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E-Book

Die Amazonen

Töchter von Liebe und Krieg

AutorHedwig Appelt
Verlagwbg Theiss
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl200 Seiten
ISBN9783806223491
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis7,99 EUR
Diese einzigartige Nacherzählung eines uralten Mythos schildert die Herkunft und Geschichte der Amazonen. Einfühlsam zeichnet Hedwig Appelt das dramatische Schicksal der drei großen Königinnen Hippolyte, Penthesilea und Thalestris nach, die letztlich an ihrer verbotenen Liebe zu den griechischen Helden Theseus, Achilles und Alexander dem Großen zugrunde gehen. Doch die Amazonen verharren nicht in der Antike: Warum erhielt der Fluss in Südamerika seinen mythischen Namen? Was hat es mit den afrikanischen Amazonen auf sich und warum spielen die exotischen Kriegerinnen gerade in der heutigen Medienwelt eine so große Rolle? Appelts Erzählung folgt streng historischen Quellen, ist dabei aber so lebendig und spannend geschrieben, dass man das Buch - einmal begonnen - nicht wieder weglegen wird!

Die Literaturwissenschaftlerin Hedwig Appelt beschäftigte sich in ihrer Doktorarbeit mit der Frau in der Literatur. Heute ist die passionierte Reiterin als Werbetexterin tätig.

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Leseprobe

Der Mythos der Amazonen – Ein Gang durch die Jahrhunderte


Die Amazonen vom Amazonas


Fast 7 000 Kilometer lang ist der Lauf des Amazonas durch den südamerikanischen Kontinent, und ein Fünftel des gesamten Süßwassers der Erde ergießt sich durch sein Mündungsdelta in den Atlantik. Von etwa 100 000 Nebenflüssen, die in ihn münden, sind allein 17 über 1 600 Kilometer lang. Der Amazonas ist ein Fluss, aber auch eine riesige Wasserlandschaft, die ständigem Wandel unterliegt. Bei Hochwasser kann er sich auf 120 Kilometer Breite ausdehnen, überschwemmt große Gebiete seines mehr als sieben Millionen Quadratkilometer großen Beckens und teilt sich in zahllose Nebenarme auf. Sein Mündungsdelta hat eine Breite von mehreren hundert Kilometern.

Lange Zeit konnte man sich nicht erklären, wie Meeresbewohner in den Amazonas kommen. Haie, Rochen, Seezungen und Garnelen leben hier tausende von Kilometern von der Meeresküste entfernt. Warum sind diese Meerestiere so weit in den Fluss hineingeschwommen, wo sie doch eigentlich im Salzwasser leben? Die Antwort gibt die Geologie: Bevor die Anden sich auffalteten, floss der Amazonas in umgekehrter Richtung nach Westen, zum Pazifik hin. Vor 70 Millionen Jahren versperrten die Anden dann „plötzlich“ den Weg zurück ins Meer, und auch der Fluss musste die Strömungsrichtung umkehren. Was im damaligen Mündungsgebiet gelebt hatte und überleben wollte, musste sich dem Süßwasser anpassen.

Der heutige Amazonas entspringt auf den peruanischen Hochebenen, wo aus den Felswänden des Nevado Mismi in 5 500 Metern Höhe feine Rinnsale sickern. Ihre Fließrichtung ist vorgezeichnet. Obwohl der Pazifik ganz nahe ist, nur 200 Kilometer westlich, müssen sie nach Osten abfließen, weil sie auf der Ostseite der Wasserscheide entspringen. Auf ihrem Weg vereinigen sie sich zu einem Gebirgsbach, der als Quellfluss des Amazonas gilt: zum Rio Hornillos.

Über die Quelle selbst findet man heute noch unterschiedliche Angaben. Wurde sie 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt oder 1953 von Michel Perrin? Oder doch erst 1972 von Loren McIntyre? Vielleicht ist gar 2001 das korrekte Datum? Oder ist immer noch ungeklärt, wo genau der gewaltige Fluss entspringt? Von seinem Anfang bis zum Ende ist der Amazonas ein Geäder aus feinsten Kapillaren, Arterien, Venen und einer Hauptschlagader. Sein Wasser, das helle aus den Anden und das dunkle aus Guyana, ist das Blut der Erde. Die Arestöchter könnten stolz darauf sein, dass dieser Fluss ihren Namen trägt.

 

Diejenigen, die an Weihnachten des Jahres 1541 aufbrachen, um auf dem Hochland der Anden nach den legendären Zimtwäldern zu suchen, dachten bestimmt nicht an Amazonen. Zimt galt im Europa des 16. Jahrhunderts als eines der kostbarsten Gewürze. Es wurde als Antiseptikum wie auch als Stimulans benutzt und mit Gold aufgewogen. Wer über die Zimtwälder verfügte, hatte eine unerschöpfliche Einnahmequelle und konnte sich unermesslichen Reichtum sichern.

Aus diesem Grund genehmigte im Jahr 1540 der spanische König dem Konquistador Gonzalo Pizarro eine Expedition ins unerforschte Innere von Südamerika. Beide wussten nicht, dass Zimtbäume nur in Asien wachsen. Zudem hatte Pizarro den König nicht informiert, dass er die Zimt-Expedition auch zur Suche nach dem sagenhaften Goldland El Dorado nutzen wollte. Die Berge von Gold, die von den Spaniern im alten Inka-Reich oder in den angrenzenden Gebieten vermutet wurden, waren noch immer unentdeckt, und Gonzalo Pizarro hatte die Hoffnung, sie im Landesinneren zu finden.

Die Fabel von El Dorado kursierte seit dem Beginn des 16. Jahrhunderts, als große Expeditionen zum Ostteil der Anden durchgeführt wurden. Gonzalo Pizarro hielt schon 1539 Ausschau nach einem mächtigen Fürsten, von dem das Gerücht ging, er lebe in einem Land mit unermesslich großen Goldvorkommen und zeige sich bei öffentlichen Feiern vollständig von Goldstaub bepudert, sodass er aussehe wie eine Statue aus Gold. Ursprünglich nannte man ihn „el dorado“, was übersetzt „der Vergoldete“ heißt, doch bald wurde der Begriff ausgedehnt auf ein ganzes Land mit einer goldenen Hauptstadt, erbaut auf einem gewaltigen See und umgeben von Bergen, die angeblich so viel Gold und Edelsteine in sich bargen, dass sie in blendendem Glanz erstrahlten.

Pizarro zur Seite stand sein Vetter, der spanische Offizier Francisco de Orellana. Als Chronist der Reise begleitete der Dominikanerpater Gaspar de Carvajal die Expedition. Ihr gehörten weitere 350 Spanier an, davon 200 Reiter und 150 Fußsoldaten, sowie 4 000 Indianer als Lastenträger. 2 000 Bluthunde wurden zum Schutz gegen die Eingeborenen mitgenommen, dazu 2 000 Lamas und ebenso viele Schweine als lebender Proviant.

Die Expedition startete in Quito, Ecuador. Gleich zu Beginn der Reise gab es ein Erdbeben, Schlammlawinen rissen Hänge samt Bäumen mit sich, und vor den Augen der Männer versank ein ganzes Indianerdorf. Quälend langsam erreichte man die eisigen Höhen der Anden, bei deren Überquerung die Ersten erfroren. Der Abstieg in den feuchtheißen Dschungel bedeutete keine Erleichterung, sondern das andere Extrem an Belastung. Die Hochland-Indianer waren an dieses Klima nicht gewöhnt und starben zu Hunderten. Pizarro, maßlos enttäuscht darüber, dass er nach wochenlangem Marsch weder auf Zimt noch Gold gestoßen war, trieb die erschöpften Träger vorwärts. Als sie nicht mehr konnten, hetzte er Bluthunde auf sie und ließ anschließend diejenigen, die das Gemetzel überlebt hatten, bei lebendigem Leib verbrennen. Doch seine Hoffnung, nach dieser Demonstration der Grausamkeit schneller ans Ziel zu kommen, trog. Der Tod dezimierte die Zahl der Expeditionsteilnehmer mit jedem Tag. Das mörderische Klima, die Unkenntnis des Dschungels und seiner Gefahren sowie die vielen Flussüberquerungen, bei denen die Träger vom Gewicht ihrer Last unter Wasser gedrückt wurden und ertranken, machte die stattliche Expedition peu à peu zu einem Zug der Verlorenen. Der Regen ließ die Hemden der Ritter unter ihren Rüstungen faulen, und die Männer hungerten inmitten der üppigen tropischen Vegetation. Die mitgebrachten Lebensmittel verdarben im Regen, Schweine und Lamas waren bereits verzehrt, und auch die Überfälle auf Indianerdörfer brachten nicht genug ein, sodass sie begannen, ihre Hunde und Pferde zu schlachten. Danach blieben nur noch Schlangen und Molche, Wurzeln, Blätter und unbekannte Früchte. Jede Mahlzeit war eine Art russisches Roulette, weil keiner wusste, was giftig oder genießbar war.

 

Aus den Eroberern waren vom Dschungel Eroberte geworden, die längst aufgehört hatten, ihre vielen Toten zu begraben. Fast ein Jahr lang irrten sie schon durch die Wildnis, immer wieder hieß es, Zimt und Gold warteten hinter dem nächsten Stück Urwald, der nächsten Biegung des Flusses. Und immer noch befand sich die Expedition erst östlich der Anden am Oberlauf des Napo.

Angesichts dieser aussichtslosen Lage entschied sich Pizarro, die Expedition auf dem Wasserweg voranzubringen. Ein Schiff könnte die Transportprobleme lösen, die durch den Verlust von Trägern und Lasttieren entstanden waren. Gleichzeitig würde es vor Indianerangriffen schützen. So begannen die Männer mitten im Dschungel mit dem Schiffbau, brannten Kohle und schmiedeten Eisen, benutzten die Nägel und Nieten aus den Hufeisen der geschlachteten Pferde zum Befestigen der Planken, verwendeten Baumgummi statt Teer, als Werg die zerschlissenen Hemden und Ponchos.

Als das Schiff, die San Pedro, fertig war, passten nicht alle hinein, sodass sich ein Teil der Expedition am Ufer entlang weiter einen Weg durch den Dschungel bahnen musste. Und wieder ging es nur quälend langsam vorwärts, weil das Schiff ständig auf den Fußtrupp warten musste.

Da fassten Pizarro und Orellana den Entschluss, sich zu trennen. Orellana sollte mit einigen wenigen Männern den Fluss hinunterfahren, Nahrungsvorräte an Bord nehmen, zuverlässige einheimische Führer ausfindig machen und dann zu Pizarros Lager zurückkehren. Genau ein Jahr nach dem Aufbruch in Quito, am Weihnachtstag 1542, bestieg der kleine Spähtrupp das Boot und fuhr flussabwärts.

Obwohl die Mannschaft immer noch Gürtel und Schuhsohlen auskochen musste, um etwas Fett in die Suppe aus Kräutern zu bekommen, weckte allein das Tempo der Fahrt neue Hoffnung. Statt sich Meter für...

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