plage hielt man sich nun immer häufiger Hauskatzen, und ihre Population wuchs stetig an.

Bereits im 10. Jahrhundert n. Chr. hielten sich vor allem die adligen Damen Englands Katzen als vornehme Gefährten am Hof. Katzen waren zu dieser Zeit noch eher wenig verbreitet und daher sehr kostbar. Wie kostbar, zeigt sich zum Beispiel an einem Gesetz, das der Prinz von Südwales 940 n. Chr. erließ. Demnach durfte sich eine Ansiedlung nur dann Dorf oder Hamlet nennen, wenn diese Siedlung neun Gebäude, einen Pflug, einen Brennofen, ein Butterfass, einen Hahn, einen Stier, einen Hirten und eine Katze aufweisen konnte.

Trotz der unumstrittenen Nutzwirkung der samtpfötigen Vierbeiner war die Beziehung zwischen Mensch und Katze nicht zu jeder Zeit unbelastet. Im Verlauf des Mittelalters machte man Katzen für Unglück und Seuchen verantwortlich, und sie galten als Begleiter von Hexen. Besonders schwarze Katzen wurden verfolgt und getötet. Als man nach 1500 erkannte, dass Ratten eine große Rolle bei der Übertragung der Pest spielten, wurden die Katzen rehabilitiert und ihre gesellschaftliche Anerkennung stieg.

Erhebung in den Katzenadel

Nach 1500 gab es immer mehr Katzenbesitzer aus Adel und Bürgertum. Die Begeisterung für die samtpfötigen Gefährten stieg stetig an. Das führte schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zur ersten planvollen Zucht von Katzen in Hinblick auf Farbe und Typ. Die Initiative, aus der englischen Haus- und Hofkatze eine einheitliche Rasse zu formen, schreibt man Harrison Weir (1824 – 1906) zu, dem Urvater aller Katzenausstellungen. Er war Schriftsteller, Dichter und leidenschaftlicher Katzenfreund.

Auf der ersten Katzenausstellung 1871 im Crystal Palace in London wird die einstige englische Straßenkatze dem Publikum als British Shorthair präsentiert und so nicht nur in den Katzenadel erhoben, sondern auch zur „Nationalkatze“ Englands. Beim Publikum stieß die Britin auf großen Anklang. So war es keine Überraschung, dass eine blaugetigerte Britisch Kurzhaar, die übrigens Mr. Weir selbst gehörte, als Siegerin aus der Ausstellung hervorging.

 

Nachdem die blaue Fellfarbe in Mode gekommen war, widmeten sich viele Züchter verstärkt dieser Farbzüchtung und es entstand die Rassebezeichnung British Blue.

 

Diese erste Katzenschau sollte nicht die letzte ihrer Art bleiben. Katzenausstellungen wurden nun Anlass zu gesellschaftlichen Treffen der englischen Oberschicht. Die Britisch Kurz-haar Katze wurde in den folgenden Jahren in großer Zahl auf diesen Ausstellungen gezeigt. Damals gab es folgende Ausstellungsklassen: Einfarbig (schwarz, weiß, blau), Getigert (braun, rot, silbern), Getupft, Enggetigert, Smoke (schwarz, blau), Schwarz-weiß, Weiß-schwarz (Vans), Getigert mit weiß, Tortie (rot/schwarz) und Tortie mit weiß. Der Typ wurde als kompakt mit großem, rundem Kopf und runden Augen, kurzem, dichtem Fell mit feiner Textur und dichter Unterwolle beschrieben. Waren auf den ersten Ausstellungen fast ausschließlich Briten zu sehen, änderte sich dies um 1900. Der Geschmack der Katzenliebhaber verlangte nun vermehrt nach langhaarigen Varianten; vor allem Perser und die exotischen Siamkatzen lagen im Trend der Zeit. Es wurden nun in etwa viermal mehr Langhaarkatzen als kurzhaarige Varianten auf Ausstellungen gezeigt.

 

Blaue Kurzhaarkatzen gab es nicht nur bei den Briten – hier eine Vertreterin der Rasse Russisch Blau.

 

Keine Geringere als Queen Victoria gilt als Auslöserin einer weiteren Modeerscheinung dieser Zeit: blaue Katzen. Die Queen besaß zwei blaue Langhaarkatzen und ihre Anhängerschaft eiferte ihr nach. Die Nachfrage nach blauen Katzen stieg rasant an – so ist es kaum verwunderlich, dass auch die Britisch-Kurzhaar- Züchter begannen, sich verstärkt auf diese Farbvarietät zu konzentrieren. Es entstand die Rassebezeichnung „British Blue“. Neben diesen Blauen Briten gab es weitere blaue Kurzhaarkatzen. So wurden schon seit 1860 blaue russische Katzen nach England importiert. Das machte es notwendig, den Standard der blauen Britisch Kurzhaar zu überdenken und neu zu definieren, um die blauen Varietäten klar voneinander abzugrenzen.

Die Weltkriege und ihre Folgen für die Katzenzucht

Auf die Jahre der Entwicklung und Begeisterung für die Britisch Kurzhaar Katze folgte eine Zeit des züchterischen Stillstandes, denn die Weltkriege hinterließen ihre Spuren natürlich auch bei den Katzenzüchtern. Die Menschen hatten einfach andere Sorgen, als die Schönheit der Katzen zu beurteilen und nachihren Wünschen zu formen. Die Kriegszeit dezimierte den Zuchtbestand dramatisch. Als man nach 1945 das Zuchtprogramm wieder aufnahm, war es schwierig, passende Zuchtkater zu finden. Die Züchter waren darauf angewiesen, andere Rassen einzukreuzen. Kreuzungen mit einfachen Haus- und Hofkatzen brachten nicht das gewünschte Ergebnis, die Britisch Kurzhaar verlor bei diesen Verpaarungen an Typ. Infolgedessen entschied man sich für Perserkatzen als Paarungspartner. Die Nachkommen aus diesen Verpaarungen wurden allerdings erst nach drei Generationen reiner Zucht mit Britisch Kurzhaar Katzen wieder als diese anerkannt. Diesem züchterischen Exkurs ist es zu verdanken, dass es die Britisch Kurzhaar heute in allen erdenklichen Farbschlägen gibt, dass aber auch immer wieder langhaarige Nachkommen geboren werden.

Die Auskreuzungen beeinflussten natürlich nicht nur Färbung und Felllänge, sondern das gesamte Erscheinungsbild unterlag einem deutlichen Wandel. Waren die Briten vor diesem sogenannten Outcross-Programm eher mit der heutigen Europäisch Kurzhaar vergleichbar, wurden die Nase jetzt kürzer, die Backen breiter und das Köpfchen runder. Kurzum: Sie wurde mehr und mehr zu der Katze, die wir heute als Britisch Kurzhaar kennen. Der neue Look wurde auch auf Ausstellungen bevorzugt.

Natürlich blieben auch Züchter anderer Rassen nicht von den Auswirkungen der Weltkriege verschont. Die Kartäuserzüchter in Frankreich hatten ebenfalls Probleme mit den dezimierten Zuchtbeständen und griffen daher auf blaue Briten zurück, um ihren Bestand zu vergrößern. Die Britisch-KurzhaarZüchter...

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