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'Das da draußen ist ein Zoo, und wir sind die Dompteure'

Polizisten im Konflikt mit ethnischen Minderheiten und sozialen Randgruppen

AutorHermann Strasser, Steffen Zdun, Thomas Schweer
VerlagVS Verlag für Sozialwissenschaften (GWV)
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl180 Seiten
ISBN9783531909622
FormatPDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Die Polizei soll als Organ der deutschen Mehrheitsgesellschaft kulturelle Selbstverständlichkeiten sichern. Gleichzeitig sind die Lebensweisen von ethnischen Minderheiten und sozialen Randgruppen Ausdruck einer kulturellen Differenz, die nicht selten Be- und Entfremdung oder gar Angst hervorruft und diese Menschen im Laufe ihres Lebens zu Fremden und Außenseitern werden lässt. Dadurch tritt die Polizei als Repräsentantin einer Ordnungsmacht auf, die von Gruppen am Rande der Gesellschaft häufig als ausgrenzend oder gar diskriminierend erfahren wird.
Die daraus resultierenden Konflikte im operativen Alltag von Polizeibeamten - u. a. mit Asylbewerbern, türkischen Eckstehern, Drogensüchtigen, Prostituierten und Obdachlosen - sind Gegenstand dieses anschaulichen und gesellschaftspolitisch wie sozialwissenschaftlich hoch aktuellen Buches.


Dr. Thomas Schweer ist Leiter der Projektgruppe 'Abweichendes Verhalten und soziale Kontrolle' am Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung e.V. in Duisburg.
Prof. Dr. Hermann Strasser, Ph.D., forscht zu Fragen des sozialen Kapitals, sozialen Wandels und abweichenden Verhaltens am Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen.
Dr. Steffen Zdun arbeitet am Institut für Interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung der Universität Bielefeld.

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Leseprobe
Die Asylbewerber (S. 65-66)

Marion Lillig

Einleitung

Weltweit sind 25 bis 50 Millionen Menschen auf der Flucht. Die Angaben variieren je nach Organisation. Darunter befinden sich nicht nur politische, sondern auch Umwelt-, Bürgerkriegs- und Armutsflüchtlinge. Die reichen Aufnahmeländer wie Deutschland nehmen eine klare gesetzliche Trennung vor. Danach lautet die Frage an jeden Flüchtling: Flüchtet er nachweislich vor politischer Verfolgung und damit aus Angst um sein Leben oder flüchtet er vor Armut und Ausbeutung? Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland ist unter Art. 16 Abs. 2 der Schutz politisch Verfolgter fest verankert.

Dieses Grundrecht sichert einem Asylsuchenden, der die Grenze Deutschlands erreicht hat, den Zugang zum Asylverfahren, auch dann, wenn er bereits in einem anderen Vertragsstaat der Genfer Flüchtlingskonvention einen Asylantrag gestellt hat, der dort abgelehnt worden ist. Diesen Antrag nimmt die Ausländerbehörde entgegen. Sie führt eine Anhörung durch und entscheidet dann über das Weiterleiten an das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge. Die inhaltliche Entscheidung, d.h. eine Anerkennung oder Ablehnung wird im Bundesamt gefällt. Im Jahr 2002, dem Jahr dieser Teiluntersuchung, haben in Deutschland .

Asylbewerber einen Erstantrag und 20.344 einen Folgeantrag gestellt. Davon wurden 2.379 Anträge anerkannt. Für weitere 5.728 Antragsteller wurden andere Abschiebungshindernisse festgestellt. Damit lag der Prozentsatz der anerkannten Asylanten, wie in den Jahren davor, bei rund 5%. In diesem Beitrag geht es daher um den Personenkreis, der sich 2002 entweder im schwebenden Asylverfahren befindet oder dessen Asylantrag bereits abgelehnt wurde, dessen Abschiebung aber aus verschiedenen Gründen nicht möglich ist. In Duisburg beläuft sich ihre Zahl auf insgesamt 2.500 Menschen. Ihr Handlungsspielraum ist rechtlich stark eingeschränkt.

Über die Hälfte von ihnen sind männliche Personen unter 30 Jahren, meist alleinstehend. Ihr Alltag ist von Langeweile und Perspektivlosigkeit geprägt. Im Stadtbild fallen sie op tisch besonders auf durch „Herumstehen in Gruppen", „Herumlungern" (z.B. am Bahnhof) und durch ihre Hautfarbe, denn ein großer Teil der jungen Männer stammt aus Schwarzafrika. Familien leben dagegen eher unauffällig. Schon durch die notwendige Versorgung der Kinder halten sie sich eher in der Nähe ihrer „Übergangswohnheime" auf. Die besondere Lebenssituation der Asylbewerber, wozu mangelnde gesellschaftliche Teilhabe sowie eine angespannte Wohnsituation, ein sozialer Statusverlust sowie oft mangelnde Bildung(smöglichkeiten) zählen, machen Konflikte mit der Mehrheitsgesellschaft unausweichlich.

Dadurch kommt es auch zu Kontakten mit der Polizei. Gegenstand dieser Untersuchung ist das Verhältnis zwischen Asylbewerbern und der Duisburger Polizei (vgl. auch Lillig 2004, Lillig/Strasser 2004): Wie gestalten sich die Begegnungen? Wie schätzt diese Personengruppe die Polizeiarbeit ein? Wie groß ist das Vertrauen in die Ordnungshüter?

Theoretischer Hintergrund

Begriffsbestimmung und rechtliche Situation der Asylbewerber

Die ethnische(n) Minderheit(en) innerhalb der Bundesrepublik, die wir unter dem Begriff der Asylanten oder Asylbewerber subsumieren, lässt sich kaum durch eine bestimmte Definition zusammenfassen. Angesichts ihrer Notlage und Zugehörigkeit zu verschiedenen Ethnien liegt sogar nahe, sie nicht so sehr als ethnische Minderheit, denn als soziale Randgruppe zu begreifen.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt5
Vorwort6
Einblick: Cop Culture und Polizeikultur9
Die soziale Situation in der Stadt Duisburg10
Die Kultur der Polizei12
Die Normalität des Stereotyps18
„Was, wie und gegen wen ermittelt wird, entscheiden wir!“22
Gewalt im Polizeialltag30
Schlussfolgerungen33
Literatur34
Die jungen Russlanddeutschen37
Situation der Russlanddeutschen in Deutschland37
Vorgehensweise bei der Untersuchung43
Einstellungen zur und Inanspruchnahme der deutschen Polizei46
Schlussfolgerungen für die Gewalt- und Kriminalprävention55
Literatur59
Die Asylbewerber62
Theoretischer Hintergrund63
Zur Methode68
Die Ergebnisse70
Fazit84
Literatur86
Die Prostituierten87
Prostituierte – Wer sie sind, wie sie arbeiten und wer zu ihnen geht87
Das Ausmaß der Prostitution in Deutschland93
Neue Gesetze, neues Glück?93
Prostitution zwischen tabuisierter Tätigkeit und Kriminalität94
Vorgehensweise bei der Untersuchung97
Erfahrungsberichte von Prostituierten99
Erfahrungsberichte von städtischen Mitarbeitern104
Schlussfolgerungen für die Praxis108
Literatur110
Die türkischen Ecksteher112
Die Situation türkischer Jugendlicher112
Türkische Migranten in segregierten Wohngebieten114
Schlussfolgerungen130
Literatur131
Die Obdachlosen134
Was ist ein Wohnungsloser?135
Kommunen zwischen Fürsorge und Ordnung136
Wie Wohnungslose Polizisten sehen139
Die Schutz- und Wehrlosigkeit von Wohnungslosen140
Das Interaktionsfeld zwischen Obdachlosen und Polizei141
Schlussfolgerungen144
Literatur145
Die Drogenabhängigen147
Drogenabhängige in Duisburg147
Kriminalität und soziale Verelendung in der Straßenszene149
Gegenseitige Wahrnehmung von Polizei und Drogenabhängigen152
Fazit156
Literatur157
Ausblick: Auf dem Weg in die Präventionsgesellschaft?159
Die positive Seite der Kriminalität160
Gesellschaftliche Nachfrage speist kriminelles Angebot162
Die normative Dynamik der Kriminalität163
Kriminalprävention – Lektion für die Zukunft?164
Das Verbrechen von heute, die Moral von morgen?167
Vertrauen ist gut, Misstrauen auch169
Gegen den gemeinsamen Feind171
Und die Moral von der G’schicht?174
Literatur174
Das Autorenteam177

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