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Die Deutschen im Osten Europas

Eroberer, Siedler, Vertriebene - Ein SPIEGEL-Buch

AutorAnnette Großbongardt, Norbert F. Pötzl, Uwe Klußmann
VerlagDVA
Erscheinungsjahr2011
Seitenanzahl304 Seiten
ISBN9783641068264
FormatePUB
KopierschutzDRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis9,49 EUR
Zwischen Eroberung und Vertreibung - die Geschichte der Deutschen im Osten Europas
Seit dem Mittelalter strömten deutsche Siedler in die Provinzen zwischen Ostsee und Schwarzem Meer, um hier Land zu bewirtschaften, Handel zu treiben oder als Beamte zu dienen, häufig auf Einladung der dortigen Herrscher. Die Deutschen im Osten Europas waren Teil einer gezielten Expansion und Kolonisation, welche die Deutschordensritter auch mit Gewalt durchsetzten. Jahrhundertelang lebten so Deutsche neben Polen, Ungarn, Tschechen, Letten und Russen, häufig als Siedler »deutschen Rechts«. Erst durch den anschwellenden Nationalismus des 19. Jahrhunderts gerieten die Deutschen und ihre osteuropäischen Nachbarn in das Fahrwasser ethnischer Konflikte, die in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs, in Flucht und Vertreibung mündeten. In Reportagen, Porträts und Überblicksdarstellungen betrachten SPIEGEL-Autoren und Historiker die gesamte Geschichte deutscher Existenz in Europas Osten - und schreiben so die Chronik einer schwierigen Vergangenheit.


Annette Großbongardt, geboren 1961, ist stellvertretende Ressortleiterin des Deutschlandressorts beim SPIEGEL. Seit 1993 arbeitet sie für das Nachrichtenmagazin, zunächst als Redakteurin im Deutschlandressort, dann von 1998 bis 2007 als Korrespondentin in Jerusalem und Istanbul. Von 2011 bis 2015 war sie stellvertretende Ressortleiterin der Sonderthemen. Bei DVA hat sie u. a. die SPIEGEL-Bücher 'Jesus von Nazareth' (2012) und 'Leben im Mittelalter' (2014) herausgegeben.

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Leseprobe
TEIL IV SCHATTEN DER VERGANGENHEIT (S. 185-186)

Hitlers letzte Opfer

Nach dem Verlust ihrer Heimat wurden zwölf Millionen Vertriebene auch von ihren Landsleuten im Westen ausgegrenzt. Politiker und Flüchtlingsfunktionäre nährten lange die illusionäre Hoffnung auf eine Rückkehr.
Von Norbert F. Pötzl

Jahrelang hatte der Propagandaminister die »Volksgemeinschaft« beschworen, die auch in der Not zusammenstehe. Das deutsche Volk, hatte Joseph Goebbels wenige Wochen nach Kriegsbeginn im Berliner Sportpalast ausgerufen, habe »mehr als einmal unter Beweis gestellt, dass es bereit ist, für seine nationale Gemeinschaft jedes Opfer auf sich zu nehmen«. Und im September 1940 hatte er bei der Eröffnung des »2. Kriegswinterhilfswerks« die »soziale Volksgemeinschaft« als »das höchste Glück« gerühmt.

Als Goebbels aber im März 1945 in Brandenburg Trecks von Volksdeutschen begegnete, die die Nazis einst von Russland nach Polen umgesiedelt hatten und die nun vor der Roten Armee westwärts flohen, notierte er angewidert in sein Tagebuch: »Was da unter der Marke deutsch in das Reich hineinströmt, ist nicht gerade erheiternd.« Nach dem Ende des Krieges war von der oft gepriesenen Solidarität auch im Volk nicht mehr viel übrig.

Als Millionen Vertriebene und Flüchtlinge aus den Siedlungsgebieten im Osten verjagt wurden und in das zerstörte Rest-Deutschland drängten, waren sie für die meisten Einheimischen keine Landsleute mehr, sondern unerwünschte Fremdlinge. Sie wurden als »Polacken« beschimpft, obwohl sie gerade wegen ihres Deutschseins aus der angestammten Heimat ausgewiesen worden waren. Vertriebenensiedlungen wurden als »Neukorea« oder »Bolschewikien« verspottet.

Der Flensburger Landrat Johannes Tiedje grenzte sich gar mit rassistischen Klischees von den unfreiwillig Zugezogenen ab: Er legte dar, »dass wir Niederdeutschen und Schleswig-Holsteiner ein eigenes Leben führen, das in keiner Weise sich von der Mulattenzucht ergreifen lassen will, die der Ostpreuße nun einmal im Völkergemisch getrieben hat«. Das Gift der Nazi-Propaganda, jahrelang gegen osteuropäische »Untermenschen« verspritzt, wirkte nun auch gegen die Deutschen, die aus dem Osten kamen. Selbst die alliierten Besatzer, die dem NSMythos der deutschen »Volksgemeinschaft« aufgesessen waren, wunderten sich über das Ausmaß der Feindseligkeit und Ausgrenzung.
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