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Das zweite Leben des Billy Fingers

Wie mein Bruder mir aus dem Jenseits bewies, dass es nach dem Tod weitergeht

AutorAnnie Kagan
VerlagAnsata
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783641133023
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Das mutige Zeugnis: Es gibt ein Leben nach dem Tod
Annie Kagan hat sich nie besonders für spirituelle Fragen interessiert. Doch als ihr Bruder Billy stirbt, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung: Zwei Wochen nach seinem Tod erhält Annie plötzlich Nachricht von Billy - aus dem Jenseits. Als sie schon befürchtet, verrückt geworden zu sein, liefert Billy eindeutige Beweise für die Echtheit seiner Botschaften ...
Das zweite Leben des Billy Fingers ist eine der detailliertesten Nachtod-Kommunikationen, die je dokumentiert wurden. Billys lebendiger Bericht seiner Reise durch die Geheimnisse des Todes verändert nachhaltig unseren Blick auf das Leben, den Tod und unseren Platz im Universum.


Annie Kagan war Songwriterin und Künstlerin, bevor sie ihren Doktor in Chiropraktik machte und eine Praxis in Manhattan eröffnete. Als ihr das hektische New Yorker Stadtleben zu viel wurde, zog sie sich nach Long Island zurück und widmete sich dem Schreiben. Mit dem unerwarteten Tod ihres Bruders hat sich ihr gewohntes Leben von Grund auf verändert.

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Leseprobe

1Das Erste, was eintritt

Um neun Uhr morgens hinterließ die Polizei vom Miami-Dade County eine Nachricht auf meinem Anrufbeantworter: »Wenn Sie einen William Cohen kennen, setzen Sie sich bitte mit Sergeant Diaz in Verbindung. Er hat die Durchwahl 305 …«

O nein! Billy muss festgenommen worden sein. Bitte kein Gefängnis. Nicht noch einmal. Nicht mehr in seinem Alter.

Mir wurde immer noch ganz übel, wenn ich an die Zeit vor fast dreißig Jahren dachte, als mein Bruder verhaftet worden war. Das dumpfe Dröhnen des Richterhammers. Die Worte »Fünfundzwanzig Jahre bis lebenslänglich«, meine Mutter, wie sie weinend in meinen Armen liegt und den Richter anfleht, sein Urteil zu revidieren. Der Tag, an dem ich beobachtete, wie Billy in Handschellen gelegt und wegen des Verkaufs von Kokain nach Sing Sing gebracht wurde, war wahrscheinlich der schlimmste meines Lebens.

Mit zitternden Fingern wählte ich die Nummer der Polizei.

»Hier ist die Schwester von William Cohen. Ist er verhaftet worden?«

»Nein«, sagte Sergeant Diaz mit sanfter Stimme. »Er wurde heute früh um zwei Uhr dreißig überfahren. Es tut mir leid, Ihr Bruder ist tot.«

Es wurde kalt in meinem Herzen. Tot? Mir drehte sich der Kopf. Alles drehte sich. Ich griff nach einem Stuhl und setzte mich.

»Wie ist es passiert?«

»William kam aus der Notaufnahme des South Miami Hospital. Er war betrunken und rannte auf den Highway«, berichtete der Sergeant.

»Waren Sie vor Ort?«, erkundigte ich mich.

»Nein, Ma’am. Ich wurde zur Unfallstelle gerufen.«

»War Billy verletzt?« Verletzt? Was denke ich denn da? Er wurde überfahren! »Ich meine: Ist er ins Krankenhaus gebracht worden?«

»Nein, Ma’am. Er war auf der Stelle tot. Hat nicht leiden müssen.«

War auf der Stelle tot? Hat nicht leiden müssen? Woher um alles in der Welt will der das wissen? Der Sergeant wollte mich trösten, aber das funktionierte nicht.

»William trug ein Identifikationsbändchen der Klinik. Ihren Namen und Ihre Telefonnummer haben wir in seiner Akte gefunden.«

So also sind sie auf mich gekommen! Billy hat mich immer als seine »im Notfall zu verständigende« Person angegeben.

Sergeant Diaz räusperte sich. »Hören Sie, Ma’am. Sie müssen ihn nicht identifizieren. Das Bändchen reicht völlig. Besser, Sie behalten ihn so in Erinnerung, wie er war.«

Ihn besser so in Erinnerung behalten, wie er war? Meine Güte!

Der Sergeant musste wohl gehört haben, dass ich anfing zu weinen, denn das Nächste, was er sagte, war: »Es ist zwar, streng genommen, gegen die Vorschriften, aber wenn Sie mir Ihre Adresse geben, kann ich Ihnen die Sachen, die Ihr Bruder bei sich hatte, gern zuschicken.«

Da ich Billys Leiche nicht identifizieren musste, sah ich keine Notwendigkeit, von New York nach Miami zu fliegen. Als mein Bruder mit zweiundsechzig Jahren verstarb, war er obdachlos, also befand sich sein ganzer Besitz in seinen Hosentaschen. Billy hatte mir alles hübsch sauber und ordentlich hinterlassen – ganz anders als zu Lebzeiten. Das, was ich seit Jahren befürchtet hatte, war eingetreten. Billy war tot.

Ich rief Billys Suchtberater im South Miami Hospital an.

»Billy ist gestern am späten Abend in die Notaufnahme gekommen.« Eddys Stimme klang nervös. »High war er und hat Blut gehustet. Er wollte stationär aufgenommen werden, und als ihm die Schwester erklärte, er müsse stattdessen in die Entgiftung, wurde er aggressiv, schnappte sich einen Stuhl und bedrohte sie damit. Sie rief die Polizei, Billy rannte raus und … na ja, den Rest kennen Sie ja. Er hat einfach nicht auf seine Höhere Kraft vertraut. Ich bin sehr enttäuscht von ihm.«

Enttäuscht? Billy war tot. Und Eddy sprach von Enttäuschung? Wortlos legte ich auf und warf das Telefon quer durch den Raum.

O Gott, Billy ist tot! Mein ganzer Körper schmerzte, als wäre ich überfahren worden. Ohne mich auszuziehen, ging ich ins Bett und zog mir die Decke über den Kopf. Da fiel mir das unglaublich Merkwürdige wieder ein, das ich am Vortag getan hatte.

Obwohl ich seit Monaten nicht mehr mit Billy gesprochen hatte, musste ich in der vergangenen Woche geradezu besessen an ihn denken. Das war ungewöhnlich, denn seit der vierten Klasse bestand meine Überlebensstrategie darin zu versuchen, nicht an ihn zu denken. Als kleines Mädchen habe ich meinen großen Bruder vergöttert. Aber ich lebte ständig in Angst, dass ihm etwas Schreckliches zustoßen könnte. Billy hatte immerzu Probleme. Ich wusste zwar nicht, was »Probleme« bedeutete, aber als sie größer wurden, schickte man ihn an irgendeinen mysteriösen Ort. Und als es wirklich schlimm wurde, wussten meine Eltern nicht einmal mehr, wo sie ihn suchen sollten.

In der vierten Klasse erklärten sie mir, dass es sich bei den Problemen, die Billy hatte, um etwas handelte, das man »Heroinsucht« nannte. Um mich von meiner Angst zu distanzieren, begann ich, mich in der Kunst der Kaltherzigkeit zu üben.

Und nun, nach all den vielen Jahren und so kaltherzig ich auch sein wollte, konnte ich in der Woche vor seinem Tod einfach nicht aufhören, an Billy zu denken. Allein in einem abgelegenen Häuschen an der Küste von Long Island zu leben und auch zu arbeiten machte die Sache nicht gerade einfacher. Mit meiner Alltagsroutine versuchte ich mich von meiner Angst abzulenken – sechs Uhr morgens aufstehen, die Katzen füttern, meditieren, einen Spaziergang machen, Mittagessen vorbereiten, ins Tonstudio gehen und Songs schreiben.

An meinem Keyboard konnte ich an nichts anderes denken als an Billy. Ich hätte ihn gern angerufen, seine Stimme gehört, ihm irgendwie geholfen. Aber ich wusste nicht, wie ich ihn erreichen konnte. Ein Teil von mir hatte auch Angst davor, ihn zu erreichen. Denn ich war mir sicher, dass es ihm sehr schlecht ging.

Am Tag vor Billys Tod, es war ein bitterkalter Januarmorgen, zog ich mir zwei Pullis sowie eine Daunenjacke über und zwei Wollmützen tief in die Stirn und wagte mich in die nasskalte Luft hinaus. Ich ging über gefrorenes braunes Laub durch den nackten Winterwald und stieg die Holztreppe hinab, die zur Bucht führt. Nie, nie bitte ich Gott um irgendetwas, aber an diesem Morgen schaute ich in den silbern schimmernden Himmel, hob die Hände und stellte mir vor, Billy den Armen des großen Göttlichen zu überantworten. »Bitte kümmert euch um ihn«, flüsterte ich.

Stunden später war Billy tot.

Die nächsten Tage über blieb ich im Bett, unfähig, irgendetwas anderes zu tun, als Tee zu trinken. Wie es heißt, durchläuft die Trauer verschiedene Stadien – Schock, Schuldgefühle, Zorn, Depression. Bei mir aber kollidierten diese Emotionen und brachen alle auf einmal über mich herein.

Meine Freundin Tex kam vorbei, um nach mir zu sehen. »Es ist ganz komisch«, sagte ich zu ihr. »Ich bin nicht direkt traurig, ich fühle mich eher wie eine Woodoopuppe, rundum mit Nadeln gespickt.«

Ich hatte Tex diesen halbseidenen Spitznamen gegeben, weil sie über eins achtzig groß, dunkelhaarig, sehr schmal gebaut war und eine ausgesprochene Vorliebe für Cowboystiefel hatte. Doch obwohl sie so tough wirkte, war sie sehr freundlich und dachte immer erst gründlich nach, bevor sie den Mund aufmachte.

»Ach, Süße«, sagte Tex und nahm meine Hand, »das ist die Trauer.« Sie musste es wissen. Noch als Teenager hatte sie ihren älteren Bruder Pat bei einem Flugzeugabsturz verloren.

Drei Tage nach Billys Tod fegte ein heftiger Sturm über Long Island hinweg. Ich rückte mein Bett vors Fenster und beobachtete, wie der Blizzard die Welt draußen in Aufruhr versetzte. Billy hatte solch ein wildes, turbulentes Wetter geliebt. Und als der Sturm alles verdunkelte, empfand ich eine Art Befriedigung. Der Schnee löschte meine Welt genauso aus, wie es der Tod mit der von Billy getan hatte. Ich war schon immer davon überzeugt, dass nach dem Tod noch etwas kommen musste, aber was dieses Etwas war? Keine Ahnung. Und als der Wind nun vor meinem Fenster heulte, hatte ich keinen Zweifel daran, dass es sich um den Spirit von Billy handelte, der wie üblich viel Getöse machte, sich am Himmel herumtrieb und versuchte, sich irgendwie zurechtzufinden.

Der Sturm zog weiter, der Wind legte sich. Und ich verbrachte meine Tage hauptsächlich im Bett, weinend. Ansonsten schluckte ich so viel Valium, bis ich zum wandelnden Zombie wurde. Meine langen, dunklen, gewellten Haare waren strähnig und ungekämmt, die Augen zu Schlitzen verquollen, die Haut fahl und blass. Ich sah nicht mehr wie eine Frau um die vierzig aus, sondern wie eine Hundertjährige – und das fand ich völlig in Ordnung, weil jedes Mal, wenn ich mich im Spiegel sah, das Urteil dasselbe war: schuldig.

In den letzten Jahren hatte ich alles getan, was in meiner Macht stand, um Billy zu helfen: Krankenhäuser, Entzugskliniken, Psychiater, Methadonbehandlungen. Nichts hatte angeschlagen. Sein Kampf wurde zu einem schwarzen Loch, das mich...

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