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Die 1-2-3-Formel

Erziehen mit Liebe und Disziplin

AutorChristine Wermter
VerlagMerian / Holiday, ein Imprint von GRÄFE UND UNZER Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl128 Seiten
ISBN9783833831164
FormatePUB
KopierschutzWasserzeichen
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,99 EUR
Dieses Buch stellt eine Erziehungsmethode für Eltern von Kindern zwischen 3 und 11 Jahren vor. Auf der Basis einer liebevollen Beziehung zueinander dreht sich alles um zwei Anliegen. Zum einen darum, ein unerwünschtes Verhalten des Kindes zu stoppen - z.B. Wutanfälle, Streit - und zum anderen darum, das Kind zur Kooperation zu motivieren - z.B. beim Aufräumen, Hausaufgabenmachen. Zum Kern der Methode gehört es, ruhig bis drei zu zählen und dann sachlich und gelassen eine Konsequenz folgen zu lassen. Die richtige Mischung aus Konsequenz, Lob und Ermutigung ist überdies der Schlüssel dazu, das Kind zum gewünschten Verhalten zu bewegen. Der Ratgeber geht auf alle Fragen zur 1 2 3 Formel ein und zeigt in einem großen Praxisteil häufige Alltagsprobleme von A bis Z und wie man in schwierigen Situationen sinnvoll reagieren kann. Ziel ist, dass durch mehr Klarheit der Familienalltag harmonischer verläuft.

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Leseprobe

SO FUNKTIONIERT DIE 1-2-3-FORMEL


Die 1-2-3-Formel unterscheidet zwischen Stopp- und Start-Verhalten. Hier erfahren Sie, wie Sie mit den entsprechenden Verhaltensweisen Ihrer Kinder richtig umgehen können.

Bevor es losgeht: Lernen Sie zu unterscheiden!


Der Einsatz der 1-2-3-Methode beginnt damit, dass Sie üben, ganz genau hinzuschauen. Denn als Erstes müssen Sie eine Unterscheidung treffen. Sehen Sie sich dazu bitte den folgenden Satz an: »Spiel nicht mit dem Essen herum und bleib am Tisch sitzen!« Bei dieser Aufforderung handelt es sich um eine kompliziertere Sache, als es zunächst den Anschein hat. Die Mutter oder der Vater fordern nämlich in einem Atemzug zwei grundsätzlich verschiedene Aktionen vom Kind.

Stopp- oder Start-Verhalten?


Wir wollen einerseits, dass unsere Kinder bestimmte Dinge unterlassen (»Spiel nicht mit dem Essen herum ...«). Dieses Verhalten fassen wir unter dem Begriff »Stopp-Verhalten« zusammen.

Andererseits wollen wir unsere Kinder dazu bewegen, bestimmte Dinge zu tun (»... und bleib am Tisch sitzen!«). Hier handelt es sich um das sogenannte »Start-Verhalten«.

Die 1-2-3-Methode basiert auf der Idee, dass unterschiedliches Verhalten auf Seiten des Kindes auch unterschiedliche Strategien auf Elternseite zur Folge haben muss, damit das Erziehungskonzept aufgeht.

Kinder beschäftigen uns mit zwei Arten von Problemverhalten.

Wir unterscheiden also nach dem Ziel, das wir verfolgen. Wenn Sie Stopp- und Start-Verhalten identifizieren wollen, fragen Sie sich: Handelt es sich um etwas, das das Kind bleiben lassen soll, oder um etwas, das es tun soll? Soll es mit etwas aufhören oder soll es mit etwas anfangen?

  • Zum Stopp-Verhalten gehören mithin die täglichen Ärgernisse: Die Kinder jammern und quengeln, lärmen und randalieren, trotzen und provozieren, piesacken und beschimpfen einander und so weiter. In der Theorie akzeptieren wir selbstverständlich, dass auch ein Kind mitunter schlechte Laune hat und sich zur Entwicklung seines Charakters an Eltern und Geschwistern reiben muss. In der Praxis setzen die Kämpfe und Nörgeleien nicht selten eine Konfliktspirale in Gang, die folgenreich und nur schwer auszuhalten ist.
  • Kindlichem Start-Verhalten hingegen würden wir liebend gern öfter begegnen. Dazu zählen zum Beispiel die Mithilfe im Haushalt, das Kümmern ums eigens angeschaffte Haustier, Pünktlichkeit und Selbstständigkeit oder das Einhalten von Tischmanieren beim Essen.

 

THOMAS PHELAN: »1-2-3 MAGIC«

In der 1-2-3-Methode fasste ihr Begründer, der US-amerikanische Psychologe Dr. Thomas Phelan, jahrzehntelange Erfahrungen aus seiner Arbeit mit Kindern, Eltern und professionellen Pädagogen zusammen. Sein Ziel war es, eine für alle Eltern leicht zu erlernende, pragmatische und effektive Erziehungsmethode zu entwickeln, die auf Verständnis und Geduld basiert, aber dennoch konsequent zu Kooperation und Respekt anleitet. Phelan verbreitete seine bewährte Methode in Elternseminaren sowie in Workshops für Lehrer, Therapeuten, Psychiater und Kinderärzte (siehe auch >).

 

Der Aufwand macht den Unterschied

Wie unterscheiden sich Stopp- und Start-Verhalten aus der Perspektive eines Kindes? Der Unterschied liegt im Energieaufwand, den ein Kind betreiben muss. Dieser ist bei einem Start-Verhalten wesentlich höher.

Beim Stopp-Verhalten handelt es sich lediglich um eine Frage der Entscheidung, nicht der Anstrengung. Jonas kann die Haare seiner Schwester, an denen er gerade zieht, sofort loslassen. Anna und Marie können ihre Zickereien von einem Moment auf den anderen einstellen – wenn sie wollen.

Start-Verhalten erfordert dagegen erheblich mehr Antrieb. Ein Kind, das beispielsweise sein Zimmer aufräumen, die Wäsche zusammenlegen oder seine Hausaufgaben erledigen soll, braucht dazu Zeit, außerdem Durchhaltevermögen und Motivation. Es muss bereit sein, eine Aufgabe aufzunehmen, und bis zum Schluss dabeibleiben. Die Eltern ihrerseits brauchen ermutigende Strategien, um das Kind sinnvoll anzuleiten und zu begleiten.

Wenn Sie ein Kind zu einem Start-Verhalten anregen wollen, sind andere Anreize als Auszählen gefragt. Denn was passiert, wenn Sie ein Kind durch Auszählen dazu bewegen wollen, ins Bett zu gehen? Wahrscheinlich gar nichts. Beim Zubettgehen muss das Kind ein ganzes Programm absolvieren: die Kleider ausziehen, den Schlafanzug anziehen, sich waschen, sich die Zähne putzen und so weiter. Also ein klassisches Beispiel für das Start-Verhalten.

Im Rahmen dieser Anleitung werden Sie wirkungsvolle Maßnahmen und Techniken kennenlernen, mit denen Sie die Motivation Ihres Kindes wecken und unterstützen können.

Dazu kommen wir später (ab >). Vorerst beschäftigen wir uns ausschließlich mit dem Stopp-Verhalten.

 

TIPP

Im Folder zu diesem Buch finden Sie eine Übung, die Ihnen helfen kann, Stopp- und Start-Verhalten eindeutig zu unterscheiden.

 

 

GU-ERFOLGSTIPP ERSTELLEN SIE ZWEI LISTEN

Überlegen Sie, welches Verhalten Ihrer Kinder Sie besonders nervt. Dann fragen Sie sich, welches Verhalten Sie für wünschenswert oder gar unverzichtbar halten, zum Beispiel Hausschuhe anziehen oder im Haushalt mithelfen. Ordnen Sie Ihre Stichworte in zwei Rubriken: Stopp-Verhalten (Liste 1) und Start-Verhalten (Liste 2). Die Liste 2 legen Sie zur späteren Bearbeitung in eine Schublade. Sie können nicht alle Ihre Erziehungsziele auf einmal erreichen. Konzentrieren Sie sich vorerst nur auf die Störfaktoren – das Stopp-Verhalten, das sie durch Auszählen beenden wollen. Erst wenn das reibungslos funktioniert, wenden Sie sich dem zweiten, aufwendigeren Teil der 1-2-3-Methode zu: dem Start-Verhalten.

»Ich zähle bis drei!« – und nichts passiert

Das Auszählen nach der 1-2-3-Formel ist nicht identisch mit der wohlbekannten Formulierung: »Ich zähle jetzt bis drei!«. Bei der 1-2-3-Methode zählen Sie Ihr Kind nur dann aus, wenn es ein störendes Verhalten beenden soll. Sie verlangen keine sofortige Folgsamkeit (vorausgesetzt, dass der Regelverstoß nicht gravierend oder gefährlich ist), sondern schicken zwei Warnungen voraus, bevor Sie Maßnahmen ergreifen und einen Unterbrecher setzen.

Der Hinweis »Ich zähle bis drei!« enthält dagegen oft eine moderate Drohung, die dem Kind zwar einige Sekunden zum Überlegen lässt, aber vorrangig auf Gehorsam ausgerichtet ist. Sie unterscheidet im Übrigen nicht danach, ob das Kind mit etwas aufhören oder mit etwas anfangen soll.

Nehmen wir als Beispiel die seit Generationen bekannte Drohung: »Komm sofort her und räume den Tisch ab! Ich zähle bis drei: Eins, zwei ...« Vielleicht haben Sie diese Version schon selbst benutzt oder kennen sie aus Ihrer eigenen Kindheit? Manchmal funktioniert sie, manchmal nicht. Das kommt daher, dass diese Form des Auszählens, im Gegensatz zur 1-2-3-Methode, nicht differenziert, das heißt zielgerichtet auf ein Stopp-Verhalten hin angewendet wird. Tischabräumen zählt nach der 1-2-3-Methode ganz klar zum Start-Verhalten. Hier wäre das Auszählen also vermutlich nutzlos.

 

BEISPIELE FÜR STOPP- UND START-VERHALTEN

  • Zum Stopp-Verhalten gehören: meckern, motzen, schreien, randalieren, streiten, andere auslachen, bei Tisch mit dem Stuhl kippeln, mit dem Essen spielen.
  • Zum Start-Verhalten gehören: die Schultasche packen, die Jacke an die Garderobe hängen, Zähne putzen, Hände waschen, ein Instrument üben, Besteck abtrocknen.

 

Stopp-Verhalten


Stopp-Verhalten von Kindern kommentieren wir in der denkbar knappsten und kürzesten Weise: Wir zählen sie aus. Das kann genau deshalb gelingen, weil ein Kind, das meckert, motzt oder schreit, tatsächlich von einer auf die andere Sekunde umschalten kann. Es braucht nicht viel Zeit. Das Auszählen bringt einen kurzen Motivationsschub, der gerade ausreicht, ein Verhalten zu stoppen, nicht aber anregt und ermutigt. Wie sieht das in der praktischen Anwendung aus?

Vom Auszählen zur Auszeit


Wenn wir die 1-2-3-Methode einsetzen, arbeiten wir, wie der Name schon sagt, mit den Zahlen 1 bis 3 und, falls diese nicht ausreichen, um das Verhalten des Kindes zu unterbrechen, mit einer Auszeit. Das geht so:

  • Zeigt Ihr Kind ein Verhalten, das Sie beenden wollen, beginnen Sie zu zählen: »Hier kommt die 1.«
  • Reagiert das Kind nicht, zählen Sie weiter: »Hier ist die 2.« Für den weiteren Verlauf gibt es dann zwei Möglichkeiten:
  • Ihr Kind reagiert bis zur 3 auf Ihre Intervention und hört auf.
  • Ihr Kind hört mit seinem Verhalten nicht auf und Sie verhängen eine Auszeit. In der Regel muss das Kind...
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