Sie sind hier
E-Book

Der Pfad zur Gelassenheit

Kraftvolle Werkzeuge aus einer uralten indischen Weisheitslehre

AutorSukadev Volker Bretz, Ulrike Schöber
VerlagGoldmann
Erscheinungsjahr2018
Seitenanzahl224 Seiten
ISBN9783641228408
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Die uralte Philosophie der Gelassenheit.
Wer gelassen bleibt, lebt nicht nur gesünder, sondern auch erfüllter. In der uralten Lehre des Yoga ist Gelassenheit eine der vier Säulen, die zur Erleuchtung führen. Sukadev Bretz zeigt am Beispiel des Raja-Yoga, wie jeder König über seinen Geist werden kann. Mentale und körperliche Übungen helfen uns, der Hektik des Alltags ruhig und achtsam zu begegnen und emotionale Belastungen als Geschenk anzunehmen. Sie erweisen sich unversehens als wertvolle Begleiter auf dem Weg zur persönlichen Entfaltung.

Dieses Buch erschien erstmals 2013 unter dem Titel »Der Königsweg zur Gelassenheit. Yoga-Philosophie für jeden Tag« im Kailash Verlag.

Sukadev Bretz ist Gründer und Leiter von Yoga Vidya. Er ist Yoga Ausbildungsleiter, beliebter Vortragsredner und Autor von Büchern, Yoga CDs, DVDs sowie Podcasts und Internetvideos rund um die Themen Gesundheit, praktische Psychologie und Spiritualität. 12 Jahre lang lernte er bei seinem Lehrer Swami Vishnu-Devananda. 1992 gründete er Yoga Vidya, mit 4 Yoga Seminarhäusern, über 100 Yogaschulen und 12.000 ausgebildeten Yogalehrern das größte Yoga Netzwerk in Europa. Die Vision von Sukadev Bretz: Ein ganzheitliches, lebensnahes Yoga zu unterrichten und die Yoga Übungen für jeden im Alltag umsetzbar zu machen. Sukadev versteht es wunderbar, seine tiefe Weisheit und reichhaltige spirituelle Erfahrung anschaulich aufgelockert und klar strukturiert, spannend und entspannend, weiterzugeben.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe

Wie ich meinen ganz persönlichen Königsweg fand

Als spiritueller Lehrer, als Gründer und Leiter von Yoga Vidya, als jemand, der oft von Suchenden um Rat gefragt wird, bin ich natürlich nicht auf die Welt gekommen. Aber als Pitta-Temperament, also als Hitzkopf, war mir die Gelassenheit nicht in die Wiege gelegt. Im Gegenteil: Gelassenheit ist eines meiner Lebensthemen, und ich arbeite im Grunde seit meiner Kindheit daran. Was ich Ihnen in diesem Buch als Königsweg zur Gelassenheit zeige, habe ich selbst erprobt und weiß, dass es funktioniert. Jeder kann diesen Weg gehen und sehr schnell positive Erfahrungen damit machen, gelassener mit sich selbst und anderen umgehen, dabei Freude spüren und Energie gewinnen, um Gutes zu bewirken.

Wie ich dazu gekommen bin, was ich erlebt habe, durch welche Phasen ich gegangen bin, bis ich den Königsweg fand, werde ich Ihnen in diesem Kapitel erzählen.

Gelassenheit als Lebensthema

Jeder Mensch hat ein, zwei oder drei Grundthemen, die in seinem Leben immer wieder hochkommen, mit denen es immer wieder gilt, sich zu beschäftigen und an ihnen zu arbeiten, um daran zu wachsen. Zu meinen Lebensthemen gehört, Gelassenheit zu lernen und zu üben. Dieses Lebensthema ergibt sich aus zwei Aspekten meiner Persönlichkeit. Da ist einerseits ein gewisses cholerisches Temperament: Laut Ayurveda werde ich als Pitta klassifiziert, also mit Feuer, Begeisterung, aber auch mit Neigung zu Ärger und Zorn. Andererseits habe ich Ahimsa, also Gewaltlosigkeit, als Ideal. Ich wollte noch nie jemandem wehtun: Schon als Kind war ich sehr tierlieb, konnte kein Tier umbringen, noch nicht einmal Insekten. Ich habe niemals einen Menschen wirklich gehasst, und ich konnte auch nie jemandem länger böse sein. Ich hatte immer den Wunsch, anderen zu helfen und mein Leben dem Guten in anderen zu widmen.

Diese beiden Grundströmungen widersprachen sich öfter: Zum einen Ärger oder Zorn, wenn etwas nicht richtig war, andererseits Ahimsa, niemandem wehtun zu wollen. Um beides miteinander zu verbinden, bemühte ich mich um Gelassenheit, aber eben um engagierte Gelassenheit, also innere Gelassenheit, gepaart mit großem Bemühen, anderen zu helfen.

Beschränkung auf Weniges, aber das mit Vehemenz

Ich habe meine Kindheit in sehr positiver Erinnerung: Ich hatte liebevolle Eltern, einen jüngeren und einen älteren Bruder, mit denen es zwar die üblichen Zwistigkeiten unter Geschwistern gab, aber insgesamt haben wir uns sehr gut verstanden. Ich bin aufgewachsen in einem kindlichen christlichen Glauben, bin regelmäßig in den Kindergottesdienst gegangen, war gut aufgehoben auch bei Freunden und Verwandten. Die Welt war also in Ordnung.

Dennoch: Wenn ich nicht bekam, was ich wollte, wurde ich ärgerlich. Schon als Baby soll ich lauter und häufiger geschrien haben als meine beiden Brüder. Später verließ ich einfach wütend den Raum und schlug die Türen zu. Das fand meine Familie natürlich nicht so gut.

Mein erster bewusster Schritt gegen meine Neigung zum Ärger war – schon als Kind mit sieben, acht, neun Jahren – die Beschränkung auf Weniges. Aber wenn ich dann etwas wollte, dann habe ich es mit Vehemenz verfolgt. Das war meist eine recht erfolgreiche Strategie, sowohl gegenüber anderen als auch im Umgang mit mir selbst. Andere haben sich oft in Kleinigkeiten verloren, sich um alles Mögliche gekümmert. Ich habe mir überlegt, was mir wirklich wichtig ist, und es dann meist durchgesetzt, weil ich dafür in vielem anderen nachgegeben habe.

Außerdem wollte ich nicht fremdbestimmt sein. Dass andere mir sagen, was ich zu tun hätte, das war mir unerträglich. Also habe ich antizipiert, was von mir erwartet wurde. Konnte ich diese Erwartungen halbwegs verstehen und nachvollziehen, habe ich mich entsprechend verhalten. So war ich als Kind und Jugendlicher insgesamt relativ brav, sowohl in der Familie als auch in der Schule. Trotzdem oder vielleicht deshalb habe ich meistens bekommen, was ich wollte. Jeder wusste: Wenn ich etwas wollte, dann war das ein berechtigtes Anliegen, und dann würde ich mich durchsetzen.

Als Jugendlicher fasste ich irgendwann den Entschluss, Vegetarier zu werden. Ich bin an den Mittagstisch gegangen – ich kann mich heute noch daran erinnern – und habe gesagt: »Ab heute werde ich zu Hause kein Fleisch mehr essen.« Das war damals etwas ganz Schräges und Außergewöhnliches. Meine Eltern befürchteten erst, ich würde davon krank werden. Aber sie wussten: Wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt hatte, konnte man nichts daran ändern, egal wie lange man mir zuredete. So wurde ich von einem Tag auf den anderen Vegetarier, und meine Mutter musste künftig vegetarisch kochen. Sie war allerdings klug und sagte: »Gut, wenn du Vegetarier sein willst, dann musst du das auch so zum Ausdruck bringen: keine Süßigkeiten mehr, keine Schokolade. Du musst jetzt Vollkorn essen und Salat und Gemüse.« Obgleich ich bis dahin weder Gemüse noch Salat gemocht und eigentlich nur Zuckersachen geliebt hatte, war ich dazu bereit.

Doch durch diese Fixierung, erfolgreich zu sein, wenn ich etwas begann, entstand auch Erfolgsdruck. Meine Toleranz bei Misserfolgen wurde eher noch geringer. Außerdem verstärkten sich eine gewisse Schüchternheit und Lampenfieber, denn wenn ich mich um etwas kümmerte, musste es ja klappen. So kam diese Strategie an ihre Grenzen. Trotzdem ist sie mir bis heute geblieben: In vielem nachgeben, aber das, was mir wichtig ist, geschickt umsetzen.

Wenn ich die Welt nicht ändern kann, muss ich mich ändern

Als ich etwa elf oder zwölf Jahre alt war, erkannte ich wie die meisten Jugendlichen, dass die Welt voller Ungerechtigkeiten ist und keiner effektiv etwas dagegen tut: verhungernde Kinder in Afrika, Naturkatastrophen, die den Menschen ihr Dach überm Kopf nehmen, Umweltzerstörung durch unbedachtes Handeln … Weder Eltern noch Lehrer oder Pfarrer hatten eine befriedigende Antwort auf meine Fragen. Also wollte zumindest ich konsequent sein, drehte die Heizung runter und spendete mein Taschengeld für »Brot für die Welt«.

Aber Ungerechtigkeiten gab es auch in der Schule oder in der Familie, und die konnte ich ebenfalls nicht abstellen. Immer wieder ergriff mich ein Gefühl der Ohnmacht. Auch im Umgang mit meinem Pferd, das ich doch freundlich behandeln wollte. Da es aber temperamentvoll war, hat es oft versucht, seinen eigenen Kopf durchzusetzen. In solchen Situationen kochte der Ärger in mir hoch, und ich musste mich sehr beherrschen, um ihn nicht am Pferd auszulassen. »So kann sich Ärger also auch anfühlen. Aus diesem Gefühl heraus werden Menschen vermutlich gewalttätig. So will ich nicht sein«, dachte ich dann und schlussfolgerte irgendwann: Wenn sich die Welt, die Menschen, das Pferd nicht ändern, muss ich mich ändern. Wenn die Welt ungerecht ist und voller Leid, dann kann ich Ungerechtigkeit und Leid nicht abschalten. Stattdessen muss ich mich selbst davon lösen. Ich muss meinen Geist zur Ruhe bringen, muss lernen, in der Ruhe zu sein, auch wenn ich das Gefühl von Ohnmacht habe.

So arbeitete ich als Jugendlicher an meinem Geist und dachte, ich müsse meinen Geist trainieren. Ich machte mit Hilfe von Büchern Konzentrations- und Gedächtnistraining, übte positives Denken und die Kunst, schnell zu lesen, und ich las Bücher über Selbstbeherrschung. Auch die stoische Gelassenheit faszinierte mich. Also tun, was zu tun ist, ohne zu überlegen, ob ich es mag oder nicht mag. Ich versuchte recht erfolgreich, meine emotionale Reaktion weitgehend abzuschalten. Das führte bis zu einem gewissen Grad zum Rückzug aus der Welt, irgendwann auch zum Rückzug aus meinen Freundschaften und Bekanntschaften. Für mich schien es damals wichtiger, dass ich an mir arbeite, mich zur Ruhe bringe und lerne, das Gefühl von Ärger nicht entstehen zu lassen. Aber befriedigend war das letztlich nicht. Es musste etwas anderes geben. So bin ich auf eine spirituelle Suche gegangen.

Meine spirituelle Suche

Ich stieß auf Thorwald Dethlefsens Bücher »Das Leben nach dem Leben« (1974) und »Das Erlebnis der Wiedergeburt« (1976), und dort fand ich eine Erklärung für die scheinbaren Ungerechtigkeiten in der Welt: Es gibt einen Sinn im Leben, nämlich die Erfahrung des Höchsten, und was auch immer geschieht, hilft, spirituell zu wachsen. Besonders vor dem Hintergrund der Reinkarnation, der Lehre von der Wiedergeburt, erschien mir das logisch, und ich konnte akzeptieren, dass für Menschen ein Leben auch voller Leiden sein kann. Denn unter Tausenden von Leben ist ein Leben nur eine Gruppe von Erfahrungen.

Nach wie vor wollte ich mich für das Gute einsetzen, aber die Welt erschien mir nicht mehr so ungerecht. Für mich selbst stellte sich die Welt nun als Herausforderung dar und das Schicksal als Chance, die Aufgaben, die das Leben mir schenkt, bewusst anzunehmen: Es war plötzlich eine ganz andere Perspektive. Mit einem Schlag waren Frustration, Ohnmachtsgefühl und Ärger über die Ungerechtigkeiten in der Welt weggeblasen. Das konnte ich als Sechzehnjähriger natürlich nicht für mich behalten, sondern versuchte, auch meine Verwandten zu überzeugen … mit mäßigem Erfolg.

Herrschaft über den Geist

Ich begann mit spirituellen Praktiken, die ich mir aus Büchern über Buddhismus, Yoga, christliche Mystik und westliche Esoterik aneignete, und arbeitete an der systematischen Herrschaft über den Geist. Denn Herrschaft über den Geist sollte ja zur höchsten Verwirklichung führen. Ich nutzte Techniken wie Affirmationen,...

Blick ins Buch

Weitere E-Books zum Thema: Lebensführung - Motivation - Coaching

Thinking Big

E-Book Thinking Big
Von der Vision zum Erfolg Format: PDF

Sind Sie bereit für die nächste Stufe des Erfolgs? Dann steigen Sie ein in Thinking Big, das Denken ohne Grenzen, und erfahren Sie, wie Sie jedes Ziel erreichen können, das Sie sich selbst geSetzt…

Das Pippilotta-Prinzip

E-Book Das Pippilotta-Prinzip
Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt Format: ePUB/PDF

Frech, respektlos, mutig – und viel Spaß dabei! Jeder kennt sie aus der Kindheit: Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter, kurz: Pippi Langstrumpf. Und fast jedes M…

Genug

E-Book Genug
Wie Sie der Welt des Überflusses entkommen Format: ePUB

Nonstop-Kommunikation, XL-Supermärkte und 24h-Shopping: Heute gibt es von allem mehr, als wir jemals nutzen oder genießen können. Trotzdem halten wir an einer uralten Überlebensstrategie fest: Immer…

Thinking Big

E-Book Thinking Big
Von der Vision zum Erfolg Format: PDF

Sind Sie bereit für die nächste Stufe des Erfolgs? Dann steigen Sie ein in Thinking Big, das Denken ohne Grenzen, und erfahren Sie, wie Sie jedes Ziel erreichen können, das Sie sich selbst geSetzt…

flight plan

E-Book flight plan
Das wahre Geheimnis von Erfolg Format: PDF

In seinem neuesten Buch erklärt Bestseller-Autor Brian Tracy die wahren Geheimnisse von Erfolg in Beruf und Privatleben. Er nutzt dazu die Metapher eines Fluges und erläutert, wie man nachhaltigen…

flight plan

E-Book flight plan
Das wahre Geheimnis von Erfolg Format: PDF

In seinem neuesten Buch erklärt Bestseller-Autor Brian Tracy die wahren Geheimnisse von Erfolg in Beruf und Privatleben. Er nutzt dazu die Metapher eines Fluges und erläutert, wie man nachhaltigen…

Projekt Gold

E-Book Projekt Gold
Wege zur Höchstleistung - Spitzensport als Erfolgsmodell Format: PDF

Welche Fähigkeiten und Erfolgseigenschaften zeichnen einen wahren Champion aus? Im Sport lässt sich das sehr schnell an Eigenschaften wie Talent, Leidenschaft, Zielklarheit, Motivation, Ausdauer und…

2012 - Die große Zeitenwende

E-Book 2012 - Die große Zeitenwende
Wie die Prophezeiungen der Mayas Chancen für Neues Denken und Sein eröffnen Format: ePUB

Nach dem Maya-Kalender birgt die Zeitenwende um 2012 tiefgreifende Veränderungen aber auch chancenreiche Perspektiven in sich. Das Buch baut eine Brücke zwischen Prophezeiungen, tatsächlichen…

Schlagfertig kontern

E-Book Schlagfertig kontern
Ein Übungsbuch Format: PDF/ePUB

Wie sage ich das Richtige im richtigen Moment? Ärgert man sich über eine dumme, anzügliche oder gar aggressive Bemerkung, fällt es schwer, spontan und geistreich zu reagieren.…

Weitere Zeitschriften

ARCH+.

ARCH+.

ARCH+ ist eine unabhängige, konzeptuelle Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Der Name ist zugleich Programm: mehr als Architektur. Jedes vierteljährlich erscheinende Heft beleuchtet ...

BMW Magazin

BMW Magazin

Unter dem Motto „DRIVEN" steht das BMW Magazin für Antrieb, Leidenschaft und Energie − und die Haltung, im Leben niemals stehen zu bleiben.Das Kundenmagazin der BMW AG inszeniert die neuesten ...

caritas

caritas

mitteilungen für die Erzdiözese FreiburgUm Kindern aus armen Familien gute Perspektiven für eine eigenständige Lebensführung zu ermöglichen, muss die Kinderarmut in Deutschland nachhaltig ...

Computerwoche

Computerwoche

Die COMPUTERWOCHE berichtet schnell und detailliert über alle Belange der Informations- und Kommunikationstechnik in Unternehmen – über Trends, neue Technologien, Produkte und Märkte. IT-Manager ...

DGIP-intern

DGIP-intern

Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Individualpsychologie e.V. (DGIP) für ihre Mitglieder Die Mitglieder der DGIP erhalten viermal jährlich das Mitteilungsblatt „DGIP-intern“ ...

dima

dima

Bau und Einsatz von Werkzeugmaschinen für spangebende und spanlose sowie abtragende und umformende Fertigungsverfahren. dima - die maschine - bietet als Fachzeitschrift die Kommunikationsplattform ...

DSD Der Sicherheitsdienst

DSD Der Sicherheitsdienst

Der "DSD – Der Sicherheitsdienst" ist das Magazin der Sicherheitswirtschaft. Es erscheint viermal jährlich und mit einer Auflage von 11.000 Exemplaren. Der DSD informiert über aktuelle Themen ...