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E-Book

Bruchlandung auf Wolke 7

Mit ADS und ADHS auf der Suche nach der ganz großen Liebe

AutorMina Teichert
VerlagEden Books - Ein Verlag der Edel Germany GmbH
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783959102155
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Mina Teichert widmet sich in ihrem neuen Buch dem Thema Liebe. Wie wir alle, sind natürlich auch AD(H)Sler auf der Suche nach dem Menschen fürs Leben. Den zu finden, wenn man unter einer Aufmerksamkeitsdefizitstörung leidet, ist gar nicht so einfach und bietet viel Raum für verrückte, lustige, aber auch ernste Erfahrungen und Gedanken, die man sich macht, wenn man ohne Bruchlandung auf Wolke 7 ankommen möchte. Und so schreibt Mina Teichert witzig, aber auch berührend darüber, wie sie sich dank einer dummen Kuh in einen Mann vom Land verliebt und dabei allerhand Fettnäpfchen mitnimmt. Außer-dem gibt sie ihren LeserInnen nützliche Hintergrundinfos zum Krankheitsbild und Tipps für den Umgang mit AD(H)S - für Betroffene, aber auch für deren Partner. »Bei meinen Recherchen über die Schwierigkeiten mit ADS stieß ich immer wieder auf den Schwerpunkt Partnerschaft, und entschied mich, meine Erfahrungen auf diesem Gebiet aufzuarbeiten. Denn egal, wie schlimm es auch manchmal ist: Sinnlos ist ein Leben ohne Unsinn und ohne Liebe.« Mina Teichert

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Leseprobe

Von Feuer und Flammen


Sich zu verlieben ist eine ungeheuerliche Sache. Endorphine werden freigesetzt und tanzen Samba in unserem Herzen. Je nach Schuhwerk kann so etwas mal mehr, mal weniger schmerzhaft sein. Man fühlt sich berauscht, und andere Dinge werden nebensächlich. Zunächst orientiert man sich, was Beziehungen angeht, ja gern an den eigenen Eltern. In meinem Fall vielleicht nicht unbedingt optimal, denn sie sind schon sehr lange geschieden. Anschließend schaut man sich die Idealbilder aus dem Fernsehen und aus romantischen Büchern ab. Was auch Tücken bereithält, denn wenn man diese aufregenden oder überromantisierenden Geschichten der Realität gegenüberstellt, hat das wahre Leben plötzlich so gar keinen Appeal mehr. Und ganz ehrlich, Walt Disney ist sehr weit weg von der Realität – oder hat für euch schon mal einer einen Drachen erschlagen und hatte dann noch Bock auf Händchenhalten?

Für Leute wie mich, die sehr viel Fantasie haben, wird die Liebe schnell bunter, als manch einer es erträgt. Oft ist man sich dessen aber nicht bewusst. Ganz im Gegenteil, man erwartet vom potenziellen Partner sogar das gleiche Engagement und denselben Energieaufwand, den man selbst in die noch frische Beziehung steckt. Und das ist viel, das könnt ihr mir glauben.

Die Liebe und ich waren nie beste Freunde. Eher war das Gegenteil der Fall, im Laufe der Zeit entwickelten wir eine sehr erfüllte Hassfreundschaft, die auf Gegenseitigkeit beruhte. Sie war das heiße Eisen, an dem ich mich immer wieder verbrannte, die glühende Herdplatte, auf der meine Hände landeten. Die Liebe schaffte es, mich mehr in Schwierigkeiten zu bringen, als ich das ganz allein durch mein Aufmerksamkeitsdefizit vermochte. Dazu muss man wissen, dass ich die Queen der Fettnäpfchen bin und zu Unfällen neige, die durch mangelnde Aufmerksamkeit oder durch meine Impulskontrollschwäche geschehen. Sportunfälle, Verkehrsunfälle, im doppelten Sinne, und Arbeitsunfälle. Mein Selbsterhaltungstrieb ist nicht sonderlich ausgeprägt, und ich passe oft nicht angemessen auf mich auf. Da kommt mir die Liebe nicht gerade gelegen mit all ihren Problemen, die sie gern wie einen Schatten mit sich führt.

Versteht mich nicht falsch, ich liebe die Liebe. Sie ist das Wundervollste, das einem Menschen passieren kann, und das weiß sie auch. Leider macht Liebe verletzlich, und wer vollkommen unbeschadet davonkommt, ist entweder ein besonders guter Pilot dort oben am Himmel der Glückseligkeit oder hat so viel Schwein wie nur selten jemand. Ich für meinen Teil habe in jedem Fall häufiger Bruchlandungen auf Wolke 7 hingelegt, als dass ich die Liebe genießen konnte. Mein ADS stattet mich mit ganz eigenen Special Effects aus, die selbst Flüge bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein zum Ritt durch Turbulenzen machen.

Mit der Zeit bin ich vorsichtig geworden, was diese possierlichen Schmetterlinge im Bauch und die rosaroten Brillen angeht. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr auf falsche Entscheidungen, die mein Herz so gern für mich traf. Zu oft brachte ich mich damit selbst total aus dem Konzept. Also versprach ich mir selbst eines schönen Tages, dass ab sofort mein Hirn das Zepter der Macht übernehmen würde, und ich dachte, dass ich damit auf einem guten Weg war.

Funktionierte auch tatsächlich ganz gut. Bis zu dem Tag, an dem ich urplötzlich einer Kuh über den Weg lief. Einem Rindvieh, das meinen Weg kreuzte und mich mit einem Mann zusammenführte, den ich sonst niemals getroffen hätte …

***

Während ich den Wagen über die Landstraße lenkte, kramte ich im Handschuhfach nach einer CD, die zu dieser Fahrt passte. Nach ich weiß nicht wie vielen mal mehr, mal weniger schlimmen Verkehrszwischenfällen war mir eines Tages aufgefallen, dass ich mich besser aufs Fahren konzentrieren kann, wenn ich Musik höre, die zu meiner Stimmung passt. Hinter mir saß meine achtjährige Tochter Lu, mit der ich unsere Irish-Tinker-Stute Cherryblossom in ihrem Stall besucht hatte. Mir tat jede Gräte im Leib weh, weil ich ziemlich ungalant im Sand gelandet war, nachdem das Pony sich kurzfristig entschieden hatte, nicht über das anvisierte Hindernis zu springen, sondern abrupt davor anzuhalten. Welche Musik passte also zu jemandem, der dreckig, durchgeschwitzt und etwas schlecht gelaunt war? Ich sinnierte darüber nach, als Lu plötzlich aufschrie.

»Pass auf, Mama!«

Ich hob den Blick und trat, noch bevor ich die Lage erfasste, vorsichtshalber schon mal auf die Bremse. Lus Wasserflasche flog an meinem Kopf vorbei, krachte neben mir gegen die Armatur, und ich staunte über das Hindernis vor der Kühlerhaube. Direkt vor dem Kombi stand eine Kuh und glotzte uns an. Ich glotzte zurück. Und überlegte, was zu tun sei. Umfahren? Kam im Sinne von drum herumfahren nicht infrage, da auf der einen Seite ein Zaun den Weg versperrte und auf der anderen Stallungen begannen, aus denen aufgeregtes Muhen zu hören war. Ob die Kuh möglicherweise dort ausgebüxt war?

»Mach was«, forderte meine Tochter ungeduldig und beugte sich von der Rückbank nach vorne.

»Wenn du mir sagen kannst, was genau ich tun soll …«, sagte ich, während ich den Rückwärtsgang einlegte.

»Hup sie weg!«, krähte meine Achtjährige und sah mich dabei an, als wäre ich das unfähigste Wesen auf diesem Planeten. »Du musst die nur erschrecken, und dann läuft die schon. Wirst sehen.« Sie überlegte einen Moment und ergänzte nachdenklich: »Es sei denn, du hast Fernlicht an, dann klappt das nicht.« Diese Weisheit hatte sie von ihrem Vater, der ein ähnliches Problem mit einem Reh gehabt hatte. Allerdings mitten in der Nacht, als das Tier wie aus dem Nichts auf der Fahrbahn auftauchte und hypnotisiert ins Scheinwerferlicht starrte. Es kam zu einem Unfall, glücklicherweise ohne körperliche Konsequenzen und nur mit einem Totalschaden des Wagens.

»Nur? Na, deine Nerven möchte ich haben, Mina, da fährt der Typ das Auto kaputt und du tust es ab, als sei das gar nichts?« Das waren die ungläubigen Worte einer Freundin gewesen, der ich davon erzählte.

»Na ja, ist halt alles relativ, nicht?«, hatte ich erwidert. Wenn man es wie ich fertigbrachte, mit offenen Augen regelmäßig irgendwo reinzukrachen – sei es zu Fuß, mit dem Fahrrad oder eben mit dem Auto –, dann wusste man es irgendwann wirklich zu schätzen, wenn der Zusammenstoß nur einen Sachschaden hinterließ.

»Mama, hup endlich!«

»Was? Oh.« Natürlich, die Kuh. Hatte ich ganz vergessen; auch das passierte mir ständig. Dass meine Gedanken spazieren gingen und mich mitnahmen, egal, wo ich mich gerade befand.

Ich drückte die Hupe und zuckte selbst zusammen, als der Ton die sonntägliche Stille durchschnitt. Die Kuh jedoch guckte uns nur weiter an. »Das war ein Satz mit x.«

»Na gut. Dann steig aus und scheuch sie weg«, schlug mein Kind als Nächstes vor, und ich versuchte es.

Weil ich schnell planlos und verpeilt bin, eigne ich mich nicht in jeder Situation zum führenden Muttertier, und oft genug ist meine Tochter eine Spur bedachter als ich. Deshalb höre ich mir, seitdem sie fünf Jahre alt ist, ihre Meinung zu alltäglichen wie sonderbaren Situationen an. Regelmäßig schreibt sie mir die Einkaufslisten und lotst mich durch die Wirren der Supermärkte, die mich gern überfordern. Zu viele Reize, zu viele Möglichkeiten, zu viele Ach wie schön, das hab ich ja noch gar nicht …

Lu ist einfach toll, und so ließ ich mich auch jetzt gern von ihr leiten. Denn was nützt es schon, darauf zu bestehen, der Erwachsene zu sein, wenn man gerade überhaupt nicht in der Lage ist, die Führung zu übernehmen?

Ich öffnete die Wagentür, stieg langsam aus und ging vorsichtig auf das große Tier zu, während ich dezent hilflos mit den Armen wedelte. Gleichzeitig überlegte ich, ob ich je davon gehört oder gelesen hatte, dass bei einem solchen Manöver ein Mensch zu Tode gekommen war. Nicht dass es sich bei der vermeintlichen Kuh am Ende um einen Stier handelte, der mordsgefährlich war? Ich legte den Kopf schief, um unter den Bauch des Tieres zu schielen, und war sehr erleichtert, als ich ein rosa Euter mit vier Zitzen dort baumeln sah. Eindeutig weiblich. Sehr schön. Mit Mädchen kann ich besser als mit Jungs.

»Mann, Mama. Du musst die auch anschreien«, rief Lu, nachdem sie ebenfalls die Autotür geöffnet hatte, und rollte mit den Augen – das kann sie gut, ich habe es ihr selbst beigebracht.

»Und was ist, wenn die sauer wird?«

Lu lachte und wedelte ihrerseits mit den Händen. »Hast recht, pass bloß auf, du provozierst die Kuh noch mit deiner Angst.« Sie trat an meine Seite, und ich wollte sie hinter mich schieben, denn es passte mir gar nicht, dass sie sich in Gefahr begab.

»Geh wieder ins Auto«, zischte ich und suchte die Umgebung nach einer möglichen Waffe ab, falls das Tier plötzlich ausrasten sollte. Mein Blick fand einen abgebrochenen Zweig auf der Straße, eine alte Gießkanne mit Löchern und einen Kieselstein zu meinen Füßen. Blöd.

»Ich glaub, mit der stimmt was nicht«, sagte Lu und trat einfach auf das Tier zu, während ich noch dabei war, im Hirn sämtliche Tierdokus durchzugehen und zu checken, ob ich da nicht mal aufgeschnappt hatte, wie man einer freilaufenden Kuh begegnet. Lu streckte ihre Hand aus und berührte einmal kurz die Nase der Kuh, was reichte, um das Tier aus seiner Starre zu wecken. Es machte ein paar Schritte und taperte an unserem Auto vorbei. Ich träumte schon vom Happy End, als die Kuh-Schwestern in dem Stall, der zur Straße hin offen war, unruhig wurden und ein wahres Konzert veranstalteten. Es schien ihnen nicht zu passen, dass nur eine von ihnen Ausgang hatte.

»Worauf warten wir? Lass uns nach Hause fahren«, drängte Lu und schwang sich zurück...

Blick ins Buch

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