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E-Book

Das Mama-Trost-Buch

Überleben mit kleinen Monstern

AutorYvonne de Bark
VerlagVerlag Carl Ueberreuter
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl208 Seiten
ISBN9783800079094
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Kindererziehung ist ein Abenteuer! Liest man vor der Geburt seines Kindes Ratgeber über die wertvolle und pädagogisch richtige Erziehung des nahenden Nachwuchses, so ist man voll Vorfreude und bester Vorsätze, diese vielen klugen Tipps auch alle gewissenhaft umzusetzen. Doch die Realität ist eine andere! Die Autorin Yvonne de Bark schildert auf amüsante Weise die ganze Wahrheit über das Zusammenleben mit den lieben Kleinen und unterzieht die Ratschläge der Experten dem ultimativen Härtetest. 'Yvonne de Bark schildert auf amüsante Weise das Leben mit ihren Kindern. Der Leser fühlt sich dabei nicht belehrt, sondern unterhalten und vor allem nicht mehr allein mit den eigenen Schwierigkeiten bei der Erziehung.' KURIER

Yvonne de Bark, geboren 1972 in München, Schauspielerin in zahlreichen Filmen und TV-Serien ('Alarm für Cobra 11?, 'Unter uns') und Autorin zahlreicher Bücher. Bei Ueberreuter erschienen: 'Mamas wissen mehr' (2010) und 'Spielen macht schlau' (2011).

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Leseprobe

Die Geburt
oder: Wie quetscht man eine Melone durch ein Nadelöhr?


Wann geht es denn nun endlich los, der Termin war schon vor vier Tagen. Frag-Mutti.de: »Also ich hab ja noch die ganze Wohnung gekehrt, das half.« Ich auch, und – nix. Ich schwamm eine Runde im Himbeerblättertee, nix. Um die Geburt in Ga ng zu bringen, greifen viele auf ein altbewährtes Hausmittel zurück: Sex. Das Sperma enthält das wehenauslösende Hormon Oxytocin. Also los: Walpaarung. Wie gut, dass ich das nicht mit ansehen musste.

Irgendwie zieht es ganz schön im Unterleib. Eröffnungswehen. Hierbei handelt es sich um regelmäßig wiederkehrende Wehen, die an Stärke und Häufigkeit zunehmen. Mit ihnen beginnt die Geburt. Eröffnungswehen dienen zur Öffnung des Muttermundes auf die erforderlichen zehn Zentimeter Weite. Aber egal, im Vorbereitungskurs sagte die Hebamme schließlich, dass es eine ganze Weile dauern kann, bis das Kind da ist. Die meisten Schwangeren werden wieder aus dem Krankenhaus nach Hause geschickt, weil es noch zu früh ist. Ich würde nicht so eine hysterische Zicke sein, die nach Hause geschickt wird. Ich würde cool abwarten. Ich überlegte noch eine ganze Weile, ob ich meinem »Fahrer« mitteilen sollte, dass ich regelmäßig Kontraktionen verspürte. Beunruhigen Sie Ihren Mann nicht unnötig. Hören Sie auf Ihr Gefühl. Die meisten Frauen wissen instinktiv, wann sie los müssen. Und während ich noch überlegte, ob ich gerne sehen würde, wie der werdende Vater panisch durch die Wohnung hüpft, war ich auch schon eingeschlafen. Am nächsten Morgen kuschelte ich mich aufs Sofa und trank eine riesige Tasse Schwangerschaftstee. Oh, da hab ich wohl was verschüttet. Auf dem Sofa breitete sich ein nasser Fleck aus. Vom vorzeitigen Blasensprung spricht man, wenn bereits vor den Geburtswehen Fruchtwasser aufgrund eines Risses in der Am nionhöhle abgeht. »Schahatz, das ist kein Tee, glaub ich. Und auch kein Pipi, glaub ich.« – »Ähm, und was machen wir jetzt?« Männer können so wahnsinnig hilfreich sein … »Wir fahren ins Krankenhaus, ich hab einen BLASENSPRUNG

Im Krankenhaus wurde ich untersucht. Blasensprung. Ach, echt? Ich bekam ein Zimmer und sollte ein bisschen liegen. Ich lag dann da so bis abends, dumdidum. Der Kindsvater hatte Termine und besuchte mich noch mal, bevor er nach Hause fuhr und sich abzulenken versuchte. Ich glaube, er hat ein Bier getrunken. Oder zwei. In den Abendstunden wurde ich von einem Schmerz im Unterleib geweckt. Ich will schlafen! Dann später noch einer. Menno, das nervt. Wenn die Wehen länger als eine halbe Stunde in regelmäßigen Abständen kommen (ca. 8–10 Minuten), dann beginnt die Eröffnungsphase. Mal auf die Uhr gucken. Oh. »SCHWESTER, ich bekomme mein Kind, schnell, einen Rollstuhl, die Ärzte in Bereitschaft und räumt den Kreißsaal!!!« Die Eröffnungsphase ist die längste Phase der Geburt, sie kann neun bis vierzehn Stunden dauern. Sechs Stunden später, die ich veratmend, rollend auf Bällen und am EKG verbrachte, fragte mich die Hebamme, ob sie meinen Mann anrufen solle. Äh, ja, warum? Na, ob er dabei sein solle. Äh, wieso? Ach so! Ja, natürlich. Geht’s jetzt los? Ich wurde in den Kreißsaal gebracht. Der Raum erstrahlte in sanftem Altrosa. Altrosa ist die Farbe, die das Ungeborene im Mutterleib sieht. Am Muttermund wurde regelmäßig untersucht, wie weit die Öffnung schon vorangeschritten war.Ich glaube, das macht den Hebammen einfach einen Heidenspaß, zu sehen, wie den Frauen dabei die Augäpfel aus den Höhlen treten. »Bleistiftspitzengroß offen.« – »Ist das viel?« – »Es geht.« Wie lange dauert es noch?« – »Das kann man nicht sagen.« Danke. »Ich will jetzt in die Badewanne.« Im warmen Wasser erleben Frauen die Wehen weniger stark und manche können sich leichter entspannen. Der Kindsvater war inzwischen mit wehenden Fahnen, na ja, genauer gesagt war es eine Fahne, angekommen und bereit, das Neugeborene in Empfang zu nehmen und mit dem Anblick seines Gesicht zu prägen. Aber stattdessen wurde er höflich gebeten, auf dem Rattanstuhl neben der Wanne Platz zu nehmen. Wieder eine Wehe. Scheiße noch mal, tat das weh. Veratmen Sie, tönen Sie. Ein brünftiger Elch ist nichts gegen das, was aus den Tiefen meines Körpers heraus den Raum erzittern ließ. Die Hebamme schloss eilig das Fenster. Stille. Ich wartete auf die nächste Welle des unglaublichen Schmerzes. Knarz. »HÖR VERDAMMT NOCH MAL AUF, DICH ZU BEWEGEN!!!« Erschrocken erstarrte Raoul auf seinem Rattanhöckerchen. Dann kam die nächste Wehe. Ich muss hier raus. Raus aus der Wanne. Gehen Sie ein paar Schritte den Gang auf und ab, das verstärkt die Wehen. Ich schleppte mich in den Kreißsaal und verspürte das dringende Bedürfnis, meinen Darm zu entleeren. Also, atmen, Darm entleeren, wieder zurück in den Kreißsaal. Meine Fresse, tut das weh. Schichtwechsel der Hebammen. Noch mal Muttermund gucken. Während die Hebamme in meine vaginale Öffnung starrt: »Wir kennen uns doch.« – »Hä?« Ich guckte an meinem dicken Bauch herunter und versuchte, ihr Gesicht zu erkennen. »Ja, von den Motorradcops. Da war ich Requisite.« Ah, äh, schön. Tröstende Worte: »Sie machen das ganz toll.« Leck mich. Nehmen Sie die Gelegenheit während der Wehenpausen wahr und reden Sie mit den Geburtshelfern über den Einsatz von Medikamenten oder anderen Geburtserleichterungen. »Wollen Sie ein paar Homöopathika?« Her damit. Die ganze Flasche. Hilft nix, ich brauche Drogen, egal was. »Wir könnten Ihnen noch eine Periduralanästhesie setzen, dabei wird der Unterleib …« – »JA, sehr gut, MACH!« – »Dazu muss der Oberarzt kommen.« – »MACH!!!« Zwischen zwei Wehen wurde die PDA gesetzt, mir war alles wurscht. Wann wirkt denn das Scheißzeug endlich? Die Contenance hatte ich schon nach den ersten paar Wehen verloren, und ich verspürte nicht das geringste Bedürfnis, sie wiederzufinden. Als das »Scheißzeug« endlich wirkte, kehrte ein wenig Ruhe ein, was Raoul wiederum zu einem Nickerchen auf MEINEM Entbindungsbett veranlasste. Plötzlich piepste das Gerät, das die Herztöne meiner Tochter ablauschte. Die Hebamme besah sich den Ausdruck und bemühte sich professionell, ruhig zu bleiben, aber hey, nicht mit mir. Dann ging plötzlich alles sehr schnell. Ich wurde kurz aufgeklärt, dass das Baby jetzt mal langsam raus müsse, sonst … Der sekundäre Kaiserschnitt wird durchgeführt, wenn es während der Geburt zu mütterlichen oder kindlichen Komplikationen kommt, die einen weiteren natürlichen Geburtsverlauf nicht gefahrlos zulassen. Komplikationen der Mutter können ein Geburtsstillstand, Erschöpfung, ein Gebärmutterriss oder mangelnde Kooperation sein. Moment mal! Und – schwupps – lag ich in ein grünes Laken gewickelt und angeschnallt auf einem Operationstisch, Raoul stand ebenso grün neben mir und einen Kittel hatte er auch an. »Ähm, ich spüre die Wehen in meiner rechten Seite, aber links nicht.« Muss man ja mal anmerken, bevor die irgendwo rumschnippeln. Juhu, jetzt bekam ich die volle Dröhnung. »Spüren Sie das?« – »Was?« – »Gut. Dann fangen wir an.« Ich spürte einen Druck am Bauch und wartete auf den Schneideschmerz, aber nix. An diesem Krankenhaus wurde die »Misgav-Ladach«-Methode angewendet. Dabei wird die Bauch decke nicht geschnitten, sondern gerissen, das verkürzt die Heilung und es entstehen seltener Komplikationen. Ratsch, fummel, irgendetwas wühlte in meinem Bauch herum und zog meine Gedärme raus. Ach nee, das war das Kind. Endlich. Und alles war gut. Ich war erschöpft und erledigt. Die Hebamme hielt mir ein kleines Würmchen in ein altrosa Tuch gewickelt neben den Kopf, ich sah ihre winzige Nase, die faltigen, kleinen Augen, das süße Mündchen, beugte mich zur Seite und übergab mich.

Geschlüpft


Die Einzelheiten der Geburt sind gerne nachzulesen in dem Testament, das meine Tochter enterbt. Aber dann war sie da. Ein kleines, faltiges Etwas mit pechschwarzen Haaren – auch an Po und Rücken. Igitt. Lanugo nennt man diesen Flaum bei Neugeborenen, er hält die Käseschmiere am Körper. Jedenfalls war Lara da und das Leben mit ihr konnte beginnen. Wir waren auf alles gefasst. Hatte ich doch alles verschlungen, was die Literaturwelt in puncto »Baby kriegen« und »Baby haben« zu bieten hatte. Ich war bereit, die ganze geballte Ladung Mutterglück in mich aufzunehmen und zu genießen. Raoul und ich kuschelten uns ins Familienbett im Krankenhaus, Lara lag zwischen uns und konnte sich an unserer Liebe wärmen. Bullshit. Raoul schlief natürlich sofort ein und ich stöhnte bei jeder Bewegung, weil meine Schnittnarbe wehtat. Lara hatte ich nach gutem Gewissen in ihr eigenes Bettchen gelegt, denn – so die Bücher – es sollen schon die Neugeborenen daran gewöhnt werden, alleine zu schlafen, dann hat man nie mehr Probleme damit. Also, ab mit Laramaus ins »Alleinebett«. Erschöpft schloss ich die Augen. Da ging’s los. Schreien. Sie schrie, was das Zeug hielt. Okay, andocken. Sie wird Hunger haben. Nee. Kein Hunger. Aber schreien. Was sagten noch mal die Bücher? Schreien lassen? Nicht schreien lassen? Ach ja, rumtragen. Also Papa wecken: »Du musst sie rumtragen oder schaukeln oder so.« Papa trug herum und schaukelte. Das Schreien wurde nicht weniger. Erst nach einer Stunde schlief unsere kleine...

Blick ins Buch

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