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E-Book

Das Switcher-Prinzip

Warum uns weniger mehr bringt

AutorRobin Cornelius, Mathias Morgenthaler
VerlagWörterseh Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl160 Seiten
ISBN9783037635414
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis4,99 EUR
Als Kind flog Robin Cornelius fünfmal von der Schule, später studierte er Wirtschafts- und Politikwissenschaften und gründete in Lausanne das Textilunternehmen Switcher. 2005 wurde er von Ernst & Young zum Unternehmer des Jahres gewählt. Sein Erfolg hat viel mit seinem Temperament zu tun. Von sich selber sagt der Switcher-Verwaltungsratspräsident: 'Ich bin eigentlich ein 56-jähriges Kind, das sich hauptsächlich von Intuition und Empathie leiten lässt.' Als Geschäftsmann fokussiert er statt auf tiefe Preise und maximalen Absatz auf faire Produktion, Transparenz und Rückverfolgbarkeit. Sein Credo: 'Wir wollen keine Kunden, sondern Fans, die ihre Kaufkraft in den Dienst einer guten Sache stellen.' Im vorliegenden Buch, das in Zusammenarbeit mit dem Journalisten Mathias Morgenthaler entstanden ist, gibt der Switcher-Gründer erstmals Einblick in seine Führungsprinzipien und zeigt auf, warum es uns nicht egal sein darf, unter welchen Bedingungen die Produkte, die wir später kaufen, hergestellt werden. Robin Cornelius' Triebfeder: 'Ich möchte ein Maximum von Menschen zum Nachdenken bringen.' Dies gelingt ihm mit Sätzen wie: 'Wir Menschen tun nicht nur so, als wären wir selber unsterblich, sondern wir verhalten uns auch so, als gäbe es endlos Ressourcen auf dieser Welt.' Ein spannendes Buch, das garantiert nicht nur Wirtschaftsleute zum Nachdenken bringen wird. 'Die Schweiz bräuchte mehr Unternehmer wie Robin Cornelius. Seine Kreativität, sein Charisma und sein Mut machen ihn zu einer einnehmenden Persönlichkeit. Bewundernswert finde ich, wie er diese Tugenden in den Dienst einer größeren Sache stellt. Robin Cornelius ist ein Pionier in Sachen soziale Verantwortung. Es geht ihm nicht in erster Linie um T-Shirts, sondern darum, die Welt ein bisschen besser zu machen. Deshalb wünsche ich mir, dass viele Manager und Unternehmer von ihm lernen.' Adolf Ogi, alt Bundesrat

Robin Cornelius hat noch nie ein seinem Leben ein Curriculum Vitae verfassen müssen - seine Motivation, das Versäumte im Hinblick auf die Buchpublikation nachzuholen, war eher bescheiden. Überliefert ist immerhin, dass Robin Cornelius am 25. September 1956 in Stockholm geboren worden ist und später in Lausanne zur Schule ging. Die Namen der öffentlichen Schulen und Internate, von denen er wegen seiner Unbelehrbarkeit geflogen ist, waren nicht mehr lückenlos zu rekonstruieren. Es folgten Studien der Wirtschafts- und Politikwissenschaften und ein erster Job als nächtlicher Taxifahrer, den er alsbald gegen den des Textilunternehmers eintauschte. Mehr ist über seine Vergangenheit nicht in Erfahrung zu bringen - Sie erinnern sich: Es sind ja die nächsten fünfzehn Minuten, die zählen ... Mathias Morgenthaler, geb. 1975, ist seit 1997 als Journalist für den 'Bund' in Bern tätig, seit 2002 als Wirtschaftsredaktor. In den letzten sechzehn Jahren hat er über 800 Interview-Porträts von bekannten Unternehmern und unbekannten Pionieren in diversen Tageszeitungen sowie im Tamedia-Blog 'Beruf + Berufung' veröffentlicht. Neben seiner Festanstellung ist er freiberuflich als Texter und Ghostwriter tätig und Inhaber der Wortwirkung GmbH. Seine beiden ersten Bücher 'Beruf und Berufung' (2010) und 'Aussteigen - Umsteigen' (2013, mit Marco Zaugg) sind im Zytglogge Verlag erschienen. Eine Auswahl seiner Interviews ist auf www.beruf-berufung.ch, dem etwas anderen Karriere-Portal, nachzulesen. Mathias Morgenthaler lebt in Bern.

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Leseprobe

1 Die Mission des Unternehmers oder
Warum Manager selten Innovationen schaffen


»Es kommt auf die richtige Mischung an.
Man nehme: eine Prise Hyperaktivität, einen Schuss
Narzissmus, schließlich einen Spritzer Neurose.«

Ich werde oft gefragt, wie ich Unternehmer geworden bin. Der Einstieg vor gut dreißig Jahren war banal. Ich brauchte Geld, um mein Studium zu finanzieren. Als Taxifahrer verdiente ich neun Franken in der Stunde, da kommt man nicht weit. Dann sah ich am TV einen Beitrag über den damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter, der in völlig unüblicher Kleidung joggen ging; neben ihm die Bodyguards im Anzug. Das brachte mich auf die Idee, bequeme Sport- und Freizeitkleidung zu verkaufen.

Natürlich ging es mir nicht nur um Geld. Ich hatte auch das Bedürfnis, unabhängig zu sein, mich nicht unterordnen zu müssen. Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, in ein großes Unternehmen zu gehen, wo mir jemand vorschreibt, was ich zu tun und zu denken habe.

Als Jugendlicher war ich fünfmal durchgefallen in der Schule, und auch im Internat war ich sehr widerspenstig. Ich fühlte mich meistens missverstanden in der Schulzeit. Ich wollte andere Wege ausprobieren, die Modelle verändern, manche Dinge auf den Kopf stellen. Erwartet wurde, dass ich mich anpasse und es genauso mache wie alle anderen Kinder auch. Das konnte ich nicht, damals nicht und später auch nicht.

Deshalb gab es gar keine Alternative: Ich musste etwas Eigenes aufbauen. In gewisser Weise war der Unternehmer in mir also schon immer angelegt; freilich habe ich erst durch die Praxis gelernt, was es bedeutet, Unternehmer zu sein.

Ich hatte keinen Businessplan für Switcher, aber schon nach einigen Jahren dachte ich: »Es ist verrückt, die Menschen sind so unterschiedlich, aber sie unterwerfen sich alle paar Monate einem neuen Modediktat.« Meine erste Regel lautete deshalb: Switcher lanciert nicht jede Saison einen neuen Modetrend, sondern bietet dauerhaft die ganze Farbpalette an. Jeder soll seine Farbe wählen können. Die zweite Maxime war die, unverwüstliche Produkte herzustellen. Keine Wegwerfgegenstände, sondern treue Begleiter.

Abgesehen von diesen wenigen Grundsatzentscheiden habe ich mich treiben lassen und bin nach dem Prinzip verfahren: »Zuerst tun, dann denken.« Wenn ich in mir den Impuls spürte, etwas zu tun, dann dachte ich nicht lange über die Konsequenzen nach, sondern sprang ins Wasser – das ist der beste Weg, schwimmen zu lernen. Die meisten Menschen denken zu viel. Sie scheuen das Risiko und wägen ab, bis sie ganz müde sind vom ängstlichen Denken.

Der Unternehmer symbolisiert das Erneuerungspotenzial unserer Gesellschaft. Er weigert sich, die Vorherrschaft der Wirtschaft über die Politik und der Sonderinteressen Einzelner über das Gemeinwohl anzuerkennen. Deswegen ist er ein Hoffnungsträger für alle, die sich mehr Menschlichkeit und Verantwortungsgefühl wünschen.

Ob jemand Unternehmer ist, hängt nicht von seiner Ausbildung ab, sondern von seiner Einstellung, seiner Denkweise und seinem Temperament. Es kommt auf die richtige Mischung an. Man nehme: eine Prise Hyperaktivität, einen Schuss Narzissmus, schließlich einen Spritzer Neurose. Das Ganze mit einer Menge Empathie und Neugier bestreuen, eine Messerspitze Stolz beifügen und die Mischung mit Ungeduld kräftig umrühren … Schon ist alles zubereitet.

Als Unternehmer agiere ich – wie alle Kreativen – vornehmlich aus der Welt der rechten Gehirnhälfte heraus. Ich arbeite mit Menschen zusammen, die ihre stark ausgeprägte linke Hirnhälfte einsetzen, um einen reibungslosen Geschäftsverlauf zu ermöglichen. Sie sind so unentbehrlich wie die einzelnen Teilchen im Räderwerk einer mechanischen Uhr. Der Unternehmer ist dem Künstler insofern verwandt, als er seinen Beruf weniger aus Lust denn aus Notwendigkeit ausübt – immer auf der Suche nach dem fragilen Gleichgewicht im Strudel der vorwärtsdrängenden Kräfte.

Während die analytisch Denkenden meistens Gewissheit und bekanntes Terrain suchen, bevorzugt der kreative Unternehmer stets den neuen, verheißungsvollen Weg. Dies prägt auch sein Verständnis von Geld, zu dem der Unternehmer eine besondere Beziehung hat. Er sieht es als Öl, das den Motor seiner Ambitionen am Laufen hält und seine Projekte Gestalt annehmen lässt – wohl wissend, dass dieses Öl nicht trinkbar ist; es kann beides sein: lebensnotwendig und zerstörerisch. Für den Unternehmer ist Geld zunächst die Grundlage für eine gewisse Unabhängigkeit.

Geld bestimmt, wie jeder Käfig, den Radius unserer materiellen Freiheit – jedem steht es frei, seinen eigenen Käfig zu bauen. Glücklich kann sich jener schätzen, der versteht, dass auch der größte Käfig keine wirkliche Freiheit schenkt. Gehört es nicht zum Wesen der Freiheit, dass sie ebenso grenzenlos ist, wie Liebe und Leidenschaft es sein können?

Der Unternehmer lebt im Dilemma: Er möchte keinen Käfig, keine Grenzen, absolute Freiheit. Aber er braucht Geld, um seine Ambitionen verfolgen zu können.

Denken wir einen Moment über diese verdammten Käfige nach, in denen wir uns alle bewegen. Für mich ist klar: Wahre Freiheit finden wir nicht in unserem Käfig, sie ist keine Frage des Geldes. Eher gewinnen wir sie durch Leidenschaft, durch die Kraft einer starken Idee.

Der Unternehmer ist – bei all seinen Begrenzungen – ein freier, leidenschaftlicher Denker, der die Macht hat, andere zu überzeugen. Er steigt auf wie ein Adler, während weiter unten die anderen Raubvögel sich gierig auf ihre Beute stürzen; fliegt hinweg über unsere Käfige und eröffnet uns immer wieder neue Horizonte.

Der Unternehmer muss etwas schaffen, um sich selber zu verwirklichen. Er ist abhängig vom Zuspruch der anderen. Spürte er nicht diesen Drang, etwas aufzubauen und damit erfolgreich zu sein, würde er niemals abheben. In der Luft hält ihn seine Leidenschaft, sie ist sein Motor für den weiten Flug. Hat der Unternehmer erst einmal seine Flughöhe erreicht und seine Vision vor Augen, kennt er keine Grenzen … solange ihn kein Zweifel bremst und hinabzieht.

Jeder kann sich Unternehmer nennen. Entscheidend ist aber nicht das Selbstbild, sondern die Bestätigung durch die anderen, durch das Leben, durch die Resultate. Man ist Unternehmer oder ist es nicht – manchmal wird es jemand im Verlauf des Lebens, wenn er sich ganz seinen uneingestandenen Leidenschaften verschreibt. Wenn jemand die Rolle des Unternehmers für sich beansprucht, ohne über die erforderlichen Talente zu verfügen, kann das verheerende Folgen haben. Ich lege großen Wert auf die Verantwortung des Unternehmers. Sie zu erkennen und wahrzunehmen, gibt meinem Leben Sinn, es ist der Weg, den ich eingeschlagen habe. Die Lust, etwas zu werden, Neues zu entwickeln, muss stärker sein als die Angst, nicht gut genug zu sein.

Als Unternehmer muss man die Richtung und den Rhythmus vorgeben können. Eine Botschaft ist nutzlos, wenn sie nicht verstanden wird. Eine Vision muss klar vermittelt und auf den Alltag hinuntergebrochen werden – dazu gehört auch, in Belangen, die wichtig sind, keine Kompromisse zuzulassen.

Ein Adler, der im Ölteppich oder im Käfig festsitzt, ist verloren. Die anspruchsvolle Aufgabe besteht darin, sich der materiellen Welt zu bedienen, um mehr verwirklichen zu können – sich aber nicht zu sehr an sie zu binden, nicht von ihr abhängig zu werden. Vergessen wir nicht, immer wieder aufzusteigen aus unserem Käfig!

Im 21. Jahrhundert zeigen sich mehr und mehr die Grenzen unserer materiellen Welt. Die Welt erscheint als Vulkan, der seinen Lavastrom voller Objekte und sozialer Unterschiede ausspeit und unsere Träume von einer gerechteren Welt unter sich begräbt.

Wenn ein Unternehmer sich in ein Projekt stürzt, muss er lernen, seine Einsamkeit zu ertragen. Durch seine Träume, seine Ansprüche und sein ruheloses Wesen ist er oft genug eine Zumutung für seine Umgebung – er weiß das und nimmt es in Kauf. Leben ist für ihn eine permanente Herausforderung und Überlebensübung.

Der Unternehmer drängt unablässig vorwärts; dabei muss er gleichzeitig scheinbar unvereinbaren Anforderungen genügen. Er braucht überdurchschnittlich viel Energie und mehr Selbstdisziplin, als ihm eigentlich eigen ist. Und er muss darauf achten, sein inneres Kind zu schützen – diese Stimme tief in seinem Innern, die ihm früh geraten hat, sich von allen einengenden Autoritäten fernzuhalten. Ebenso sehr muss er darauf achten, sich nicht vom Durst nach Anerkennung verführen zu lassen und dem Neid, den sein Verhalten in seiner Umgebung provozieren kann, nicht zu viel Bedeutung beizumessen. Er darf sodann nicht der Versuchung erliegen, all jene Dinge selber zu tun, die andere genauso gut tun können. Besser ist es, zu delegieren und immer wieder auf Distanz zu Dingen und Menschen zu gehen,...

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