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E-Book

Caesar

AutorWolfgang Will
Verlagwbg Academic
Erscheinungsjahr2019
Seitenanzahl240 Seiten
ISBN9783534745395
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis23,99 EUR
Kaum ein Politiker hat die Meinungen der Nachwelt so sehr gespalten wie Gaius Iulius Caesar: Er wurde gefeiert als weit blickender Staatsmann, der die Geschicke des römischen Imperiums in einer krisenhaften Zeit visionär zu lenken wusste, und verdammt als zynischer, nur auf seinen eigenen Ruhm bedachter Machtpolitiker. Wer aber war dieser Caesar, der schon zu seiner Zeit so umstritten war, wirklich? Frauenheld und soldatisches Vorbild seiner Legionen, Demagoge und Ehrenmann, Literat und Welteroberer, rachsüchtig und grausam und doch gerühmt für seine Milde - die Widersprüchlichkeit dieser Persönlichkeit fasziniert bis heute. Was waren seine Ziele? Wollte er tatsächlich eine Monarchie einführen? Welche neuen Ideen hatte er der politischen und sozialen Krise seiner Zeit entgegenzusetzen? Wolfgang Will geht diesen Fragen nach und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Es ist unmöglich, Caesar gerecht zu werden. Das einzige, was wir tun können, ist eine begründete Meinung über ihn zu haben.

Wolfgang Will, geb. 1948, lehrte am Seminar für Alte Geschichte an Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.

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Leseprobe

Die Welt vor Caesar


Caesar schrieb Geschichte, aber er tat es nicht aus freien Stücken. Die vorgefundenen Umstände führten ihm die Hand. Weder seine Ziele noch seine Erfolge entstammten seinem eigenen Wunsch und Willen. Caesar strebte nach dem, was die Republik, in die er geboren wurde, ihm vorgab. Das war Schritt für Schritt festgelegt: eine Laufbahn, die immer nur von einer Station zur nächsten führte, die zwang, nur von einem Amt zum nächsten zu denken. Eine große Idee, wie sie die Historie für Alexander überliefert, kannte Caesar nicht. Rom war schon ein Weltreich, anders als sein berühmter Vorgänger brauchte er keines zu erobern, er musste das bestehende nur verwalten. Das prognostiziert Langweile, doch Caesar sorgte dafür, dass es nicht so weit kam. Sein Leben ist trotz allem von plötzlichen Wendungen geprägt, ständig drohte er zu scheitern und fand doch in letzter Minute immer einen Ausweg. Unerschrockenheit und Risikobereitschaft machen Caesars Aufstieg spannend. Selbst um sich ermorden zu lassen, bedurfte es eines Mutes, den Caesars Adoptivsohn Augustus nie besaß: In gefährlichen Situationen ließ dieser sich entschuldigen. Caesar ging niemals den Mittelweg, von seinem Ziel wich er nicht ab, er erweiterte es ständig. Nach dem Vorbild des Pompeius wollte er, über das Konsulat hinaus, „erster Mann“ (princeps) der Republik werden. Am Ende seines Lebens war er tatsächlich dieser erste Mann. Was ihm fehlte, war die res publica. Nach außen hin hatte Caesar Erfolg, innerlich war er gescheitert. Das Attentat vom 15. März des Jahres 44 ist nur kaschierte Resignation.

Die Zeitgenossen sahen im Untergang Karthagos im Jahre 146 den Beginn des Niedergangs, den der Diktator Sulla mit seinem restaurativen Programm noch einmal Ende der achtziger Jahre aufzuhalten versuchte, und der sich danach nur noch um so mehr beschleunigte, bis er unter dem Diktator Caesar in einem Crescendo von Bürgerkriegsgewalt zu einem vorläufigen Abschluss kam. Zwietracht, Habsucht, Ehrgeiz und alle sonstigen Übel, die der Erfolg mit sich bringe, hätten sich nach dem Untergang Karthagos im Höchstmaße vermehrt, schreibt der Historiker Sallust.1

Wie ein Albtraum lastete auf der Generation Caesars eine über eineinhalb Jahrhunderte lang kontinuierlich betriebene Expansion, die schließlich in einen Bürgerkrieg mündete, als der stetige Zufluss von Beutegütern nur zur Gier nach noch mehr Beute führte. Die Brutalität, mit der Rom ein Imperium eroberte, traf nun die, die es zu regieren hatten. Die Gewalt, die mit Beginn des ersten Punischen Krieges von Rom aus in die Länder des Mittelmeeres gegangen war, kehrte nach 130 Jahren an ihren Ausgangspunkt zurück. Die römischen Aristokraten, die bisher Könige und Fürsten besiegter Völker im Triumphzug durch die schmutzigen Straßen der Hauptstadt hatten schleifen lassen, brachten sich gegenseitig um. Die Gracchen, zwei Brüder aus der patrizischen Familie der Sempronier, wurden beim Versuch maßvoller Reformen samt ihren Anhängern von einem senatorischen Mob gejagt und erschlagen. Im Geburtsjahr Caesars steinigte eine aufgehetzte Menge den Volkstribunen Appuleius Saturninus und den Konsulatsanwärter Glaucia, nachdem diese kurz zuvor bei den Wahlen einen Konkurrenten auf dem Marsfeld zu Tode geknüppelt hatten. Der Terror, mit dem im Senatorenstaat um Einfluss und Ämter gekämpft wurde, bestimmte das letzte Jahrhundert der Republik. Nur wenige der Mächtigen kamen nicht gewaltsam zu Tode. Caesar starb an 23 Schwertstichen, sein Gegner Cato an einem einzigen – seinem eigenen. Den ehemaligen Tribunen Clodius Pulcher, lange Zeit Caesars wichtigsten Verbündeten, traf auf der Via Appia ein Speer des Prätoriers Milo in den Rücken. Crassus, Pompeius und Cicero wurde der Kopf abgeschlagen, dem ersten von Feinden, dem zweiten von Verbündeten und dem dritten von Mitbürgern.

Vom Stadtstaat zum Weltreich


Das Epochenjahr in der Geschichte der römischen Republik ist das Jahr 264, in dem der Stadtstaat Rom die italienische Halbinsel verließ. Ohne Konzept und ohne Plan begann Rom, in den Kriegen gegen Karthago zuerst das westliche und dann auch das östliche Mittelmeer zu erobern. Militärisch war die Stadt dieser selbstgestellten Aufgabe gewachsen, nicht aber administrativ. Die Republik und ihre Feldherren siegten sich zu Tode. Mit einer überlegenen Militärtechnologie, mit Vertragsbruch und mit einer selbst für die damalige Zeit ungewöhnlichen Grausamkeit eroberten und versklavten die Römer Land für Land. Was sie in den unterworfenen Gebieten vorfanden, betrachteten sie als ihr Eigentum, Menschen wie Dinge. Sie folgten einem Machtgesetz, von dem schon 150 Jahre zuvor der Historiker Thukydides in seiner Analyse des athenischen Imperialismus gesprochen hatte, gültig für Individuen wie Völker: Nach dem Zwang seiner Natur herrsche der Mensch allezeit über das, was er unter seine Macht bringen könne.2 Gleichzeitig erschien den neuen nobiles der Krieg als das Medium, über das sie ihre Leistung für den Staat am besten definieren und mit derjenigen der konkurrierenden Aristokraten vergleichen konnten.

Der Anlass für das Ausgreifen Roms nach Sizilien, ein Hilfsgesuch von Söldnern, die sich im sizilischen Messana festgesetzt hatten, war so nichtig wie die Folgen gravierend. Römer und Karthager, die bisher in nicht weniger als drei Verträgen ihre Einflusssphären abgegrenzt hatten, stießen nun direkt aufeinander. Vielleicht wollten die Römer nur billige Beute machen, vielleicht versuchten sie eine eingebildete karthagische Einkreisung aufzusprengen, vielleicht waren sie sich über die Konsequenzen der Einmischung im Unklaren. Jedenfalls entspann sich ein fast vierundzwanzigjähriger Krieg, an dessen Ende zunächst Sizilien und vier Jahre später auch Sardinien und Korsika in römische Hände fielen. Rom unterwarf sich sein Reich gleichsam auf den Spuren der Karthager. Zur Abwehr des in Italien unbesiegbaren Hannibal landeten die Römer in Spanien, dessen Ostküste die Karthager als Kompensation für die im ersten Krieg verlorenen Gebiete sich untertan gemacht hatten, und schließlich auch in Afrika selbst. Kaum war der zweite Krieg mit dem Frieden von Zama zu Ende gegangen, richtete Rom um 197 das Land südlich der Pyrenäen bis Neukarthago als Provinz Hispania Ulterior und das südliche Spanien als Hispania Citerior ein. In sechzigjährigen Kämpfen, die 133 mit der Eroberung Numantias ihren Abschluss fanden, schlugen römische Legionäre alle Aufstände nieder und besetzten weiteres Land. Die Kelten in Oberitalien, die es gewagt hatten, Hannibal zu unterstützen, wurden teilweise ausgerottet, teilweise deportiert, römische Kolonisten siedelten in den fruchtbaren Landstrichen. Hannibals Allianz mit Philipp V. von Makedonien wies, wenn auch mit Verzögerung, den Weg nach Osten. In mehreren Kriegen gegen die makedonischen Herrscher und den Seleukidenkönig Antiochos schob Rom sein Herrschaftsgebiet bis Kleinasien vor. Makedonien wurde zuerst in vier Zonen zerschnitten und später zusammen mit Illyrien und Epirus als Provinz organisiert. Die Griechen, die an die Freiheitsproklamationen Roms geglaubt hatten, wurden bald eines Besseren belehrt. Die Römer duldeten nicht zweierlei Untertanen, und was sie von der griechischen Kultur hielten, demonstrierten sie spätestens 146, als sie das reiche Korinth zerstörten und die Kunstwerke, die sie nicht schon vandalierend zertrümmert hatten, raubten und in ihren Vorgärten aufstellten.

Im selben Jahr ebneten sie auch das inzwischen militärisch bedeutungslose, aber wirtschaftlich mächtige Karthago ein und verschleppten die Überlebenden. Das ehemals karthagische Gebiet verwandelte sich in die Provinz Africa. Den Legionären folgten stets die Verwaltungsbeamten und Steuereinnehmer. Die Einrichtung von Provinzen dokumentiert einen beispiellosen Siegeszug: 242 Sizilien, 227 Sardinien und Korsika, 197 Hispania Ulterior und Citerior, 148 Makedonien, 146 Achaia und Africa, 129 Asia, 121 Gallia Narbonensis, 102 Kilikien, etwa 81 Gallia Cisalpina, 74 Kyrene, 64 Kreta, 63 Pontos und Syrien, 58 Zypern, 46 Numidien, 30 Ägypten, 25 Galatien, 16 Aquitanien, Gallia Lugdunensis und Belgien, 15 Noricum und Rätien. Soldaten, die für Sold, Beute und Altersversorgung in den Krieg zogen, fanden sich seit der Heeresreform des Marius leicht. Feldherren wurden nur temporär gebraucht, auch wenn sich ihre Kommanden immer weiter verlängerten. Ihnen winkte ein Triumphzug, für den sie, wie Crassus, ausnahmsweise auch den eigenen Kopf riskierten. Das Problem blieb die Verwaltung der Provinzen, namentlich derjenigen, die weit von Rom entfernt lagen. Cicero, einer der wenigen, die um eine redliche Amtszeit bemüht waren, wehrte sich mit Händen und Füßen dagegen, als Statthalter nach Kilikien zu gehen. Es half nichts, der Personalmangel war systembedingt.

Ein Weltreich zu erobern war leichter, als es zu beherrschen. Roms aristokratische Elite zeigte sich schon rein numerisch dieser Aufgabe nicht gewachsen. Bereits 287 hatte sich der enge Kreis derer geschlossen, die die Macht in Rom unter sich aufteilten. Seit dem Ende der Ständekämpfe gab es keine Erweiterung der Regierungselite mehr. Sie wurde von den alten patrizischen Familien und seit der Mitte des...

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