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E-Book

'Denk' ich an Deutschland ...'

Sozialpsychologische Reflexionen

VerlagBrandes & Apsel Verlag
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl216 Seiten
ISBN9783860999820
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis17,99 EUR
Die Autoren fokussieren verschiedene Facetten der sozialpsychologischen Realität in Deutschland: die Geschichte der Teilung Deutschlands innerhalb Europas, die Frage nach der Bedeutung von Erinnerung, Trauma und kollektiver Identität, die Entwicklung von Toleranz als demokratischer Tugend. Auch wird dem unterdrückten Neid zwischen Ost und West nachgegangen, den Zumutungen der Vereinigung, den unterschiedlichen frühkindlichen Erfahrungen in den beiden Erziehungssystemen und der unterschiedlichen Erfahrung von Rebellion anhand des 68er-Diskurses. Im Fokus stehen die andauernden Folgen der deutschen Vereinigung: die chronische ostdeutsche Selbstwertkrise, die Vermeidung des Stolzes auf die erfolgreiche Selbstbefrei-ung, die Ursachen für die zahlreichen Konflikte und Kränkungen zwischen Ost- und Westdeutschen. Beiträge von Ulrich Bahrke, Werner Bohleber, Elmar Brähler, Angelika Ebrecht, Harald J. Freyberger, Rolf Haubl, Ingrid Kerz-Rühling, Gern Koenen, Marianne Leuzinger-Bohleber, Peter Loewenberg, Irene Misselwitz, Annette Simon, Dagmar Völker, Hans-Jürgen Wirth. Der Herausgeber: Ulrich Bahrke, PD Dr. med., Facharzt für psychosomatische Medizin, Psychoanalytiker im Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main, Lehranalytiker, zahlreiche Zeitschriften und Buchartikel zur psychotherapeutischen und psychosomatischen Themen.

Der Herausgeber: Ulrich Bahrke, PD Dr. med., Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychoanalytiker im Sigmund-Freud-Institut Frankfurt am Main, Lehranalytiker, zahlreiche Zeitschriften- und Buchartikel zu psychotherapeutischen und psychosomatischen Themen.

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Leseprobe
Ulrich Bahrke
Einleitung
Dem Selbstverständnis einer zeitgemäßen Psychoanalyse entsprechend, die weiß, dass sie mit ihren Mitteln in einer spezifischen Weise zur Aufklärung und einem vertieften Verständnis gesellschaftlicher Phänomene beitragen kann und sollte - sie dies angemessen und fruchtbar aber nur im Austausch mit anderen Wissenschaften vermag -, wurde ein interdisziplinärer Dialog angestrebt, um die psychoanalytische Perspektive auf das Thema mit soziologischen, sozialpsychologischen, historischen und philosophischen Sichtweisen zu ergänzen.
"Denk ich an Deutschland...": Zeitlicher Anlass dazu waren das eher nüchtern gewürdigte 60-jährige Bestehen der Bundesrepublik Deutschland und damit des Grundgesetzes und der vergleichsweise emotional begangene 20. Jahrestag des Berliner Mauerfalls. War dieses Verhältnis in etwa so zu erwarten gewesen, so überraschte die Tatsache, dass die Würdigung des 60 Jahre uns Deutschen Freiheit und Rechtsstaatlichkeit garantierenden Grundgesetzes in der medialen Öffentlichkeit nicht nur gegenüber dem Mauerfall, sondern auch gegenüber den viel weiter zurückliegenden, aber mit traumatischen Erinnerungen verbundenen Jahren 1919 und 1939 in den Hintergrund geriet.
Dies wiederum überraschte allerdings nicht auf den zweiten Blick - und verweist auf einen Zusammenhang von traumatischer Erfahrung, Erinnerung und Gedächtnisgeschichte, dem Werner Bohleber in seinem Beitrag genauer nachgeht. Geschichtswissenschaftliche und psychoanalytische Erkenntnisse miteinander verbindend, beschreibt er die von den Kindheitserfahrungen ausgehenden Vorgänge der Entstehung einer kollektiven nationalen Identität in der seelischen Entwicklung. Gedanken von Elias und Volkan aufgreifend, legt er die Prozesse dar, die zu einer solchen Großgruppenidentität beitragen, wobei die traumatischen Erfahrungen eines Volkes stärker als erfolgreiche Ereignisse das kollektive Selbstbild bestimmen. Die besondere Rolle der bewussten und unbewussten Affekte und Phantasien in diesen Prozessen und die Gefahr regressiver Entwicklungen der kollektiven Identität bilden sodann den Kontext, die deutsche Identität zu erörtern. Werner Bohleber begründet, dass wir in einer posttraumatischen Zeit leben, weil die Dimensionen des Völkermordes an den Juden die gewohnten Verstehens- und Deutungsmuster von Erinnerung und historischer Erkenntnis gesprengt haben - eine solche Sprengung von Verstehens- und Deutungsmustern aber ein Kennzeichen traumatischer Erfahrung ist. Die Erinnerung an die damit verbundenen Ereignisse lasse "ein positives Selbstbild der eigenen Nation immer wieder zerschellen. Auf der anderen Seite benötigen wir ein solches positives Bild der eigenen Großgruppe, in der wir leben, um unser seelisches Gleichgewicht aufrechterhalten zu können." Damit problematisiert er einen schwerwiegenden Konflikt und kritisiert im Folgenden gängige Lösungsmuster: Es bleibe "eine offene Frage, welche Repräsentationen eine kollektive Identität in Deutschland in Zukunft noch finden kann. Sie in eine Identifikation mit Europa hinein aufzuheben, wie Jürgen Habermas oder auch Hans-Ulrich Wehler es vorschlagen, scheint mir den psychologischen Bedingungen ebenso wenig gerecht zu werden wie ein Verfassungspatriotismus, den Habermas und andere als Identitätsmerkmal präferieren, dem aber genau jene affektive Valenz mangelt, die eine solche kollektive Identitätsvorstellung haben muss."
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