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Buddha, Mila und der große Schwarze

AutorHeike Dr. Cillwik
Verlagtao.de
Erscheinungsjahr2016
Seitenanzahl156 Seiten
ISBN9783960511120
FormatePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis5,99 EUR
Fantasie, Fata Morgana oder Gute-Nacht-Geschichte? In dieser Fortsetzung des Buches 'Buddha, mein Freund' begegnet Mila dem großen Schwarzen, den manche auch Satan nennen. Zum Glück geht die Geschichte gut aus. Gruselig und erbauend zugleich und das Lachen kommt auch nicht zu kurz.

Jahrgang 1949, Tochter eines Schaustellers auf Jahrmärkten, lebte später im Stundenhotel ihrer Familie im Rotlichtbezirk einer Großstadt, machte Abitur, wurde Ärztin, Diplom-Psychologin und schließlich Lama der Kagyü-Tradition. Sie wurde Schülerin eines der größten Meister des tibetischen Buddhismus, des Karmapas Ogyen Trinley Dorje, sowie anderer großer Meister. Manche halten sie für die Wiedergeburt des Yogis Milarepa.

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Leseprobe

Als der in der katholischen Kirche recht streitbare Papst Franziskus auf einer Bischofskonferenz einmal eine international per Fernsehen übertragene Messe las, ergriff er plötzlich mit beiden Händen das weiße Tuch, das den Altar bedeckte. Mit einem kräftigen Ruck gelang es dem Papst, das Tuch wegzuziehen, ohne dass die sakralen Gegenstände wankten, die auf ihm gestanden hatten. Beifallsheischend blickte er sich um: das Kunststück war gelungen.

Wäre ihm der Satan begegnet, dann hätte er den großen Schwarzen möglicherweise zu einem kleinen Umtrunk eingeladen, um zu erfahren, ob es Leute aus seiner Kurie schon auf die Liste des Mächtigen geschafft hätten. Und falls ja: es hätte Franziskus vermutlich nicht gewundert, denn der Abstieg nach unten beginnt mit jeder Form von Egoismus…

 

In der christlichen Religion ist der Teufel eine feste Größe. Er ist der negative Gegenpol zu Gott, Jesus und all den aufrechten Menschen. Ständig scheint er auf der Lauer zu liegen, um die Wesen ins Verderben zu ziehen. Im mir bekannten Buddhismus gibt es Mara, der schon den werdenden Buddha durch seine aufreizenden Töchter und sein mächtiges Horrorheer vom Weg zur Erleuchtung abzubringen versucht hat. Dies gelang ihm allerdings nicht.

Und es gibt viele finstere geistige Mächte, die natürlich insbesondere den Praktizierenden der buddhistischen Lehre, Dharma genannt, das Leben möglichst schwer machen wollen. Manche davon hat der mächtige Yogi Padmasambhava bezwungen, an Eide gebunden und zu Schützern des Dharmas gemacht. Und nun stehen sie den Praktizierenden bei statt ihnen zu schaden. Ihr finsteres Aussehen haben sie allerdings beibehalten. Und damit bedrohen sie nun diejenigen, die den Praktizierenden schaden wollen.

Satan selbst ist aber bei den Anhängern des Buddhismus meines Wissens nach vollkommen unbekannt.

 

Als der Yogi Milarepa,
der hoch Verehrte,
nach einer viel zu langen
Abwesenheit
wieder zu denen zurückkam,
die seiner Lehre folgten,
war die Freude
bei seinen Anhängern
keineswegs
allzu groß.

Die meisten von ihnen hatten schon
geglaubt,
er sei vielleicht inzwischen
endgültig
in reinen Ländern
verschollen,
was sehr bequem
für sie
gewesen war,
denn es fiel deshalb
nicht weiter auf,
dass viele
von ihnen
die Lehre inzwischen
benutzten,
um ihr Ego
zu stärken,
obwohl die Lehre
doch eigentlich
das Ego
bekämpfen
sollte.

Und so waren die meisten
Anhänger
froh,
als der Meister schließlich
wieder abreiste,
um sich irgendwo
in den Bergen
zur Meditation
zurückzuziehen.

 

Faule Eier gibt es in allen Religionen und Weltanschauungen, in allen Völkern, in allen sozialen Schichten, in allen geistigen Sphären. Oft geben sich diese Wesen große Mühe, ihren Faule-Eier-Hintergrund so gut wie nur irgend möglich zu verbergen. Auch der Satan macht hier keine Ausnahme. Er will am allerwenigsten zeigen, welche Absichten er im Sinn hat, denn sie sind nicht gut. Aber vielleicht sollte ich die Geschichte der Begegnung mit ihm von Anfang an erzählen, vielleicht als eine Art Märchen, wo es möglich ist, Dinge zu sagen, die man sonst so nicht sagen könnte. In einem Märchen, einer Gute-Nacht-Geschichte oder Ähnlichem kann man auch einmal ein wenig unter- oder übertreiben, ausschmücken, weglassen usw., so dass es offen ist, ob es nun so und genauso war oder nicht. Spirituelle Begegnungen und Erfahrungen lassen den Verstand oft hilflos außen vor. Aber Märchen und Geschichten können ihn mit einbeziehen, denn er kann sich sagen: „Es ist alles nur Phantasie.“ Und dann kann er sich entspannt zurücklehnen oder sich mit anderen Dingen beschäftigen. Und vielleicht ist die erzählte Geschichte ja auch wirklich nur eine Fata Morgana, eine Seifenblase wie so vieles oder sogar alles, was unser Geist wahrnimmt…

Ein Buddha, der jetzt auf einer geistigen Ebene lebt und von dort aus kommuniziert, ist sowieso selbst für viele Buddhisten nicht vorstellbar und Satan, der große Schwarze, der vom Buddha zu seinen Lebzeiten auf der Erde nicht mal erwähnt wurde: Hirngespinst. Und dann noch ein Milarepa, der nach seinem geistigen Höhenflug vor etwa tausend Jahren abgeschmiert ist und nun, in seiner Verkörperung als Frau sogar Höllenerfahrungen macht: Märchenstunde. Und genau deshalb kann die Geschichte auch nur als Märchen erzählt werden, wenn überhaupt.

 

Angulimala war ein Massenmörder. Er hatte 999 Menschen getötet und suchte nun nach seinem tausendsten Opfer. Warum hatte er diese Taten begangen? Vermutlich lag dahinter eine Intrige von neidischen Mitschülern eines großen Hindu-Meisters. Zuvor hieß der Mörder Ahimsaka, weil es bei seiner Geburt recht unheilvolle Zeichen gegeben hatte und der Vater durch den Namen Ahimsaka (der Ungefährliche) gegensteuern wollte.

Ahimsaka wurde zunächst wegen seiner hervorragenden Begabung der bevorzugte Schüler eines Brahmanen. Doch seine Mitschüler trachteten danach, einen Keil zwischen ihn und seinen Lehrer zu schieben und sie erzählten deshalb, dass Ahimsaka die Frau des Meisters verführt hätte und von sich selbst behauptete, er sei gelehrter als sein Meister.

Sollten diese im Geheimen vorgetragenen Vergehen der Wahrheit entsprochen haben, hätte ihn sein Lehrer deshalb nach damaliger Sitte töten können. Er hielt dies aber für ungünstig. Stattdessen erklärte er dem nichts ahnenden Ahimsaka, dass seine spirituelle Ausbildung nun abgeschlossen sei und der Meister (wie damals üblich) als Dank ein Geschenk von seinem Schüler erwartete. Das sollte folgendermaßen sein: Der Schüler sollte ihm tausend Finger der rechten Hand von anderen Menschen bringen, was im Klartext offenbar hieß, er sollte tausend Menschen ermorden. Natürlich hätte der Schüler sich auch mit 200 Opfern und all ihren fünf Fingern der rechten Hand freikaufen können. Aber Mathematik schien nicht seine Stärke zu sein…

Nun kann man sich natürlich an den Kopf fassen und sich fragen, was für ein Ungeheuer dieser Meister war usw. Und man kann sich auch fragen, wieso ein Schüler einem solchen Monster auch noch gehorcht. Aber Ahimsaka schien ungeachtet dieses Massenmordauftrags nicht an der Weisheit seines Lehrers zu zweifeln und er hoffte deshalb nach Erfüllung dieses Wunsches die Erleuchtung zu erlangen.

Zunächst holte er seine Opfer vom Wegesrand, auch gerne Pilger, die vorbei kamen, später, als dies nicht mehr so leicht möglich war, zerrte er sie aus ihren Dörfern. Er hackte nach den Morden jedem Menschen einen Finger der rechten Hand ab und trug diese schließlich aufgefädelt als Halskette. Deshalb nannte man ihn nun Angulimala, was „Kette aus Fingern“ bedeutet.

Schließlich schien es ihm durch die aufgebrachten Mitmenschen endgültig an den Kragen zu gehen und seine Mutter lief zu ihm, um ihn zu warnen. Aber Angulimala hatte nichts weiter im Sinn, als endlich die Tausend voll zu machen und wollte deshalb sogar seine Mutter töten.

Der Buddha, der zu dieser Zeit auf Erden weilte, erkannte die Absicht in Angulimalas Geist und beschloss, den Mörder an dieser letzten Tat zu hindern, denn sie hätte ihn als karmische Folge davon unmittelbar nach dem Tod eine sehr lange Wiedergeburt in der Hölle beschert. Stattdessen zeigte der große Meister sich nun selbst als mögliches Opfer, konnte aber vom Mörder nicht erreicht werden, obwohl Angulimala so schnell wie nur irgend möglich zu ihm lief. Der Buddha aber schien ganz normal zu gehen.

Schließlich kam es dazu, dass Angulimala mit dem Töten aufhörte, vom Buddha als Mönch ordiniert wurde und der Schüler erlangte noch zu seinen Lebzeiten die Erleuchtung in Form der Arhatschaft.

 

Vielleicht sollte ich hier einmal mit dem Märchen anfangen. Am einfachsten für mich ist, wenn ich nun nicht jedes Mal extra erwähnen muss, wo genau die Gute-Nacht-Geschichte beginnt und endet. Der Leser möge mir dies verzeihen. Es fällt mir sowieso inzwischen manchmal schwer zu sagen, was Realität und was Illusion ist, denn die menschlichen Sinne nehmen stets nur einen Teil der Realität war. Und danach beginnt ja das Gehirn kräftig zu interpretieren, zu vergleichen und emotional zu färben, dass es einem die Sprache verschlagen kann. Und der Geist greift nun auf diese Informationen zurück abhängig von seiner momentanen Verfassung und seinem spirituellen Entwicklungsstand. Du liebe Güte! Wie kann das, was da am Ende herauskommt, noch als Realität bezeichnet werden?

Wenn Menschen z.B. sagen, dass sie nur glauben, was sie sehen, kann man ihnen nur bestmögliche Augen und eine einwandfreie Datenübertragung der Seheindrücke wünschen, Informationen, die schon durch die Anatomie des Sehorgans gar nicht eins zu...

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