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Das Überlegensheitsgefühl der Mexikaner gegenüber der US-amerikanischen Kultur

Anhand ausgewählter mexikanischer und chicano Literatur

AutorCora Scholz
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2008
Seitenanzahl91 Seiten
ISBN9783640170074
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis10,99 EUR
Examensarbeit aus dem Jahr 2007 im Fachbereich Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde, Note: 1,0, Freie Universität Berlin (Romanistik), 153 Quellen im Literaturverzeichnis, Sprache: Deutsch, Abstract: Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Überlegenheitsgefühl der Mexikaner gegenüber der US-amerikanischen Kultur. Das Thema wird anhand verschiedener Werke des berühmten mexikanischen Schriftstellers Carlos Fuentes behandelt. Die Schwerpunkte liegen auf seinen Essays sowie den Werken Gringo viejo und La frontera de cristal. Carlos Fuentes gehört zu jenen Schriftstellern, die sich ihr Leben lang mit der - den mexikanischen Literaturdiskurs bestimmenden - Frage nach der mexikanischen Identität/Nationalität auseinandergesetzt haben und in diesem Zusammenhang auch immer mit ihrem unmittelbaren Spiegel, den USA. Selbst dort aufgewachsen und lange Zeit an US-amerikanischen Universitäten lehrend hat der Autor den Vorteil beide Kulturkreise von einer Innen- wie Außenperspektive betrachten zu können. Daher erscheinen seine Betrachtungen über die USA besonders interessant. Sie nehmen neben den allgemein kritisierten politisch-militärischen Handlungen auch die kulturellen in den Blick.

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Leseprobe

2 Octavio Paz


 

Paz wie Fuentes zählen zu den wichtigsten und innovativsten Schriftstellern der mexikanischen Gegenwartsliteratur.

 

Desde la década de los 50, Fuentes y Paz han encabezado las corrientes literarias más fuertes y innovadores en México.[18]

 

Die kulturellen Unterschiede, die Paz in seinen Essays anhand der unterschiedlichen historischen, religiösen, politischen und ökonomischen Voraussetzungen der beiden Staaten herausarbeitet, sind verbunden mit der Frage nach der ‚mexicanidad’ – der Identitätssuche des in der mexikanischen Kultur verwurzelten Individuums als Ausdruck der Suche eines Konzepts für die Zukunft des mexikanischen Volkes und Staates. Für Paz ist die Abgrenzung zum Anderen, zur otro lado (den USA), für Mexiko besonders relevant, da hier zwei gegensätzliche Kulturräume aufeinandertreffen : die angelsächsisch-protestantische mit der hispanisch-katholischen. Durch die Spiegelung im Anderen entwickelt Paz sein Konzept der mexikanischen Identität. An dieses Konzept anknüpfend wird im weiteren Verlauf der Arbeit dargestellt, wie Fuentes diese Thematik in seinen literarischen und essayistischen Werken verarbeitet und welche Positionen er hinsichtlich der gegenwärtigen Beziehung Mexikos zu den USA bezieht. In Lateinamerika und speziell in Mexiko besaßen Literaten bis in die sechziger Jahre hinein großen Einfluss auf die Konstruktion und Definition der nationalen und kulturellen Identitäten. Denn im 19. Jh. waren Schriftsteller gleichzeitig Staatsmänner, Politiker, Militärs und Diplomaten und damit intellektuelle und politische Elite in einem. Es gab kaum eine Differenzierung von Disziplinen, was dazu führte, dass die politischen und literarischen Diskurse zusammenfielen[19]. Diese literarische Tradition zeichnet sich bei Paz und Fuentes ab, die beide im diplomatischen Dienst Mexikos standen und stets politisch engagiert waren. Fuentes ist es glücklicherweise bis heute noch.

 

2.1 Biographie von Octavio Paz


 

Geboren wurde Octavio Paz am 31. März 1914 in Mexiko-Stadt als Sohn eines Journalisten und Mitarbeiters des Sozialrevolutionärs Zapata, dessen Vater wiederum ein prominenter liberaler Intellektueller war, der aus einer Familie stammt, die – stolz auf ihre kreolische Abstammung – seit mehreren Generationen in Mexiko lebte. Octavio Paz war bereits mit 17 Jahren Mitbegründer einer literarischen Zeitschrift und begann gleichzeitig zu publizieren, womit er den Grundstein seiner schriftstellerischen Karriere legte. Im Laufe der Zeit erschienen zahlreiche Zeitschriften unter seiner Leitung.

 

Schon während seines Jura- und Philosophiestudiums engagierte er sich politisch. Seine dichterische Leidenschaft entfaltete sich u. a. durch die persönliche Bekanntschaft mit den älteren Dichtern und Philosophen Mexikos. Nachdem er einige Jahre als Lehrer arbeitete, erhielt er 1944 ein Stipendium, woraufhin er sich zwei Jahre in San Francisco und New York aufhielt. Die folgenden 23 Jahre seines Lebens verbrachte Paz im diplomatischen Dienst im Ausland, zuerst in Europa (v.a. Paris), dann in den USA, Indien und Japan, bis er dieses Amt 1968 aus Protest gegen das Massaker an demonstrierenden Studenten in seiner Heimatstadt niederlegte und sich im freiwilligen Exil im Ausland, z.B. als Gastprofessor in den USA, aufhielt. Nach seiner Rückkehr 1971, die durch die Freilassung der politischen Gefangenen in Mexiko motiviert war, hielt er sich bis zu seinem Tode am 19. April 1998 in seiner Heimatstadt Mexiko City auf..

 

 Im Jahr 1950 erschien sein Buch über das Wesen des Mexikaners, das bald zum Klassiker wurde: El laberinto de la soledad. Dieses Werk, das die Mythen Mexikos und der Mexikaner reflektiert, ist Paz´ Antwort auf zwei existentielle Fragen: Was heißt es, im 20. Jahrhundert Mexikaner zu sein, und welche Bedeutung hat Mexiko in dieser Epoche? Damit begann der Teil des Werkes, der Paz zu einem der wichtigsten Lyriker und Essayisten der Gegenwartsliteratur machte. Er wurde mit zahlreichen Preisen geehrt, wie dem Premio Cervantes (1981), dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels (1984) und dem Nobelpreis für Literatur (1990). Seine Poesie bricht mit den traditionellen Formen und Richtlinien. Auch seine schriftstellerischen Werke zeugen von einem ganz eigenem, sehr impulsiven und klarem Stil.[20]

 

2.2 Die Mexikanität im Labyrinth der Einsamkeit


 

Mexiko ebenso wie die meisten anderen lateinamerikanischen Staaten schauten mit Neid auf die Entwicklung und die durch die US-amerikanische Lebensart herrschende Ordnung der Vereinigten Staaten. Damals und teilweise noch heute misst sich Mexikos Fort- und Rückschritt an den USA. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass Octavio Paz in seinem Essay El laberinto de la soledad bei der Reflexion über die Essenz des Mexikaners mit den Unterschieden zwischen den Mexikanern und den US-Amerikanern beginnt. Selbiges unternahmen bereits einige Jahre zuvor die Essayisten José Enrique Rodó mit seinem Ariel und José Martí in Nuestra América in Bezug auf Lateinamerika.[21]

 

 Die Dialektik – wie sie Paz für die Einsamkeit der Mexikaner entfaltet – lässt sich auf das Überlegenheits- resp. Unterlegenheitsgefühl der Mexikaner gegenüber der nordamerikanischen Kultur übertragen. Es wurzelt in der mexikanischen Revolution, also in der Suche nach der mexikanischen Identität. Mit dem Ausbruch der Revolution im Jahr 1910 vertraten die Schriftsteller und Intellektuellen nun nicht mehr lediglich ästhetisch-kosmopolitische Ziele, sondern auch politisch-soziale. Dabei wurde José Vasconcelos aus der Gruppe „Athenäum der Jugend“ mit seinem populärstem Essay La raza cósmica. Misión de la raza iberoamericana von 1925 zu einem der geistigen Führer der Revolution. Seine Gedanken übten einen gewaltigen Einfluss auf den gesamten iberoamerikanischen Subkontinent aus, sie manifestierten die Verteidigung der hispanischen Kultur gegenüber dem angelsächsischen Pragmatismus und waren ein absolutes Bekenntnis zum Mestizismus.[22] Bereits an dieser Stelle zeigt sich die von Paz ausformulierte und von Fuentes aufgenommene Unterscheidung einer ‚sociedad inclusiva’ und einer ‚sociedad exclusiva’, auf welche im Weiteren noch näher eingegangen wird.

 

 Die als geistiges Anliegen der Revolution zugrundeliegende Suche nach dem mexikanischen Wesen konstituierte eine essayistische Epoche schlechthin. Zu ihr zählen der berühmte Essay von Samuel Ramos El perfil del hombre y la cultura en México aus dem Jahre 1934. Ramos’ Werk bildet die eigentliche Grundlage der ‚Filosofía de América’. In ihm liegt der Kern des Überlegenheitsgefühls der Mexikaners gegenüber der US-amerikanischen Kultur. Er versuchte zu seiner Zeit wie Fuentes heutzutage, die mexikanischen Minderwertigkeitskomplexe abzubauen: „Der Mexikaner ist nicht minderwertig, er fühlt sich minderwertig!“[23] und erkannte schon damals, dass der Mexikaner bei sich ein fremdes Maß anlegt, welches nicht von ihm selbst, sondern von Europa geschaffen wurde. Die Übernahme fremder kultureller Werte führt jedoch lediglich zu Imitationssucht und Sterilität. Mit den Worten: „Werde, der du bist!“ wollte Ramos den Mexikaner zur Selbstbesinnung aufrufen und ihm, trotz aller Verlockungen aus dem Norden, Vertrauen zum Mexikanertum einflößen. Eine sehr ähnliche kulturnationalistische Tendenz wird auch in verschiedenen Essays von Fuentes (El espejo enterrado und Nuevo tiempo mexicano) in Bezug auf den Vergleich mit den USA erkennbar, auf welche im folgendem Kapitel noch näher eingegangen wird. Es geht bei Ramos und Fuentes darum, dass sich die Mexikaner auf ihre eigenen kulturellen Werte rückbesinnen und sich nicht an anderen bemessen, also weder an Europa noch den USA.

 

 Nach Paz ist es jedoch kein durch den „ungleichen“ Vergleich von Kulturen ausgelöstes Minderwertigkeitsgefühl, sondern das aus seinem Anderssein hervorrührende Gefühl der Einsamkeit, welches den Mexikaner identifiziert:

 

La existencia de un sentimiento de real o supuesta inferioridad frente al mundo podría explicar, parcialmente ante los demás y la violencia inesperada con que las fuerzas reprimidas rompen esa máscara impasible. Pero más vasta y profunda que el sentimiento de inferioridad, yace la soledad. Es imposible identificar ambas actitudes: sentirse solo no es sentirse inferior, sino distinto. El sentimiento de soledad, por otra parte, no es una ilusión – como a veces lo es el de inferioridad – sino la expresión de un hecho real: somos, de verdad, distintos. Y, de verdad, estamos solos. […] pero la soledad del mexicano, bajo la gran noche de piedra de la Altiplanicie, poblada todavía de dioses insaciables, es diversa a la del norteamericano, extraviado en un mundo abstracto de máquinas, conciudadanos y preceptos mortales. […] La realidad esto es, el...

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