Sie sind hier
E-Book

Auf den Hund gekommen

Babou ein toller second hand Akita

AutorCarlo Lanners
VerlagBooks on Demand
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl212 Seiten
ISBN9783743150744
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Als Ruheständler ohne Hunde-Erfahrung gibt der Autor dem Akita-Rüden Babou, 6jährig und seit zwei Jahren im Tierheim in Esch/Alzette (Luxemburg), nach einem Monat Patenschaft ein neues Zuhause. Er war gewarnt: Um einen Akita-Rüden aus dem Tierheim zu holen, sollte man viel Zeit und Akita-Erfahrung haben. Das Buch beschönigt nichts, zeigt aber dennoch, dass sich hier zwei gefunden haben, die zueinander passen. Carlo Lanners hat viel Zeit, ist tierlieb, behandelt Babou mit Respekt, gibt ihm aber auch Orientierung. Das Zusammenwachsen der beiden zu einem Team wird in vielen kurzen Geschichten beschrieben -humorvoll und nachdenklich. Der Autor schildert gleichermaßen die Glücksmomente und die Probleme, die Veränderungen bei Babou und die eigenen, bewirkt durch die tiefe Verbundenheit der beiden. Sein Akita Babou ist der beste Lehrmeister, weil er ein Hund ist, der sich nicht manipulieren lässt. Er vermittelt dem Autor eine neue Denkweise: genauer und kritischer hinzugucken, und das nicht nur bei Hunden. Für Leser, die die Rasse noch nicht kennen, enthält das Buch viele sachliche Hinweise zum Akita. Das Buch enthält 93 farbige Abbildungen.

Carlo Lanners, geb. 1948 in Luxemburg und seit seiner Jugend Katzenliebhaber, hat erst sehr spät seine Liebe zu Hunden entdeckt.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

Kapitel 1


Wie ich auf den Hund kam


Frisch gewagt ist halb gewonnen

Dezember 2011 – einer dieser nasskalten Wintertage zwischen Weihnachten und Neujahr stimmte mich nicht unbedingt froh.

Ich hatte in den letzten Tagen Lebensinventur gemacht. Der Verlust vieler geliebter Menschen hielt mich in einer tiefen Trauer gefangen. Emotionen lassen sich nunmal nicht einfach wegleugnen oder ausblenden, deshalb hatte ich mir mit der Zeit einen ziemlich dicken Panzer zugelegt. Mein Herz war erhärtet.

Den Impuls Hundehalter zu werden gab mir ein extra für Weihnachten zusammengestelltes Video mit den ergreifendsten Szenen aus dem Film „Antartica, Gefangen im Eis“, das mir ein Bekannter über email zugesandt hatte. (Bei der Evakuierung einer Forschungsstation bleiben 8 Schlittenhunde in der Antarktis zurück. Hundeführer Jerry (Paul Walker †) versucht monatelang vergebens, eine Rettungsmission für seine „Kumpels“ zu organisieren…) Anschließend suchte ich übers Internet Luxemburgs Tierheime nach einem neuen Begleiter ab. Auf der Internetseite des Escher Tierasyls begeisterte mich das Foto von einem ganz besonderen Hund. Ich muss allerdings gestehen, dass ich zu dem Zeitpunkt überhaupt keine Ahnung von Hunden, geschweige denn von Hunderassen hatte.

Ich fuhr hin, sprach mit niemanden und traf diesen besonderen Hund hinter dem Gitterdrahtzaun seines Freigeheges sitzend. Wir beide schauten uns während knapp einer Minute stumm an. Anschließend trat ich ziemlich aufgeregt den Heimweg an und im Auto kullerten mir Tränen über die Wangen, hatte mich doch dieser „blöde“ Kerl mit seinen ach so sanften Augen total aufgeweicht.

Ein paar Tage später wurde ich im Tierheim vorstellig und übernahm für die Dauer von einem Monat des Hundes Patenschaft. Ich durfte die Fellnase täglich ausführen. Die Verantwortlichen aus dem Tierasyl erklärten mir, dass der Hund ein Akita sei, Babou hieße und man für diesen Hund Akitaerfahrung haben müsste. Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt! Ich hatte noch nie im Leben mit Hunden zu tun gehabt, geschweige denn mit einem speziellen Rassehund. Woher sollte ich also die Erfahrung nehmen. Dessen ungeachtet wurde das Experiment gestartet.

Babous Tierpfleger befreite mit einiger Mühe den Hobbywolf aus seinem Gehege, leinte ihn unverzüglich an und die zwei schossen ins Freie. Beide beobachtend, trabte ich einige Schritte seitlich neben ihnen. Nach etwa 200 Metern, wir hatten bisher kaum ein Wort miteinander gesprochen, eröffnete mir der Tierpfleger ich solle die Leine übernehmen und den Spaziergang alleine fortsetzen, denn er hätte das Gefühl, dass es mit uns beiden funktionieren könnte. Ich muss gestehen, ich war ziemlich verdutzt. Zu meinem Erstaunen kamen wir beide sofort klar, es dauerte allerdings fast 14 Tage bis Babou mich ein erstes Mal so richtig anschaute. Heute weiß ich ein Akita prüft lange.

Ich möchte in keiner Weise des Tierpflegers Umgang mit Babou kritisieren, doch mir missfiel seine Art des Anleinens. Wenn Babou die Leine erblickte, war seine Aufregung kaum zu bremsen gleichzeitig öffnete der Pfleger die Gehegetür knappe 20 cm, stellte ein Knie in den offenen Spalt, packte Babou am Halsband, drückte ihn leicht nieder und befestigte den Karabinerhaken der Leine am Halsbandring. Angesichts dieser Handlungsweise fasste ich intuitiv den Entschluss Babou im Gehege abzuholen und ihn auch dort anzuleinen. Das Erstaunen der Verantwortlichen war groß und sie fragten mich, ob ich denn keine Angst hätte in des Hundes Reich einzudringen. In meiner Unbedarftheit überhörte ich jede Warnung.

Die Leine in der Hand schritt ich zur Gehegetür. Babou sprang wie immer sehr aufgeregt hin und her. „So nicht“, dachte ich bei mir, faltete die Leine zusammen, kehrte der Fellnase den Rücken zu und entfernte mich um einige Meter. Diese Prozedur musste ich genau dreimal wiederholen, danach hatte der aufgedrehte Hobbywolf begriffen, dass, wenn er sich nicht beruhigen würde, er wohl kaum aus seinem Gehege freikommen würde. Er ließ mich also eintreten, sprang im nächsten Augenblick aber wieder wie wild um mich herum, den Blick fest auf die Leine gerichtet, die ich noch immer zusammengefaltet in der Hand hielt. Ich wiederholte meine Prozedur auch im Gehege. Allmählich lernte Babou seine Aufregung zu zügeln und wir bekamen das ruhige Anleinen in den folgenden Tagen immer besser in den Griff.

Im Januar 2012 trafen wir uns bei Wind und Wetter jeden Nachmittag zum verabredeten Termin und lernten uns so langsam kennen. Ich hatte die normale Leine gegen eine Schleppleine ausgetauscht.

Beim ersten Schneespaziergang erlaubte ich ihm in meiner Unkenntnis allzu oft Eis und Schnee zu schlecken, was prompt am nächsten Tag zu einer Schneegastritis führte. Ich hatte Mitleid mit ihm und außerdem erklärten mir die Tierpfleger, dass der Hund schon seit geraumer Zeit sehnsuchtsvoll auf meine Besuche wartete und ich sollte die Entscheidung, ihn aus seinem Tierasyldasein zu befreien, nicht länger aufschieben.

Babou zieht ein

Bis spät in die Nacht werkelten meine Frau und ich noch an dem von uns vorgesehenen Schlafplatz, um Babou tags darauf, dem 2. Februar 2012, zu uns zu nehmen.

Ich hatte allerdings Herrn Babou Akita vergessen zu fragen, ob er denn lieber ein Zimmer mit Dusche oder mit Bad mochte. So war dann auch prompt klar, dass der Kollege nach zwei Tagen aus dem von uns so liebevoll hergerichteten Hundeschlafzimmer auszog und fortan den Kellerflur zu seinem Nachtlager erklärte.

Ein erstes Mal hatte er mir also gezeigt, dass er ein ernstes Wörtchen mitreden wollte. Das hatte ich nicht erwartet und so musste ich einige Zeit kämpfen, um die aufgekommenen Zweifel an meinem Umgang mit dem Hund wieder loszuwerden.

Doch von nun an ging's nur mehr rasend aufwärts. Wir festigten die im Tierheim erlernten Grundkommandos und bauten sie aus. Eine nicht unwichtige Anekdote fällt mir in diesem Zusammenhang ein: der Hund lebte während zwei Jahren im Tierasyl und war bei seinem täglichen Auslauf nur mit Waldgegenden vertraut. Am zweiten Tag nach dem Wechsel zu uns, fiel meine Frau einem dreisten Trickdiebstahl zum Opfer. Also packten wir unser neues Familienmitglied mit ins Auto, rannten durch Stadtverkehr, fuhren mit Aufzügen, besuchten Ämter und Büros um die gestohlenen Papiere wieder in Ordnung zu bringen. In unserer Aufregung fiel uns fast nicht auf, wie gelassen Babou all dies mitmachte. Er benahm sich vorbildhaft.

Innerhalb von zwei Wochen hatte sich Kollege Babou eingelebt und fühlte sich pudelwohl in seiner neuen Umgebung. Regelmäßige Waldspaziergänge an der Schleppleine gehörten weiter zu seinem Auslaufprogramm, schließlich scheint mir der Wald, die natürlichste Umgebung für einen Hobbywolf zu sein. Behutsam führte ich ihn an die Hunde in unserem Viertel heran.

Im Tierasyl hatte er keine Hundefreunde. Man hielt ihn während zwei Jahren sozusagen in Einzelhaft. Während meiner einmonatigen Patenschaft war mir die große Individualdistanz, die er einforderte, aufgefallen. Kamen ihm Hunde zu nahe wurden sie kurzerhand platt gemacht. In punkto Resozialisation hat sich nach dem Aufenthalt im Tierheim so manches getan. Er ist auf dem besten Weg der Liebling unserer Nachbarschaft zu werden. Seine akitaeigene Dominanz versucht er zwar gelegentlich noch zu zeigen, aber im Allgemeinen verträgt er sich blendend mit seinen Artgenossen; solche, die ihm nicht sympathisch erscheinen, ignoriert er einfach.

Zuhause erfüllt er alle Vorgaben seiner Rassenbeschreibung. Er benimmt sich sehr ruhig und unauffällig. Katzen allerdings mag er nicht. Unsere beiden Stubentiger, die schon lange vor ihm bei uns Wohnrecht genossen, kennt er. Beide Tierarten haben aber sozusagen getrennte Appartements.

Das Gassigehen ist Aufgabe meiner Frau. Ich begleite King Babou bei den täglichen, längeren Wanderungen.

Immer dann, wenn er irgendwo unterwegs eine Bank erblickt, gilt sie schon von weitem als besetzt. Ich präzisiere: Parkbank, sonst würden wir uns ja strafbar machen. Anfangs gab ich ihm bei fast jeder Sitzbank aus einer Wasserflasche zu trinken – Parkbänke sind also gleichzusetzen mit Wasserstelle. Pawlow lässt grüßen. Aber eigentlich kann man bei einer Finanzbank – ja auch Flüssiges bekommen.

Wesensänderung

Hier nochmal rückblickend Babous Beschreibung bei Akita in Not (http://www.akita-in-not.de):

Babou ist ein heller rotweißer Akitarüde, geboren Dezember 2005. Er hat eine Schulterhöhe von 60 cm und ist ca. 42 kg schwer. Babou lebt schon seit 2 Jahren im Tierheim. Er wurde abgegeben, weil er einen kleinen Hund tot gebissen hat. Babou sah wohl diesen kleinen Hund als Beute an.

Babou hatte überhaupt keine Erziehung. Im Tierheim hat er inzwischen die Grundkommandos gelernt. Er horcht auf Sitz und Fuß. Mit Bleib hat er noch etwas Schwierigkeiten. Menschen gegenüber ist er lieb und anhänglich.

Babou verträgt sich nur mit anderen Hunden, wenn diese ihn nicht anbellen. Sein Jagdtrieb ist sehr ausgeprägt.

Babou ist auf fast alles allergisch und wird zurzeit desensibilisiert per Immunisierungsimpfstoff. Er hat fast keine Anzeichen mehr von seiner Allergie. Sein Fell ist wieder makellos. Seine Nase, die ewig...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Sonstiges - Ausbildungsberufe

Mein Freizeitpferd

E-Book Mein Freizeitpferd

Ein großer Teil aller in Deutschland gehaltenen Pferde bereiten ihren Besitzern viel Freude als so genannte Freizeitpferde. In diesem Buch erfahren Sie, was Sie selbst dafür tun können, um einen ...

Nordportugal

E-Book Nordportugal

Individuelles Reisen durch den Norden Portugals, Reisen zwischen Guarda, der höchst gelegenen Stadt Portugals, am Rande der Serra da Estrela und dem Rio Minho der nördlichen Grenze des Landes. Hier ...

Echt abgehoben!

E-Book Echt abgehoben!

Grundlagen-Fachbuch zu ferngesteuerten Elektro-Modellhelikoptern für Einsteiger, die gerade vor der Kaufentscheidung stehen oder bereits mit den ersten Flugversuchen begonnen haben. Neben ...

Die Straßen der Lebenden

E-Book Die Straßen der Lebenden

»Reisen ist Bungee-Jumping für die Seele«: Helge Timmerberg lebte schon als globaler Nomade, lange bevor es diesen Begriff überhaupt gab. Er fand als Siebzehnjähriger in Indien zu seinem Beruf, ...

Weitere Zeitschriften

Atalanta

Atalanta

Atalanta ist die Zeitschrift der Deutschen Forschungszentrale für Schmetterlingswanderung. Im Atalanta-Magazin werden Themen behandelt wie Wanderfalterforschung, Systematik, Taxonomie und Ökologie. ...

Augenblick mal

Augenblick mal

Die Zeitschrift mit den guten Nachrichten"Augenblick mal" ist eine Zeitschrift, die in aktuellen Berichten, Interviews und Reportagen die biblische Botschaft und den christlichen Glauben ...

FREIE WERKSTATT

FREIE WERKSTATT

Hauptzielgruppe der FREIEN WERKSTATT, der unabhängigen Fachzeitschrift für den Pkw-Reparaturmarkt, sind Inhaberinnen und Inhaber, Kfz-Meisterinnen und Kfz-Meister bzw. das komplette Kfz-Team Freier ...

AUTOCAD & Inventor Magazin

AUTOCAD & Inventor Magazin

FÜHREND - Das AUTOCAD & Inventor Magazin berichtet seinen Lesern seit 30 Jahren ausführlich über die Lösungsvielfalt der SoftwareLösungen des Herstellers Autodesk. Die Produkte gehören zu ...

BIELEFELD GEHT AUS

BIELEFELD GEHT AUS

Freizeit- und Gastronomieführer mit umfangreichem Serviceteil, mehr als 700 Tipps und Adressen für Tag- und Nachtschwärmer Bielefeld genießen Westfälisch und weltoffen – das zeichnet nicht ...

Courier

Courier

The Bayer CropScience Magazine for Modern AgriculturePflanzenschutzmagazin für den Landwirt, landwirtschaftlichen Berater, Händler und generell am Thema Interessierten, mit umfassender ...

die horen

die horen

Zeitschrift für Literatur, Kunst und Kritik."...weil sie mit großer Aufmerksamkeit die internationale Literatur beobachtet und vorstellt; weil sie in der deutschen Literatur nicht nur das Neueste ...

Die Versicherungspraxis

Die Versicherungspraxis

Behandlung versicherungsrelevanter Themen. Erfahren Sie mehr über den DVS. Der DVS Deutscher Versicherungs-Schutzverband e.V, Bonn, ist der Interessenvertreter der versicherungsnehmenden Wirtschaft. ...