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Chancen des Wachstums

Globale Perspektiven für den Wohlstand von morgen

VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2007
Seitenanzahl372 Seiten
ISBN9783593416151
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis20,99 EUR

Hochkarätige Wissenschaftler, Politiker und Topexperten wie Joseph Stiglitz, Jean-Claude Trichet und der Dalai Lama vereinen ihre Thesen zum Thema »Nachhaltiges Wirtschaftswachstum« und gehen dabei auch auf die spezielle deutsche Situation ein. Sie zeigen: Wachstum birgt viele Chancen.

35 Jahre nach Erscheinen des Buches »Grenzen des Wachstums « hat sich die Welt stark verändert. Die Globalisierung hat die Volkswirtschaften flexibler gemacht und der Begriff des »nachhaltigen Wachstums« setzt sich immer mehr durch. International renommierte Wissenschaftler und erfolgreiche Staatsmänner stellen Thesen zu nachhaltigem Wirtschaftswachstum auf und läuten so einen Paradigmenwechsel in der öffentlichen Wahrnehmung des Wachstumsbegriffs ein. 

Die Herausgeberin 
Die Herausgeberin Beatrice Weder di Mauro gehört als eine der fünf Wirtschaftsweisen dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung an. Sie war für den Internationalen Währungsfonds und die Weltbank tätig. Nach ihrer Habilitation ging sie für einen Forschungsaufenthalt nach Harvard, bevor sie 2001 eine Professur für Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Makroökonomie an der Universität Mainz übernahm.

Schlagwort-Katalog
Globalisierung
Marktwirtschaft
Schaffung
Nachhaltigkeit
Wirtschaftspolitik
Wirtschaftswachstum

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Leseprobe

Das Entwicklungsversprechen (S. 225-226)

Joseph Stiglitz

Das BIP ist ein nützlicher Maßstab für das Wirtschaftswachstum, aber es ist nicht die bestimmende Kennzahl für den Entwicklungsstand. Wachstum muss nachhaltig sein. Jeder weiß, dass man eine bessere Note bekommt, wenn man für eine Prüfung büffelt, aber das, was man lernt, ist schon bald wieder vergessen. Und so kann man auch das BIP steigern, indem man die Umwelt zerstört, knappe natürliche Ressourcen ausbeutet oder Kredite im Ausland aufnimmt – aber diese Art von Wachstum ist nicht nachhaltig. Papua-Neuguinea holzt seine tropischen Regenwälder ab, die eine unglaubliche Vielfalt biologischer Arten beherbergen, der Holzhandel erhöht heute sein BIP, in 20 Jahren gibt es jedoch nichts mehr, was abgeholzt werden könnte.

Dennoch haben sich die Volkswirte auf das BIP kapriziert, weil es sich relativ leicht berechnen lässt. Das Problem daran besteht darin, dass wir nur das messen, worauf wir uns konzentrieren. Manchmal geht eine Zunahme des BIP mit einer Verringerung der Armut einher, wie im Fall Ostasiens. Das war indes kein Zufall: Die Regierungen gestalteten ihre Wirtschaftspolitik gezielt so, dass auch die Armen etwas von den Früchten abbekamen. Anderswo war Wachstum oftmals mit einer Zunahme der Armut und manchmal sogar mit Einkommenseinbußen für die Mittelschicht verbunden. Nehmen wir zum Beispiel die USA: Zwischen 1999 und 2004 stieg das verfügbare Einkommen real im Durchschnitt um 11 Prozent, aber das mittlere Haushaltseinkommen – das Einkommen der echten Mittelschichtfamilie – fiel, inflationsbe reinigt, um 1 500 Dollar oder rund 3 Prozent. In Lateinamerika stieg das BIP zwischen 1981 und 1993 um 25 Prozent, der Anteil der Bevölkerung, der mit weniger als 2 Dollar pro Tag auskommen musste, wuchs jedoch auch, und zwar von 26,9 Prozent auf 29,5 Prozent. Wenn das Wirtschaftswachstum nicht allen Menschen zugute kommt, ist die Entwicklung gescheitert.

Die ostasiatischen Regierungen erkannten, dass der Erfolg gesellschaftliche und politische Stabilität erfordert und dass gesellschaftliche und politische Stabilität ihrerseits einen hohen Beschäftigungsgrad und eine begrenzte Ungleichheit zur Voraussetzung hat. Nicht nur der »Prestigekonsum«, sondern auch ein allzu großes Lohngefälle wurden unterbunden. In China verdienten leitende Angestellte, zumindest in den Frühphasen der Entwicklung, in der Regel höchstens das Dreifache dessen, was ein einfacher Arbeiters bekam, in Japan höchstens das Zehnfache. (Topmanager in den USA dagegen haben in den letzten Jahren mehrere hundert Mal so viel kassiert wie ein einfacher Arbeiter.)

Meines Erachtens ist es wichtig, dass sich Länder um eine gerechte Verteilung der Früchte des Wachstums bemühen. Es gibt zwingende moralische Gründe für eine gerechte Verteilung, aber sie ist auch notwendig, um nachhaltiges Wachstum zu erzielen. Der wichtigste Produktionsfaktor eines Landes sind seine Menschen, und wenn ein hoher Prozentsatz der Menschen sein Potenzial nicht ausschöpft – wegen fehlenden Zugangs zu Bildungsangeboten oder wegen lebenslanger Folgen von Unterernährung im Kindesalter –, kann auch das Land insgesamt sein Potenzial nicht ausschöpfen. Länder, die ihr Bildungssystem vernachlässigen, werden für Firmen, die auf Fachkräfte angewiesen sind, kaum ausländische Investoren gewinnen – und heute sind mehr und mehr Firmen teilweise auf Fachkräfte angewiesen.

Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Über dieses Buch8
Vorwort10
Teil I Chancen des Wachstums in Industrieländern26
Wachstum, Technologie und Institutionen28
Parameter der geschichtlichen Entwicklung28
Wachstum und Lebensstandard29
Macht Wachstum die Menschen glücklicher?30
Sorgt Wachstum dafür, dass es den Menschen besser geht?32
Ist mehr Wachstum wünschenswert?32
Die treibenden Kräfte des Wachstums34
Die Ökonomie des Kapitals und technologisches Wissen36
Mehrzwecktechnologien und ökonomische Revolutionen39
Institutionen und der Beginn nachhaltigen Wachstums43
Technologiefreundliche Politik47
Ist nachhaltiges Wachstum möglich?51
Literatur53
Anmerkungen54
Wie Europa zu mehr Wachstum kommt56
Die wirtschaftliche Entwicklung des Euroraums seit Mitte der neunziger Jahre57
Die Notwendigkeit weiterer Strukturreformen in Europa61
Der Stand der Strukturreformen68
Gesamtwirtschaftliche Stabilität zur Stützung eines höheren und nachhaltigen Wachstums70
Anmerkungen71
Der Wirtschaftsstandort Europa74
Über die Lissabon-Strategie hinaus74
Steuern, Wahlmöglichkeiten und Institutionen81
Produktivitätssteigerung in Europa: Lektionen für die Lissabon-Strategie86
Anmerkungen91
Die Entrepreneurial Society im Zeitalter der Globalisierung92
Literatur108
Anmerkungen108
Teil I Chancen des Wachstums in Schwellen- und Entwicklungsländern110
Wachstum für alle?112
Unmittelbare versus fundamentale Ursachen des Wirtschaftswachstums113
Institutionen, Wachstum und Stagnation116
Politische Systeme und Wirtschaftswachstum118
Wachstum für alle?121
Korruption, Wachstum und institutionelle Entwicklung124
Der Einfluss von Einkommensniveau und Institutionen auf politische Korruption125
Korruption als Wachstumshemmnis132
Die Probleme einer unausgewogenen Entwicklung von Institutionen und Einkommen134
Empirische Hinweise für die Interaktion von politischer Korruption, institutioneller und ökonomischer Entwicklung136
Russland137
Ägypten139
Indien140
Fazit141
Literatur142
Anmerkungen145
Gute Nachrichten aus Afrika148
Demokratie, Stabilität und endlich wieder Wachstum und Entwicklung148
Die Entwicklung zu Demokratie und Wachstum in Subsahara-Afrika148
Neubeginn und Zeichen des Wachstums152
Liberia: Ein Neuanfang mit der Aussicht auf Wachstum und Entwicklung159
Der Rahmen für den Wiederaufbau162
Konsolidierung des Fortschritts in ganz Afrika167
Anmerkungen169
Institutionen, Unternehmertum und Wirtschaftswachstum i n Afrika170
Institutionen und Wirtschaftswachstum173
Unternehmertum und das Scheitern des Wirtschaftswachstums in Afrika177
Die Forderung nach institutionellen Reformen in Afrika189
Fazit193
Literatur194
Anmerkungen196
Wachstumsland Indien198
Wachstumsland Indien: Überwundene Hindernisse und strukturelle Stärken198
Indiens Wachstumserfahrung aus historischer Perspektive200
Faktoren, die das Wirtschaftswachstum in Indien ankurbeln207
Produktivitätssteigerungen208
Verbesserungen auf der Angebotsseite des Arbeitsmarktes209
Rückläufige Haushaltsdefizite211
Die Entwicklung der indischen Außenwirtschaft213
Zwei Facetten des neuen Indiens – ein dynamischer und ein rückständiger Sektor215
Indiens Innovations- und Wachstumspotenzial218
Literatur222
Anmerkungen223
Das Entwicklungsversprechen226
Die Funktion von Märkten und Kapital228
Eine umfassende Entwicklungsstrategie230
Menschen stehen im Zentrum der Entwicklung232
Der Stellenwert der Gemeinschaft235
Schwierigkeiten bei der Umsetzung238
Gute Regierungsführung239
Globalisierung als Erfolgsgeschichte – für mehr Menschen242
Anmerkungen245
Teil III Nachhaltiges Wachstum, natürliche Ressourcen und Klima248
Chancen oder neue Grenzen des Wachstums?250
Verträgliches Wachstum für das 21. Jahrhundert250
Grünes Licht für Wachstum270
Natürliches Kapital als Schlüssel zur Nachhaltigkeit270
Umweltkosten und Schwellenwerte273
Grünes Licht für Wachstum277
Chancen auf dem Energiesektor und das Kohlendioxidproblem281
Umweltchancen und Wirtschaftswachstum284
Anmerkungen286
Klima, Wirtschaftswachstum und Nachhaltigkeit290
Die Sicht eines Naturwissenschaftlers und Regierungsberaters290
Klima als zentrale natürliche Ressource290
Klimaändernde Faktoren290
Ist der beobachtete Klimawandel von uns Menschen verursacht?291
Klimaänderungen ohne Klimaschutzpolitik293
Emissionsszenarien des Zwischenstaatlichen Ausschusses über Klimaänderungen295
Die zentrale Herausforderung im 21. Jahrhundert: Globale wirtschaftliche Entwicklungen bei Klimaschutz297
Leitplanken für eine nachhaltige Entwicklung298
Der mögliche nachhaltige Wachstumspfad300
Zentrales Ziel für die Welthandelsorganisation WTO: Soziale und ökologische Marktwirtschaft302
Schlussbetrachtung305
Literatur306
Anmerkungen306
Teil IV Ethische Grundlagen des Wachstums308
Ideale sind der Motor des Fortschritts310
Wirtschaftswachstum unter der Prämisse der globalen Verantwortung310
Über die Konsequenzen des Wettbewerbs für die Gesellschaft313
Globale Verantwortung320
Eine neue Ethik für das menschliche Handeln325
Wachstum ist gut! Nur welches?330
Wer hat vom Wirtschaftswachstum der Globalisierungsperiode profitiert?332
Intranationale Ungleichheit334
Wachstum und Armut in China339
Globale Ungleichheit343
Wie reagiert die Welt auf Armut und Ungleichheit?347
Schluss350
Anmerkungen351
Wachstum für alle – Freiheit und Eigenverantwortung für alle356
Anmerkungen366
Die Autoren368

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