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E-Book

Der sympathische Vampir

Visualisierungen von Männlichkeiten in der TV-Serie Buffy

AutorMarcus Recht
VerlagCampus Verlag
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl343 Seiten
ISBN9783593410784
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Aktuell befindet sich der Vampir-Boom - insbesondere unter Jugendlichen -
auf einem Höhepunkt. Marcus Recht untersucht, wie in der populären TV Serie »Buffy« Geschlecht bei den männlichen Vampir-
Charakteren visuell dar- und hergestellt wird. Sein Resultat: Die Inszenierung klassischer Männlichkeit wird durch visuelle Strategien gebrochen. Innerhalb der TV-Serie eröffnen sich damit alternative Formen von Geschlecht und Sexualität.

Dr. Marcus Recht hat eine Vertretungsprofessur für Kunstdidaktik am Institut für Kunstpädagogik der Justus-Liebig-Universität Gießen und ist Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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Leseprobe
VI Fazit: geschlechtlich codierte Visualisierungen von Männlichkeiten (S. 295-296)

Die hier vorgelegte Arbeit hat sich die Erforschung der geschlechtlichen Repräsentation von männlichen Vampir-Charakteren in den Fernsehserien »Buffy – the Vampire Slayer« und »Angel« zur Aufgabe gesetzt. Dabei wurde deutlich, dass in diesen beiden Serien des »Buffy-Universums« die auf den ersten Blick sehr männlich auftretenden Vampir-Figuren Angel und Spike zeitweise deutlich geschlechtsuntypisch »gegendert« wurden.

Ein notwendiger Grund, dieses Thema zu bearbeiten, ergibt sich aus einem Forschungsdefizit im Feld der medialen Männlichkeitsdarstellungen, das sich besonders im deutschsprachigen Raum ausmachen lässt. Für die Untersuchung dieser Thematik wurde eine Fernsehserie gewählt, da sie auf dem Markt nur dann existieren kann, wenn sie als popkulturelles Produkt konsumierbar ist und von einer Vielzahl von Menschen rezipiert wird. Dadurch erweist sie sich als anschlussfähig an aktuelle Realitätsentwürfe und wirkt darüber auf eine große Anzahl von Zuschauern/Zuschauerinnen und deren Vorstellung von Geschlecht ein. Sie ist somit zugleich Rollenmodell wie auch Spiegel der Gesellschaft.

Als eine weitere Prämisse dieser Arbeit wurde herausgearbeitet, wie in westlichen Gesellschaften Bilder hauptsächlich aufgrund ihres Unterhaltungswertes geschätzt werden, wodurch ihre Wirkmächtigkeit und das ihnen innewohnende Informationspotential massiv unterschätzt werden. Aus diesem Grund wurde die Orientierung dieser Arbeit auf eine primär visuelle Erforschung des Phänomens ausgerichtet. Fälschlicherweise wird immer noch überwiegend davon ausgegangen, dass Bilder leicht verstanden werden.

Hier zeigt sich, dass in unserer Gesellschaft bevorzugt Techniken zum Umgang mit dem sprachlichen System vermittelt werden, jedoch die Fähigkeit, die Information eines Bildes zu interpretieren absolut vernachlässigt wird. Diese Prämisse – für die Herangehensweise in dieser Arbeit entscheidend – erlaubt, die der visuellen Ebene innewohnende Komplexität zu rekonstruieren, und zwar ausgehend von den ins Zentrum gerückten Bildern selbst. Des Weiteren wurde die Unterschiedlichkeit vom Bild, für das der Zustand der Informations-Gleichzeitigkeit festgestellt wurde, vom linearen Text abgegrenzt.

Infolgedessen wurden für die Untersuchung der Fernsehserie »Buffy« eigenständige Methoden entwickelt, die zum Beispiel das Verwenden von Episoden-Guides als textuelle Grundlage ablehnten. Das mehrmalige Sichten nach einer neuen für TV-Serien erarbeiteten Methode, brachte auffällige phänomenologische Muster und Symmetrien in Form eines Bild-Archivs zum Vorschein, welche die Gender-Systematik und Thematisierung von Kleidung, Inszenierung, Körper und Blick zwingend notwendig machten.

Dabei wurde zunächst erwartet, dass Abweichungen von einer klassischen Geschlechterordnung in einem populären und »konservativen« Medium wie einer TV-Soap nur sehr schwer zu verwirklichen sind. Die umfangreichen wissenschaftlichen Quellen zu den untersuchten Serien, die bearbeitet wurden und von denen sich eine große Anzahl mit männlichen Charakteren auseinandersetzten, stellten tatsächlich Abweichungen von einer klassischen geschlechtlichen Repräsentation fest, jedoch stets ausgehend von Dialogen oder Handlungen.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Inhalt6
I Thematische Annäherung & Methodenapparat10
I.1 Der Serienkosmos Buffy18
I.1.1 Format & Genre18
I.1.2 Ein schwieriger Anfang: Buffy on »Big Screen«22
I.1.3 Beginn der TV-Serie Buffy25
I.1.4 Expansion des Buffy-Universums: Die Serie Angel30
I.2 Methodische Zugänge31
I.2.1 Bildanalyse32
I.2.2 Das abweichende Geschlecht des Vampirs40
I.2.3 Visuelle Trias für die Gender-Analyse des Bild-Sujets47
II Der »sympathische Vampir«88
II.1 Der »sympathische Vampir« im TV94
II.1.1 Dark Shadows94
II.1.2 Forever Knight96
II.1.3 Kindred: The Embraced97
II.1.4 Ultraviolet97
II.1.5 Blade: The Series98
II.1.6 Blood Ties99
II.1.7 Moonlight100
II.1.8 Exkurs: Twilight101
II.1.9 True Blood107
II.1.10 The Vampire Diaries109
III Kleidung & Inszenierung114
III.1 Angel: vestimentäre Praxen114
III.1.1 Angels Herrenanzug115
III.1.2 Angels dandyesque Bekleidung121
III.1.3 Kleidungsgenese Angels125
III.1.4 Angel als tragischer Rebell der 1950er Jahre133
III.1.5 Angel als Superheld136
III.1.6 Angel als »Film Noir«-Held144
III.2 Angel: Demaskulinisierungs-Strategien146
III.2.1 Vestimentäre Demaskulinisierung146
III.2.2 Requisitäre Demaskulinisierung152
III.2.3 Mimische Demaskulinisierung154
III.2.4 Demaskulinisierung durch Kindererziehung158
III.2.5 Manly Vampires don’t sing and dance160
III.3 Spikes Style: oszillierende Genderung166
III.3.1 Verspäteter Auftritt eines »breakout character«166
III.3.2 Spikes Mantel175
III.3.3 Spike vs. Sid Vicious176
III.3.4 Spike vs. Billy Idol180
III.3.5 Spikes Haare183
III.3.6 Spikes lackierte Fingernägel184
III.3.7 Spikes Mantel als Frauenkleidung?185
III.4 Spike: Demaskulinisierungs-Strategien188
III.4.1 Körperliche Schwäche188
III.4.2 Eifersucht & Passivität190
III.4.3 Manly Vampires don’t cry192
III.4.4 Gefühle diskutieren und Soaps schauen193
III.4.5 Spikes Chip & Impotenz195
III.4.6 Der sensible Poet William als die »Essenz« von Spike201
III.4.7 Spikes »campe« Inszenierung207
III.4.8 Spikes Sexualität214
III.5 Resümee: Gender – Kleidung & Inszenierung218
IV Körper222
IV.1 Angels »massiger« Körper222
IV.2 Spikes »definierter« Körper226
IV.3 Gepeinigte Masculinity231
IV.3.1 Verortung in christlicher Ikonologie231
IV.3.2 Masochistische Masculinity242
IV.3.3 Folter246
IV.3.4 Körper-Differrenz: Folter am Menschen249
IV.4 Resümee: Gender – Körper & Folter251
V Gaze256
V.1 Der Male Gaze in der Serie »Angel«256
V.1.1 Faith unter der Dusche256
V.1.2 Ein Male Gaze auf Gwen259
V.2 Gazing at Angel261
V.2.1 Der Gaze auf den Trainierenden262
V.2.2 Angels Rücken269
V.2.3 Der Blick einer Folternden272
V.3 Gazing at Spike274
V.3.1 Der Gaze auf ein Loch im Rücken274
V.3.2 »Object of the Gaze« als Strategie277
V.4 Gazing at a human Man287
V.4.1 Knappe Bekleidung bedingt nicht zwingend den Gaze288
V.4.2 Kaum bekleidet vor der Klasse290
V.5 Blick-Differenz: Mensch & Vampir292
VI Fazit: geschlechtlich codierte Visualisierungen von Männlichkeiten296
VII Verzeichnisse312
VII.1 Literatur312
VII.2 Filme336
VII.3 Serien337
VII.4 Buffy-Episoden338
VII.5 Angel-Episoden339
VII.6 Abbildungsverzeichnis340
Dank344

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