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E-Book

Das Ende der Geschäftsmodelle

Neue Strategien für eine disruptive Welt

AutorEdgar K. Geffroy
VerlagRedline Verlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783962670252
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
Wir erleben derzeit einen wirtschaftlichen Aufschwung, den anscheinend weder Klimakatastrophe noch Brexit oder Trump bremsen können. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Auch dem größten Optimisten muss klar sein, dass kein Aufschwung ewig währt. Derzeit kreisen die Gedanken in den erfolgsverwöhnten Unternehmen jedoch um naheliegende Dinge wie beschleunigte Prozessabwicklung oder auch das Festhalten an überholten Produktkonzepten und traditionellen Marketingregeln. Diese Zufriedenheitsfalle verhindert den Blick auf die herannahenden Umwälzungen: Welches Geschäftsmodell wird überleben, wenn die Hälfte aller Standardarbeiten digital ersetzt wird? Edgar K. Geffroy fordert eindringlich, dass sich Unternehmen jetzt um eine Zukunftsstrategie kümmern müssen - morgen könnte es schlicht zu spät sein. Und er zeigt, wie nur Unzufriedenheit zu mehr Kundenbindung und zu tragfähigen Geschäftsmodellen in disruptiven Zeiten führt.

Edgar K. Geffroy ist Unternehmer, Wirtschaftsredner und Bestsellerautor. Mit 30 Jahren Berufserfahrung als Unternehmensberater zählt er heute zu den erfolgreichsten Referenten und Vordenkern in Deutschland. Der Erfinder des Clienting setzt immer wieder neue Maßstäbe im Bereich Kundenorientierung und Veränderung durch den digitalen Wandel.

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Leseprobe

Einleitung


Eine Eins in Deutsch

Die derzeit wichtigste Frage, die Wirtschafts- und politischen Experten bereits seit Jahren gleichermaßen auf der Seele und unter den Nägeln brennt, lautet: Warum hat das hochintelligente Deutschland keine Antwort auf Silicon Valley? Eine ganze Nation sucht händeringend nach der Antwort auf diese Frage, denn es geht um nicht weniger als unsere Zukunft, unsere Position auf der Weltrangliste der Wirtschaftsnationen.

Schließlich haben neben den USA auch andere Länder das Zeug dazu, uns in Sachen Digitalisierung auf Abstand zu halten. Die Bedrohung trägt längst Früchte: Das Internet findet zum größten Teil ohne uns statt. In der daraus entstandenen Cloud haben wir nicht nur wenige, sondern überhaupt keine Aktien. Und auch bei der neuen Blockchain-Technologie sind wir bestenfalls Mitläufer.

Wir sind mittendrin im digitalen Wandel. Leider haben wir uns in weiten Teilen für den Part des Zuschauers entschieden. Bühne und Applaus überlassen wir sowohl im Internet als auch auf dem Smartphone lieber den anderen. Die neuen Technologien bauen aufeinander auf – und wir hängen davon ab. Wir scheinen verloren, wenn wir dieses Dilemma weiterdenken, denn die nächste logische Frage muss lauten: Wie sollen wir bei künftigen Technologien überhaupt noch einen Fuß in die Tür des Erfolgs bekommen, wenn »the next big thing« jedes Mal auf den jeweils bestehenden Technologien aufbaut?

Die Suche nach der Antwort kannte bisher nur ein Rezept: Unternehmen ließen Topmanager und hochkarätige externe Wirtschaftsexperten im Silicon Valley ausschwärmen – mit dem Auftrag, die dortigen Geschäftsmodelle zu analysieren, um sie dann in unseren digitalen Hochburgen Berlin, München, Hamburg, Köln und Dresden zu installieren. Doch mag sich in digitalen Zeiten auch vieles wandeln: Erfolg durch Kopie wird nach wie vor seine Grenzen haben. Der gut bestückte Copyshop von Rocket Internet beweist das ganz ausgezeichnet.

Es sind in der Wirtschaft immer die Pioniere, die sich am Ende durchsetzen, denn sie haben nicht nur einen wertvollen Wissensvorsprung, sondern verfügen auch über den Umsatzgenerator Nummer eins, der gerade heute wertvoller denn je ist: Vertrauensvorsprung bei den Kunden, die gerade in der digitalen Welt Pionierleistungen mit Standing Ovations und Klicks honorieren.

Auch das ist eine Begleiterscheinung des Wandels – und gleichzeitig die größte Chance für die digitalen Player, die den Markt noch gar nicht betreten haben. Kunden haben heute keine Angst mehr vor dem Neuen, sondern umarmen es. Es reicht die Bereitschaft von Gründern, das Neue auszuprobieren, weil ein Interessent damit schon mehr ist als ein halber Kunde. Wir haben uns längst von Kundenzufriedenheitsstudien verabschiedet, denn der Kunde kann nicht bewerten, was er nicht kennt. Eine Marktforschung für das iPhone wäre mit hoher Sicherheit gefloppt: Damals konnte sich niemand vorstellen, den größten Teil des Tages mit dem Tippen auf einem Display zu verbringen. Ein Jahrzehnt später kann sich keiner mehr an das Leben davor erinnern.

Doch die Entscheider in den Großunternehmen beharren auf ihren teuer erkauften Analysen. Und so werden Kickertische, Flipperautomaten, Tischtennisplatten und Sitzsäcke in den Entwickleretagen installiert, um den inspirierenden Geist von Silicon Valley durch die muffigen Flure wehen zu lassen. Kleine Achtungserfolge sind tatsächlich hier und dort zu verzeichnen, aber seien wir ehrlich: Diese Erfolge blenden, denn in der Zwischenzeit hat das echte Silicon Valley bereits die nächsten Stufen der Umsatzrakete gezündet. Dort kann man es mittlerweile durchaus vom Tellerwäscher zum Milliardär bringen.

Auch mich hat die Frage nach dem Warum getrieben und mir so manche schlaflose Nacht bereitet. Schließlich bin ich als Unternehmensberater und Wirtschaftsautor immer auf der Suche nach dem nächsten logischen Schritt, der meinen Kunden in ihrem Segment die Poleposition sichert. Ich habe allerdings bei meiner Suche nach einer Antwort nicht auf eine Kalifornien-Rundreise gesetzt, sondern das Problem an der Wurzel analysiert: in Deutschland. Hier habe ich die Antwort auch gefunden, und ich möchte sie nicht erst am Ende des Buches, sondern bereits in der Einleitung präsentieren, denn in diesem Buch geht es um die Auswirkungen und die neuen Möglichkeiten, die dieses Wissen generiert.

Ein Blick auf den Globus führt uns die überschaubare Größe Deutschlands gnadenlos vor Augen. In Relation dazu glänzt unsere wirtschaftliche Bilanz der letzten 70 Jahre mit beeindruckenden Zahlen. Sie basieren auf kontinuierlichem Wachstum, und Wachstum baut immer auf dem auf, was man am besten kann. In unserem Fall sind das gleich zwei Talente: das Ingenieurwesen, das sowohl den Maschinen- und Anlagenbau als auch den Automobilbau groß gemacht hat, und die Wissenschaft, die uns einen Spitzenplatz in der globalen Hall of Fame der Chemie- und Pharmaindustrie beschert hat. Die Welt bewundert uns auch für unsere Hidden Champions, denn die diesbezügliche Liste glänzt durch Würze, nicht durch Kürze.

Doch warum haben bei uns weder Dichter noch Denker das Zeug dazu, Meilensteine in der digitalen Welt zu produzieren? Die deutschen Riesen, die uns in Sachen Computertechnologie auf Anhieb einfallen, sind Nixdorf (1968–1990), SAP (gegründet 1972) und Infineon (gegründet 1999). Seit dem Aufstieg des Internets schauen wir in Sachen Erfolgsgeschichten allerdings in den Röhrenmonitor. Warum ist das so? Und warum ist die geballte deutsche Hochschulkompetenz nicht in der Lage, auch nur ein einziges Genie der Größenordnung Jobs, Zuckerberg, Gates, Musk, Bezos oder Page/Bryn auszuspucken, wie es den amerikanischen Eliteuniversitäten, allen voran Stanford, mit erstaunlicher und für uns geradezu beängstigender Regelmäßigkeit gelingt?

Die drei vorgeschobenen Schlüsselantworten lauten bis heute:

1.Weil wir den Gründern nicht die notwendigen Rahmenbedingungen bieten, um sich zu entfalten. Bereits der Prozess des Gründens dauert hier Monate der Frustration, während er in den USA ein zehnminütiger Onlinespaß ist. Wer in Deutschland mit Enthusiasmus from scratch startet, wird vom Amtsschimmel auf den Boden der Tatsachen abgeworfen.

2.Weil Wagniskapitalgeber Investitionen scheuen, obwohl sie seit Jahren sehen, dass es auch im heiligen Land der Bits and Bytes nur mit Milliarden und Abermilliarden funktioniert.

3.Weil unsere verbohrte Fehlerkultur nicht mehr zeitgemäß ist und Gescheiterten keine zweite Chance bietet – und viele Talente deshalb von einer Unternehmensgründung Abstand nehmen. In Silicon Valley weiß jeder, dass von zehn Start-ups mindestens neun scheitern. Und trotzdem versuchen es täglich Unzählige.

Alle drei Antworten mögen Spuren von Wahrheit enthalten, aber ich habe sie im Rahmen meiner Überlegungen nicht gelten lassen. Denn zum einen müssten unsere Wirtschaftsblätter regelmäßig über deutsche Genies berichten, die sich in San Francisco niedergelassen und dort ihren Traum verwirklicht haben, und zum anderen müssten auch bei einer Scheiterrate von 90 Prozent, wie wir sie aus Kalifornien kennen, 10 Prozent der deutschen Gründer ganz oben mitmischen. Dann wären wir dem Silicon Valley nahezu ebenbürtig.

Die richtige Antwort fand ich an einem Samstagabend. Meine Frau hatte Karten fürs Kino besorgt, doch meine Begeisterung hielt sich in Grenzen, als sie erwähnte, dass es ein Musical sei. Auf meine Frage, ob es von singenden Löwen oder von rollschuhlaufenden Lokomotiven handelt, verriet sie nur so viel: »Es geht um Hollywood und Jazz«, womit sie in mir auch den letzten Funken Hoffnung auf gute Unterhaltung erstickte. Wie sehr man sich doch irren kann, wenn einem auf Entscheiderebene wichtige Informationen fehlen, denn ich wurde an diesem Abend mehr als begeistert.

Sie haben es vermutlich längst erraten. Es war das Filmmusical La La Land, in dem sich zwei junge Künstler ineinander verlieben: die Schauspielerin Mia, die sich erfolglos von Casting zu Casting hangelt, und der Jazzpianist Sebastian, der von einem eigenen Klub träumt und sich mit Nebenjobs als Restaurantpianist und Party-Keyboarder über Wasser hält. Ein cineastischer Leckerbissen – farbenfroher, als das Wort »Technicolor« erahnen lässt, und bis zum Abspann voll mit großen Gefühlen, fantastischer Musik, ebensolchen Licht- und Kameraexperimenten und atemberaubender Choreografie. Eine beeindruckende Hommage an die Klassiker des Genres, aber dennoch völlig neu – und eine Story zum Niederknien. Hollywood halt. So, wie wir es kennen. Und doch so anders.

Es war die letzte schlaflose Nacht, denn die Antwort auf die eingangs gestellte Frage war gefunden, und sie ist erschreckend einfach: Wir verfügen nicht über die Form von Kreativität, die erforderlich ist, um große digitale Ideen zu generieren, die der Welt auch tatsächlich einen Mehrwert bieten. Einen Mehrwert, der so groß ist, dass er Jahr für Jahr Milliarden erzeugt. Mit viel Luft nach oben. Die uns anerzogene Kreativität ist eine andere, aber ebenso wertvolle, und sie produziert Meilensteine auf Gebieten abseits des digitalen Epizentrums.

Amerika, insbesondere Kalifornien, hat ein Gespür für Ideen, die senkrecht starten – und ist deshalb ein Magnet für all diejenigen, die diese Form der Kreativität in sich tragen und daheim dafür als größenwahnsinnige Spinner belächelt werden. Diese Form der Kreativität beruht auf dem amerikanischen Geist, der nicht in Worte zu fassen war, bis Apple ihm mit dem Slogan »Think different« einen passenden Stempel aufdrückte. Es ist eine...

Blick ins Buch

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