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E-Book

Bürgerlich, christlich, sucht ...

AutorKlaus Kelle
Verlagfontis
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl256 Seiten
ISBN9783038484547
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis12,99 EUR
Die Geschichte Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ist eine Erfolgsgeschichte. Das Land der Dichter und Denker steht bestens da: Nie waren so viele Menschen sozialversicherungspflichtig in Lohn und Brot, nie war das durchschnittliche Einkommen der Bürger so hoch, nie standen Bürgerrechte, Datenschutz, bewusstes und gesundes Leben so hoch im Kurs wie heute. Die Wirtschaft brummt, es herrscht Frieden, die Auftragsbücher der Unternehmen sind voll. Dennoch haben viele Deutsche das Privileg, in diesem Staat zu leben, zu schätzen verlernt. Warum? Klaus Kelle, seit über 30 Jahren Journalist in Deutschland, hat ein Wut-Buch geschrieben. Warum verachten so viele Bürger dieses Land, seine Institutionen und Repräsentanten? Warum sind immer weniger Menschen bereit, sich für Deutschland und seine Bürger zu engagieren? Ein Land, das weltweit berühmt ist für seine Organisationsfähigkeit, den Fleiß und die gute Bildung seiner Bürger, für Werte wie Anstand und Zuverlässigkeit, gibt sich zunehmend auf. Traditionsreiche Parteien sind auf rasender Talfahrt. Deutschland steht am Scheidepunkt. Wir schaffen das? Das ist noch längst nicht entschieden.

Klaus Kelle, geboren 1959 in Bad Salzuflen. Ausbildung zum Redakteur, Redaktionsleiter der "Hamburger Morgenpost" in Bremen, Stellvertretender Chefredakteur bei Berlins erstem privaten Radiosender "Hundert,6", Chefredakteur des Berliner Rundfunks, Moderator Sat.1-"Kreuzfeuer" (Regional Berlin-Brandenburg), Chefredakteur der "SonntagsZeitung" (Freiburg), Chefredakteur "20 Minuten" (Köln), Stellvertretender Redaktionsleiter BILD NRW, seit 2007 Geschäftsführer der Medien-Agentur "KelleCOM" in Krefeld. Regelmäßig Autor bei "Focus Online".

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Leseprobe

Vorwort


Dieses Buch entsteht in einer Zeit, in der der Irrsinn allgegenwärtig wütet. Am Tag, an dem ich diese ersten Zeilen schreibe, bangen wir um die Verletzten eines Selbstmordattentats im mittelfränkischen Ansbach. Der 27-jährige Syrer, den wir in diesem Land aufgenommen haben, wollte nach eigenem Bekunden «Vergeltung üben», weil Deutsche Muslime töten, wie es in einem Bekennervideo heißt.

Drei Tage zuvor hatte ein achtzehnjähriger «Deutsch-Iraner» in München mit einer Handfeuerwaffe die Jagd auf unbeteiligte Passanten eröffnet. Neun tötete er, bevor er sich selbst richtete. Sein jüngstes Opfer war vierzehn Jahre jung. Einen islamistischen Hintergrund dieses Mordens gab es nicht. Der Amoklauf eines depressiven Jungen war eher inspiriert durch den norwegischen Massenmörder Anders Breivik, der genau fünf Jahre vor der Bluttat vor dem Münchner Supermarkt am 22. Juli 2011 in Oslo und Utøya 77 Menschen tötete, davon 32 unter achtzehn Jahren.

Einen Tag später tötete ein 21-jähriger Asylbewerber aus Syrien in Reutlingen eine schwangere Frau und verletzte fünf weitere Menschen. Eine Beziehungstat, heißt es.

Fünf Tage zuvor kommt es in einer Regionalbahn nahe Würzburg zu einem Albtraum, wie ihn sich Horror-Autor Stephen King nicht grauenvoller hätte ausdenken können. Ein siebzehnjähriger Junge aus Afghanistan greift im Zugabteil mit einem Beil und einem Messer Fahrgäste an. Er hat eine Fahne des IS dabei, des sogenanntem «Islamischen Staates», wie sich die größte Serienmörder-Veranstaltung auf diesem Planeten nennt. Und er schreit «Allahu Akbar».

Das ist Arabisch, heißt «Allah ist groß» und ist der Schlachtruf der Mörder und Cheerleader Allahs, den seit dem 11. September 2001 jeder rund um den Erdball kennt. Man könnte sagen, dass «Allahu Akbar» es wert ist, in den deutschen Duden aufgenommen zu werden, so geläufig ist dieser Begriff inzwischen.

Im Namen Allahs glaubte auch Anis Amri zu handeln, ein junger Mann aus Tunesien, der in Deutschland als Flüchtling aufgenommen wurde, am 19. Dezember 2016 mit einem Lastwagen in die Menge am Berliner Breitscheidplatz raste und dabei zwölf Menschen tötete und etwa 50 teilweise schwer verletzte.

Amri lebte unter vierzehn verschiedenen Identitäten in Deutschland, wurde überwacht, war Gegenstand einer Besprechung im Terror-Abwehrzentrum der Bundesregierung in Berlin. Und niemand konnte ihn stoppen, bevor er mit dem Morden begann. Seine atemberaubende Geschichte wird in diesem Buch erzählt. Ein Dokument staatlichen Versagens und ein klarer Hinweis auf das, was unserem Land in Zukunft noch droht, wenn die Verantwortlichen nicht irgendwann endlich umsteuern.

Die Kuba-Krise habe ich – damals drei Jahre jung – nicht bewusst mitbekommen. Den «Deutschen Herbst», als der linksradikale Terrorismus unsere Gesellschaft und seine Repräsentanten bedrohte, herausforderte und viele tötete, habe ich begriffen. Doch richtig Angst hatte ich damals nicht. Ich war ja auch nicht das Ziel. Das ist jetzt anders.

Berlin, Würzburg, München, Reutlingen, Ansbach – das sind nur Zwischenstationen auf einer langen Auseinandersetzung, die unsere Gesellschaft, ihre Art zu leben und zu glauben, auf Jahre bedrohen wird. New York und Washington, London, Dscherba, Moskau, Tel Aviv, Istanbul, Madrid, London, Bali, Paris, Brüssel, Nizza, Rouen … Die Liste scheint endlos. Und es gibt keinen Platz auf Erden, wo die Irren nicht jederzeit zuschlagen können, die meinen, im göttlichen Auftrag des Propheten Mohammed so viele Menschen töten zu können, wie es eben geht. Wahllos. Und das absolut Perverse dabei ist, dass die meisten ihrer Opfer selbst Muslime sind.

Ja, der islamistische Terror ist jetzt zweifellos die größte Herausforderung für uns Menschen in den westlichen Ländern. Weil er unbarmherzig ist, skrupellos und grenzenlos gewalttätig. Auch die Killer der linksradikalen Roten Armee Fraktion waren menschenverachtend, so wie die Schlägertrupps und Zündler der sogenannten Antifa, die heute in diesem Land auf Wohlwollen und finanzielle Unterstützung von Teilen des politischen Establishments rechnen können. Oder die Mörder vom Nationalsozialistischen Untergrund (NSU), diese Herrenmenschen-Darsteller, die meinten, das Recht zu haben, Ausländer, bevorzugt hier lebende Türken, die einfach ein normales und friedliches Leben leben wollten, umzubringen. Peng! Einfach so …

Doch dieses Buch handelt nicht nur von den neuen und alten Bedrohungen unserer Gesellschaft und ihrer Bürger durch Extremisten und Gewalttäter. In erster Linie, und das drückt der Titel aus, handelt es von der zunehmend heimatlosen bürgerlichen Mitte. Von den Leuten, die einfach in Ruhe gelassen werden wollen, ein «kleines alltägliches Glück» leben wollen, wie das die niederländische Feministin Anja Meulenbelt in anderem Zusammenhang mal schön formuliert hat.

Dieses Buch handelt von der Entfremdung der viel zitierten «bürgerlichen Mitte» von ihren Parteien. Es handelt von der Entfremdung vieler ganz normaler Menschen von diesem Staat, aber besonders von seinen politischen Repräsentanten. Demoskopen haben schon vor langer Zeit festgestellt, dass Berufspolitiker eine der am wenigsten gelittenen Berufsgruppen im Ansehen unserer Mitbürger sind. Und gleich daneben Leute wie ich: «Systemjournalisten …»

Nicht wenige CDU-Politiker haben inzwischen festgestellt, dass nicht sie sich geändert haben, sondern das Koordinatensystem unter der Parteichefin Angela Merkel. Die ist zweifellos eine kluge Frau, aber sie «hat keinen politischen Kompass», wie wirklich oft in Runden konservativer Parteigänger überall im Lande zu hören ist, wenn über die Merkel'schen Transformationen der CDU zu einer «modernen Großstadtpartei» gesprochen wird, die «urbane Milieus» in den Fokus des Interesses rücken will.

Das Dumme dabei: All die Vertriebenen und Mittelständler, Landwirte und Katholiken, die der Partei jahrzehntelang die Treue gehalten, Plakate geklebt und brav ihre Kreuzchen in der Wahlkabine gemacht haben, tanzen gar nicht mit, wenn Stadtoberhäupter auf dem Wähler-Ticket der Union beim «Christopher Street Day» mit der Regenbogenfahne vorneweg schunkeln.

Zu den unumstößlichen Weisheiten der Parteistrategen der CDU in der Ära Merkel gehört immer, dass man sich beim Modernisieren um die abschmelzenden Konservativen nicht kümmern müsse, denn «die können ja nichts anderes wählen als uns». Das ist vorbei.

Mit der Alternative für Deutschland (AfD) ist eine neue politische Kraft in der Manege erschienen, die nach meiner Überzeugung auch eine weitere unumstößliche Wahrheit der hippen Partei-Strategen mit den Designerbrillen im Adenauer-Haus zerstören werden. Dort glauben nämlich immer noch manche daran, dass die AfD ein vorübergehender Unfall ist, laut und ärgerlich, aber keine Bedrohung auf lange Sicht. Das wird ein böses Erwachen bei den «Spin Doctors» in Berlin geben. Millionen Wähler in Deutschland suchen in unsicheren Zeiten etwas anderes. Und ihnen ist gleichgültig, ob die AfD irgendwie «rechts» ist oder welche Jacken ihre Repräsentanten zu tragen pflegen; sie werden sich kaum davon abhalten lassen, ganz einfach zu wählen, was sie wollen.

Und damit kommen wir zur FDP, der derzeit schwachbrüstigen liberalen Kraft, die aber unser Land meiner Meinung nach auch in Zukunft gut gebrauchen kann. Weil es wichtig ist, dass jemand gegen den allumfassenden Staat, seine Regeln, seine Vorschriften und seine Verbote ankämpft. Freiheit ist das Entscheidende, was eine Gesellschaft wie unsere ausmachen sollte.

Bei der Bundestagswahl 2013 stimmten etwa zwei Millionen Wähler mehr für CDU/CSU, FDP und AfD als für SPD, Linke und Grüne. Natürlich kann man diese Formationen nicht rein mathematisch betrachten. Aber es ist interessant, was der bekannte CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach in seinem aktuellen Buch über den Wahlabend in Berlin in diesem September 2013 schreibt:

«Daher habe ich mich über den grenzenlosen Jubel im Konrad-Adenauer-Haus mehr als nur gewundert. Hatte denn dort niemand bemerkt, dass wir unser wichtigstes Wahlziel – Fortsetzung der schwarz-gelben Koalition – glatt verfehlt hatten? Nicht nur das: Unser Koalitionspartner FDP war aus dem Parlament herausgeflogen, und es gab im Bundestag plötzlich eine linke parlamentarische Mehrheit.»1

Und die gibt es auch heute noch, und wenn es schlecht läuft für die bürgerliche Mitte, wird es sie auch bei kommenden Bundestagswahlen geben.

Für Menschen wie mich, und es gibt viele da draußen, ist es kalt geworden vor den Toren der etablierten Politik. Wir sind noch viele, aber das aktuelle Establishment legt keinen Wert mehr auf uns verknöcherte Spießer, die jeden Sonntag bei Wind und Wetter in die Kirche gehen, die ihre eigenen Kinder noch selbst wenigstens ein Stück des Weges ins Leben begleiten möchten und dabei sein wollen, wenn sie die ersten Schritte gehen oder «Papa» sagen statt «Uschi aus der Kita». Die gut gelaunt auf einem Weihnachtsmarkt in Deutschland mit Freunden Glühwein trinken wollen, ohne im Hinterkopf daran zu denken, ob wohl gleich ein durchgeknallter Gast unseres Landes mit einem Lkw um die Ecke biegt oder ob eine bestens organisierte Bande aus Osteuropa in der Zwischenzeit unsere Wohnung ausräumt, während wir noch ein paar gebrannte Mandeln zu uns nehmen.

Dieses Buch handelt von all dem, was derzeit schrecklich in die falsche Richtung läuft. Es beschreibt die Irrwege der politisch Verantwortlichen in unserem Land. Das aufflammende Denunziantentum gegen alles, was nicht irgendwie «links» ist. Mit Messer und Gabel essen – Rechtspopulist! In einen Gottesdienst gehen – religiöser Fanatiker!...

Blick ins Buch

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