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Die Bhagavad Gita

Die Quelle der indischen Spiritualität. Eingeleitet und übersetzt von Eknath Easwaran

VerlagGoldmann
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl320 Seiten
ISBN9783641089078
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis8,99 EUR
Die bedeutendste Quelle indischer Spiritualität
Die Bhagavadgita gilt als das grundlegende mystischspirituelle Werk der Inder. Entstanden vor Tausenden von Jahren, diskutiert und kommentiert die Gita grundlegende Seinsfragen wie Liebe, Freundschaft, Tod, Sinn und Ziel des Lebens und den Zyklus der Wiedergeburten. Easwaran schafft den Zugang zu diesem Werk von seiner historischen Bedingtheit her, aber er erschließt auch die universelle Gültigkeit und Zeitlosigkeit seiner Lehren.

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Leseprobe

2

Selbstverwirklichung

SANJAYA

1Dieses sind die Worte, die Sri Krishna zu dem verzweifelten Arjuna sprach, dessen Augen von Tränen des Mitleids und der Verwirrung brannten.

KRISHNA

2Diese Verzweiflung und Schwäche in einer Krisenzeit sind armselig und deiner nicht würdig, Arjuna. Wie bist du in einen Zustand verfallen, der so weit entfernt ist vom Weg zur Befreiung? 3Es steht dir nicht, dieser Schwäche nachzugeben. Erhebe dich mit tapferem Herzen und vernichte den Feind.

ARJUNA

4Wie kann ich mich je dazu durchringen, gegen Bhishma und Drona zu kämpfen, die verehrungswürdig sind? Wie könnt’ ich’s, Krishna? 5Sicherlich wäre es besser, mein Leben bettelnd hinzubringen, als diese großen und würdigen Seelen zu töten! Tötete ich sie, dann wären alle Genüsse, die ich fände, besudelt. 6Ich weiß nicht einmal, was besser wäre: dass wir sie besiegen oder dass sie uns besiegen. Die Söhne des Dhritarashtra haben sich uns entgegengestellt; aber warum sollten wir gern leben wollen, wenn wir sie denn töteten?

7Mein Wille ist gelähmt, und ich bin äußerst verwirrt. Sag mir, welches der bessere Weg für mich ist. Lass mich dein Schüler sein. Ich bin dir zu Füßen gefallen; gib mir Unterweisung. 8Was kann einen Kummer bezwingen, der all meine Lebenskraft zehrt? Selbst Macht über Menschen und Götter oder der Reichtum eines Weltreichs erscheinen leer.

SANJAYA

9So sprach Arjuna, der große Krieger, zu Sri Krishna. Mit den Worten: »O Krishna, ich werde nicht kämpfen«, verstummte er. 10Während sie zwischen den beiden Heeren verharrten, antwortete Sri Krishna, lächelnd, dem in Verzweiflung zusammengesunkenen Arjuna.

KRISHNA

11Du sprichst aufrichtig, aber für deinen Kummer gibt es keinen Grund. Die Weisen grämen sich weder wegen der Lebenden noch wegen der Toten. 12Es hat nie eine Zeit gegeben, wo du und ich und die hier versammelten Könige nicht existiert haben, noch wird es je eine Zeit geben, wo wir aufhören werden zu existieren. 13Wie derselbe Mensch durch Kindheit, Jugend und Alter hindurch den Körper bewohnt, so erlangt er auch zum Zeitpunkt des Todes einen anderen Körper. Die Weisen lassen sich durch diese Veränderungen nicht täuschen.

14Wenn die Sinne mit Sinnesobjekten in Berührung kommen, erfährt ein Mensch Kälte oder Hitze, Lust oder Schmerz. Diese Erfahrungen sind flüchtig; sie kommen und gehen. Ertrage sie geduldig, Arjuna. 15Jene, die von diesen Veränderungen unbeeinflusst sind, die dieselben sind in Lust und Schmerz, sind wahrhaft weise und taugen für die Unsterblichkeit. Behaupte deine Stärke und erfasse dies!

16Das Vergängliche hat keine Wirklichkeit; die Wirklichkeit liegt im Ewigen. Jene, welche die Grenze zwischen diesen beiden erschaut haben, sind ans Ende allen Wissens gelangt. 17Erfasse das, was das Universum durchwaltet und unzerstörbar ist; keine Macht kann diese unveränderliche, unvergängliche Wirklichkeit beeinträchtigen. 18Der Körper ist sterblich, aber das, was im Körper wohnt, ist unsterblich. Daher kämpfe in dieser Schlacht, Arjuna.

19Einer glaubt, er sei der Töter, ein andrer glaubt, er sei der Getötete. Beide sind unwissend. Es gibt weder Töter noch Getöteten. 20Du wurdest nie geboren, du wirst nie sterben. Du hast dich nie verändert; du kannst dich nie verändern. Ungeboren, ewig, unwandelbar, unvordenklich, stirbst du nicht, wenn der Körper stirbt. 21Das erfassend, was unzerstörbar, ewig, ungeboren und unveränderlich ist – wie kannst du töten oder einen anderen veranlassen zu töten?

22So wie einer zerschlissene Kleider ablegt und neue erwirbt, wird, wenn der Körper zerschlissen ist, vom Selbst, dem Atman, der im Innern lebt, ein neuer erworben.

23Das Selbst kann nicht von Waffen durchbohrt oder von Feuer verbrannt werden; Wasser kann es nicht nässen, auch kann der Wind es nicht trocknen. 24Das Selbst kann nicht durchbohrt oder verbrannt, nass oder trocken gemacht werden. Es ist immerwährend und unendlich und steht auf den unbeweglichen Fundamenten der Ewigkeit. 25Das Selbst ist unmanifestiert, jenseits allen Denkens, jenseits aller Veränderung. Dies wissend, solltest du dich nicht grämen.

26O mächtiger Arjuna, auch wenn du glaubst, das Selbst sei Geburt und Tod unterworfen, solltest du dich nicht grämen. 27Der Tod ist unausweichlich für die Lebenden; die Geburt ist unausweichlich für die Toten. Da beide unvermeidlich sind, solltest du nicht bekümmert sein. 28Jedwedes Geschöpf ist zuerst unmanifestiert und erlangt dann Manifestierung. Wenn sein Ende gekommen ist, wird es abermals unmanifestiert. Was gibt es daran zu beklagen?

29Die Herrlichkeit des Selbst wird von einigen geschaut, und einige beschreiben sie; einige hören zu, aber viele ohne Verständnis. 30Das Selbst aller Wesen, das im Körper lebt, ist ewig und kann nicht verletzt werden. Sei daher unbekümmert.

31Mit Rücksicht auf deinen Dharma solltest du nicht schwanken. Für einen Krieger ist nichts höher als ein Krieg gegen das Böse. 32Der Krieger, der sich mit einem solchen Krieg konfrontiert sieht, sollte sich freuen, Arjuna, denn er kommt durch ein offenes Tor zum Himmel. 33Wenn du aber nicht an diesem Krieg gegen das Böse teilnimmst, wirst du dir Sünde aufladen, indem du gegen deinen Dharma und deine Ehre verstößt.

34Die Geschichte von deiner Unehre wird endlos weitererzählt werden: Und für einen Mann der Ehre ist Unehre schlimmer als der Tod. 35Diese tapferen Krieger werden denken, dass du dich aus Angst aus der Schlacht zurückgezogen hast, und jene, die dich vormals hoch schätzten, werden dich mit Nichtachtung behandeln. 36Deine Feinde werden deine Stärke verspotten und Dinge sagen, die nicht gesagt werden sollten. Was könnte schmerzlicher sein als dies?

37Tod bedeutet die Erlangung des Himmels; Sieg bedeutet den Genuss der Erde. Darum erhebe dich, Arjuna, zum Kampf entschlossen! 38Nachdem du dich gleich gemacht hast in Vergnügen und Schmerz, Gewinn und Verlust, Sieg und Niederlage: Beteilige dich an dieser großen Schlacht, und du wirst befreit werden von Sünde.

39Du hast die verstandesmäßige Erklärung des Sankhya vernommen, Arjuna; höre jetzt die Prinzipien des Yoga. Durch deren Ausübung kannst du die Fesseln des Karma durchbrechen. 40Auf diesem Pfad wird Bemühung nie zunichte, und es gibt kein Misslingen. Schon ein bisschen Bemühen zu spirituellem Gewahrsein hin wird dich beschützen vor der größten Angst.

41Jene, die diesem Pfad folgen, tief im eigenen Innern beschließend, mich allein zu suchen, erlangen Zielstrebigkeit. Bei jenen, die keine Entschlossenheit haben, sind die Lebensentscheidungen vielverzweigt und endlos.

42Es gibt Unverständige, die blumige Worte sprechen und Freude finden am Buchstaben des Gesetzes, behauptend, es gebe nichts anderes. 43Ihr Herz ist voller selbstsüchtiger Begierden, Arjuna. Ihre Vorstellung vom Himmel ist ihre eigene Ergötzung, und das Ziel all ihrer Tätigkeiten ist Genuss und Macht. Die Frucht ihrer Handlungen ist fortwährende Wiedergeburt. 44Jene, deren Verstand durch die Jagd nach Genuss und Macht weggefegt wird, sind außerstande, dem höchsten Ziel zu folgen, und werden nicht Samadhi erlangen.

45Die heiligen Schriften beschreiben die drei Gunas. Aber du solltest frei sein vom Wirken der Gunas, in ewiger Wahrheit fest gegründet, selbstbeherrscht, ohne irgendein Dualitätsempfinden oder das Verlangen, zu erwerben und zu horten.

46Genauso wie ein Wasserspeicher von geringem Nutzen ist, wenn die ganze Landschaft überflutet ist, sind heilige Schriften von geringem Nutzen für den Erleuchteten oder die Erleuchtete, der/die den Herrn überall schaut.

47Du hast das Recht auf Arbeit, aber nie auf die Frucht von Arbeit. Du solltest dich nie auf Handeln um des Lohnes willen einlassen, noch solltest du nach Untätigkeit Verlangen haben. 48Vollbringe Arbeit in dieser Welt, Arjuna, als ein in sich gegründeter Mann – ohne selbstsüchtige Anhaftungen und in Erfolg und Niederlage gleich. Denn Yoga ist vollkommene Ebenheit des Geistes.

49Suche Zuflucht in der Grundhaltung der Losgelöstheit, und du wirst den Reichtum spirituellen Gewahrseins ansammeln. Jene, die nur vom Verlangen nach den Früchten des Handelns motiviert sind, sind armselig, denn sie machen sich ständig Sorgen um die Resultate dessen, was sie tun. 50Wenn jedoch das Bewusstsein vereinheitlicht ist, wird alle nutzlose Besorgnis zurückgelassen. Es gibt keinen Grund zur Beunruhigung, ob die Dinge nun gut oder schlecht laufen. Widme dich daher den Übungsdisziplinen des Yoga, denn Yoga ist Geschicklichkeit im Handeln.

51Die Weisen vereinheitlichen ihr Bewusstsein und geben die Anhaftung an die Früchte des Handelns auf, die einen Menschen an fortwährende Wiedergeburt fesselt. Somit erlangen sie einen Zustand jenseits allen Übels.

52Wenn dein Geist die Verwirrung der Dualität überwunden hat, wirst du den Zustand heiliger Gleichgültigkeit erreichen, gegenüber Dingen, die du hörst, und Dingen, die du gehört hast. 53Wenn du unbewegt bist von der...

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