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E-Book

Das Alte Rom

Leben und Alltag

AutorAndrew Ramage
Verlagwbg Theiss
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl192 Seiten
ISBN9783806226669
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
So lebten die alten Römer. Cicero und Caesar, Plinius und Augustus sind Namen, die jeder kennt. Mit ihnen verbinden wir große Taten und wichtige Jahreszahlen. Aber wie lebten die vielen Menschen, deren Namen längst vergessen sind, die kleinen Leute, die den Staat über Jahrhunderte in Gang hielten und die großen Eroberungen erst möglich machten? Alltagsleben, Wirtschaft, Politik, Militär, Glaube - dieser reich bebilderte Band bietet einen umfassenden Überblick über die Kulturgeschichte des Alten Rom. Die Leser beobachten das bunte Treiben auf dem Markt und Bauern bei der Feldarbeit, sehen der Hausfrau in ihren Privaträumen über die Schulter, begleiten Soldaten im Einsatz und sind bei religiösen Zeremonien oder im Amphitheater dabei. Die Kapitel schildern die Geschichte des Alltags von den Anfängen der Stadt bis zu Roms Einfluss auf spätere Epochen.

Nancy H. Ramage ist emeritierte Charles A. Dana Professor of the Humanities and Arts am Ithaca College, Ithaca, New York.

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Leseprobe

Einleitung


Es ist alles andere als leicht zu definieren, wer oder was die Römer waren: Eine Einteilung lässt sich sowohl zeitlich, geographisch, sprachlich oder nach ethnischer Zugehörigkeit vornehmen. Jede dieser Einteilungen kann darüber hinaus unterschiedlich angewandt werden. Das vorliegende Buch konzentriert sich auf die Aspekte des täglichen Lebens und der Kultur der Römer. Es soll ein Bild des römischen Volkes im weitesten Sinne zeichnen, zu Hause und in der Öffentlichkeit, in der Stadt Rom und im gesamten Römischen Reich.

Der Legende nach wurde Rom im Jahr 753 v. Chr. gegründet. Die Römer rechneten bei der Datierung ab Gründung der Stadt, ab urbe condita. Der Großteil der zunächst in Rom lebenden Menschen waren Latiner, also ein Volk der lateinischen Sprachgruppe, das in der Region Latium lebte | Abb. 2 |. Ihr Gebiet befand sich zum größten Teil im Süden und Osten des Flusses Tiber, der an vielen kleinen Siedlungen vorbei floss, die sich später zur Stadt Rom vereinigten. Der Tiber spielt eine bedeutende Rolle für den Mythos um die Gründung der Stadt. Es heißt, dass die Zwillinge Romulus und Remus von ihrem Onkel am Ufer des Flusses ausgesetzt wurden, nachdem dieser von einer Prophezeiung erfuhr, die seinen Tod durch die Söhne der Rhea Silvia, ihrer Mutter, voraussagte. Glücklicherweise aber fand eine Wölfin die Zwillinge und stillte sie, bis ein Hirte sich ihrer annahm und sie als seine eigenen Söhne aufzog. Schließlich bewahrheitete sich die Prophezeiung, indem Romulus nicht nur seinen Onkel, sondern später auch den eigenen Bruder erschlug und zum Gründer der Stadt Rom wurde. Die wohl bekannteste Darstellung dieser Geschichte ist die Bronzefigur der Kapitolinischen Wölfin | Abb. 1 |, ein stattliches Tier mit prallgefüllten Zitzen. Die Statue etruskischer Machart muss nicht notwendig auf die Romulus-Sage Bezug nehmen, wird traditionell jedoch entsprechend verstanden. Die Figuren der säugenden Kleinkinder wurden erst im Zeitalter der Renaissance im späten 15. Jahrhundert ergänzt.1

1 | Die Kapitolinische Wölfin. Bronze. Etruskisch, ca. 500 v. Chr. Die Kinderfiguren wurden in der Renaissance hinzugefügt. H. 84 cm.

2 | Karte von Italien und Latium.

3 | Karte des Römischen Reiches im 2. Jahrhundert n. Chr.

Von Beginn an hatten die Römer italisches Blut. Der Ursprung ihres Volkes liegt in den unterschiedlichen Stämmen der italischen Halbinsel. Sie gehören zu den indo-europäischen Völkern, einer weitreichenden Sprachfamilie, aus der sowohl das Sanskrit Indiens als auch die keltischen Dialekte Nordeuropas stammen. Ihre Ursprünge waren bescheiden, so dass es in der Eisenzeit (10.–8. Jh. v. Chr.) unmöglich gewesen sein dürfte, sich auch nur vorzustellen, dass eine große Stadt und letztlich ein großes Imperium aus den verwahrlosten Dörfern, die auf den Hügeln rund um den Tiber in Zentral-Italien saßen, erstehen würde. Das römische Volk vergrößerte seinen Einfluss in Italien nur allmählich, bis es im Laufe der Zeit die Städte im Süden der Halbinsel dominierte.

Eine Karte des Römischen Reiches im frühen 2. Jahrhundert n. Chr. | Abb. 3 | zeigt die weiten Grenzen, in denen sich das Reich einmal erstrecken sollte. Der Einfluss der lateinischen Sprache, des römischen Rechts und römischer Gebräuche findet sich bis heute in den Ländern, deren historische Wurzeln im Römischen Reich liegen. Tatsächlich ging dieser Einfluss weit über diese Grenzen hinaus, bis in die Neue Welt und nach Australien, Südafrika und in die entferntesten Ecken der Erde.

Griechen und Etrusker


Das Volk von Rom stand vom 8. bis zum 6. Jahrhundert v. Chr. unter der politischen Vorherrschaft der etruskischen Könige. Die mächtigen Nachbarn im Norden waren durch den Metallreichtum ihrer Länder zu großem Wohlstand gelangt und durch den Handel mit den Ländern im Osten in Kontakt getreten. Die Etrusker waren geschickte Metallschmiede, die erlesene Gold- und Bronzearbeiten ausführten: von kleinen Anstecknadeln und Schmuckstücken bis hin zu monumentalen Skulpturen (wie etwa die der bereits erwähnten Wölfin). Obwohl ihnen kein qualitativ hochwertiger Stein zur Verfügung stand, waren sie doch Meister in der Verarbeitung von Terrakotta (gebranntem Ton). Aus diesem Material schufen sie großfigurige Plastiken und Ornamentziegel für die Verzierung ihrer Tempel, außerdem kunstvoll ausgestattete Särge für die reichsten ihrer Klienten. Auch die Römer verwandten zunächst minderwertigen Stein für die Errichtung ihrer Gebäude und Denkmäler, verzierten aber die Oberfläche ihrer Tempel mit Stuck und schufen damit weiße Wände für die Wohnhäuser ihrer Götter. Jahrhunderte später, unter der Herrschaft ihres ersten Kaisers Augustus, wurden die Marmorbrüche von Luna bei Carrara erschlossen, die Rom einen beträchtlichen Vorrat an exquisitem weißen Marmor zur Verwendung in Kunst und Architektur zur Verfügung stellten.

Die Etrusker standen in engem Kontakt nicht nur zu den Griechen, sondern auch zu Händlern aus dem Osten des Mittelmeerraumes, aus Ägypten, Kleinasien (der heutigen Türkei), Syrien und Israel. Innerhalb dieses Handelsnetzwerks herrschte ein reger Austausch von Waren und Vorstellungen, die nicht nur die materielle Kultur beeinflusste, sondern vor allem auch die Religion und die Politik Roms, und das über die nächsten Jahrhunderte hinaus. Einer der wichtigsten Umschlagplätze befand sich in Süditalien, wo die griechischen Stadtstaaten im 8. und 7. Jahrhundert v. Chr. Handelsposten und Kolonien gegründet hatten. Die Küstenstreifen Siziliens und entlang des südlichen Italiens waren übersät mit derartigen Kolonien, von denen viele sich zu blühenden Städten entwickelten. In einigen davon, in Paestum oder Agrigent, stehen auch heute noch gut erhaltene griechische Tempel als Zeugnis ihrer ehemaligen Größe und ihres Reichtums. Durch ihre umfangreichen Kontakte zu den Griechen entdeckten die Etrusker Ähnlichkeiten zwischen ihren und einigen der griechischen Gottheiten und glichen deren Namen ihrer Sprache an. So wurde die Artemis der Griechen zur Aritimi der Etrusker, die Persephone zur Phersipnai. Doch nicht nur Namen wurden übernommen, auch die visuelle Repräsentation der Gottheiten war durchaus vergleichbar. Deutliche Unterschiede finden sich jedoch im Tempelbau: Die etruskischen Tempel waren der Form nach anders als die Gestaltungsart, die die Griechen wählten. Und es waren die etruskischen Tempel, nicht die griechischen, die zum Vorbild für die römischen Heiligtümer werden sollten (siehe Seite 107).

4 | Etruskischer Helm. Bronze. 800–700 v. Chr. H. 35 cm.

Im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr. erreichten im klassischen Zeitalter der griechischen Geschichte nicht nur die Kunst und die Philosophie, sondern auch die politischen Formen kleinstaatlicher Autonomie, vor allem in Athen, ihren Höhepunkt. Zu dieser Zeit war die Stadt Rom noch eine Kleinstadt. Ihre Kultur konnte sich weder in der Heimat noch in den Kolonien des südlichen Italiens – die Gegend, die auch bekannt ist als Magna Graecia (wörtlich: »Groß-Griechenland«) – mit der der Griechen messen. Im 3. Jahrhundert wuchs die Stadt und durch militärische Anstrengungen breitete sich Rom auf Latium, den Süden und den Osten aus. Durch die Eroberung einer Vielzahl von Städten in Süditalien und Sizilien intensivierte sich der Kontakt zu den Griechen, die nach der Eroberung ihrer Städte oftmals als Kriegsgefangene versklavt wurden. Die gesamte Bandbreite der sozialen Schichten griechischer Städte war in der römischen Sklavenschaft vertreten, von hoch gebildeten Denkern bis zu ehemaligen Tagelöhnern. Für ihre neuen Herren arbeiteten sie als Tutoren, Lehrer und Künstler, als Erntearbeiter und Dienstboten in ihren Häusern.

Bis zur Eroberung Vejis stellten die kulturell weiter entwickelten Etrusker die größte Gefahr für Rom im 4. Jahrhundert dar. Ihr Einfluss durchwirkte die römische Kultur, sei es in der Kultpraxis oder in der Architektur, im traditionellen Tempelbau oder den typischen Rundgräbern. Dennoch suchten sich die Römer dem etruskischen Einfluss nach der Vertreibung des letzten etruskischen Königs Tarquinius Superbus (»Der Stolze«) am Ende des 6. Jahrhunderts v. Chr. zu entziehen. So organisierte sich das römische Volk ab dieser Zeit innerhalb einer Republik, in welcher der Ausgleich der Macht als zentraler Faktor ihrer Regierungsorgane konstituiert wurde; dementsprechend wird die Epoche zwischen 509 und 27 v. Chr. die römische Republik genannt. Dabei sind es vor allem die letzten Jahrzehnte dieses Zeitalters, die durch ihre literarischen und...

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