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E-Book

Demenzen

AutorKatja Werheid, Thomas Jahn
VerlagHogrefe Verlag Göttingen
Erscheinungsjahr2014
Seitenanzahl126 Seiten
ISBN9783840916922
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Demenzielle Erkrankungen gehören zu den häufigsten Alterserkrankungen, die infolge der demografischen Entwicklung sehr bald schon das drängendste Gesundheitsproblem unserer Gesellschaft darstellen werden. Da Demenzen schon in ihren Frühstadien vor allem durch Einbußen der kognitiven Leistungsfähigkeit und daraus folgenden Verhaltensauffälligkeiten gekennzeichnet sind, ist einschlägiges Wissen über die Neuropsychologie dieser Erkrankungen unabdingbar. Das vorliegende Buch vermittelt dieses Wissen. Es wendet sich in erster Linie an Neuropsychologen und Ärzte, darüber hinaus aber auch an alle anderen Gesundheitsberufe sowie nicht zuletzt an Angehörige Demenzkranker, die den neuesten Wissensstand über demenzielle Erkrankungen und die bei ihnen vorkommenden kognitiven Störungen, deren Erscheinungsbild, Verlauf, Alltagsauswirkungen und Behandlungsmöglichkeiten kennenlernen möchten. Berücksichtigt werden hier nicht nur die bekannteren Demenzformen (Alzheimer-Demenz, Vaskuläre Demenzen), sondern auch seltenere Demenzformen sowie deren Abgrenzung von anderen Alterserkrankungen, insbesondere von Depressionen. Auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse bietet das vorliegende Werk erstmals im deutschen Sprachraum eine auf das Wesentliche konzentrierte, übersichtliche und gut lesbare Einführung in die neuropsychologische Diagnostik und Therapie der Demenzen.

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Kapitelübersicht
  1. Demenzen
  2. 1 Demenzsyndrome: Beschreibung und Epidemiologie
  3. 2Ätiologie
  4. 3Neuropsychologische Befunde
  5. 4Diagnostik
  6. 5Behandlung
  7. 6Prävention
  8. 7Fallbeispiel
  9. 8Weiterführende Literatur
  10. 9Literatur
  11. 10Anhang
  12. Karten
Leseprobe
3 Neuropsychologische Befunde (S. 25-26)

Im Folgenden werden zentrale neuropsychologische Befunde für die beiden häufigsten Demenzformen Alzheimer-Demenz und vaskuläre Demenz dargestellt. Darüber hinaus werden die in den letzten Jahren verstärkt beachteten Demenzen bei FTLD sowie die leichte kognitive Störung im Sinne des MCIKonzeptes behandelt.

3.1 Alzheimer-Demenz

Bisher widmeten sich die weitaus meisten neuropsychologischen Demenzstudien der Alzheimer-Demenz. Die bei dieser Demenzform gegenüber gleichaltrigen Gesunden typischerweise auftretenden kognitiven Veränderungen sind daher schon länger bekannt und werden immer noch zutreffend durch die Ergebnisse der Meta-Analyse von Zakzanis, Leach und Kaplan (1999) wiedergegeben, die 199 Studien mit insgesamt 7 156 Alzheimer-Patienten und 8 772 Gesunden auswerteten. In Abbildung 5 werden zum Vergleich und im Vorgriff auf Abschnitt 4.5.4 auch die Effektstärken der analogen Analyseergebnisse für die frontotemporale Demenz (8 Studien mit 88 Patienten und 100 Gesunden) und die primäre progrediente Aphasie (22 Studien mit 55 Patienten und 162 Gesunden) wiedergegeben.

Bei den Alzheimer-Patienten bestehen gegenüber Gesunden deutliche Defizite über das gesamte Spektrum der Leistungsdomänen. Die hypothetische Verteilungsüberlappung variiert dabei von 50 % (manuelle Geschicklichkeit) bis nur 5 % (verzögertes Erinnern). Beeinträchtigungen des verzögerten Erinnerns sind also ein fast pathognomonisches Zeichen für die AD und insofern richtungsweisend für die Diagnose. Einige der hierher gehörenden Testvariablen erreichten sogar Effektstärken von d = 4.0 (u.?a. WMS-R Gedächtnisquotient, CVLT lang verzögerter freier und gestützter Abruf). Dabei befanden sich die in den Primärstudien eingeschlossenen Patienten überwiegend in einem noch frühen Demenzstadium.

Neuere Untersuchungen bestätigen das soeben gezeichnete Bild (Albert, 2008). Um aber die bei der Alzheimer-Demenz auftretenden neuropsychologischen Beeinträchtigungen besser zu verstehen, ist die mehr oder minder typische Verlaufscharakteristik der Alzheimer-Krankheit zu beachten. Bezieht man die klinische Verlaufscharakteristik auf die neuropathologische Stadieneinteilung von Braak und Braak (2002; s.?o.), so ergibt sich das in Tabelle 5 beschriebene zeitliche Schema.

Zahlreiche Untersuchungen belegen und differenzieren die in Tabelle 5 aufgeführten kognitiven Defizite von AD-Patienten (Übersichten bei Albert, 2008; Jahn, 2012; Salmon & Bondi, 2009). Dabei werden zunehmend auch solche Aspekte erforscht, die bisher wenig Beachtung fanden, etwa feinmotorische Koordinationsstörungen (Slavin et al., 1995), Zahlenverarbeitungs- und Rechenstörungen (Kalbe & Kessler, 2002), Metakognitionen (Retz-Junginger, Supprian, Retz, Rösler & Traue, 2005), Determinanten der Krankheitseinsicht (Ecklund-Johnson & Torres, 2005) und die Rolle kognitiver Reservekapazitäten bei der Kompensation spezifischer Leistungsdefizite (Boyle, Wilson, Schneider, Bienias & Bennett, 2008), um nur einige Beispiele zu nennen.

Bei der neuropsychologischen Untersuchung von Patienten mit der Verdachtsdiagnose einer AD sollten immer auch einzelne Funktionsbereiche differenziert betrachtet werden. Dies sei am Beispiel der intensiv untersuchten mnestischen Beeinträchtigungen erläutert (allgemein zu Gedächtnis und Gedächtnisstörungen siehe Reihenband von Thöne-Otto & Markowitsch, 2004).

Die frühesten kognitiven Anzeichen einer möglichen Alzheimer-Erkrankung sind fast immer eine leichte Merkschwäche für neue Informationen sowie Wortfindungsstörungen. Diese werden von Betroffenen, Angehörigen und oft auch von Hausärzten zunächst als normale altersassoziierte Leistungseinbußen gedeutet. Eine neuropsychologische Untersuchung erfolgt in vielen Fällen erst, wenn das Stadium einer leichten Demenz bereits erreicht ist. Testpsychologisch imponiert dann bereits eine Beeinträchtigung der verzögerten freien Reproduktion von Lernmaterial, während die unmittelbare Merkfähigkeit (Immediatgedächtnis) noch intakt sein kann. Bei wiederholter Vorgabe des Lernmaterials (beispielsweise Wortlisten) ist die Lernmenge geringer und die Lernkurve flacher als bei gleichaltrigen Gesunden.
Inhaltsverzeichnis
Demenzen1
Inhaltsverzeichnis7
Vorwort und Danksagung9
1 Demenzsyndrome: Beschreibung und Epidemiologie11
1.1Definition und Einteilung der Demenzen11
1.2Epidemiologie21
1.3Verlauf und Prognose23
2Ätiologie25
2.1Neurodegenerative Veränderungen26
2.2Vaskuläre Ereignisse32
3Neuropsychologische Befunde33
3.1Alzheimer-Demenz33
3.2Vaskuläre Demenzen37
3.3Frontotemporale Demenzen38
3.4Mild Cognitive Impairment39
4Diagnostik41
4.1Stellenwert neuropsychologischer Demenz­diagnostik42
4.2Diagnostisches Vorgehen45
4.3Diagnostische Verfahren und Dokumentations­hilfen48
4.4Befundung58
4.5Neuropsychologische Differenzialdiagnostik64
5Behandlung76
5.1Allgemeine Therapieprinzipien und Methoden77
5.2 Psychosoziale Interventionen bei leicht- bis mittelgradiger Demenz80
5.3Psychosoziale Interventionen bei mittelgradiger bis schwerer Demenz89
5.4Pharmakotherapie92
6Prävention94
6.1Populationsattributables Risiko modifizierbarer Faktoren94
6.2Risikofaktor Depression95
6.3Risikofaktoren Rauchen und Alkoholkonsum96
6.4Risikofaktor Inaktivität96
7Fallbeispiel97
7.1Beschwerdebild und Fremdanamnese97
7.2Sozialanamnese98
7.3Neuropsychologische Untersuchung98
7.4Befundung und Diagnosestellung99
7.5Behandlung100
8Weiterführende Literatur101
9Literatur101
10Anhang117
10.1Adressen mit Hilfs- und Informationsangeboten117
10.2Glossar118
Karten123

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