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E-Book

Das Leben ist eine Öko-Baustelle

Mein Versuch, ökologisch bewusst zu leben

AutorChristiane Paul
VerlagLudwig
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl288 Seiten
ISBN9783641061135
FormatePUB/PDF
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis15,99 EUR
Engagiert, aber ohne erhobenen Zeigefinger: ein Plädoyer für die Verantwortung des Einzelnen
Christiane Paul ist richtig wütend - weil die Regierungen dieser Welt anscheinend nicht willens sind, die großen ökologischen Fragen konsequent anzugehen. »Hallo, aufwachen!«, würde sie den Politikern gerne zurufen. Aber sie findet auch, dass jeder Einzelne Verantwortung übernehmen muss. Sehr engagiert und zugleich selbstironisch erzählt sie von ihrem Versuch, das Leben ihrer Familie so umwelt- und klimaverträglich wie möglich zu gestalten.


Christiane Paul, geboren 1974 in Berlin-Pankow, ist eine gefragte und preisgekrönte Theater- und Filmschauspielerin. Gelesen hat sie u.a. die Prinzessinnen-Anthologie 'Für immer verzaubert' und von Monika Feth 'Meine kleine Schwester'.

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Leseprobe

1

Aus dem Gleichgewicht

Der vierte Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change der Vereinten Nationen, kurz IPCC-Klimareport genannt, erschien im Jahr 2007 und kam zu folgenden Erkenntnissen: Die steigenden Temperaturen, das Schmelzen von Gletschern und ein steigender Meeresspiegel zeigen, dass wir es zweifellos mit einer Klimaerwärmung zu tun haben. Diese Erwärmung hat bereits heute sichtbare Auswirkungen auf viele Ökosysteme.

Die Ursachen für die Klimaerwärmung sind mit einer Wahrscheinlichkeit von weit über 90 Prozent menschengemacht – hervorgerufen durch den Anstieg der Konzentration von Klimagasen in der Atmosphäre, also der Lufthülle der Erde. Kohlendioxid (CO2) ist das wichtigste anthropogene, also von Menschen bewirkte Treibhausgas und trägt 63,5 Prozent zur weltweiten Strahlungsbilanz der vom Menschen verursachten Treibhausgase bei. Danach kommt Methangas (CH4) und Distickstoffmonoxid (N2O), auch Lachgas genannt.

Kohlendioxid ist ein natürlicher Bestandteil der Atmosphäre. Es entsteht durch die Verbindung von Sauerstoff und Kohlenstoff bei natürlichen Lebensprozessen, etwa beim Atmen. Wälder speichern Kohlendioxid. Waldbrände setzen Kohlendioxid wieder frei. So weit, so gut.

Das Problem ist das seit Beginn der Industrialisierung zusätzlich erzeugte CO2 durch das Verbrennen von fossilen Stoffen wie Öl, Gas und Kohle. Fast unsere ganze Wirtschaft und Gesellschaft basiert darauf, vom Autofahren übers Fliegen, Heizen, Regenwälderabfackeln, Schnitzelessen, Lichteinschalten, Fernsehen bis zur Nutzung des Internets. Meere und Wälder können nur einen Teil dieses zusätzlichen Kohlendioxids aufnehmen. Inzwischen sind über 1 100 Milliarden Tonnen CO2 zusätzlich in die Atmosphäre gelangt.

Der Kohlendioxidanteil in der Atmosphäre wird in Teilchen pro eine Million Teilchen gemessen, parts per million oder kurz ppm. Er ist von Beginn der Industrialisierung bis 2005 von 280 ppm auf 379 ppm gestiegen. Der Methananteil ist im selben Zeitraum von 715 ppb (Teilchen pro eine Milliarde Teilchen) auf 1 174 ppb gestiegen, der Anteil der Lachgas-Emissionen durch Kunstdünger in der industrialisierten Landwirtschaft von 270 ppb auf 319 ppb. Dazu kommt die Luftverschmutzung durch Verkehr und Industrie, bei der klimaschädliches Ozon entsteht.

Die Konzentration von Kohlendioxid und Methan ist nicht nur viel höher als vor Beginn des industriellen Zeitalters, sie ist auch höher als je zuvor in den letzten 650 000 Jahren. Von 1970 bis 2004, innerhalb von nur 34 Jahren, sind die CO2-Emissionen um 80 Prozent gestiegen, die der anderen Treibhausgase um 70 Prozent. Machen wir so weiter, wird die Konzentration von Treibhausgasen weiter steigen und damit auch die Temperaturen. Das IPCC nennt eine mögliche Erwärmung bis Ende des 21. Jahrhunderts von bis zu 6,4 Grad Celsius. Ziel ist es, die Erwärmung auf maximal 2 Grad zu begrenzen. Spricht man sie direkt darauf an, sagen diverse Klimawissenschaftler offen, dass sie inzwischen nicht mehr glauben, dass das 2-Grad-Ziel erreicht werden kann. Der ganze IPCC-Bericht ist aus unterschiedlichen Gründen sehr vorsichtig formuliert. Er enthält allerdings auch einige objektive kleine Fehler, auf die sich jene sofort stürzten, die behaupten, dass das alles längst nicht so schlimm sei, wie dort dargestellt.

Die Fehler im Bericht ändern indes nichts am grundsätzlichen Dilemma: Die Erwärmung und der Anstieg des Meeresspiegels ist bereits im Gang und wird daher selbst bei einer Treibhausgas-Konzentration, die nicht weiter ansteigen, sondern die Werte von 2007 halten würde, auch nach Ende des 21. Jahrhunderts weitergehen. Es braucht Jahrhunderte, sagt das IPCC, bis ein verändertes Klimasystem ein neues Gleichgewicht findet. Weitere Entwicklungen können zunehmende Wetterextreme sein, also sehr heiße Sommer oder sehr kalte Winter, Hitze- und Kältewellen, enorme Überschwemmungen, Flutwellen und tropische Orkane hier, lebensgefährdender Wassermangel andernorts.

Ein sehr kalter und schneereicher Winter wie 2010/11 in Deutschland ist kein Zeichen dafür, dass es doch nicht so schlimm steht mit der Klimaveränderung, sondern nur ein Beleg für die zunehmenden Extreme. Das Jahr 2010 war weltweit gesehen das wärmste, seit man im 19. Jahrhundert mit den Messungen anfing. Nach Messungen der NASA und der US-amerikanischen Wetterbehörde NOAA (National Oceanic and Atmospheric Administration) liegt es 0,65 Grad Celsius über dem Mittelwert der Jahrestemperaturen seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen. Das bisherige Rekordjahr war 2005, also auch eines aus dem 21. Jahrhundert. Dessen erstes Jahrzehnt (2001 bis 2010) ist das wärmste seit Beginn aller Messungen, und elf der letzten zwölf Jahre im Untersuchungszeitraum1995 bis 2006 gehören zu den zwölf wärmsten Jahren seit 1850.

Um kurzfristige Ausschläge auszuschließen, misst das IPCC die Veränderungen grundsätzlich in Zeiträumen von 25 Jahren. Diese Messungen ergeben, dass die Erwärmung kontinuierlich steigt, und zwar so, wie vom IPCC prognostiziert. Nun gibt es immer wieder Leute, die sagen: Ist doch schön, wenn es ein bisschen wärmer wird! Müssen wir weniger heizen, können öfter schwimmen gehen, und der Wein wird auch besser.

Globale Erwärmung bedeutet nicht, dass es überall und jederzeit immer wärmer wird, sondern dass die Wetterlagen immer extremer werden. Denn mit zunehmender Erwärmung geht die Balance verloren. Im Jahresmittel nur fünf Grad ist der Unterschied zwischen Eiszeit und Warmzeit, den beiden Extremen der letzten zwei Millionen Jahre. Damals dauerte die Entwicklung 5 000 Jahre, diesmal könnte es in nur 100 Jahren zu »schaffen« sein.

Die Gefahr besteht auch darin, dass ganz unterschiedliche Systeme zusammenbrechen. Im Meer hat dieser Zusammenbruch mit den schmelzenden Eisschilden und den Artenverlusten bereits begonnen. Im Zuge der Ökosystemveränderung ist aber auch das gesellschaftliche System vom Zusammenbruch bedroht. Eine kleine Ahnung davon brachte der Winter 2011 in Berlin, als das öffentliche Verkehrssystem teilweise zusammenbrach, bloß weil es etwas kälter war. In New Orleans herrschte nach Hurrikan Katrina Anarchie. Das Problem am Klimawandel sind nicht nur die vorhersagbaren Veränderungen, sondern auch die Katastrophen, die nicht vorauszusehen sind, wie die Zustände nach dem Hurrikan in New Orleans.

Nun kann weder Katrina noch sonst ein Einzelereignis der letzten Jahre wissenschaftlich zuverlässig auf den globalen Erwärmungstrend zurückgeführt werden. Was die Wissenschaft aber sagen kann, ist: »Wir befinden uns auf dem wärmsten der möglichen Zukunftspfade.« Und das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit für das Eintreten gewisser Naturkatastrophen zunimmt. Eine Katastrophe kann ein funktionierender Staat nach einer gewissen Zeit bewältigen, bei mehreren innerhalb weniger Jahre wird man in unterschiedlichen Bereichen bereits an Grenzen stoßen. Der Potsdamer Klimawissenschaftler Anders Levermann glaubt, dass es eine »Grenze der Anpassung gibt«, das heißt einen Punkt, an dem die Zivilisation zusammenbricht, wenn wir den Klimawandel nicht in den Griff bekommen.

Eine heute bereits klar erkennbare Auswirkung des Klimawandels ist der Rückgang der Eis- und Schneedecke in den kalten Gegenden der Erde. Das führt zu mehr und größeren Gletscherseen und zu von Gletschern gespeisten Flüssen, die mehr Wasser führen. Der Frühling und die damit verbundenen Naturereignisse beginnen früher; die Verbreitungsgebiete von Tier- und Pflanzenarten verschieben sich polwärts bzw. in höhere Lagen der Berge.

Das IPCC erwartet, dass es in den polnahen Gebieten, den sogenannten hohen Breiten, und in den feuchten, tropischen Gebieten mehr Niederschläge gibt, in trockenen Regionen aber weniger. Überschwemmungen und Dürreperioden werden zunehmen. Dadurch wird die Anpassungsfähigkeit vieler Ökosysteme überfordert sein. Es können weniger Nahrungsmittel produziert werden, das bedeutet mehr Hunger.

In Bangladesch ist der Klimawandel heute schon Realität. Die Küstenregionen liegen zum Großteil kaum einen Meter über dem Meeresspiegel. Eine Million Menschen lebt durch den Meeresspiegelanstieg bereits in überfluteten Gebieten. Ironischerweise passen die überfluteten Gebiete auch wunderbar in die Pläne von Investoren, die dort inzwischen Garnelen züchten, um mit der wachsenden Nachfrage in den Industrieländern Geschäfte zu machen.

Von Fluten aufgrund des ansteigenden Meeresspiegels werden Millionen Menschen in Afrika und Asien betroffen sein, ebenso die Bewohner kleiner Inseln. Afrika wird besonders unter Nahrungsmangel leiden. 2010 wurde ein langjähriger Streit zwischen Indien und Bangladesch um eine kleine Felsinsel namens New Moore Island in der Bucht von Bengalen durch den Klimawandel gelöst: Die Insel wurde durch den Meereswasseranstieg überschwemmt und ist verschwunden.

Nur durch möglichst schnelle, breite und entschlossene Veränderung unseres Verhaltens kann diese Entwicklung gebremst werden. Die wichtigste Veränderung dafür ist erstens die Energiewende, das heißt die Gewinnung von erneuerbarer und kohlenstofffreier Energie aus Sonne, Wind und Wasser; zweitens eine deutlich effizientere Nutzung von Energie als bisher, sodass wir durch neue Technologien und Produkte erheblich weniger Strom verbrauchen, als wir es heute tun. Die dritte Veränderung ist die sogenannte Suffizienz. Das bedeutet, dass man nicht nur das Vorhandene verbessert,...

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