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E-Book

Das Godly Play-Konzept

Die Rezeption der Montessori-Pädagogik durch Jerome W. Berryman. E-BOOK

AutorMartin Pranieß
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl393 Seiten
ISBN9783862340545
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis65,00 EUR
»Godly Play« - das klingt überraschend und überrascht in der Tat. Godly Play ist ein sehr kreatives religionspädagogisches Gesamtkonzept, das versucht, neue Lernwege zu beschreiten und die Lernenden in den Mittelpunkt der Reflexionen zu stellen. Der amerikanische Religionspädagoge Jerome W. Berryman steht in der Tradition der Montessori-Pädagogik, die in der vorliegenden Arbeit ausführlich als Grundlage von Godly Play behandelt wird. Berryman nimmt zudem Überlegungen aus der Spieltheorie, Gedanken des britischen Kinderarztes und Psychoanalytikers D. W. Winnicott, schöpfungstheologische Ansätze, sprachphilosophische Reflexionen, darstellendes kreatives Arbeiten, Überlegungen zur Kreativität und Imagination und nicht zuletzt »Story Telling« in sein vielseitiges Konzept auf. Godly Play lenkt den Blick auf die Gemeinde als Ort des Lernens.Pranieß' Untersuchung betrachtet Montessori-Pädagogik aus religionspädagogischer Perspektive und trägt so zum Diskurs über Religionsvermittlung bei.Ausfürhliche Informationen zum Konzept des »Godly Play« bietet die Website www.godlyplay.de

Martin Pranieß studierte evangelische Theologie in Wien. Er promovierte 2007. Derzeit ist er in einer Non-Profit-Organisation im kommunalen Sozialbereich in Wien tätig.

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Leseprobe
"13 Berryman – nachgedacht (S. 331-332)

13.1 Der religionspädagogische Entwurf Maria Montessoris

Montessoris eigener religionspädagogischer Entwurf bleibt innerhalb konfessionell gebundener Grenzen auf die Vermittlung von liturgischen Strukturen konzentriert. Auch das gesamte methodische Repertoire1534 bleibt auf dieses liturgische Zentrum fokussiert. Im Anschluss an Montessori wurde diese Perspektive des Religionsunterrichts auch weiter verfolgt1535. Berryman hat mit seinem pädagogischen Ansatz, vermittelt durch Sofia Cavallettis religionspädagogisches Konzept, die Grenzen des liturgisch-katechetischen Rahmens in Maria Montessoris eigenen religionspädagogischen Überlegungen verschoben bzw. erweitert, ohne die Vermittlung liturgischen Wissens und Handelns aufzugeben.

Der Fokus auf die Liturgie der katholischen Messe wird durchbrochen und andere religionspädagogische Inhalte kommen hinzu, ebenso wird von Berryman der Methodenbestand und die Theorie der religiösen Bildung erweitert. Interessant ist die Beobachtung, dass in Montessoris religionspädagogischem Ansatz, anders als in ihren allgemeinen pädagogischen Überlegungen, die Selbstentfaltungskraft und die Selbstgestaltungskraft der Kinder eine, so scheint mir, untergeordnete Rolle (wenn überhaupt eine?) spielt. Natürlich sollen in Montessoris »Atrium« die Kinder auch selbst im Rahmen der vorbereiteten Umgebung handeln, aber die eigenen Gedanken der Kinder, »ihre Theologie«, kommt nicht zur Darstellung und sie fließen auch nicht in die theoretischen Überlegungen ein. Montessoris Konzept ist gegenüber den theologischen Gedanken der Kinder abgeschlossen.

Die Kinder sollen lediglich lernen, im Rahmen der Kirche zu leben. Die Freiheit des Kindes, eigene religiöse Vorstellungen zu entwickeln und zum Ausdruck zu bringen, ist in diesem Rahmen nur sehr eingeschränkt möglich. Es werden dazu auch keine pädagogischen »Werkzeuge« angeboten. Sehr auf den Punkt formuliert, sieht Berg1536 die Religionspädagogik Montessoris als stark auf »rituelle Abläufe« konzentriert, das Kind als Träger seiner eigenen (religiösen) Freiheit wird von Montessori im kirchlichen Religionsunterricht eigentlich zum »Verschwinden« gebracht. Das Grundprinzip der Selbstbestimmung in der Montessori-Pädagogik (Hilf mir, es selbst zu tun!) scheint an diesem kirchlichen Ort keine Rolle mehr zu spielen.

Hier stellt sich die Frage: Warum gerade in der religiösen Bildung? In der Tradition des evangelischen Religionsunterrichtes hat die persönliche Freiheit, sich für den Glauben entscheiden zu können, immer eine große Rolle gespielt, egal welches Paradigma der religiösen Bildung gerade aktuell war, denn das ist Grundhaltung aus dem reformatorischen Erbe. Auch wenn man der sehr harschen Kritik1537 Bergs nicht das Wort reden möchte, er hat doch den Finger auf den »wunden Punkt« der Religionspädagogik Maria Montessoris gelegt. »Welche eigene Aktivität des Kindes ist gefragt?«

Somit hat die Aussage Bergs: »Ich denke, hier steht Maria Montessori mit ihrer religiösen Erziehung sich selbst, dem grundlegenden Freiheitsansatz ihres Denkens, im Weg.«1539 – auch eine argumentative Basis. Horst Klaus Berg1540 hat richtiger Weise in seiner Publikation darauf hingewiesen, dass es in der Religionspädagogik, wie überhaupt in der Montessori- Interpretation, nicht darum gehen kann, möglichst detailgetreu Maria Montessoris Gedankenwelt zu erfassen und so bloß »möglichst genau« zu tradieren. Wie jede »große« Pädagogik hat auch die Montessori-Pädagogik das Recht, weiter gedacht zu werden."
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort7
Inhalt9
Teil A Hinführung17
1 Einleitendes und Ziele der Arbeit19
2 Theoretische Fragen und methodische Überlegungen23
2.1 Schlaglichter zur Hermeneutik23
2.2 Prinzipielle Probleme der Interpretation von Montessori-Texten25
2.3 J. W. Berryman: ein Religions- und Montessori-Pädagoge29
2.4 Zur Aktualität reformpädagogischer Modelle30
Teil B Maria Montessoris pädagogisches und religionspädagogisches Konzept33
3 Pädagogische Anthropologie bei Maria Montessori35
3.1 Kindererziehung im historischen und gesamtgesellschaftlichen Kontext35
3.2 Das Verhältnis von Kindern und Erwachsenen41
4 Entwicklungspsychologie bei Maria Montessori47
4.1 Anthropologische Grundüberlegungen47
4.2 Die sensiblen Perioden53
4.3 Die erste Entwicklungsphase von 0–6 Jahre59
4.4 Die zweite Entwicklungsphase von 7–12 Jahren66
4.5 Die dritte Entwicklungsphase von 13–18 Jahren71
4.6 Lernen zur rechten Zeit73
5 Montessori-Pädagogik und Psychoanalyse75
5.1 Über die Ursprünge der seelischen Leiden78
5.2 Das Verhältnis von Montessori-Pädagogik und Psychoanalyse79
5.3 Begegnung in Wien – Psychoanalyse und Montessori-Pädagogik80
5.4 Zur Differenz von Montessori-Pädagogik und Psychoanalyse85
5.5 Der »gespaltene Mensch «88
6 Religion im Leben und Denken Maria Montessoris93
6.1 Religiöse Spurensuche93
6.2 Wissenschaft und Religion: zwei Teile einer Kultur95
6.3 Religiöse Denkformen und religiöse Sprache97
6.4 Metaphysik der Natur100
6.5 Die Montessori-Bewegung und Religion105
6.6 Gott und das Kind108
6.7 Religiosität bei Maria Montessori118
7 Montessori – nachgedacht121
7.1 Maria Montessori und die katholische Kirche124
7.2 Montessori-Pädagogik in Kindergarten und Schule126
7.3 Montessori-Pädagogik unter theologischer und religionspädagogischer Perspektive129
7.4 Der Fortschritt der menschlichen Kultur156
7.5 Theologische Kritik am ontologischen Denken Montessoris158
7.6 Bemerkungen zur Freiheit des Kindes159
7.7 Verhältnis von Praxis und Theorie166
Teil C J. W. Berrrymans religionspädagogisches Konzept169
8 Godly Play: Grundlegung und Beispiel171
8.1 Der spieltheoretische Ansatz von J. W. Berryman171
8.2 Theologische Grundstrukturen des Godly Play183
8.3 Das Verhältnis der Begriffe Spiel und Arbeit bei Montessori und Berryman186
8.4 Die Grundelemente des Godly Play in der Praxis191
8.5 Montessori-Pädagogik und religionspädagogische Reflexionen199
8.6 Reflexionen zur Lernlandschaft206
8.7 Beispiel einer Unterrichtseinheit209
8.8 Kleine Geschichte des Religionsunterrichts in den USA236
9 Story Telling im Religionsunterricht243
9.1 Sechs Faktoren für das »good-enough« teaching243
9.2 Die Rolle der ReligionslehrerInnen in Godly Play247
9.3 Die Praxis des Erzählens249
9.4 Die Frage nach der religiösen Vorstellungswelt der Kinder252
9.5 Religiöse Erfahrung und Erkenntnis von Kindern255
9.6 Viele Wege der Kommunikation258
10 The Unspoken Lesson oder Religionsdidaktische Reflexionen267
10.1 Didaktische Reflexionen zum Raum268
10.2 Didaktische Reflexionen über Lernende278
10.3 Die Struktur des kreativen Prozesses279
10.4 Die LehrerInnen und der kreative Prozess285
10.5 Individuelle Vielfalt286
10.6 Entwicklungspsychologische Stufen- Theorien287
10.7 Symbolisches Handeln289
10.8 Sicherheit in der Veränderung290
10.9 Kleine Tugendlehre291
10.10 Die Nachbereitung292
11 Imagination und Godly Play301
11.1 Berrymans Begriff der Imagination302
12 Sprache und Wirklichkeit315
12.1 Auslegung und Bedeutung318
12.2 Was kann Sprache?320
12.3 Sprache bei Berryman322
Teil D Ertrag der Untersuchung331
13 Berryman – nachgedacht333
13.1 Der religionspädagogische Entwurf Maria Montessoris333
13.2 Der religionspädagogische Entwurf Sofia Cavallettis335
13.3 Thema Fantasie und Erzählen342
13.4 Die vierte Generation oder Tradition of religious education353
13.5 Von der Spieltheorie zur Theologie des Spieles: Godly Play356
13.6 Didaktische Grundüberlegungen zu Godly Play358
13.7 Der Raum für Godly Play369
13.8 Religiöse Bildung in Gemeinde und Schule371
13.9 Lernort Gemeinde373
14 Literaturliste377
15 Godly Play im Internet395

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