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E-Book

Buffett, Newton, Darwin

Warum Anleger von Physik, Biologie & Co. profitieren

AutorRobert G. Hagstrom
VerlagBörsenbuchverlag
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl272 Seiten
ISBN9783864701993
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Hagstrom erklärt, warum es für Investoren wichtig ist, Entdeckungen aus anderen Bereichen wie das Newton'sche Gleichgewicht oder die Darwin'sche Evolution zu berücksichtigen. Lässt man die Grundsätze der Physik, Biologie, Soziologie, Psychologie, Philosophie, Literaturwissenschaft und Mathematik in die eigenen Investment-Entscheidungen einfließen, stellen sich nämlich positive Ergebnisse ein. Hagstroms These: Nur wer den engen Rahmen der Investment-Welt verlässt, wird zu einem wirklich erfolgreichen Investor.

Geht es um Investment-Bücher, ist Robert G. Hagstrom einer der bekanntesten Autoren weltweit. Der erfahrene Portfoliomanager hat mittlerweile sechs erfolgreiche Bücher rund um das Thema Geldan¬lage verfasst, darunter den Millionen-¬Bestseller 'Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie.'

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II


Physik


Die Physik ist die Wissenschaft der Erforschung von Materie und Energie sowie der Wechselwirkung zwischen beiden – anders gesagt untersucht sie, wie unser Universum funktioniert. Sie umfasst alle Kräfte der Bewegung, des Schalls, des Lichts, der Wärme, der Elektrizität und des Magnetismus sowie alle ihre Erscheinungsformen, von den kleinsten subatomaren Partikeln bis hin zum gesamten Sonnensystem. Sie ist die intellektuelle Grundlage vieler anerkannter Naturgesetze wie der Schwerkraft und verblüffender moderner Konzepte wie der Quantenmechanik und der Relativitätstheorie.

Dies sind lauter ernste Dinge, die Nicht-Naturwissenschaftler oft einschüchtern. Hat die Physik einen Platz in unserem Gitterwerk geistiger Modelle für Anleger? Ich glaube schon.

Viele Menschen meinen, die Physik sei für Normalsterbliche zu schwer zu begreifen oder zu abstrakt, als dass man sie konkret auf das moderne Finanzwesen anwenden könnte. Wenn Sie zu diesen Menschen gehören, fragen Sie sich, wann Sie zum letzten Mal in einem Antiquitätenladen waren. Wenn der Inhaber zu viel auf Lager hat, lässt er auf einmal mit sich handeln. Wenn Sie sich allerdings in ein besonderes Einzelstück verlieben, dann wissen Sie zwar, dass dafür ein hoher Preis fällig ist, aber vielleicht sind Sie bereit, diesen Preis zu bezahlen, weil Ihr Wunsch, es zu besitzen, genauso groß ist. Was dann im Laden passiert, wird von dem Gesetz von Angebot und Nachfrage bestimmt, das wiederum ein reinrassiges, klassisches Beispiel für das Gesetz des Gleichgewichts ist. Und das Gleichgewicht ist eines der grundlegenden Konzepte der Physik.

In diesem Kapitel wird die Geschichte erzählt, wie die betreffenden Konzepte entdeckt wurden und in welchem Maße sie sich jetzt zu anderen Formen entwickeln könnten, die tief greifende Konsequenzen für das Finanzwesen und die Wirtschaft haben könnten.

Die eigentliche Geschichte beginnt mit Sir Isaac Newton, den viele Historiker für den größten wissenschaftlichen Denker aller Zeiten halten. Er wurde am Weihnachtstag 1642 auf dem Bauernhof der Familie im englischen Lincolnshire geboren. Nichts an den damaligen Umständen der Familie deutete darauf hin, dass sich das frühreife, kränkliche Kind zu einem Genie entwickeln würde, das später zum Ritter geschlagen wurde. Sein Vater, der weder lesen noch schreiben konnte, starb mehrere Monate vor Isaacs Geburt. Die mittellose Mutter musste das Kind neun Jahre lang in der Obhut seiner Großmutter lassen. Der Jugendliche beschäftigte sich, indem er komplizierte Windmühlen und Wasseruhren sowie von Mäusen angetriebene Getreidemühlen bastelte. Diese praktischen Übungen kamen ihm später zugute, als er wissenschaftliche Apparaturen baute, um Experimente durchzuführen. Und dann trat Newton im Alter von 19 Jahren ohne formelle Ausbildung in Mathematik oder Naturwissenschaften in das Trinity College in Cambridge ein – und damit in eine schillernde Welt voller neuer Ideen.

Im Jahr 1661, in dem Newton sein Studium in Cambridge aufnahm, glaubten fast alle – Wissenschaftler und Laien gleichermaßen –, Gott würde die Welt durch unerklärliche übernatürliche Kräfte steuern. Aber die Bewegung, die wir heute als naturwissenschaftliche Revolution bezeichnen, war bereits im Gange. Außerhalb der offiziellen Unterrichtsräume erkundeten die Studenten in Cambridge kühne und widersprüchliche Ideen der größten Naturwissenschaftler des 17. Jahrhunderts: Johannes Kepler, Galileo Galilei und René Descartes. Die Studenten waren von ihren Ideen elektrisiert. Das, was Newton von diesen dreien lernte, führte ihn letztlich zu einer neuen Auffassung von der Funktionsweise des Universums und insbesondere zum Gesetz des Gleichgewichts.

Johannes Kepler begann seine wissenschaftliche Karriere als Assistent des dänischen Adligen und Naturwissenschaftlers Tycho Brahe, der einen großen Quadranten für die Untersuchung der Planetenbewegungen entworfen und gebaut hatte. Die Astronomen waren damals zwischen zwei konkurrierenden Theorien über das Universum hin und her gerissen. Die eine, die ursprünglich von Aristoteles stammte und rund 400 Jahre später von Ptolemäus ergänzt worden war, besagte, dass die Sonne, die Sterne und die Planeten um die Erde kreisen. Die andere, die 1543 von dem ostpreußischen Astronomen Nikolaus Kopernikus veröffentlicht wurde und bis weit in das 17. Jahrhundert hinein als häretisch galt, besagte, die Sonne stehe still und alle Planeten einschließlich der Erde würden um sie kreisen.

Vor Brahe hatten sich die Wissenschaftler beider Lager bei der Vermessung des Himmels auf das bloße Auge verlassen müssen. Das Teleskop war noch nicht erfunden. Brahes Quadrant, der dem Visier einer Waffe ähnelte, konnte die Position von Planeten anhand zweier Winkel bestimmen, einmal zum Horizont und einmal zum geografischen Norden.

Brahe zeichnete 25 Jahre lang peinlich genau die Positionen der Planeten auf. Kurz vor seinem Tod im Jahr 1601 vermachte er seine Beobachtungen seinem jungen Assistenten. Der begabte Mathematiker Kepler analysierte Brahes detaillierte Ergebnisse noch einmal und begann, daraus bedeutsame Schlussfolgerungen abzuleiten, die er in den drei Hauptgesetzen der Planetenbewegung zusammenfasste. Als Newton in Cambridge war, hatten die Kepler’schen Gesetze schon begonnen, die geozentrischen astronomischen Theorien abzulösen, und die Sonne hatte sich bereits fest als Mittelpunkt des Universums etabliert.

Die Lektion, die Newton von Kepler lernte, hat sich in der Geschichte schon viele Male wiederholt: Unsere Fähigkeit, auch nur die einfachsten Fragen der menschlichen Existenz zu beobachten, hängt von den Messinstrumenten ab, die zu der jeweiligen Zeit zur Verfügung stehen, und davon, ob die Wissenschaftler in der Lage sind, die Daten streng mathematischen Folgerungen zu unterziehen.

Der zweite Einfluss auf Newtons Denken waren die Arbeiten von Galileo Galilei, der in dem Jahr gestorben war, in dem Newton geboren wurde. Der italienische Philosoph, Mathematiker, Erfinder und Physiker gilt als einer der ersten modernen Experimentalwissenschaftler. Zu seinen vielen Erfindungen zählen das Thermometer, die Pendeluhr, der von technischen Zeichnern verwendete Reduktionszirkel und – was für unsere Geschichte am wichtigsten ist – das Teleskop. Daher war Galileo der Erste, der die Himmelskörper, die alle früheren Astronomen beschrieben hatten, tatsächlich beobachten konnte: Kepler, Kopernikus, Ptolemäus und Aristoteles. Mithilfe dieses vergrößernden optischen Instruments konnte Galileo ein für allemal beweisen, dass die Erde nicht der Mittelpunkt des Universums ist.

Galileo trat für eine mathematische Naturwissenschaft ein. Er glaubte, dass man überall in der Natur Zahlenverhältnisse entdecken könne, beeilte sich allerdings, hinzuzufügen, deren Existenz stehe nicht im Widerspruch zu den kirchlichen Lehren. Er hielt es für wichtig, zwischen „Gottes Wort“ und „Gottes Werk“ zu unterscheiden. Laut Galileo hat Gottes Werk Vorrang und das Ziel der Wissenschaftler ist es, in der Natur anhand der Logik Beziehungen zu entdecken. Heute ist er den Naturwissenschaftlern vor allem wegen seiner experimentellen Methoden im Gedächtnis.

Der dritte wichtige Einfluss auf Newton war der französische Mathematiker und Wissenschaftler René Descartes, der oft als Vater der neuzeitlichen Philosophie bezeichnet wird. Er war einer der Ersten, die sich gegen das aristotelische Weltbild stellten und stattdessen eine empirische, mechanistische Sichtweise einführten. Descartes starb 1650, also acht Jahre nach Newtons Geburt. Zu der Zeit, als Newton nach Cambridge kam, stießen seine Ideen in gewissen Kreisen auf zunehmende Akzeptanz.

Descartes vertrat ein mechanistisches Weltbild. Er behauptete, wenn man verstehen wolle, wie etwas funktioniert, bestehe die einzige Möglichkeit darin, ein mechanisches Modell davon zu konstruieren, und sei es nur in der Vorstellung. Laut Descartes demonstrieren der menschliche Köper, ein fallender Stein, ein wachsender Baum oder eine stürmische Nacht, dass mechanische Gesetze am Werk sind. Diese mechanistische Auffassung lieferte den Wissenschaftlern des 17. Jahrhunderts einen leistungsfähigen Forschungsrahmen. Sie besagte, dass es unabhängig von der Komplexität oder der Schwierigkeit der Beobachtung möglich sei, die dahinter stehenden mechanischen Gesetze zu finden und das Phänomen zu erklären.

In seiner ersten Zeit in Cambridge waren Newton die neuen Entdeckungen und Theorien dieser drei Wissenschaftler noch nicht bekannt. Durch unermüdliches Studium und indem er sich seine intensive Konzentrationsfähigkeit zunutze machte, erfasste er jedoch bald ihre grundlegenden Ideen. Und das, was er mit diesen Ideen machte, ist der springende Punkt unserer Geschichte.

Schon als Student begann Newton, Keplers Gesetze der Planetenbewegung mit Galileos irdischen Gesetzen von fallenden Körpern zusammenzuführen und das Ganze im Rahmen der kosmologischen Sicht von Descartes zu verbinden, das Universum müsse nach festen mechanischen Gesetzen funktionieren. Dadurch...

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