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Deutsche Außenpolitik Ende der 1950er Anfang der 1960er Jahre. Adenauer zwischen de Gaulle und Kennedy

AutorHenning Fischer
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2017
Seitenanzahl52 Seiten
ISBN9783668485587
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis16,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2017 im Fachbereich Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg, Note: 1,3, Europa-Universität Flensburg (ehem. Universität Flensburg) (Institut für Gesellschaftswissenschaften udn Theologie - Seminar für Geschichte und Geschichtsdidaktik), Sprache: Deutsch, Abstract: Diese Arbeit befasst sich im Kern mit der deutschen Außenpolitik in den Jahren 1958 bis 1963 und analysiert dabei die deutsch-französisch-amerikanische 'Dreiecksbeziehung' zwischen Adenauer, de Gaulle und Kennedy. Die zentrale Fragestellung wird hierbei sein, ob es überhaupt eine 'Dreiecksbeziehung' zwischen den USA, der Bundesrepublik und Frankreich gab beziehungsweise diese aufgrund der gegensätzlichen französischen und amerikanischen Europakonzeptionen möglich war. Darüber hinaus wird ebenfalls die deutsche Außenpolitik im Verlauf der Nachkriegsjahre mit der Gründung der BRD und der Westeuropäischen Integration unter Konrad Adenauer beleuchtet, denn die Jahre vor der Machtübernahme de Gaulles und Kennedys bilden den Grundstein für die spätere deutsch-französische Aussöhnung und die politische Auseinandersetzung zwischen Adenauer, de Gaulle und Kennedy. Hierzu wird verschiedenste Literatur verwendet, unter anderem die Werke 'Die Ära Adenauer' (Darmstadt 2012) von Dominik Geppert, 'Die Außenpolitik der Bundesrepublik Deutschland - Normen, Akteure, Entscheidungen' (München 1999) von Dr. habil. Stephan Bierling, Eckart Conzes Werk 'Die gaullistische Herausforderung - Die deutsch-französischen Beziehungen in der amerikanischen Europapolitik 1958 -1963' (München 1995) und diverse Artikel der Bundeszentrale zur politischen Bildung unter anderem von Dr. Elke Kimmel zu den Grundzügen des Marshallplans aus dem Jahre 2005 und Peter Borowskys Artikel zur Westeuropäischen Integration 1963 - 1974 von 2002.

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Leseprobe

2. Deutschlands Situation nach 1945


 

Im Sommer 1945 vereinbarten die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges auf der Konferenz von Potsdam eine Aufteilung Deutschlands in vier Besatzungszonen und einigten sich mühsam auf Grundregeln einer gemeinsamen Besatzungspolitik.[4] Deutschland, jahrhundertelang nur ein geographischer Begriff, doch zwischen 1871 und 1945 die stärkste Macht in Europa, war besiegt und verlor jedwedes Recht auf Selbstbestimmung.[5] Weitgehend zerstört, militärisch erobert und von alliierten Truppen besetzt, hörte Deutschland auf, ein Akteur der internationalen Politik zu sein.[6] Als Aggressor eines Vernichtungskrieges, der mehrere Millionen Opfer forderte, sprach man Deutschland lediglich die Rolle als Schauplatz der nun folgenden Verhandlungen der Siegermächte zu. Man stellte sich die Frage, wie es mit diesem Deutschland weitergehen könne. Bereits circa dreißig Jahre zuvor, mit dem Ende des Ersten Weltkrieges, stand dieses Problem zur Debatte und führte unglücklicherweise zum nächsten Krieg. Wolfgang Kruse schreibt hierzu in einem Artikel zum Endes des Kaiserreichs, dass die Diktatbestimmungen von Versailles in Deutschland von allen Parteien abgelehnt und zu großer Aufruhr im gesamten Land führten.[7]

 

Mit den Bestimmungen von Versailles sollte vermieden werden, dass jemals wieder ein Angriffskrieg von deutschem Boden aus entstünde. Nun gibt es zwischen diesen beiden Nachkriegssituationen eine prägnante Differenz: Deutschland war nach dem ersten Weltkrieg, trotz der immensen Reparationszahlungen, Gebietsabtretungen, politischen Unruhen und wirtschaftlicher Dysbalance, als souveräner, selbst bestimmender Staat intakt. Diese Gegebenheiten trafen auf das Deutschland nach der bedingungslosen Kapitulation 1945 nicht zu. Die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion übernahmen die oberste Regierungsgewalt und teilten das „vergangene Reich“ wie auch die ehemalige Reichshauptstadt Berlin in vier Besatzungszonen auf, die einem Kontrollrat der alliierten Oberbefehlshaber unterstellt wurden.[8] Man entschied sich außerdem für eine komplette Kontrolle der deutschen Beziehungen zu anderen Staaten, sodass es deutschen Behörden untersagt war, ohne die Zustimmung des alliierten Kontrollrates in Berlin Verpflichtungen und Verträge mit dem Ausland zu schließen.[9] Darüber hinaus einigten sie sich auf vier fundamentale Prinzipien und Ziele für Deutschland: Demilitarisierung, Denazifizierung, Dezentralisierung, Demokratisierung.[10] Dabei zeichneten sich früh Spannungen und unterschiedliche Auffassungen zwischen den Großmächten bezüglich der weiterführenden Deutschlandpolitik ab, sodass sich die USA und Großbritannien auf der einen Seite und die Sowjetunion auf der anderen Seite wiederfanden beziehungsweise die verschiedene Ideologien aufeinander trafen. Geppert schrieb hierzu in seinem Buch „Die Ära Adenauer“, dass bereits 1943 auf der Konferenz von Teheran über die Situation Deutschlands nach dem Krieg diskutiert wurde und sich Roosevelt, Stalin und Churchill über eine Zerstückelung des Landes einig waren. Frankreich unter Charles de Gaulle, das zu diesem Zeitpunkt in Teilen von Deutschland besetzt war und noch nicht dem Kreis der Siegermächte angehörte, machte sich für die Abtrennung des Rheinlandes und des Ruhrgebiets sowie für eine Dezentralisierung Restdeutschlands stark.[11]

 

Nicht zuletzt waren es die Franzosen, die mit ihrer späteren Obstruktionspolitik das Scheitern der Zusammenarbeit der drei Westmächte und der Sowjetunion vorantrieben. Durch die Nichtbeteiligung Frankreichs an der Potsdamer Konferenz und dem so fehlenden Mitentscheidungsrecht lehnte man die Vereinbarung der gemeinsamen Kontrolle über Deutschland ab. Frankreich entwickelte sich nach dem Scheitern als Großmacht zu einer Mittelmacht im Rahmen des westlichen Bündnisses und sah sich trotz der neuen europa-politschen Situation dem gleichen Problem der Vergangenheit gegenübergestellt: die Sicherheit vor deutscher Aggression und deutschen Hegemonialinteressen.[12] Nach den Plänen de Gaulles sollte der Rhein diesmal definitiv die strategisch-militärische Grenze zwischen Frankreich und Deutschland bilden; das Rheinland und die Saar sollten wirtschaftlich, möglicherweise auch politisch mit Frankreich verbunden werden. Das Ruhrgebiet müsse einem internationalen Regime unterstellt werden, das die Erträge seiner Industrie in erster Linie den Opfern der deutschen Expansion zugute kommen ließ.[13]

 

Loth schreibt weiter, dass ähnlich der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg Frankreich auf Kosten Deutschlands gestärkt werden sollte.[14] Mittels Reparationen und Restitutionen soll das französische Wirtschaftspotential auf Kosten des deutschen gestärkt und insbesondere eine Verschiebung des schwerindustriellen Zentrums Europas vom deutschen auf französisches Territorium durchgeführt werden.[15] Im Gegensatz zur Deutschlandpolitik der Amerikaner, Briten und Russen stand die eigene staatliche Sicherheit, Unabhängigkeit und wirtschaftliche Stabilisation im Fokus der Franzosen. Natürlich war diese Haltung gegenüber dem Erzfeind Deutschland der gemeinsamen Historie geschuldet, die durch Kriege und gegenseitige Demütigungen geprägt war. Wie bereits zur Gründung des Deutschen Reichs 1871, die zur Beleidigung der Franzosen im Spiegelsaal von Versailles stattfand und eine Demütigung für die „Grande Nation“ im höchsten Maße darstellte, sollte wie 1918 durch den Vertrag von Versailles Vergeltung an Deutschland geübt werden. Insbesondere Charles de Gaulle, der die Außenpolitik der provisorischen französischen Regierung bestimmte, lag sehr viel daran, Deutschland eine möglichst hohe wirtschaftliche und industrielle Last aufzuzwingen.[16] Doch nicht nur gegenüber den Deutschen hatte die französische Regierung Vorbehalte, auch gegenüber den Amerikaner, Russen und Engländern spürte man ein gewisses Maß des Misstrauens. Die Spannungen zwischen den Besatzungsmächten sind aber nicht allein auf die Obstruktionspolitik der Franzosen zurückzuführen, denn von einer einheitlichen Perspektive der Siegermächte auf das besiegte Deutschland und von einer gemeinsamen politischen Linie konnte von Anfang an kaum die Rede sein.[17] Lappenküper bezeichnet die Phase des Jahreswechsel 1945/1946 als Beginn der globalen Konfrontation zwischen den USA und der Sowjetunion. Hierzu fügt von Bredow an, dass sich in den nächsten zwei Jahren die Spannungen im Alliierten Kontrollrat verschärften und ein Riss zwischen der sowjetischen und den drei westlichen Besatzungszonen entstand.[18] Diese Spannungen und das wachsende Misstrauen veranlasste die USA im Herbst 1946, eine deutschlandpolitische Wende einzuleiten und plädierten für eine politische Neugestaltung Deutschlands und beschlossen gemeinsam mit Großbritannien die wirtschaftliche Verschmelzung der ihnen unterstellten Territorien zur Bizone.[19]

 

Wie bereits erwähnt, zeichnete sich im Laufe der Besatzung durch die Großmächte ab, dass die ideologischen und machtpolitischen Konfrontationen zwischen der Sowjetunion und den westlichen Verbündeten ein gemeinsames Vorgehen unmöglich machen würde. Im Westen lag die Führungsrolle bei den USA, wobei in Washington zwischen 1946 und 1947 kein gemeinsamer Konsens herrschte, wie es mit Deutschland weitergehen würde.[20] Es gab mehrere grundsätzliche Überlegungen der Amerikaner, wie mit dem besiegten Feind verfahren werden sollte. Hierzu stellte man verschiedene außenpolitische Konzepte oder „Pläne“ auf, die allen voran von US-Finanzminister Henry Morgenthau, US-Außenminister George C. Marshall und US-Kriegsminister Henry Stimson maßgeblich beeinflusst wurden.[21]

 

Diese Ideen sahen drei politische, wirtschaftliche und territoriale Szenarien vor. Zum Ersten den „Morgenthau-Plan“. Zunächst durch US-Präsident Roosevelt befürwortet, sah dieser vor, Deutschland zu einem entmilitarisierten, vorindustriellen Agrarstaat ohne Macht und Einfluss zu machen.[22] Dazu ergänzt Siegrid Westphal, dass die deutsche Wehrmacht vollständig entwaffnet, das Kriegsmaterial und die Kriegsindustrie abtransportiert beziehungsweise demontiert, Ostpreußen an Russland und Polen und das Rheinland an Frankreich abgetreten, das Ruhrgebiet als Herz der deutschen Industrie internationalisiert und das Staatsgebiet in zwei autonome Staaten geteilt werden würde. Wie erwähnt war Roosevelt von diesem Verfahrensvorschlag überzeugt, denn er war der Meinung, dass es kein anderes Deutschland geben kann und die deutschen für ihre Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden müssen.[23] Die Problematik bezüglich dieses Konzepts lag in der Tatsache, dass so allerdings nicht garantiert werden konnte, dass das vorindustrielle Deutschland als mittelloser Staat im Zentrum bestehen bleiben und...

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