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E-Book

Des Knaben Wunderhorn

Vollständige Ausgabe

AutorAchim von Arnim
VerlagJazzybee Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl1253 Seiten
ISBN9783849603748
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis0,99 EUR
Unter dem Titel Des Knaben Wunderhorn veröffentlichten Clemens Brentano und Achim von Arnim von 1805 bis 1808 eine Sammlung von Volksliedtexten in drei Bänden. Es enthält Liebes-, Soldaten-, Wander- und Kinderlieder vom Mittelalter bis ins 18. Jahrhundert. (aus wikipedia.de)

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Leseprobe

Die hohe Magd


 

 Hallorenlied in Halle, wahrscheinlich noch aus ihren frühern Wohnplätzen. Herr Buchhändler Hendel soll mehrere derselben haben.

 

Ein Magd ist weiß und schone,

Gott führt den höchsten Preiß,

Und die ihm dient, zum Lohne

An Künsten wird sie reich,

Geht jungfräulich bei Frauen

Dort auf den grünen Auen,

Glück zu mein edler Zweig!

 

Ihr Leib war angebildet

Mit Keuschheit übergroß,

Schwang sich in ihren Willen,

Schwang sich in ihren Schooß,

Er war so stark von Kräften,

Von meisterlichen Geschäften –

Gott schuf wohl Himmel und Erd.

 

Ein Kind nach Adams Weise

An ihren Brüsten lag,

Es war ein alter Greise,

Erschuf den ersten Tag,

Es ward ein starker Ritter,

Sein Leiden ward ihm bitter,

Erlitt groß Ungemach.

 

Sein Seit ward ihm zerschnitten

Mit einem scharfen Speer,

Damit hat er zersplitten

Die Hölle samt der Erd.

Gott tröstet den Gefangnen,

Drey Wünsche waren ihm ergangen

Gegen diese heilige Zeit.

 

Gott stieg aus seinem Grabe,

Ein Fürst war wohlgemuth,

Mit seinem Kreuz und Stabe,

Drey Fähnlein schwenkt er roth,

That sich gen Himmel kehren,

Nach tugendlichen Ehren

Stand ihm Herz, Muth und Sinn.

 

O Stern, o Glanz! o Krone,

O Himmel aufgethan!

Was gab ihr Gott zum Lohne,

Drey Chorengel Lobgesang,

Bekleidet ihn mit Sonne,

Maria war voll Wonne,

Wie hell scheint uns der Mond!

 

Liebe spinnt keine Seide


 

 Bragur VI. B. II. Ab. S. 77.

 

Es fuhr ein Mägdlein übern See,

Wolt brechen den Feiel und grünen Klee,

Mit ihrn schneweissen Händen,

Der Sommer hat schier ein Ende.

 

Ein Ritter kam dort her geritten,

Er grüßte sie nach Schwäbschen Sitten,

Er grüßt sie da alleine:

»Ich führ euch mit mir heime.«

 

»Ach Ritter, ihr seyd hochgeborn,

So fürcht ich meines Vaters Zorn,

Ich fürcht ihn alzusehre,

Verliere vielleicht mein Ehre.

 

Ach Vater lieber Vater mein,

So weck mich bei dem Mondeschein,

Ich weiß gut Lämmer-Weide,

So fern auf jener Haide.«

 

VATER.

»Die Lämmerweid die du wohl weist,

Macht mir mein Lämmer und Schaf nicht feist,

Du must hier heime bleiben,

Must spinnen die braune Seiden.«

 

MÄDCHEN.

»Die Seide, die ich spinnen muß,

Bringt meinem Herzen schwere Buß,

Der Ritter muß mir werden,

Sein gleich, lebt nicht auf Erden.«

 

Der dieß Lied neu gesungen hat,

Durch Lieb kam er in große Noth,

Er ist gar kaum entronnen,

Die Magd hat er gewonnen.

 

Husarenglaube


 

 Fliegendes Blat aus dem letzten Kriege mit Frankreich.

 

Es ist nichts lustger auf der Welt,

Und auch nichts so geschwind,

Als wir Husaren in dem Feld,

Wenn wir beym Schlachten sind.

Wenns blitzt und kracht dem Donner gleich

Wir schießen rosenroth,

Wenns Blut uns in die Augen läuft,

Sind wir sternhagelvoll.

 

Da heists: Husaren insgemein

Schlagt die Pistolen an,

Greift durch, den Säbel in der Hand

Haut durch den nächsten Mann.

Wenn ihr das Fransche nicht versteht,

So macht es euch bequem,

Das Reden ihm sogleich vergeht,

Wie ihr den Kopf abmäht.

 

Wenn gleich mein treuer Kammerad,

Muß bleiben in dem Streit,

Husaren fragen nichts darnach,

Sind auch dazu bereit;

Der Leib verweset in der Gruft,

Der Rock bleibt in der Welt,

Die Seele schwingt sich durch die Luft

Ins blaue Himmelszelt.

 

Der Rattenfänger von Hameln


 

 Mündlich.

 

»Wer ist der bunte Mann im Bilde,

Er führet Böses wohl im Schilde,

Er pfeift so wild und so bedacht;

Ich hätt mein Kind ihm nicht gebracht!«

 

In Hameln fochten Mäus und Ratzen

Bey hellem Tage mit den Katzen,

Es war viel Noth, der Rath bedacht,

Wie andre Kunst zuweg gebracht.

 

Da fand sich ein der Wundermann,

Mit bunten Kleidern angethan,

Pfif Ratz und Mäus zusamm ohn Zahl,

Ersäuft sie in der Weser all.

 

Der Rath will ihm dafür nicht geben,

Was ihm ward zugesagt so eben,

Sie meinten, das ging gar zu leicht

Und wär wohl gar ein Teufelsstreich.

 

Wie hart er auch den Rath besprochen,

Sie dräuten seinem bösen Pochen,

Er konnt zuletzt vor der Gemein

Nur auf dem Dorfe sicher seyn.

 

Die Stadt von solcher Noth befreyet,

Im großen Dankfest sich erfreuet,

Im Betstuhl saßen alle Leut,

Es läuten alle Glocken weit.

 

Die Kinder spielten in den Gassen,

Der Wundermann durchzog die Strassen,

Er kam und pfif zusamm geschwind

Wohl auf ein hundert schöne Kind.

 

Der Hirt sie sah zur Weser gehen,

Und keiner hat sie je gesehen

Verloren sind sie an dem Tag

Zu ihrer Aeltern Weh und Klag.

 

Im Strome schweben Irrlicht nieder,

Die Kindlein frischen drin die Glieder,

Dann pfeifet er sie wieder ein,

Für seine Kunst bezahlt zu seyn.

 

»Ihr Leute, wenn ihr Gift wollt legen,

So hütet doch die Kinder gegen,

Das Gift ist selbst der Teufel wohl,

Der uns die lieben Kinder stohl.«

 

Schürz dich Gretlein


 

 Frische Liedlein.

 

»Nun schürz dich Gretlein schürz dich,

Wohl auf mit mir davon,

Das Korn ist abgeschnitten,

Der Wein ist eingethan.«

 

»Ach Hänßlein, liebes Hänßlein,

So laß mich bey dir sein,

Die Wochen auf dem Felde,

Den Feiertag beim Wein.«

 

Da nahm ers bey den Händen,

Bey ihrer schneeweissen Hand

Er führt sie an ein Ende,

Da er ein Wirthshaus fand.

 

»Nun Wirthin, liebe Wirthin,

Schaut um nach kühlem Wein,

Die Kleider dieses Gretlein

Müssen verschlemmet sein.«

 

Die Gret hub an zu weinen,

Ihr Unmuth der war groß,

Daß Ihr die lichten Zähren

Ueber ihr Wenglein floß.

 

»Ach Hänßlein, liebes Hänßlein,

Du redtest nicht also,

Als du mich heim ausführest

Aus meines Vaters Hof.«

 

Er nahm sie bey den Händen,

Bey ihrer schneeweissen Hand,

Er führt sie an ein Ende,

Da er ein Gärtlein fand.

 

»Ach Gretlein, liebes Gretlein,

Warum weinst du so sehr,

Reuet dich dein freier Muth,

Oder reut dich dein Ehr?«

 

»Es reut mich nicht mein freier Muth,

Darzu auch nicht mein Ehr;

Es reuen mich mein Kleider,

Die werden mir nimmermehr.«

 

Das Lied vom Ringe


 

 Elwert. S. 19.

 

Es waren drey Soldaten,

Dabey ein junges Blut,

Sie hatten sich vergangen,

Der Graf nahm sie gefangen,

Setzt sie bis auf den Tod.

 

Es war ein wackres Mädelein

Dazu aus fremdem Land,

Sie lief in aller Eilen

Des Tags wohl zehen Meilen

Bis zu dem Grafen hin.

 

»Gott grüß Euch, edler Herre mein,

Ich wünsch Euch guten Tag,

Ach! wolt Ihr mein gedenken

Den Gefangnen mir zu schenken

Ja schenken zu der Eh.«

 

»Ach nein, mein liebes Mädelein,

Das kann und mag nicht sein,

Der Gefangne der muß sterben,

Gott's Gnad muß er ererben

Wie er verdienet hat.«

 

Das Mädel drehet sich herum

Und weinet bitterlich,

Sie lief in aller Eilen

Des Tags wohl zwanzig Meilen,

Bis zu dem tiefen Thurm.

 

»Gott grüß Euch ihr Gefangnen mein,

Ich wünsch Euch guten Tag!

Ich hab für Euch gebeten,

Ich kann Euch nicht erretten,

Es hilft nicht Gut noch Geld.«

 

Was hat sie unter ihrem Schürzelein?

Ein Hemdlein war schneeweiß,

»Das nimm du Allerliebster mein,

Es soll von mir dein Brauthemd sein,

Darin lieg du im Tod.«

...
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