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Der Autor als Archivar, der Archivar als Kompilator. Am Beispiel 'Echolot' von Walter Kempowski

eBook Der Autor als Archivar, der Archivar als Kompilator. Am Beispiel 'Echolot' von Walter Kempowski Cover
Autor
Verlag
Erscheinungsjahr
2014
Seitenanzahl
33
Seiten
ISBN
9783656769729
Format
PDF
Kopierschutz
kein Kopierschutz
DRM
Geräte
PC
MAC
eReader
Tablet
Preis
12,99
EUR

Studienarbeit aus dem Jahr 2014 im Fachbereich Germanistik - Neuere Deutsche Literatur, Note: 1, Universität Wien (Institut für Germanistik), Veranstaltung: Archivtheorie, Sprache: Deutsch, Abstract: Mit dem Titel bzw. der Berufsbezeichnung Autor oder Schriftsteller ist gemeinhin der 'Verfasser eines Werkes der Literatur, eines Textes', ein 'Urheber, Schöpfer', 'jemand, der [beruflich] literarische Werke verfasst' etc. gemeint - so auch Walter Kempowski, wie Karl Heinz Bittel, Lektor beim Knaus Verlag, angibt: Kempowski galt als Romancier, dessen Romane Tadellöser & Wolff und die darauf folgenden ihn berühmt gemacht hatten und sich im übrigen glänzend verkauften. Erfolgreiche Autoren bekommen ein Etikett verpasst und werden in eine Schublade gesteckt, das erleichtert die Vermarktung. Deshalb wird es in Verlagen nicht sonderlich gern gesehen, wenn ein Schriftsteller plötzlich das Sujet oder das Genre wechselt - ein Risiko, das als schwer kalkulierbar gilt. Der Verlag war dementsprechend über das Echolot-Projekt Kempowskis weniger erfreut: 'Und keine Zeile von Kempowski? Nur Zitate? Wer soll das kaufen?' Dass trotz der großen Skepsis ein Vertrag mit dem Autor zustande kam, lag Bittel zufolge primär an der schon bestehenden Prominenz des 'als reizbar' geltenden Autors, den man 'nicht verärgern' wollte. Das Projekt lief weiter, aber der oberste Verleger habe dem Autor zu verstehen gegeben, 'dass der Verlag von ihm Romane erwarte und nicht irgendwelche Lexika oder Lieferungswerke.' Kempowski, 'der als Kind - befragt nach seinem Berufswunsch - einmal geantwortet hatte, er wolle 'Archiv' werden', ließ jedoch nicht von seinem Projekt ab. Im übertragenen Sinne hat sich diese Anekdote verwirklicht: wenn Kempowski auch nicht gerade zum Archiv wurde, so hat er unter seinem Namen doch immerhin mehrere gegründet. Das Kempowski-Archiv umfasst neben dem Manuskriptarchiv das Fotoarchiv und das Archiv unveröffentlichter Biographien, die alle einer 'Ästhetik des Entbergens' folgen, die der 'Sichtbarmachung des zuvor Verborgenen' dient. Das Manuskriptarchiv ermöglicht Einblicke in die Entstehungsprozesse von Kempowskis Werken, das Foto- und Biographienarchiv in eine Alltagsgeschichte von unten im Sinne des New Historicism. Die klassischen Aufgaben eines Archivs bestehen neben der Sammeltätigkeit in der Konservierung, Ordnung und Erschließung von Dokumenten. Archivare sind demgemäß 'Dienstleister des Speichergedächtnisses in einer Zwischenstellung: sie halten Informationen vor, die später von anderen bewertet, aufbereitet und interpretiert werden.'

Sandra Folie hat Deutsche Philologie, Theater-, Film- und Medienwissenschaft und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Wien studiert. Seit Februar 2016 ist sie DOC-Stipendiatin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) an der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft der Universität Wien, wo sie über Labels zeitgenössischer 'Frauenliteratur' promoviert.

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