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E-Book

Auf den Spuren der Ureinwohner

Ein archäologischer Reiseführer für die Kanaren

AutorHarald Braem
VerlagZech Verlag
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl240 Seiten
ISBN9788494342981
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Spannende Entdeckungstouren auf Teneriffa, Gran Canaria, La Palma, La Gomera, El Hierro, Lanzarote und Fuerteventura: Der bekannte Buchautor Harald Braem forscht seit 30 Jahren auf den Kanarischen Inseln. Folgen Sie ihm auf den Spuren der Ureinwohner zu Kultplätzen, Höhlen, Pyramiden und zu rätselhaften Zeichen einer geheimnisvollen, versunkenen Kultur... Harald Braem umreißt die wichtigsten archäologischen Theorien über die Herkunft der kanarischen Ureinwohner. Was sich aus Mumien, Muscheln und Müllresten über das Leben der Guanchen ableiten lässt? Felsbilder und Pyramiden, gibt es Vergleichbares in anderen Kulturen? Wohnhöhlen, Siedlungsspuren, Sehenswertes zum Thema vorspanische Bevölkerung der Kanaren. Museen, praktische Tipps, Literaturhinweise.

Harald Braem war Professor für Kommunikation und Design an der Fachhochschule Wiesbaden und bis 2013 Direktor des KULT-UR-INSTITUTs für interdisziplinäre Kulturforschung. Er ist Autor zahlreicher Bücher und langjähriger Kanarenkenner, verfasste zahlreiche Romane, Erzählungen, Sach- und Kinderbücher sowie Filmbeiträge.

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Leseprobe

So lebten die Altkanarier


Behausungen


Aufgrund ihrer geologischen Beschaffenheit weisen die Kanarischen Inseln Zehntausende von natürlichen Höhlen auf (vulkanische Gasblasen), von denen sich viele zum Bewohnen anbieten. Wo dies weniger der Fall ist (Fuerteventura, Lanzarote) oder wo die Bevölkerung im Laufe der Zeit sprunghaft anwuchs (Gran Canaria, Teneriffa), kamen künstlich ausgehobene Erdhöhlen (Casas Hondas) oder einfache Rundhäuser aus Trockensteinmauern hinzu. Diese Häuser waren mit Holz, Laub oder Gras abgedeckt und wiesen alle die typische Rundoval- bzw. Hufeisenform auf. Vielfach bildeten sich echte Dörfer mit einer relativ hohen Bevölkerungszahl heraus (z. B. Zonzamas auf Lanzarote).

Cueva del Tendal, Barranco de San Juan, La Palma

Als Betten dienten trockene Kräuter, zum Zudecken Felle. Bei den Wohnhöhlen findet man im Eingangsbereich sogenannte Kulturschichten mit Feuerstellen, organischem Abfall und »Hausmüll« wie Keramikscherben, Knochenreste, zerbrochenes Werkzeug, Schmuck usw. Es ist auffallend, wie viele Wohnhöhlen sich im Caboco (Talschluss) von Barrancos bzw. in Quellennähe befinden.

Das Rundbauprinzip aus Trockensteinmauern hat sich trotz des spanischen Einflusses auf die Bauweise (Viereck und rechter Winkel) bei den einfachen Windmauern und Unterschlupfen der Hirten (Taros) bis in unsere Tage hinein erhalten. Vor den Höhlen und Rundhäusern befanden sich oft als Vorhalle und gemeinsamer Essplatz einfache Steinkreise (Tagorores). Auch dieses Prinzip findet sich in den späteren ummauerten Dreschplätzen wieder, die Vielfachnutzung aufweisen (Fiestas, Essen, Trinken, Rastpunkte am Prozessionsweg usw.). Zumeist spielte sich das Leben (wie heute noch) im Freien ab, Häuser und Höhlen dienten vorrangig zum Schlafen und als Vorratskammer. Eine besonders prägnante Eigenart weisen die Häuser der Ureinwohner von Gran Canaria auf: Sie bilden in der Außenform einen runden oder elliptischen Grundriss, während der Innenraum rechteckig gestuft wirkt. Hier kommt auch häufig ein kreuzförmiger Innengrundriss vor. Abgedeckt waren diese Häuser mit Stroh.

Es fällt ferner auf, dass nirgends auf den Inseln Lehmbauten errichtet wurden, wie dies in Nordafrika üblich ist (vgl. dazu z. B. die Kasbah-Berberburgen Marokkos), obgleich die Altkanarier mit dem Material sehr gut umzugehen verstanden, wie ihre ausgezeichnete Keramik beweist.

Haustiere und Ernährung


Schaf, Ziege, Hund und Schwein wurden von den Altkanariern mit hoher Wahrscheinlichkeit domestiziert eingeführt und sicherten – in Ermangelung von Wild – den Fleischanteil der Nahrung. Das Schwein galt als heilig; Sauzähne finden sich vielerorts als Grabbeigabe. Auch kastrierte Hunde (Bardinos, eine Art braunschwarz gefleckter Boxer) wurden verspeist. Ansonsten bereicherte das Meer die Ernährung: Fische, Muscheln und Seeschnecken (daher die meist riesigen Schalenberge, Concheros, die man selbst noch auf hohen Bergen findet). Ferner wurden Pilze und Wurzeln (besonders Farnwurzeln, aus dem das gemahlene und geröstete »Gofio« stammte), Käse, Butter, Honig, Samenkörner und Waldfrüchte wie Erdbeeren, Brombeeren, schwarze Beeren (Mocán), Datteln, Feigen und Bohnen sowie bestimmte Frischkräuter verspeist. Diese Art von Speiseplan kann – selbst nach heutigen Maßstäben – als außerordentlich ausgewogen und gesund bezeichnet werden. Noch heute ernährt sich ein Teil der ärmeren ländlichen Bevölkerung auf diese Weise. Zum Trinken diente Wasser bzw. Milch, wahrscheinlich auch Tee aus getrockneten Kräutern (z. B. Schachtelhalm). Alkoholische Getränke waren unbekannt.

Nutztiere wie Rind, Esel, Pferd und Kamel waren den Altkanariern unbekannt und wurden erst in spanischer Zeit eingeführt – auch dies stellt einen deutlichen Kontrast zu Nordafrika dar, wo diese Tiere schon seit mehreren tausend Jahren im Einsatz waren, wie Felsbilder beweisen. In Ermangelung solcher Zugtiere war auch das Rad oder der von Tieren gezogene Pflug auf den Kanarischen Inseln bis zum 15. Jahrhundert unserer Zeitrechnung unbekannt.

Kleidung und Schmuck


Die Kleidung bestand aus gegerbten Ziegen- und Schaffellen (Tamarco), seltener auch (auf Gran Canaria) aus gewebten Binsen und Palmblättern. Ein echter Webstuhl war allerdings unbekannt, ebenso wurde die Schafwolle nicht gesponnen. Die Schuhe ähnelten den indianischen Ledermokassins (Maho oder Xercos genannt). Als Schmuck trugen sie Ketten aus durchbohrten Tonperlen, Muscheln, Steinen und Knochen. Es wird berichtet, dass es besondere Frisuren (bei den Adligen) und eingeflochtene Haarbänder sowie lederne Fellmützen und Federschmuck gab. Wahrscheinlich war es auch üblich, die Kleidung oder sogar die Haut zu bestimmten Anlässen mit Farbe zu bemalen bzw. farbig zu bestempeln (siehe »Pintaderas«).

Werkzeug und Hausrat


Wie bei allen Völkern der Frühzeit standen wohl auch hier Werkzeuge aus Holz zur Verfügung, von denen allerdings aufgrund der schnellen Verwitterung wenig erhalten blieb. Es wurden Schalen und anderer Hausrat aus geschnitztem Holz in sehr einfacher, aber formschöner Art gefunden. Reicher sind die Steinfunde. Es gibt auf den Kanaren ein großes Vorkommen an natürlichen Steinabschlägen (zumeist Basalt, stellenweise auch Obsidian), die als Messerklingen und Vielzweckwerkzeuge benutzt wurden, ohne dass sogenannte Faustkeile nötig gewesen wären. Größere Muldensteine wurden als Waschtrog, Mörser und Vorratsbehälter benutzt, Rundsteine zu einfachen Handmühlen bearbeitet.

Hinzu kommen Nadeln, Stichel und Ahlen aus Knochen und Gehörn, Holzgeräte (Stöcke, polierte Sprunglanzen, Bumerangs, Kämme usw.) und Utensilien aus Leder (Taschen, Gofiosäcke) oder Binsen. Originell sind z. B. die Löffel und Schöpfkellen, die aus durchbohrten Muschelschalen mit einem hölzernen Haltegriff bestanden. Kleine Kostbarkeiten sind Schmuckstücke aus Walelfenbein. Der Atlantik um die Kanaren herum war (und ist es immer noch) ein beliebtes Aufenthaltsgebiet für die großen Meeressäuger. Hin und wieder strandete ein totes Tier an der Küste und wurde als willkommene Nahrungsergänzung bzw. zum Herstellen von Gebrauchsgegenständen genutzt.

Diverse Gerätschaften der Ureinwohner

Werkzeug, Basaltklingen

Keramik der Ureinwohner (v.l.n.r.): La Palma, Gran Canaria, Fuerteventura, Teneriffa

Keramiktopf, Gran Canaria

Die Keramik entwickelte sich aufgrund des quantitativ und qualitativ auf den Inseln unterschiedlich verteilten Lehmvorkommens: elegant und vom Dekor her ausgereift auf La Palma, Gran Canaria, Lanzarote und Fuerteventura, wesentlich primitiver auf El Hierro, La Gomera und Teneriffa.

Mühlstein, La Palma

Handmühle, Teneriffa

Die Töpferscheibe war unbekannt; alle Gefäße wurden (und werden noch heute in gleicher Tradition) handgeformt. Zum Verzieren der Tongefäße wurden Knochennadeln und Holzstückchen verwendet, zum Glätten runde Kiesel, sogenannte Glättsteine. Man versucht seit einiger Zeit, eine zeitliche Systematik aufgrund aufgefundener Keramikreste in die kanarische Töpferkultur zu bringen. Die Versuche sind allerdings sehr umstritten, da die unterschiedlichsten Dekors nahezu in allen Schichten, manchmal sogar dicht beieinander an der Erdoberfläche vorkommen, was darauf hinweist, dass sich diverse Muster und Verarbeitungsmethoden sehr lange Zeit hielten und immer wieder Verwendung fanden.

Feuer wurde durch Drehen eines Holzstabes in trockenen Disteln entfacht. Für den Fischfang wurden geflochtene Netze aus Binsen und Palmfasern verwendet, die auch als Segel für die Schifffahrt dienten (siehe Kapitel »Wie erreichten sie..?« Seite 41). Metallwerkzeuge waren in der Steinzeitkultur der Altkanarier völlig unbekannt.

Hölzerne Gofiomühle mit Mühlstein aus porösem Basalt

Interessante Mehrfachnutzung erfuhren die sogenannten Pintaderas, Tonstempel mit ästhetisch ansprechenden Mustern, die als persönliche Besitzmarken an Getreidespeichern dienten, aber auch dazu, um farbige Muster auf die Haut und die Kleidung zu stempeln. Bisher wurde nicht eine Pintadera gefunden, die einer anderen gleicht, obgleich ihre Gesamtmenge erstaunlich groß ist (siehe Anmerkung 3).

Pintaderas – Tonsiegel mit diversen Mustern, Gran Canaria

Waffen und Kriegsführung


Die Kanarier konnten ausgesprochen zielsicher werfen (und können es immer noch). Scharfe, schneidende Steine (Tabonas) dienten als Messer im Nahkampf, wobei Holzschilde als Körperschutz fungierten. Ferner gab es Steinäxte, Streitkeulen, hölzerne Schwerter und Wurfspeere (Banot, Magado, Moca, Tezzes) in verschiedener Ausführung. Bumerangs dienten nie als Waffe, sondern als schamanisches Kultobjekt. Dafür wurden in Leder gehüllte Wurfsteine und Schleuderhölzer verwendet. Pfeil und Bogen waren unbekannt. Die Altkanarier galten als schnelle Läufer und kräftige Ringer. Ihr Mut, ihre Unerschrockenheit und Geschicklichkeit im Kampf wurden von den Eroberern gerühmt und gefürchtet, wobei...

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