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Die Afrikanische Union als friedens- und sicherheitspolitischer Akteur: Eine Analyse anhand der Theorie regionaler Sicherheitskomplexe

AutorMoritz Schuberth
VerlagBachelor + Master Publishing
Erscheinungsjahr2013
Seitenanzahl64 Seiten
ISBN9783863416980
FormatPDF
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis19,99 EUR
Wie die gescheiterten Vermittlungsversuche im Libyen-Konflikt bewiesen haben, hat sich die Afrikanische Union gut zehn Jahre nach ihrer Gründung noch nicht als panafrikanische Konfliktlösungsinstanz durchgesetzt. Dabei ist die AU nur eine von zahlreichen sicherheits- und friedenspolitischen Akteuren auf dem afrikanischen Kontinent, denn die regionalen Wirtschaftsgemeinschaften haben auf subregionaler Ebene längst eigenständige Konfliktlösungsmechanismen aufgebaut. Somit stellt sich die Frage, welcher Stellenwert der AU in der Beilegung von Konflikten in Afrika zugeschrieben werden kann. Einen passenden theoretischen Rahmen für die Beantwortung dieser Frage bietet die Theorie regionaler Sicherheitskomplexe von Barry Buzan und Ole Wæver, bei der die Region als Analyseebene der internationalen Sicherheitsbeziehungen im Mittelpunkt steht. Die Theorie löst sich vom Staat als alleinigem Referenzobjekt und sieht Sicherheit nicht mehr als reale, objektive Größe an, sondern als ein gesellschaftliches Konstrukt. Vor diesem Hintergrund lautet die zentrale Forschungsfrage: Stellt die Afrikanische Union einen regionalen Sicherheitskomplex im Sinne der Theorie von Buzan und Wæver dar? Oder wird die afrikanische Sicherheitsarchitektur von mehreren kleineren subregionalen Sicherheitskomplexen dominiert? Im Ergebnis scheint sich in Afrika südlich der Sahara tatsächlich ein übergreifender regionaler Sicherheitskomplex gebildet zu haben, dem die regionalen Wirtschaftsgemeinschaften als Subkomplexe untergeordnet sind. Somit sollte über die Einführung einer entsprechenden Zwischenebene als fester Bestandteil der Theorie nachgedacht werden. Der Maghreb scheint sich jedoch nicht dem Sicherheitskomplex im restlichen Afrika unterordnen zu lassen, sondern sich verstärkt mit dem europäischen Sicherheitskomplex zu verzahnen. Es wird die Hypothese vertreten, dass diese Entwicklungen in der afrikanischen Sicherheitsarchitektur auf einen Paradigmenwechsel auf globaler sowie regionaler Ebene zurückzuführen sind. Demnach hätten die Konzepte der Schutzverantwortung, der Nichtgleichgültigkeit sowie der menschlichen Sicherheit die Sicherheitsdynamiken auf dem afrikanischen Kontinent derart beeinflusst, dass sich in Afrika südlich der Sahara ein regionaler Sicherheitskomplex bilden konnte.

Als junger Staatswissenschaftler führt Moritz Schuberth momentan im Rahmen seines Masterstudiums in Friedens- und Konfliktforschung ein Forschungsprojekt in Nairobis informellen Siedlungen durch. Dank zahlreicher Arbeits- und Studienaufenthalte in Frankre

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Leseprobe
Textprobe: Kapitel Aufteilung in Sicherheitssektoren: Die Einteilung in Sektoren dient der Unterscheidung militärischer, politischer, wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökonomischer Interaktionstypen. Dabei gibt es sowohl sektorspezifische Akteure und Referenzobjekte, als auch einige sektorübergreifende - klassischerweise der Staat. Sicherheit bezieht sich zwar in allen Sektoren auf das Überleben im Angesicht einer existentiellen Gefahr, doch variiert die entsprechende Definition einer solchen Gefahr je nach Sektor. Sektoren sind definiert als 'Ansichten des internationalen Systems durch eine Lupe, die einen bestimmten Aspekt der Beziehungen und Interaktionen unter all den Bestandteilen hervorhebt.' Der Fokus dieser Arbeit ist auf die Rolle der Afrikanischen Union als friedens- und sicherheitspolitischer Akteur gerichtet, genauer gesagt auf die Friedensmissionen in afrikanischen Staaten und auf die Frage, ob die Afrikanische Union in diesem Zusammenhang einen eigenständigen regionalen Sicherheitskomplex bildet. Da Friedensmissionen trotz ihrer Verzahnung mit politischen und wirtschaftlichen Interessen zu dem Bereich des militärischen Sektors gezählt werden, wird ein genauerer Blick auf diesen Sektor und den Staat als dessen Referenzobjekt geworfen, während die übrigen Sektoren nur in knapper Zusammenfassung vorgestellt werden. Der militärische Sektor: In diesem traditionellen Kernsektor der Sicherheitsstudien sind die Versicherheitlichungsprozesse am weitesten institutionalisiert. Der Militärsektor beschränkt sich nicht auf Sicherheit, sondern ist häufig eng mit politischen und wirtschaftlichen Beziehungen verknüpft. Friedensmissionen westlicher Staaten in Konfliktregionen Afrikas sind in der Regel nicht als Reaktionen auf eine tatsächliche militärische Gefahr für die nationale Sicherheit zu bewerten, sondern als außenpolitisches Instrument zu sehen, wobei in einigen Fällen auch wirtschaftliche Interessen in der Region eine Rolle spielen. Militärische Sicherheit bezieht sich klassischerweise auf die Fähigkeit von Regierungen, äußere und innere militärische Bedrohungen abzuwehren, doch wird Militärgewalt häufig auch gegen nichtmilitärische Gefahren wie Immigranten oder abweichende Ideologien eingesetzt. In Bezug auf interne Gefahren verweist die militärische Sicherheit in erster Linie auf die Fähigkeit der Führungselite, zivilen Frieden und territoriale Integrität zu gewährleisten und die Regierung gegen Aufruhr aus der Bevölkerung zu schützen. Als typische innere Gefahren gelten Terroristen, organisierte Kriminalität oder extremistische Separatistenbewegungen, doch können auch unbewaffnete Gruppen, welche die staatliche Autorität oder den Rechtsstaat herausfordern, versicherheitlicht werden. Bei der Versicherheitlichung externer militärischer Gefahren findet ein Wechselspiel zwischen zwei Ebenen statt: Die objektive Ebene deckt das tatsächliche Leistungsvermögen der Streitkräfte ab, während auf subjektiver Ebene die Vorstellungen bezüglich der militärischen Mittel und der Absichten des Gegenübers im Vordergrund stehen. Externe Gefahren reichen von vollständiger Vernichtung über die Ausübung von Zwang etwa durch Kanonenbootpolitik bis zu möglichen Entwicklungen in der Zukunft, wie das potentielle Aufrüsten von Konkurrenten. Referenzobjekte und Akteure: Im militärischen Sektor ist der Staat traditionell das einzige legitimierte Referenzobjekt und seine politischen Führungskräfte stellen die wichtigsten Akteure der Versicherheitlichung dar. Das Gebot der Exklusivität besagt dabei, dass jede Einheit - also in diesem Fall der Staat - Mitglied in genau einem Sicherheitskomplex ist oder aber als Isolator zwischen mehreren Sicherheitskomplexen als eine Art Puffer wirkt. Das Westfälische Nationalstaatsmodell hat sich in den westlichen Staaten zwar weitgehend durchgesetzt, doch da in großen Teilen Afrikas starke Spannungen zwischen Herrschern und Beherrschten bestehen, dienen dort auch alternative Einheiten wie staatenlose Nationen oder Volksstämme als Referenzobjekt. Staaten definieren sich durch Souveränität, die sich wiederum unter anderem auf ein Territorium stützt, welches durch das Militär gegen bewaffnete Herausforderer verteidigt werden soll. Ist der Staat allerdings zu schwach, wie es in einigen Regionen Afrikas der Fall ist, übernehmen nichtstaatliche Akteure wie Warlords, Milizen oder Gangs die Gewalt. Diese können entweder im Namen des Staates agieren oder aber eigenständige Sicherheitseinheiten als Referenzobjekt benutzen. Wird der Staat als Referenzobjekt angeführt, existieren klar definierte Regeln, wer als Repräsentant im Namen des Staates den Sprechakt erfolgversprechend ausführen kann. Für weniger institutionalisierte Einheiten, wie zum Beispiel Nationen, gelten weniger klare Regeln, wobei die Legitimität und damit letztlich auch die Erfolgschancen des Versicherheitlichungsversuches von der Unterstützung abhängen, die dafür mobilisiert werden kann. Staatsrepräsentanten oder zwischenstaatliche Organisationen wie die Vereinten Nationen und die Afrikanische Union können sich bei ihrem Sprechakt darüber hinaus auf abstrakte, kollektive Prinzipien als Referenzobjekt beziehen. Da auch nichtstaatliche Akteure wie Volksstämme, Gangs oder extremistische Separatistenbewegungen häufig klar definierte hierarchische Strukturen aufweisen, existieren exakte Regeln darüber, wer zur Durchführung der Versicherheitlichung bevollmächtigt ist.
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