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Das kleine Buch der Laster

AutorMargit Schönberger
VerlagMosaik bei Goldmann
Erscheinungsjahr2009
Seitenanzahl129 Seiten
ISBN9783641011789
FormatePUB/PDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis5,99 EUR
Schluss mit falscher Selbstkasteiung im Fitness- und Anti-Aging-Wahn. Margit Schönberger, nach eigenem Eingeständnis 'fett, faul und philosophisch', lässt die kleinen Sünden des Alltags lustvoll hochleben und demonstriert, wie man sie ganz ohne schlechtes Gewissen richtig auskostet. Ein jubelndes Ja zu den großen und kleinen Freuden des Lebens.




Margit Schönberger ist Journalistin und Autorin mehrerer erfolgreicher Sachbücher, darunter der Bestseller 'Wir sind rund, na und?'. Sie war lange Zeit Leiterin der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einer großen Verlagsgruppe, bevor sie sich als Literaturagentin selbstständig machte. Sie ist verheiratet und lebt mit ihrem Mann in München.

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Leseprobe
Saus und Braus (S. 82-83)

Gegen das, was sich unsere Vorfahren leisteten, wenn sie Feste feierten, sind wir heute armselige Stümper. Dabei wundert es nicht, dass bei den Reichen Milch und Honig flossen, sie hatten ja das nötige Geld, allerdings fanden diese Fressund Sauforgien Nachahmer im Bürgertum, so dass sich manch einer wegen eines einzigen Festes fürs Leben verschuldete. Das nahm teilweise so verhängnisvolle Ausmaße an, dass sich die Obrigkeit bemüßigt fühlte einzuschreiten: In Athen gab es nächtens Kontrollgänge, bei denen die gesetzlich vorgeschriebene Gästezahl – sie durfte dreißig Personen nicht überschreiten – von Festen nachgeprüft wurde.

Den Römern wurde per Gesetz verboten, bestimmte luxuriöse Speisen zu servieren. (Was natürlich lediglich bewirkte, dass sie sich neue einfallen ließen!) In Florenz wurde nicht nur die Gästezahl bei einer bürgerlichen Hochzeit vorgeschrieben, sondern auch, wie viele Gänge das Festmahl haben durfte, ja sogar das Gewicht des Bratens war reglementiert. Die etwas scheinheilige Sorge um die Geldbeutel der Bürger hielt Adel und Kirchenobrigkeit wie gesagt nicht vom eigenen Saus und Braus ab: Cäsar bewirtete anläßlich seiner Machtübernahme 250 000 Gäste.

Im französischen Lille gab es um 1400 ein legendäres Fest, in dem eine ganze Musikkapelle in einem riesigen Kuchen verborgen war, und der Einkaufszettel für die Amtseinführung eines englischen Erzbischofs etwa um dieselbe Zeit liest sich so: 75 Zentner Weizen, 300 Fässer Bier, 100 Fässer Wein, 104 Ochsen, 1000 Schafe, über 300 Kälber und Ferkel, 2000 Schweine, 400 Schwäne (!), je 2000 Gänse und Hühner, je 4000 Wildenten, Tauben und Kaninchen, unzählige Wachteln, Schnepfen, Reiher, Pfauen, 500 Rehe und Hirsche. Das ergab unter anderem 4000 kalte und 1500 warme Wildpasteten, 4000 Schüsseln mit Sülze, 4000 Torten, 3000 kalte und 2000 warme Puddings. Kurzum, ein Gelage, das nicht nur unsere Reihenhausküchen, sondern auch den »Postbräu« in jedem Ort ein wenig überfordern würde.

Ich will damit nur sagen, dass wir heute, die wir uns von Gottes Geboten doch scheinbar so weit entfernt haben, keinem Prominenten ein solches Fest – ohne Abstrafung in den Medien – mehr durchgehen lassen würden, es sei denn, es handelte sich um eine Armenspeisung (wovon damals wie heute nicht auszugehen ist!). Immerhin wurde so viel Feingefühl entwickelt, dass Lieferautos von Feinkost- und edlen Cateringfirmen teilweise ohne Firmenlogos auf ihren Lieferwagen arbeiten, weil ihre Kunden solche Wagen nicht vor ihrem Haus haben möchten, um keinen Sozialneid zu erregen.

Überhaupt ist es nicht mehr weit her mit dem Feste feiern heutzutage. Die Familien werden immer kleiner und haben an Attraktion verloren. Waren Hochzeiten, Begräbnisse und Taufen früher noch große Verwandtenansammlungen, haben viele Menschen heute an der Blutsbande die rechte Freude verloren – wofür es natürlich Gründe gibt. Weihnachten und Ostern lösen, zum Entzücken der Tourismusbranche, eher Fluchtbewegungen in alle Richtungen aus.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
Willkommen im Club8
Ein Lob der Sünde10
Savoir vivre20
Vom Gedächtnis der Nase26
Wo der Pfef fer wächst31
König Alkohol oder wie Hemingway den Teufel bekämpfte36
Große Trinker vor dem Herrn43
Der Mensch ist, was er isst49
Der Mensch lebt nicht vom Brot allein55
Die süssesten Früchte fressen nur die grßen Tiere62
Von der zweitschönsten Sache der Welt72
Saus und Braus83
Im Olymp der Kochkunst93
Der Bauch der Philosophen101
Rauchzeichen oder Auch Nichtraucher müssen sterben111
Jahrmarkt der Eitelkeiten119
Carpe diem127

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