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Die eingleisige 3. Fußball-Liga in Deutschland

Eine Analyse aus sportlicher und ökonomischer Sicht

AutorBenjamin Michel
VerlagGRIN Verlag
Erscheinungsjahr2012
Seitenanzahl102 Seiten
ISBN9783656127659
FormatPDF/ePUB
Kopierschutzkein Kopierschutz/DRM
GerätePC/MAC/eReader/Tablet
Preis29,99 EUR
Masterarbeit aus dem Jahr 2011 im Fachbereich Sport - Sportökonomie, Sportmanagement, Note: 1,3, Hochschule Heilbronn; Künzelsau, Sprache: Deutsch, Abstract: Die zur Saison 2008/2009 neu eingeführte 3. Liga geht im Juli 2011 in ihre vierte Spielzeit. Bereits im September 2006 begann, durch einen außerordentlichen Beschluss im DFB-Bundestag, mit der 3. Liga ein neues Kapitel im deutschen Fußball. So wurde eine dritte bundesweite professionelle Spielklasse hinter der 1. und 2. Bundesliga eingeführt, mit dem Ziel den Abstand zur 2. Bundesliga zu verringern. Die Vereine erhofften sich durch diese Reform mehr Einnahmen, professionellere Rah-menbedingungen, höhere Fernsehgelder, attraktivere Spiele und höhere Zuschauerzah-len. Doch sind diese Erwartungen bisher Erfüllt worden? Der DFB präsentierte die Einführung der 3. Liga als ein Erfolgsmodell. Die neu einge-führte Spielklasse sei ein hochwertiger Wettbewerb und ein absolutes Premiumprodukt. Marketing-Direktor Denni Strich erklärte nach der Premierensaison, dass die 3. Liga vom Umsatz her die drittstärkste Liga aller Sportarten in Deutschland sei. Die Realität sieht allerdings anders aus. Manche Vereine vermelden Rekordumsätze, während beispielsweise Wacker Burghausen bereits zum zweiten Mal binnen drei Jahre sportlich abgestiegen wäre und nur von Insolvenzen der Konkurrenz profitierte. Schlechte Stimmung zwischen den Drittligisten und dem DFB, ein negatives Image sowie schlechte Presse über die 3. Liga zeigen, dass zwischen Anspruch und Wirklich-keit eine Lücke klafft. Wolfgang Niersbach spricht von der 'bestdotierten 3. Liga der Welt' doch die Vereine klagen über zu geringe Fernseheinnahmen. Auch die Lizenzie-rungssituation sorgt regelmäßig für Ärger unter den beteiligten Seiten. Aus besagten Gründen hat sich der Verfasser dieser Masterthesis zum Ziel gesetzt, die eingleisige 3. Fußball-Liga in Deutschland seit der Einführung 2008 sowohl aus sportli-cher als auch aus ökonomischer Sicht zu analysieren, Probleme zu erörtern und Mög-lichkeiten aufzuzeigen.

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Leseprobe

2 Grundlagen


 

Im zweiten Kapitel dieser Masterthesis sollen die Grundlagen geklärt werden. Zunächst geht der Verfasser auf die Entwicklungen und den Ursprung des deutschen Fußballs näher ein, bevor die aktuelle Spielklassenstruktur näher beleuchtet wird. Aus den Erkenntnissen der Spielklassenstruktur in Deutschland wird die neue eingleisige 3. Profiliga im deutschen Männerfußball näher vorgestellt. Anschließend geht der Autor auf den DFB ein, der als übergeordneter Verband sowohl für die Vereine als auch für die Landesverbände eine wichtige Rolle spielt. Einen geschichtlichen Rückblick in die Historie der dritthöchsten deutschen Spielklasse runden die Grundlagen ab. Schließlich folgen ein Exkurs zur 2. Bundesliga und ein Exkurs zur Regionalliga ehe der Autor mit einer Zusammenfassung das zweite Kapitel beendet.

 

2.1 Der Deutsche Fußball


 

Fußball ist die Sportart Nr. 1 in Deutschland. Dies belegen nicht nur die Zahlen des DFB mit seinen Mitgliedern, Vereinen und Mannschaften, sondern auch die Tatsache des immer wieder ansteigenden Zuschauerinteresses der 1. Bundesliga, die das Aushängeschild des deutschen Fußballs darstellt. Laut DFL Angaben lag der durchschnittliche Zuschauerschnitt der 1. Bundesliga in der Saison 2009/2010 bei 41.802 Fans.[3] Dies waren zwar 0,34 % weniger als im Rekordjahr zuvor, was jedoch auf den kalten Winter und die Stadionumbaumaßnahmen zurückzuführen ist, dennoch ist und bleibt die Bundesliga die zuschauerstärkste Fußball-Liga der Welt. [4] Auch die 2. Bundesliga ist mit einem Zuschauerdurchschnitt von knapp 15.000 eine der besten zweiten Fußball-Ligen der Welt.[5]

 

Weiterhin ist mit der WM 2006 im eigenen Land ein regelrechter Bauboom nach neuen Stadien bzw. Umbauten entbrannt und das nicht nur in der Bundesliga. Selbst Jahre nach der WM werden immer wieder Stadien in Deutschlands Ligen renoviert bzw. neu gebaut. Der Komfort der neuen Stadien hebt die Attraktivität des Fußballs in Deutschland weiter an. Zusätzlich bieten die neuen Stadien erweiterte Vermarktungsmöglichkeiten für die Vereine und der Wirtschaft einen Aufschwung.

 

Der Fußball erlebt in Deutschland einen Stellenwert, der weit über den Fußball-Sport hinausreicht. Fußball in Deutschland ist vielfach Familiensache, besitzt Kult- und sogar Integrationsstatus. Nicht zuletzt auch durch die erfolgreiche WM 2010 in Südafrika bei der Khedira, Boateng oder Özil zu internationalen Stars aufstiegen. Was die Politik in Deutschland schon seit Jahren versucht, Migranten zu integrieren, gelingt dem Fußball Woche für Woche.

 

Weiterhin ist die sehr gute Jugendarbeit in Deutschland höchst bemerkenswert. Auch das Ausland hat dies bemerkt und beneidet Deutschland um die vielen Talente. Gerade im Bereich Nachwuchsförderung wurde in Deutschland die letzten zehn Jahre sehr viel getan. Verbesserte Schulungen in Technik, Taktik und Tempo hat den Vorsprung beispielsweise Italiens, Spaniens und Brasiliens minimiert bzw. egalisiert. Die Früchte wurden bei der Finalteilnahme von Bayern München in der Champions League, beim 3. Platz der DFB-Auswahl bei der WM 2010 und durch zahlreiche WM- und EM-Titel in den Jugendbereichen geerntet.

 

Stillstand ist Rückschritt, getreu diesem Motto und um die Jugendarbeit in Deutschland noch mehr zu fördern, wurde schließlich in der Saison 2008/2009 die 3. Liga eingeführt. Es sollte jungen Talenten der Sprung zwischen den Amateur-Klassen und den Bundesligen erleichtert werden. Prominentestes Beispiel hierfür war Thomas Müller, der als Spieler bei Bayern München II den Sprung in die 1. Mannschaft der Bayern geschafft hat, dort sich als Stammspieler etabliert hat und schließlich in die Nationalmannschaft berufen wurde, mit der er 2010 in Südafrika bei der Weltmeisterschaft Dritter wurde.

 

Im Folgenden geht der Autor nun näher auf die aktuelle Spielklassenstruktur in Deutschland ein.

 

2.2 Die aktuelle Spielklassenstruktur in Deutschland


 

Seit der Saison 2008/2009 hat der DFB[6] die Spielklassenstruktur in Deutschland neu konzipiert (siehe Abbildung 1). Dabei wird die erste deutsche Spielklasse seit ihrer Einführung 1963 als Fußball Bundesliga bezeichnet und startet mit 18 Teams. Sie ist die höchste deutsche Spielklasse und Aushängeschild des deutschen Fußballs. Der Gewinner dieser Spielklasse wird Deutscher Meister und nimmt somit automatisch an der UE- FA[7]-Champions-League teil. Die weitere internationale Beteiligung der deutschen Clubs ist von der UEFA-Fünfjahreswertung abhängig.

 

Hingegen sicher ist seit der Saison 2008/2009, dass zwei Teams die erste Fußball Bundesliga direkt in Richtung Zweitklassigkeit verlassen müssen. Der Drittletzte Club spielt dagegen in einem Vor- und Rückspiel gegen den Dritten der 2. Fußball Bundesliga über den Klassenerhalt order den dritten Absteiger aus der 1. Bundesliga (siehe Abbildung 1). Diese beiden Relegationsspiele waren seit der Saison 1990/1991 nicht mehr im Terminplan der DFL[8] bzw. des DFB, doch seit der Saison 2008/2009 sind diese Entscheidungsspiele nach der Saison wieder ein weiteres Highlight neben dem DFB-Pokalfinale.[9]

 

 

Abbildung 1 - Spielklassenstruktur in Deutschland ab der Saison 2008/2009

 

Quelle: eigene Darstellung

 

Aus der 2. Spielklasse, der 2. Bundesliga, steigen zwei Mannschaften direkt in die 1. Bundesliga auf, während ein Club in die oben genannte Relegation muss. Ebenfalls neu seit der Saison 2008/2009 ist die Abstiegsregelung in der zweiten Liga. Wohingegen vor der Saison 2008/2009 vier Mannschaften den bitteren Weg in die jeweiligen Regionalligen antreten mussten, ist es aktuell so, dass nur noch zwei Teams direkt in die 3. Liga absteigen. Die drittletzte Mannschaft der 2. Bundesliga spielt in zwei Relegationsspielen gegen den dritten der 3. Liga um den Auf- bzw. Abstieg oder Klassenverbleib. Die dritthöchste deutsche Spielklasse ist die 3. Liga. Sie wurde als 3. Profiliga zur Saison 2008/2009 neu eingeführt und spielt mit 20 Mannschaften, darunter sind auch II. Mannschaften der 1. oder 2. Bundesliga. Aus der 3. Liga steigen die zwei besten Mannschaften direkt in die 2. Bundesliga auf und das drittplatzierte Team geht in die Aufstiegsrelegation. Dagegen müssen die letzten drei Clubs den direkten Weg in die Regionalligen antreten.

 

Die 4. deutsche Spielklasse ist nicht wie die 1. bis 3. Liga deutschlandweit, sondern in die Regionalligen Nord, Süd und West aufgeteilt. In diesen 3 Staffeln mit je 18 Mannschaften steigt jeweils der Meister in die 3. Liga auf, während die drei letzten der Regionalliga Süd und West und die vier letzten der Regionalliga Nord direkt absteigen. In den Regionalligen gibt es keine Relegationsspiele.

 

Ab der 5. Spielklasse und darunter sind die jeweiligen Landesverbände für die Durchführung zuständig. Die ersten beiden deutschen Spielklassen werden seit 2001 von der DFL verwaltet und durchgeführt,[10] wohingegen die 3. Liga und die Regionalligen unter der Federführung des DFB liegen. Weiterhin nehmen alle Erst- und Zweitligisten am DFB-Pokal teil, während sich von der 3. Liga nur die ersten vier direkt qualifizieren.[11] Die restlichen Teams der 3. Liga, sowie alle Clubs unterhalb der 3. Liga müssen sich über die Pokalspiele ihrer Landesverbände für den DFB-Pokal qualifizieren.

 

2.3 Die neue eingleisige 3. Fußball-Liga


 

Im September 2006, auf einem außerordentlichen Bundestag des DFB in Frankfurt am Main, nahmen die Delegierten des DFB den Vorschlag der SpielklassenstrukturKommission an, eine neue, dritte Profiliga hinter der 1. und 2. Bundesliga zu etablieren.[12] Somit wurde beschlossen, die 3. Liga als stärkste Liga des DFB ab der Saison 2008/2009[13] mit den Zielen einer größeren Leistungskonzentration in der Spitze, einer erheblich stärkeren wirtschaftlichen und medialen Aufmerksamkeit, vermehrter Fernsehpräsenz und damit deutlich verbesserter Vermarktungsmöglichkeiten für die 20 qualifizierten Vereine zu schaffen.[14] Die Unterschiede zwischen der 2. Bundesliga und den Regionalligen sollten verringert werden. Durch die Annäherung der Ligen sollte es den Absteigern der 2. Bundesliga leichter fallen sich in der 3. Liga einzufinden, ebenfalls wie den Drittliga Aufsteigern, die somit nicht eine unbekannte neue Profi-Welt betreten müssen. DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger sagte kurz nach der Bekanntgabe der Neueinführung der 3. Liga, dass diese Liga ein großer Fortschritt sei. Sie gehöre zum Besten, was der Fußball in Deutschland zu bieten hätte und würde die Fans begeistern.[15] Der DFB hat somit seit der Saison 2008/2009 mit der 3. Liga ein weiteres Premiumprodukt neben dem DFB-Pokal.

 

Sportlich mussten sich die Teams der Regionalligen Nord und Süd in der Saison 2007/2008 also nicht nur um den Aufstieg in die 2. Bundesliga streiten, sondern auch um die Qualifikation zur neuen, 20 Mannschaften starken 3. Liga kämpfen, um in der Premierensaison der 3. Liga weiterhin drittklassig zu sein und nicht in die viertklassigen Regionalligen abzusteigen. Die erste Drittliga Saison 2008/2009 setzte sich somit aus den vier Absteigern der 2. Bundesliga, den Teams der Regionalliga Nord von Platz drei bis zehn und der Regionalliga Süd ebenfalls von Platz drei bis zehn der Saison...

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