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Daddy und Boy

Ein Ratgeber und Lesebuch für/über die schwule Liebe zwischen Alt und Jung

AutorChristian Lütjens
VerlagHimmelstürmer Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl144 Seiten
ISBN9783863612146
FormatPDF/ePUB
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis13,99 EUR
Wenn der Altersunterschied zwischen zwei Partnern sehr groß ist, kann dies ihre Beziehung sehr bestimmen. Positiv wie negativ. Unterschiedliche Einstellungen, Lebensentwürfe und Erfahrungen prallen aufeinander und müssen auf einen Nenner gebracht werden. Das fängt schon beim unterschiedlichen Mode- und Musikgeschmack an. Doch immer mehr und immer wieder probieren es ganz ernsthaft und voller Hingabe Männer miteinander, die zehn, zwanzig oder mehr Jahre voneinander trennen. Fakt ist: Sowohl der jüngere als auch der ältere Partner kann vom großen Altersunterschied profitieren. Das Buch - Lesebuch und Ratgeber in einem - zeigt, wie eine solche Beziehung - auch gegen mögliche äußere Widerstände - funktionieren kann. Paare berichten von ihren Erfahrungen, Experten weisen Wege zum perfekten Glück zwischen den Generationen.

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Leseprobe

Vom Ideal ins Abseits


Schwule Liebe zwischen den Generationen im Spiegel der Zeit

 Männliche Altersunterschiedspaare von heute werden sich von den Annalen der europäischen Geschichte      altersdifferenter Homo-Beziehungen selten wirklich repräsentiert fühlen. Sie geben dennoch Aufschluss über ihre heutige Situation. Der Versuch eines Querschnitts.

 Erastes und EroMeNos

 Die Liebe zwischen jungen und alten Männern ist eigentlich ein historisches Ideal. Dafür sorgte vor allem die Gesellschaft im antiken Griechenland, wo die  „Päderastie“, die Knabenliebe, zum Alltag gehörte. Heute hat der Begriff „Päderastie“ einen negativen Beigeschmack, und wird nicht selten mit „Pädophilie“ gleich gesetzt. Zu Unrecht. Während Pädophilie die rein sexuelle Vorliebe für Kinder beider Geschlechter bezeichnet, bezieht sich Päderastie auf die ganzheitliche Liebe zwischen einem erwachsenen und einem jüngeren Mann, wobei letzterer, wenn auch nicht unbedingt volljährig im heutigen Sinne, doch im geschlechtsreifen Alter ist. Schon die Sagen der griechischen Götter erzählten von deren leidenschaftlichen Affären mit schönen Jünglingen. Besonders populär ist die Liebe des Zeus zu Ganymedes, dem „Schönsten aller Sterblichen“, den er auf den Olymp entführte, um ihn zu seinem Mundschenk zu machen. Derartige Legenden führten dazu, dass Teile der irdischen Gesellschaft im alten Griechenland Männerbeziehungen zwischen Jung und Alt anderen Formen des „Eros“ überordneten. Unter dem Eros verstand man eine schöpferische Kraft, die von der geistigen wie körperlichen Liebe beflügelt wurde, und die letztlich mit dem Streben nach Unsterblichkeit gleichzusetzen war. Dieses konnte sich entweder darin äußern, dass ein erwachsener Mann mit seiner Frau ein Kind zeugte, oder aber dass er eine lebenslange Verbindung zu einem jüngeren Mann einging – wobei das eine das andere nicht zwangsläufig ausschloss.  

 Der Philosoph Sokrates erhob im 5. Jahrhundert v. Chr. die Knabenliebe zur höchsten Form des Eros, erkor sie zum ultimativen Weg, Weisheit und Tugend zu erlangen. Nach Sokrates’ Verständnis führte die Verehrung eines jugendlichen Männerkörpers erst zur Erkenntnis körperlicher Schönheit im Allgemeinen, um dann den Blick für die Schönheit des Geistes zu schärfen, und schließlich in göttlicher Erleuchtung zu resultieren. Platon, ein Sokrates-Schüler, reduzierte diese Philosophie später auf die rein geistige Ebene und schuf damit den bis heute gängigen Begriff der „platonischen“ (Knaben-)Liebe. Das ändert aber nichts daran, dass die Verhältnisse zwischen Männern und  Jünglingen weiter auch körperliche Erotik einschlossen. Der Jüngere wurde dabei als „EroMeNos“ bezeichnet, den Älteren nannte man „Erastes“.

In der Regel warb der Erastes zunächst mit Worten, Geschenken und Liebesschwüren um die Gunst des EroMeNos. Ließ dieser sich darauf ein, konnte das der Beginn einer lebenslangen freundschaftlichen Verbindung sein, in der der Ältere den Jüngeren in die Lehren der Wissenschaft und der Philosophie, aber auch in die Kunst der körperlichen Liebe einwies. Die sexuelle Komponente war allerdings nicht unumstritten. So war Analverkehr bei den alten Griechen verpönt. Zumindest wenn man dabei passiv war. Die offizielle Sexualpraktik zwischen den Liebenden war somit der „Coitus Inter Femores“, der Schenkelverkehr, bei dem meist der Ältere seinen steifen Penis zwischen den Schenkeln des Jüngeren rieb, um zum Orgasmus zu kommen. Der Schenkelverkehr war eine Möglichkeit, Sex zu haben ohne dabei die männliche Ehre zu beeinträchtigen.  

 Es ist klar, dass man heutige generationsübergreifende Männerpaare nicht mit den damaligen, sehr pädagogisch geprägten Beziehungsentwürfen gleichsetzen kann. Zudem sind gerade was das Sexuelle angeht, Fragen nach dem Lustgewinn des Jüngeren durchaus berechtigt. Dennoch verdeutlicht das Beispiel der griechischen Päderastie, dass Akzeptanz stark von den Werten abhängt, die eine Gesellschaft prägen. Bei den Griechen war Intimität unter jungen und alten Männern „schick“. Deshalb wurde sie auch weniger in Frage gestellt – was sich allerdings bald ändern sollte.

 

Römer und Christen setzen Knabenliebe auf den Index

 Mit dem Niedergang der griechischen Hochkultur verlor die Päderastie ihr hohes Ansehen. Im Römischen Reich war sie zwar verbreitet und wurde weiterhin praktiziert, eigentlich wurde sie aber verachtet. Nicht zuletzt, weil man sich von den „negativen Einflüssen“ aus der griechischen Kultur absetzen wollte. Um ca. 200 v. Chr. wurden die „Lex Scantinia“ erlassen, die die Knabenliebe offiziell verboten. Verstöße gegen das Gesetz wurden allerdings nicht besonders scharf verfolgt. Außerdem untersagten sie lediglich Sex zwischen Römischen Bürgern, nicht aber Sex mit Sklaven. Dennoch markieren die „Lex Scantinia“ den Beginn eines Wertewandels. Sie nahmen die Kriminalisierung homosexueller Aktivitäten vorweg, die sich in Europa mit der Verbreitung des Christentums endgültig auszubreiten begann. Die Idealisierung und Romantisierung von Beziehungen zwischen älteren und jüngeren Männern wich nun der Ablehnung von gleichgeschlechtlicher Liebe im Allgemeinen.  

Mit dem Mittelalter setzte sich der Begriff „Sodomie“ durch (abgeleitet von der biblischen Sodom und Gomorrha-Geschichte), der stellvertretend für verachtungswürdige sexuelle „Perversionen“ stand. Heute bezeichnet man es als Sodomie, wenn Menschen  Sex mit Tieren haben, im Mittelalter bezog man den Begriff in erster Linie auf Analverkehr – welcher als Verbrechen wider die Natur gewertet und somit verfolgt und bestraft wurde. Das Strafmaß erstreckte sich von Geldbußen, über Kastration bis hin zur Todesstrafe. Die Gesetze, die damals gegen „Sodomiter“ erlassen wurden, offenbaren, dass der Verkehr zwischen jüngeren und älteren Männern ein häufiges Phänomen gewesen sein muss. So gab es spezielle Strafen für ältere Männer, die sich an einem Jüngeren vergehen. Im Florenz des 14. Jahrhunderts wurde der Ältere kastriert, während der Jüngere (sofern er mit dem unzüchtigen Treiben einverstanden gewesen war) öffentlich ausgepeitscht wurde und eine Geldstrafe bezahlen musste. Ansonsten sind aus dieser Epoche hauptsächlich die brutalen Praktiken in der Sodomiterverfolgung überliefert. Über Beziehungsrealitäten zwischen jüngeren und älteren Männern ist wenig bekannt. Es gab sie dennoch in allen Schichten – unter Matrosen, Adligen und auch unter Geistlichen. Entweder im Verborgenen oder unter dem Deckmantel der „Freundesliebe“. Letztere konnte man sich im Rahmen der Adelphopoiesis, der Schwurbruderschaft, sogar legitimieren lassen. Bei einem kirchlichen Ritual, das dem der Eheschließung nicht unähnlich war, wurden zwei Freunde dabei zu „Wahlbrüdern“ erklärt. Diese Praxis wird von einigen Wissenschaftlern heute als frühe Form der Homo-Ehe interpretiert. Sie war allerdings eher ein Ritus unter Gleichaltrigen.  

 

Die Samurai entdecken den „Weg der Jugend“

 Während in Europa die Sodomiterverfolgungen wüteten, entwickelte sich im Japan des 10. Jahrhunderts übrigens eine Liebeskultur zwischen jungen und alten Männern, die jener in der griechischen Antike ähnelte. Sie wurde „Wakashudo“ genannt, was übersetzt „Der Weg der Jünglinge“ bedeutet. Der Wakashudo wurde zunächst von japanischen Ordensbrüdern und ihren Schülern beschritten, bis er im 12. Jahrhundert auch von den Samurai entdeckt wurde. Hierbei suchte sich ein pubertierender Junge einen älteren Lehrmeister, mit dem er bis zum 19. oder 20. Lebensjahr zusammen lebte. In diesen gemeinsamen Jahren lehrte der Ältere den Jüngling die Kampftechniken und Lebensphilosophien der Samurai. Auch Sex gehörte zu Wakashudo-Beziehungen dazu. Wenn die Ausbildung abgeschlossen war, endete die Beziehung offiziell, meistens blieben die Partner aber auch danach intime Freunde. Die Wakashudo-Tradition blieb in Japan bis zum Untergang der Samurai-Kultur Ende des 19. Jahrhunderts bestehen.

 

Europa in Renaissance und Neuzeit

 Weiter westlich fanden sexuelle Einlassungen von jungen und alten Männern derweil entweder heimlich statt oder sie waren Ausdruck von Prostitution und Dekadenz. In den Hamams des Osmanischen Reichs waren die jungen „Tellak“ (Bademeister) ihren älteren Kunden auch bei sexuellen Diensten ergeben. Das soll in seltenen Fällen zu geheimen Liebesbeziehungen geführt haben. Meist war das Ganze aber nur eine Frage des Geldes. Schließlich ließen sich die Tellak für ihre Dienste bezahlen.

Auch das Revival der Knabenliebe, das in Europa mit der Renaissance Einzug hielt, war eher eine Frage des Wohlstands. Während in den Straßen weiter die sodomitische Sünde verdammt wurde, fanden in Aristokraten- und Künstlerkreisen erotische Ausschweifungen mit Lustknaben statt. U. a. sollen Papst Sixtus IV., Heinrich III. von Frankreich oder auch Leonardo Da Vinci dem Knabenkult gefrönt haben. Die Intermezzi waren jedoch fast immer durch ein großes Machtgefälle geprägt und zudem selten von Dauer. Längere Liebesbeziehungen waren (wenn überhaupt) inoffiziell. Ein Beispiel dafür ist Michelangelo, der mit seinem 35 Jahre jüngeren Schüler Tommaso de Cavalieri ein romantisches Verhältnis gehabt haben soll. Über dessen sexuelle Natur kann allerdings nur...

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