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Das regulierte Gen

Implikationen der Epigenetik für Biophilosophie und Bioethik

AutorSebastian Schuol
VerlagAlber Verlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl424 Seiten
ISBN9783495813331
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis49,00 EUR
Die molekularbiologische Subdisziplin Epigenetik leitet einen Wandel im genetischen Verursachungsdenken ein. Im Lichte des neuen Wissens um die Genregulation ändert sich das Verständnis vom Gen von einer statischen Ding-Einheit zu einer dynamischen Prozess-Einheit. Angesichts eines molekularen Wirkungskontinuums gilt die nun genregulativ verstandene Umwelt nicht mehr als externer Faktor, sondern als konstitutives Element des Genbegriffs. Danach hat die Lebensweise des Individuums einen erheblichen Einfluss auf seine genetische Ausprägung. Tatsächlich wird im den Fachdiskurs begleitenden öffentlichen Epigenetikdiskurs bereits eine Forderung nach mehr Eigenverantwortung laut. Die vorliegende Arbeit greift diese Entwicklungen auf und diskutiert die theoretischen und praktischen Folgen des epistemischen Wandels.

Sebastian Schuol studierte Philosophie und Molekulargenetik in Erlangen und Tübingen und war Stipendiat am DFG-Graduiertenkolleg Bioethik am IZEW (Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften) in Tübingen. Er arbeitete u.a. als Koordinator der an der Universität Heidelberg angesiedelten Projektgruppe EURAT (Ethische und rechtliche Aspekte der Genomsequenzierung des menschlichen Genoms) und ist gegenwärtig im Bereich Wissenschaftsreflexion am ZiWiS (Zentralinstitut für Wissenschaftsreflexion und Schlüsselqualifikationen) in Erlangen tätig. Zu seinen Veröffentlichungen zählen diverse Beiträge zur Theorie der Biologie, speziell der Epi-/Genetik und Evolutionstheorie, und zu ihren Folgen für die Bioethik.

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Inhaltsverzeichnis
Das regulierte Gen1
Inhalt8
Danksagung14
Lesehinweise16
Siglen17
Einleitung18
Teil 1: Zur Erweiterung des Genbegriffes30
Kapitel I: Der Genbegriff im Wandel32
1 Skizze des „Jahrhunderts des Gens“32
1.1 Klassische Genetik – transgenerationale Transmission hypothetischer Gene32
1.2 Molekulargenetik – Struktur und Funktion von materialen Genen41
2 Krise des Genbegriffs im aktuellen Zeitbezug49
2.1 Rekapitulation der Genbegriffe49
2.2 Krise des Genbegriffs52
2.3 Aktueller Zeitbezug56
3 Genbegriffe der Postgenomik61
3.1 Aufgabe des klassischen molekularen Gens62
3.2 Ersatz des klassischen molekularen Gens63
3.3 Entkopplung unterschiedlicher Genbegriffe66
3.4 Erweiterung des klassischen molekularen Gens67
4 Nach dem „Jahrhundert des Gens“70
Kapitel II: Das Gen als Entwicklungseinheit76
1 Philosophische Vorbedingungen: Zur Realität des Gens76
1.1 Existieren Gene76
1.2 Biophilosophische Positionen77
1.3 Gene als entwickelte Kulturdinge83
2 Prozessperspektive: Das Gen als Entwicklungseinheit85
2.1 Prozessperspektive der Postgenomik86
2.2 Molekulares Wirkungskontinuum88
2.3 Reichweite der Statusverschiebung93
2.4 Gen als Entwicklungseinheit97
3 Epigenetik: Das regulierte Gen100
3.1 Allgemeine Mechanik: Strukturänderungen der DNS101
3.2 Spezielle Mechanik: Modifikationen auf DNS-, RNS- und Proteinebene104
3.2.1 DNS-Modifizierungen104
3.2.2 Histon-Modifizierungen106
3.2.3 RNS-Interferenz107
3.3 Epigenetische Vererbung als Vererbung von Entwicklungszuständen110
3.3.1 Ontogenetische (mitotische) Vererbung111
3.3.2 Transgenerationale (meiotische) Vererbung113
3.3.3 Epigenetik und die „Vererbung erworbener Eigenschaften“115
Kapitel III: Das Gen als Determinante120
1 Theoretische Aspekte120
1.1 Reduktion und Determination120
1.2 Gendeterminismus125
1.3 Genfatalismus132
2 Historische Aspekte134
2.1 Denktraditionen zur Entwicklung135
2.1.1 Theorien des Präformismus135
2.1.2 Theorien der Epigenesis139
2.2 Zwei Epigenetikbegriffe143
2.2.1 Waddingtons Synthesekonzept143
2.2.2 Molekulares Raumkonzept148
3 Epigenetik und Gendeterminismus151
3.1 Einfacher Gendeterminismus151
3.1.1 Unidirektionaler Informationsfluss151
3.1.2 Verschränkte Informationssysteme155
3.2 Verdeckter Gendeterminismus162
3.2.1 Asymmetrische Informationsinteraktion162
3.2.2 Konstruktion von Information165
Kapitel IV: Das Gen im Kontext168
1 Erweiterter Genbegriff168
2 Neuer Umweltdeterminismus?172
3 Bedeutung des Organismus176
4 Bedeutung der Umwelt183
5 Eingebettete Körper188
6 Gefährdete Organismen192
Teil 2: Zur Ethik der Epigenetik196
Kapitel I: Der öffentliche Diskurs zur Epigenetik198
1 Vorbedingungen zu einer Diskursanalyse198
1.1 Grund der Diskursanalyse und Verortung198
1.2 Methodik zur Analyse des öffentlichen Diskurses201
1.3 Eingrenzung des Analyseobjekts204
2 Einflussbereich der Medienmacher206
2.1 Kommunikatoren: Wissenschaftserfahrene Publizisten206
2.2 Aussagen: Epochenwandel, Steuerbarkeit und Verantwortung208
2.3 Medium: Populärwissenschaftliche Ratgeberliteratur215
3 Einflussbereich der Medienrezipienten218
3.1 Effekt: Epigenetik ist Eigenverantwortung218
3.2 Kontext: Eigenverantwortung im Zeitgeschehen223
3.2.1 Kultureller Wertbegriff: Eigenverantwortung als Selbstentfaltung223
3.2.2 Politischer Reformbegriff: Eigenverantwortung als Aktivierung226
3.2.3 Soziologisches Forschungsobjekt: Eigenverantwortung als Subjektivierung232
3.3 Rezipient: Zwischen Aktivierung und Selbstregulierung238
Kapitel II: Die theoretischen Verantwortungsbedingungen240
1 Historische Entwicklung von Verantwortung in der (Bio-)Ethik240
2 Theoretische Aspekte der Zuschreibung von Verantwortung243
2.1 Verantwortung als Zuschreibungsbegriff243
2.2 Rechtfertigung der Zuschreibung246
3 Handlungstheoretische Aspekte von Verantwortung250
3.1 Handlungsbedingungen als Verantwortungsbedingungen250
3.2 Logisch/temporale Bedingungen: Prospektive und retrospektive Verantwortung253
3.3 Psychische Aspekte: Das Risiko als Folge der Verantwortungsübernahme257
4 Anwendungsbezogene Auslegung: Das Relationsmodell als Analyseinstrument261
4.1 Verantwortungssubjekt: Ein Akteur, mehrere Akteure, oder Institutionen?262
4.2 Verantwortungsobjekt: Behandelte Personen oder Handlungen von Personen?264
4.3 Verantwortungsinstanz: Gewissen oder Vernunft?265
4.4 Verantwortungsnorm: Bestehende Normen oder empirisches Wissen?269
5 Worauf bezieht sich Eigenverantwortung?271
Kapitel III: Die empirischen Verantwortungsbedingungen276
1 Verantwortungsreichweite: Zur Stabilität der epigenetischen Modifizierungen276
1.1 Epigenetische Entwicklung beim Menschen277
1.2 Epigenetische Vererbung beim Menschen285
1.3 Entwicklung vor Vererbung291
2 Handlungsbereich: Das Metabolische Syndrom als Fallbeispiel296
2.1 Vorverortung: Die Themenbereiche der klinischen Epigenetik296
2.2 Verantwortungskontext: Das Metabolische Syndrom299
2.3 Denktraditionen: Vom genetischen zum epigenetischen Verursachungsdenken303
2.4 Zwei konkurrierende ätiologische Modelle309
2.4.1 Adaptionsmodell: Predictive Adaptive Response309
2.4.2 Prägungsmodell: Adaptive Predictive Response312
Kapitel IV: Das Verantwortungsnetzwerk316
1 Überblick und Ausgang316
1.1 Für eine frühzeitige Verantwortungsdebatte316
1.2 Prävention als Ausgangsbasis320
1.3 Faktor Zeit als Präventionskennzeichen324
2 Individualethik und Verhaltensprävention: Zur Rolle der Eigenverantwortung327
2.1 Handlungsbereiche im Lichte epigenetischer Ätiologien328
2.2 Ausgangstheorie und Ausschluss der Eigenverantwortung331
2.3 Möglichkeiten und Grenzen der Verantwortung von Schwangeren335
3 Sozialethik und Verhältnisprävention: Über ein Verantwortungsnetzwerk340
3.1 Akteur/Struktur-Modell als Ermittlungsheuristik340
3.2 Verantwortungsakteure universeller Primärprävention343
3.3 Verantwortungsakteure zielgruppenspezifischer Primärprävention352
Zusammenfassung364
Glossar376
Literaturverzeichnis382
Abbildungsverzeichnis415

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