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E-Book

Bruderherz

Echte Männer, echte Freundschaft.

AutorWes Yoder
VerlagGerth Medien
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl240 Seiten
ISBN9783961223466
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis11,99 EUR
Der Weg zum Kern des Mannseins ist wie eine Wanderung durch unbekannte Wildnis. Da ist es wertvoll, Weggefährten an der Seite zu haben. Doch Männer reden untereinander nicht so schnell darüber, wie es ihnen geht, was ihnen wichtig ist und was ihnen auf dem Herzen liegt. Aber wenn sie es tun und aufrichtiges Interesse aneinander zeigen, können tiefe Freundschaften entstehen, die in den Stürmen des Lebens festen Halt geben. Dieses Buch bestärkt Männer, das zu werden, was Gott in jedes Männerherz hineingelegt hat: authentisch, mutig und kraftvoll.

Wes Yoder ist Autor und der Gründer von 'Ambassador Agency Inc.' In den 1980er-Jahren gründete er diese erste glaubensbasierte Agentur, um Denkern und Schriftstellern, die sich einer biblischen Weltanschauung widmen, zu fördern. Er ist verheiratet und lebt in Franklin, Tennessee.

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Leseprobe

1

Reden wir mal über das Mannsein

„Warum setzt du dich nicht mehr mit
ganzer Kraft für uns ein?
Wo sind deine großen Taten?
Warum hältst du dich zurück?“

JESAJA 63,15

Mein Vater war kein verbitterter Mann. Zwar prägte ihn jahrelang Gesetzlichkeit, er nahm auch seine Arbeit und seinen Glauben sehr ernst, er hatte aber trotzdem immer ein Lied auf den Lippen, ein Leuchten in den Augen und ein Schmunzeln um seine Mundwinkel. Im Gegensatz zu anderen Gesetzestreuen in unserem Bekanntenkreis kämpfte er gegen seine Ängste an. Letztendlich war er ein lausiger Gesetzesgläubiger. Sein Herz schlug irgendwie in einem anderen Rhythmus. Irgendetwas war bei ihm anders.

In jungen Jahren waren für meinen Vater vorbildliches Verhalten und gute Leistung gleichbedeutend mit Gottgefälligkeit, der äußere Beweis einer inneren wie persönlichen Glaubenserfahrung. Je besser das Auftreten nach außen, desto stärker war der Beweis dafür erbracht, dass man es mit Gott ernst meinte. Doch mit den Jahren schmolz sein Leistungsdenken dahin und ließ ein tiefes Verständnis zum Vorschein kommen, dass Gott ihn und den Rest von uns liebt, egal ob wir nun gute Leistungen für Gott erbringen können oder nicht. Mein Vater hatte ein Lied im Herzen. Seine klare Tenorstimme hörte man, während er die Kühe molk, während er die Straße entlangfuhr, wenn er in der Werkstatt arbeitete und viele Jahre, Tag um Tag, am Esstisch mit Familie und Freunden. Oftmals musste er von seiner Verwandtschaft Kritik einstecken, er sei nicht streng genug mit seinen Jungs. Doch seine Güte mir gegenüber rettete mein Leben.

Die Einzelheiten sind nicht so wichtig, er muss seine Geschichte selbst erzählen, doch mein Vater benötigte beinahe siebzig Jahre, bis er lernte, vollkommen ehrlich zu seiner Familie zu sein.

Wie lange habe ich dafür gebraucht? Und wie lange du?

Heute ist mein Vater ein freier Mann, und seine Freiheit – wie wir noch sehen werden – hat viel mit mir zu tun. Deine Kinder bleiben immer mit dir verbunden, im Guten wie im Schlechten.

Im Laufe der Jahre verschwendete ich mehr als nur einen flüchtigen Gedanken daran, ob ich dieses Buch schreiben soll oder nicht, doch schließlich habe ich mich entschlossen, dem Vakuum der Stille zu widerstehen. Eigentlich verstecke ich mich gerne in meiner ruhigen, kleinen Welt, genauso wie viele andere Männer, anstatt mit meinen ehrlichen, aber noch nicht ganz ausgereiften, Gedanken an die Öffentlichkeit zu gehen. Sie könnte ja schließlich die Illusion zerstören, ich hätte alles im Griff.

Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, ein Gespräch darüber zu eröffnen, wie ich die Seelenarchitektur eines Mannes verstehe, und ich möchte versuchen, Männern zu einer Sprache zu verhelfen, durch die sie ausdrücken können, wer sie als Männer sind, um ihre Familie und ihre Träume wiederzufinden, selbst wenn ihre Träume lügen und – so wie James Taylor sang – wie Flugmaschinen sind, deren Bruchstücke am Boden liegen.

Ich bin mir ganz sicher: Männer, die zerbrochen wurden, aber nicht zuließen, dass sich ihr Herz mit Bitterkeit füllte, können im Reich Gottes besser gebraucht werden als solche, die nicht zerbrochen wurden. Auch sind sie ausnahmslos angenehmer, und vielleicht kann ich einem verbitterten Mann helfen, ein besserer Mann zu werden, mit einer neuen Ausrichtung und Hoffnung. Vielleicht können wir zusammen unsere Ängste überwinden.

Vieles von dem, was ich weiß, lernte ich auf die harte Tour, „an der Universität der harten Schläge, in der Schule, die unsere Ausbildung vervollständigt“, wie es Ralph Parlette ausdrückte. Meine Brüder auf dieser Reise sind wie Jakob, der in einer Wüstennacht mit einem Engel kämpfte. Kurz vor der Morgenröte rief er mit krächzender Stimme: „Ich lasse dich nicht eher los, bis du mich gesegnet hast!“1 Er ging aus diesem ungleichen Kampf hinkend hervor, aber auch mit einem Segen, den Gott über ihn aussprach. Und wenn wir unser Leben einmal anschauen, merken wir, dass auch wir hinken. Vielleicht haben wir bereits entdeckt, dass Gott uns gesegnet, beschützt und seine Gnade in unser Herz ausgegossen hat, und dass er das weiterhin tut, Tag für Tag. Vielleicht erscheint uns das aber auch wie ein unmöglicher Traum, gut für einen anderen Mann, aber viel zu weit weg, als dass wir es selbst erfahren könnten.

Du, mein sehr geschätzter Bruder, bist der Grund, warum ich mich entschlossen habe, in diesem Buch über das Herz und die Seele von Männern zu schreiben. Über Dinge, über die wir für gewöhnlich nicht reden. Denn ich glaube, wir können dadurch etwas wiedergewinnen, was uns gestohlen wurde: unsere Familien, unsere Kinder, unsere Enkel und unsere Freunde. Daher richtet sich dieses Buch an uns alle, weil es die Herausforderungen beschreibt, ein Mann zu werden, uns selbst zu verstehen und eine lebendige Männlichkeit auszustrahlen.

Wie der Vater, so der Sohn

Der Mann, den jeder Mann am besten kennen sollte – seinen Vater – ist allerdings wahrscheinlich der Mann, den er am wenigsten kennt. Allzu oft sind Väter schweigende Helden oder mysteriöse, ferne Gestalten. Männlich, aber undefiniert; Mann, aber ein schleierhaftes Schweigen. Hat man nicht schon oft gehört oder selbst gesagt: „Mein Vater redet nicht viel“ oder: „Meinen Vater hab ich eigentlich nicht so gut gekannt“? Das ist ein Schrei, der mit einem Zucken im Herzen eines kleinen Jungen anfängt und wächst, bis er etwas viel Schlimmeres in der Brust eines erwachsenen Mannes ist, der sieht, wie er in das Muster des „wie der Vater, so der Sohn“ fällt und sich wünscht, er könnte diesen Mann Freund nennen.

Als mein Vater 89 Jahre alt war, erzählte er mir, dass sein Vater, ein gläubiger, aber sehr ernster Mann, ihm nur einmal ein Kompliment machte. Er erinnerte sich an diesen Moment, als ob er gestern gewesen wäre, denn die Worte waren für ihn immer noch wie frischer Honig.

„Was hast du getan, um ein solch großes Lob von meinem Großvater zu bekommen?“, fragte ich.

Sein Gesicht fing an zu strahlen. „Ich habe die Weizengarben besser aufeinandergestapelt als jeder meiner acht Brüder“, sagte er.

Obwohl mir klar war, dass dies ein tolles Kompliment ist für einen Jungen aus einer großen Bauernfamilie, sagte ich zu ihm: „Stell dir mal vor, Großvater hätte dir, sagen wir mal, in deiner Kindheit zehn Komplimente gemacht statt nur eines. Wie wäre das gewesen?“

„Ich weiß nicht.“

Dass sich Liebe derart ausdrücken kann, lag außerhalb seines Vorstellungsvermögens. Und obwohl er 89 Jahre alt war, nahm ich in seiner Stimme die Sehnsucht eines Sohnes wahr nach lebensspendenden Worten der Gnade und Wahrheit seitens seines Vaters.

Einige Zeit später stellte ich ihm eine andere Frage: „Dad“, sagte ich, „du hast mir mehrfach gesagt, du hättest gewusst, dass dein Vater dich liebte. Woher hast du das gewusst? Hat er dir je gesagt, dass er dich liebt?“

„Nein“, erwiderte er, „ich habe diese Worte nie gehört.“ Seine Stimme verstummte.

„Nicht einmal, auch nicht nachdem du erwachsen warst und selbst eine Familie hattest?“

„Nein, kein einziges Mal.“ Mein Vater hielt inne. „Aber ich wusste es immer. Als ich 1941 einberufen wurde, sagte er mir, er würde lieber an meiner Stelle gehen.“

Dass mein Vater nach alldem schließlich doch eine ganz andere Lebensweise für sich entdeckte, empfinde ich sehr bemerkenswert.

Nahezu jeder Mann kann Wort für Wort ein schönes Kompliment oder eine harte Kritik wiedergeben, die er von seinem Vater bekommen hat. Er weiß diese Worte immer noch genau zu zitieren, selbst wenn dies eine halbe Lebenszeit zurückliegt. Worte, besonders Worte, die vom Vater gesprochen werden, haben die Kraft, den menschlichen Geist zu brechen oder zu heilen. Durch Worte werden Gedankengebäude aufgebaut, und durch sie werden geistliche Vermächtnisse geschaffen, gute wie schlechte. Worte haben die Kraft, bei einem Kind die Weichen für das ganze Leben zu stellen. Insofern halten Väter die Schlüssel des Lebens für ihre Kinder in der Hand. Ihnen ein einfaches Kompliment, eine Umarmung oder ein „Ich hab dich lieb“ vorzuenthalten, ob sie es nun „verdient“ haben oder nicht, kommt einem Todesurteil gleich. Es ist zwar ein Tod auf emotionaler wie geistlicher Ebene, aber dennoch ein Tod.

Es heißt, man erinnert sich an uns anhand von drei Dingen: anhand dessen, was wir sagen, anhand dessen, wer wir sind und anhand dessen, was wir tun. Wenn das stimmt, schau mal, ob folgende Beschreibungen auf dich oder deinen Vater (oder die meisten Männer, die du kennst) zutreffend sind:

  • Wir zeigen unsere Verletzungen nicht.
  • Wir weinen nie.
  • Wir tun uns schwer damit, Mitleid oder unsere wahren Gefühle auszudrücken.
  • Wir machen nur selten, wenn überhaupt mal, ein Kompliment ohne Einschränkungen.
  • Wir fühlen uns nicht genug respektiert.
  • Unser Sprachgebrauch schließt keine simplen Formulierungen ein wie: „Ich liebe dich, Sohn. Ich bin stolz auf dich.“
  • Wir reden über unsere Unternehmungen oder das Wetter, als wären beides furchtbar wichtige Themen. Die wirklich bedeutsamen Ereignisse in unserem Leben als Mann bleiben hingegen irgendwo unter der Oberfläche, unsichtbar für unsere Söhne und Töchter, sogar unsichtbar für uns...
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