Sie sind hier
E-Book

Der Versicherungsgedanke und seine historischen Grundlagen

AutorAlbert Schug
VerlagV&R Unipress
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl467 Seiten
ISBN9783862346479
FormatPDF
KopierschutzWasserzeichen/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis59,99 EUR
Albert Schug zeigt die Entwicklung des Versicherungsgedankens seit dem Altertum. Grundlage der Arbeit ist die Beschreibung der Versicherung nach soziologischen sowie wirtschaftlichen und rechtlichen Merkmalen. Die soziologische Beschreibung dient der Feststellung, ob Institute sich über die natürliche Gefahrengemeinschaft der gegenseitigen Unterstützung in Familie, Sippe und Stamm zu einer rein individuellen Unterstützung für die Erhaltung bzw. den Aufbau geschaffener Werte entwickelt haben. Institute, die diese Voraussetzungen erfüllen, sind Versicherungen, wenn sie die vier Merkmale Risiko, Selbständigkeit, Entgeltlichkeit und das Bestehen eines Rechtsanspruches auf Leistung bzw. die Funktion des Erreichens eines Vermögensgestaltungsziels erfüllen. Die Existenz von Werten und deren Sicherung in den einzelnen Epochen ergibt sich aus der Darstellung der gesellschaftlichen Strukturen und wirtschaftlichen Schwerpunkten, die die entsprechenden Einrichtungen geschaffen hatten. Des weiteren werden die in der Geschichte geschaffenen Kodifikationen mit den europäischen Standards verglichen, und die Bedeutung der Versicherung für die jeweiligen Volkswirtschaften beschrieben. Die Prüfung zeigt die Existenz von Versicherungen seit dem Altertum.

Albert Schug ist seit 1985 für die Saarland-Versicherungen tätig. Zurzeit ist er dort Betriebsratsvorsitzender.

Kaufen Sie hier:

Horizontale Tabs

Leseprobe
6. Kapitel: Neuzeit (S. 219-220)

I Gesellschafts- und Wirtschaftsformen


1. Gesellschaftsformen


Mit dem Beginn der Neuzeit ab dem Jahre 1500 war nicht automatisch eine Änderung sämtlicher gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Formen in den Staaten Europas verbunden. Vielmehr führten die seit dem Ende des 15. Jahrhunderts eingeleiteten Entdeckungen und Erfindungen und die gesellschaftlichen Änderungen zu einem Wandel in den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Strukturen. Daher greife ich in diesem Kapitel bereits solche im Abschnitt über das Mittelalter geprüften Versicherungsinstitute wieder auf, soweit sie in der Neuzeit Änderungen erfuhren. Zur Vermeidung von Wiederholungen beschränke ich mich hierbei jeweiligen veränderten Teil eines Versicherungsinstituts.

Das ausgehende Mittelalter war geprägt durch die Machtkämpfe der Königshäuser Englands, Frankreichs und der Fürsten Deutschlands, aus denen sich die endgültigen staatlichen Grenzen ergeben sollten. Dieser Prozess war erst mit dem Beginn des 19. Jahrhunderts in Europa abgeschlossen1. In der Renaissance formten sich die geistigen Grundlagen, die die Einbindung derMenschen in ihre gesellschaftlichen Gruppen aufhoben und das Individuum sahen. Verbunden war damit das Interesse an der Beobachtung des Menschen und den ihn umgebenden Kräften der Natur.

Das führte zur Lösung aus den überkommenen gesellschaftlichen und ethischen Normen und mündete durch die Tendenz zur Säkularisierung in Verbindung mit der Reformation in einen tief greifenden Wandel der Gesellschaft und der Wirtschaft2. Mit dem Vordringen des Protestantismus löste sich das wirtschaftliche Denken von der feudal geprägten naturalwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung der vorausgegangenen Jahrhunderte. Ausgehend von dem mittelalterlichchristlichen Gedanken des »ora et labora« nahmen die kaufmännischen und industriellen Tätigkeiten bald einen immer größeren Raum in der Gesellschaft ein.

Trotzdem blieb zunächst in Deutschland das Wirtschaftsdenken in der mittelalterlichen Wucherdiskussion über die Antimonopolfrage als Gegensatz zum kanonischen Zinsverbot befangen. Schließlich setzte sich im Rahmen der Verlagerung des wirtschaftlichen Schwerpunktes in den Nordwesten Europas (Holland, England) das kapitalistische Wirtschaftsdenken durch4. Ausgehend von der mittelalterlichen Vorstellung, dass sich das Individuum durch das gesellschaftliche Umfeld definiert, in das es eingebettet ist, war das Interesse der Lehre ausschließlich auf den Staat ausgerichtet5.

Dessen Verkörperung war der jeweilige Fürst, in dessen Händen sich die Staatsgewalt konzentrierte. Aus diesem Grundgedanken heraus nahm der Fürst6 für sich das Recht in Anspruch, im Interesse der Versorgung der staatlichen Institutionen unmittelbar in die Wirtschaft seines Herrschaftsbereiches einzugreifen. Dieser Prozess der Staatsbildung zog sich durch das gesamte 16. Jahrhundert bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts hin7. Mit dem Ende des 30-jährigen Krieges hatte sich in Europa das absolutistische Herrschaftssystem durchgesetzt.
Blick ins Buch
Inhaltsverzeichnis
Vorwort5
Inhalt7
Abkürzungsverzeichnis19
1. Kapitel: Einleitung21
I Einführung21
II Darlegungen zur Gliederung der Arbeit27
III Begründung der Arbeit29
2. Kapitel: Prüfung der Versicherungsmerkmale31
I Erläuterung und Begründung des Untersuchungsweges31
II Die einzelnen Theorien33
3. Kapitel: Altertum61
I Altbabylonien (Gesetze Hammurabis)61
II Ägypten65
III Indien69
IV Israel81
4. Kapitel: Antike93
I Griechenland93
II Römisches Reich106
III Spätantike zur Zeit der Völkerwanderung127
5. Kapitel: Mittelalter133
I Gesellschafts und Wirtschaftsformen133
II Gesellschaftsordnung139
III Soziologischer Versicherungsbegriff141
IV Einzelne Versicherungsmerkmale174
V Kodifikationen218
6. Kapitel: Neuzeit219
I Gesellschafts- und Wirtschaftsformen219
II Soziologischer Versicherungsbegriff230
III Einzelne Versicherungsmerkmale249
IV Rechtsformen der Versicherungsgemeinschaften265
V Kodifikationen267
7. Kapitel: Industriezeitalter269
I Wirtschafts- und Gesellschaftsformen269
II Soziologischer Versicherungsbegriff282
III Einzelne Versicherungsmerkmale292
IV Kodifikationen300
8. Kapitel: Die wirtschaftliche Bedeutung von Versicherungen303
I Der Stellenwert der Versicherungen in der Planung von Privatleuten und von Unternehmen303
II Einzelne Risiken304
III Volkswirtschaftliche Bedeutung der Versicherung307
9. Kapitel: Historischer Vergleich des Instituts der Versicherung319
I Begründung319
II Rechtsvergleichung 1. Feststellung der Hauptmerkmale der Versicherung in den Gesetzen verschiedener Rechtskreise321
10. Kapitel: Etymologische Betrachtung427
I Versicherung427
II Risiko428
Literaturverzeichnis429
I Eingearbeitete Literatur429
II Nicht eingearbeitete Literatur454
Stichwortverzeichnis465

Weitere E-Books zum Thema: Kulturgeschichte: Politik

Die Dagoberts

E-Book Die Dagoberts
Eine Weltgeschichte des Reichtums - von Krösus bis Bill Gates Format: ePUB

Ein interessanter Spaziergang durch 3000 Jahre Wirtschafts- und Kulturgeschichte erzählt von Aufstieg und Untergang der reichsten Menschen ihrer jeweiligen Zeit! Nichts ist so faszinierend wie…

Terrorismus und Geschlecht

E-Book Terrorismus und Geschlecht
Politische Gewalt in Europa seit dem 19. Jahrhundert Format: PDF

Terroristische Akte gab es in den letzten 200 Jahren in zahlreichen Ländern, von Deutschland und Russland über Irland und Zypern bis in die USA. Gemeinsam ist ihnen, so zeigen die Autorinnen und…

E-Book statt Papierkonserve

E-Book E-Book statt Papierkonserve
Das Buch im digitalen Raum Format: ePUB

Eine kurzweilige und spannende Standortbestimmung – keine Momentaufnahme mit der Halbwertszeit einer Software! Marlies Michaelis redet nicht einfach einer technischen Neuheit das Wort…

Psychosomatik

E-Book Psychosomatik
Literarische, philosophische und medizinische Geschichten zur Entstehung eines Diskurses (1778-1936) Format: PDF

Using exemplary historical scenarios, the present cultural history traces the transdisciplinary development of a psychosomatic discourse between the 18th and 20th centuries, thus closing a gap in…

Kultur - Geschichte - Behinderung, Band 1

E-Book Kultur - Geschichte - Behinderung, Band 1
Die kulturwissenschaftliche Historisierung von Behinderung Format: PDF/ePUB

'Behinderung' ist keine geschichtslose Naturtatsache, sondern wird in sozialen, kulturellen und somit historischen Prozessen hervorgebracht. Die kulturwissenschaftliche Historisierung von '…

Dem Anderen begegnen

E-Book Dem Anderen begegnen
Eigene und fremde Repräsentationen in sozialen Gemeinschaften Format: PDF

Soziale Gemeinschaften vergegenwärtigen, bestätigen und verändern durch Repräsentationen die Ordnung, in der sie leben. In der Begegnung mit anderen werden diese verteidigt oder mit neuer Bedeutung…

Weitere Zeitschriften

ARCH+.

ARCH+.

ARCH+ ist eine unabhängige, konzeptuelle Zeitschrift für Architektur und Urbanismus. Der Name ist zugleich Programm: mehr als Architektur. Jedes vierteljährlich erscheinende Heft beleuchtet ...

Bibel für heute

Bibel für heute

BIBEL FÜR HEUTE ist die Bibellese für alle, die die tägliche Routine durchbrechen wollen: Um sich intensiver mit einem Bibeltext zu beschäftigen. Um beim Bibel lesen Einblicke in Gottes ...

Burgen und Schlösser

Burgen und Schlösser

aktuelle Berichte zum Thema Burgen, Schlösser, Wehrbauten, Forschungsergebnisse zur Bau- und Kunstgeschichte, Denkmalpflege und Denkmalschutz Seit ihrer Gründung 1899 gibt die Deutsche ...

küche + raum

küche + raum

Internationale Fachzeitschrift für Küchenforschung und Küchenplanung. Mit Fachinformationen für Küchenfachhändler, -spezialisten und -planer in Küchenstudios, Möbelfachgeschäften und den ...

ERNEUERBARE ENERGIEN

ERNEUERBARE ENERGIEN

ERNEUERBARE ENERGIEN informiert durch unabhängigen Journalismus umfassend über die wichtigsten Geschehnisse im Markt der regenerativen Energien. Mit Leidenschaft sind wir stets auf der Suche nach ...

Euphorion

Euphorion

EUPHORION wurde 1894 gegründet und widmet sich als „Zeitschrift für Literaturgeschichte“ dem gesamten Fachgebiet der deutschen Philologie. Mindestens ein Heft pro Jahrgang ist für die ...